Inhalt:
1 Einleitung 1
2 Geschichtliche Entwicklung des Mäzenatentums 2
2.1 Das antike Griechenland 2
2.2 Rom und Maecenas 2
2.3 Das Mittelalter 5
2.4 Die frühe Neuzeit bis zum Deutschen Kaiserreich 6
2.5 Die Moderne 9
3 Mäzen und Sponsor. Eine Abgrenzung 10
4 Wer wird Mäzen? Zur Motivlage 12
5 Mäzen versus Sponsor 13
6 Formen der Förderung 16
6.1 Die Förderung des Literaturproduzierenden 16
6.1.1 Förderung von literarischen Leistungen 16
6.1.2 Literaturpreise 17
6.1.3 Autorenausbildung 17
6.1.4 Monetäre und sachliche Unterstützung 17
6.2 Förderung von Literaturproduktion 18
6.2.1 Publikationsförderung 18
6.2.2 Verbesserung der Transparenz des Literaturmarktes 19
6.2.3 Literarische Breitenveranstaltungen 19
6.2.4 Literaturkritiken 19
7 Zusammenfassung 20
Literatur
II
„Sint Maecenates, non deerunt (...) Marones“ 1
1 Einleitung
Mäzene begegnen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder; sie fördern Künstler und ihre Kunst und haben somit einen wichtigen Anteil am künstlerischen und damit kulturellen Leben einer Nation. Pessimisten sehen das Mäzenatentum infolge der gesamtsozialen Entwicklung bereits gänzlich aus Europa verschwunden und glauben den Mäzen ganz mit dem antiken Griechenland und dem augusteischen Rom verbunden oder doch wenigstens mit der Renaissance oder dem Barock und nicht mit dem modernen Kapitalismus. 2 Die Motive der Mäzene sind dabei vielfältig, ihnen allen jedoch ist ge mein, daß sie die Kunst um der Kunst willen fördern; selbstlose und altruistische Motivation steht dabei im Vordergrund und nicht in erster Linie „Bereicherung“ oder „Gewinn“, was im allgemeinen dem Sponsor zugeschrieben wird. Um Beweggründe und Ausprägungen des Mäzenatentums klar werden zu lassen, muß natürlich auch der Mäzen vom Sponsor unterschieden werden und die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung von Schriftstellern aufgezeigt werden. Auch die Motive, von denen sich Mäzene leiten lassen, sollen in Kürze vorgestellt werden. Obwohl man heute gemeinhin nur noch Sponsoren zu treffen meint und sich der Begriff des Mäzens von einem Förderer aus der Zeit des römischen Prinzipats ableitet, gibt es sie bis heute. Daher soll die Geschichte des Mäzenatentums über die Jahrhunderte hinweg verfolgt werden und dabei sollen auch einige Mäzene und ihre Günstlinge exemplarisch vorgestellt werden. Die geschichtliche Entwicklung des Mäzenatentums erhebt dabei natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit; auch schon vor der klassischen Antike mag es Mäzene gegeben haben, denen an der Förderung von Kultur lag und auch außerhalb Europas finden sich schon seit langem Beispiele für mäzenatisches Handeln.
1 Martial 8,56,5: Wenn es Mäzene gibt, dann wird es auch an Vergilen nicht fehlen.
2 Vgl. dazu auch Wiese, S. 3f
1
2 Geschichtliche Entwicklung des Mäzenatentums
2.1 Das antike Griechenland
Das antike Griechenland brachte eine ganze Reihe herausragender Schriftsteller hervor; vermutlich gab es eine ganze Reihe von Autoren, die von adeliger Herkunft waren, so Alcaeus, Sappho, Ibycus und vermutlich auch Pindar 3 ; eine Vielzahl von Autoren waren jedoch auf Förderung angewiesen, da sie ihren Lebensunterhalt bestreiten mußten. Dabei ist besonders bemerkenswert, daß literarisches Schaffen und die Förderung der Kunst nicht so sehr mit der Demokratie, sondern in erster Linie mit der Tyrannis verbunden ist. Die Tyrannen waren die großen Gönner und Förderer der Kunst, dabei sind besonders stechen besonders zwei als Förderer von Literatur heraus: Polycrates von Samos und Hieron von Syracus, der Pindar bei sich am Hof aufnahm. Polycrates, der 540 v.Chr. Tyrann von Samos wurde, versammelte an seinem Hof berühmte Schriftsteller wie Ibycus und Anacreon; Ibycus verließ die Kolonie Rhegium in Italien, um an den Hof Polycrates zu kommen, wahrscheinlich sogar auf Einladung des Herrschers. Neben den Poeten versammelte der Tyrann auch Ärzte, Architekten und Bildhauer in seinem Palast. Ibycus schrieb einen Großteil seiner Choräle auf Samos, einige davon wohl auch auf Betreiben des Polycrates oder seines gleichnamigen Sohnes hin.
Deutlichere Einflüsse von „Auftraggebern“ finden sich im Hellenismus; so schreiben Theocrit und Callimachus Verse, in denen sie Hieron II und Ptolemäus Philadelphus feiern. Bemerkenswert ist, daß sich diese Gedichte qualitativ nicht von denen unterscheiden, die auf eigene Initiative der Poeten entstanden. 4
2.2 Rom und Maecenas
Obwohl in Rom auch schon vor der Zeit des Augustus Freunde der Dichtung die Poeten förderten, wie z.B. der jüngere Scipio, soll zunächst etwas näher auf Maecenas eingegangen werden, da sich der Terminus Mäzen sich von dem römischen Ritter Gaius Cilnius Maecenas (ca. 70 v.Chr. - 8v.Chr.) ableitet.
Maecenas entstammte einem vornehmen etruskischen Geschlecht aus Arretium (Arezzo); die Familie des Vaters war bereits seit Generationen in Rom ansässig und gehörte dem
3 Vgl. Gold, Literary Patronage, S. 18
2
Ritterstand an. Früh war er schon befreundet mit Octavian, so kämpfte er 42 bei Philippi auf Seiten der Triumvirn und erhielt für seine Verdienste das Vermögen des hingerichteten Republikaners Marcus Favonius. Im folgenden wurde er wiederholt mit diplomatischen Missionen betraut, so vermittelte er unter anderem zwischen Marcus Antonius und Octavian (40 v.Chr.) und war maßgeblich am Zustandekommen des Vertrages von Tarent (37 v.Chr.) beteiligt. Nach der Errichtung des Prinzipats und der Verleihung des Ehrentitels Augustus an Octavian blieb Maecenas dessen intimster Ratgeber, jedoch ohne jemals ein offizielles Amt zu bekleiden. Neben seinem immensem persönlichen Einfluß hatte er unbeschränkten Einblick in die Korrespondenz Augustus und durfte sogar seinen Siegelring benutzen; ab 46 v.Chr. vertrat er den Prinzipat sogar während dessen Abwesenheit in Rom. Maecenas versuchte sich selbst auch als Schriftsteller und verfaßte auch eigene Gedichte und Dialoge, darunter ein Symposion, in dem Vergil, Horaz und Mesalla auftreten, er konnte literarisch aber nicht überzeugen. So nannte Augustus Maecenas Werk „parfümiertes Stilgekräusel“ 5 ; seine Werke sind nur bruchstückhaft überliefert 6 und trotzdem konnte er als Schriftsteller die Schöpfungen seiner Schützlinge nicht nur fördern, sondern auch mit Sachverstand beurteilen.
Ungleich erfolgreicher war Maecenas bei der Förderung anderer: zu seinen Schützlingen gehörten einige der bedeutendsten Schriftsteller seiner Zeit wie zum Beispiel Vergil, Horaz oder Properz. 7
Maecenas Nachruhm beruht wohl vor allem auf der Verflechtung seines zielgerichteten Literaturmanagements mit der gesellschaftlichen Rolle als Staatsmann; Einfluß und kultureller Standard waren für ihn untrennbar verbunden. Die geistig - künstlerische Kommunikation der Literaten war für ihn ein Machtmittel und so zog er bereits bekannte und bewährte Dichter heran, um sie in die Bahnen der augusteischen Politik zu drängen und somit eine „offizielle Presse“ zu erzeugen. Dies gelang ihm jedoch nur in Maßen, denn die Dichter lassen sich nicht immer beeinflussen. „Ihre Gedichte sind - gleich der freundlich ausführlichen Darlegung des Properz: >>Heldengesänge zu dichten, suchst du mich stets zu bereden<< - voll von ausweichenden und entschuldigenden Absagen.“ 8 Die Verflechtung von privatem und öffentlichem Leben steigerte den Einfluß und die Macht des Maecenas; sein privates Wohl war untrennbar mit seiner gesellschaftlichen Aufgabe 4 Vgl. Gold, Literary Patronage, S. 18ff.
5 Sueton, De vita Caesarum 2,86,2
6 Vgl. Schmalzriedt
7 Quintus Horatius Flaccus (65 - 8 v.Chr.), Publius Vergilius Maro (70 - 19 v.Chr.), Sextus Propertius (?50 - ?15
v.Chr.)
8 Eppelsheimer, S. 120
3
verbunden. So kann Properz schließlich nichts Rühmlicheres finden als: „Er war einer der Freunde des Maecenas.“ 9 Fast jeder von Maecenas Schriftstellern lobt die guten Taten Maecenas 10 ; Horaz verehrt Maecenas und schreibt salbungsvolle Verse zu seinen Ehren:
Horaz, dessen Eltern Freigelassene waren, hätte ohne die Unterstützung Maecenas wohl kaum die Mittel gehabt, um als Literat tätig zu sein und dazu noch Grundbesitz erwerben können, wie das von ihm innig geliebte Sabinum, das sabinische Landgut, das Maecenas ihm zum Geschenk machte. Zuletzt bat dieser Augustus noch kurz vor seinem Tod: Des Horaz nimm dich an, als ob ich es selber wäre. 12
Obgleich nicht abschließend geklärt ist, ob Maecenas Gegenleistungen für seine Förderung erhalten hat und wenn ja, in welcher Form, zeugen doch die Schriften seiner Protegés immer noch von Maecenas Wirken. Durch sein Literaturengagement konnte er die gegensätzlichen Bereiche der Politik, Kultur und des sozialen Lebens verknüpfen. Die Literaturförderung als Kommunikationstechnik und Machtmittel wandten im folgenden auch andere an; so versammelten auch Justinian, Marc Aurel und Hadrian Dichter und Gelehrte um sich. 13
9 ebd. S. 121
10 Vgl. z.B. zu Properz „Lobeshymnen“ Gold, Propertius.
11 Horaz, Carmina 2,20: „Non usitata nec tenui ferar/pinna biformis per liquidem aethera/vatus neque in terris
morabor/ longius invidiaeque maior// urbis relinquem. Non ego, pauperum/sanguis parentum, non ego, quem
vocas,/ dilecte Maecenas obibo/ nec Stygia cohibebor unda.“ Übersetzung bei Färber, S. 103f.
12 Horati Flacci, ut mei, memor esto. Eppelsheimer, S. 121
13 Vgl. auch Pohl, S. 16 - 18
4
Arbeit zitieren:
Kathrin Lamm, 2003, Das Mäzenatentum, München, GRIN Verlag GmbH
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