Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 3
DIE GESCHICHTE DER SCHRIFT 4
Entwicklungsstufen 4
Die alteuropäische Schrift 4
Das Alphabet: eine schrifthistorische Revolution 5
Der Siegeszug des Alphabets 7
Zum Aufeinandertreffen von Schriftsystemen in der Welt 7
DER ÄGYPTISCHE SCHRIFTKULTURKREIS 8
Ägypten und die Hieroglyphenschrift 8
Verbreitung des Ägyptischen Schriftkulturkreises 10
DER GRIECHISCHE SCHRIFTKULTURKREIS 12
Griechenland - ein kurzer Abriss der Geschichte 12
Die Entstehung des griechischen Alphabets 13
ÄGYPTISCHER UND GRIECHISCHER SCHRIFTKULTURKREIS 14
Zwei Schriftsysteme treffen aufeinander 14
Beispiele griechischen Einflusses 15
Die koptische Epoche 15
Die Meroitische Schrift 17
SCHLUSS 19
LITERATURVERZEICHNIS 20
2
Einleitung
Die bedeutende Rolle der Schrift in der Entwicklung aller Kulturen der Erde ist unumstritten 1 . Die Fragen wie es zur Entwicklung dieses Mediums kam, warum der Mensch begann, Dinge die er sah und erlebte, auf ein eindimensionales Medium zu projizieren, oder wieso er Sachverhalte kommunizieren wollte, für die eine symbolische, bildliche Darstellung wie z.B. Malereien nicht mehr ausreichten oder viel zu umständlich waren, haben in wissenschaftlichen Kreisen schon längst große Beachtung gefunden und werden seit Jahren intensiv untersucht. Diese Hausarbeit unternimmt den Versuch, die Entwicklung von zwei sehr verschiedenen Schriftkulturen und ihr Aufeinandertreffen zu skizzieren. Sie versucht, die Geschichte ägyptischer und griechischer Schrift bis in die Zeit des Hellenismus nachzuvollziehen.
Zunächst soll in einem einleitenden Teil auf die Entwicklung von Schrift und später die Entstehung der Alphabetschriften und deren Bedeutung eingegangen werden. Anschließend folgt eine Vorstellung der griechischen und dann der ägyptischen Schriftentwicklung. Es handelt sich um zwei wichtige und gleichzeitig sehr verschiedene Systeme. Die Auswirkungen von Schrift auf eine Kultur sind so entscheidend, dass das Aufeinandertreffen zweier Schriftkulturen meist den Untergang einer davon zur Folge hatte. So auch in diesem Fall, wovon der letzte Teil der Hausarbeit handeln soll.
1 Die Militärstrategie, die Ballistik, die Diplomatie, die Agrikultur, das Steuerwesen und das Strafrecht sind in ihrer Geschichte und ihrer Struktur an die Herausbildung der Schrift gebunden. Einige Forscher gehen sogar so weit, die Entwicklung der Macht des Klerus mit der Entwicklung der Schrift zeitgleich zu setzen, der Klerus konnte sich erst mit Hilfe der in der Schrift festgelegten Herrschaft durchsetzen. Die Priester-Schreiber-Elite der Ägypter hat sich in der Schriftkultur einen Bereich geschaffen, auf dem sie der Machtkontrolle der weltlich-aristokratischen Elite entkam. Schrift war immer mehr und zugleich etwas anderes als bloßes Kommunikationsmittel. Macht und Effizienz war nur denkbar mit der „symbolischen Gewalt“ der Schrift. Monetäre und vor-monetäre Ökonomie sind also an Schrift gebunden.
3
Die Geschichte der Schrift
Entwicklungsstufen
Es ist hinlänglich bekannt, dass über die Jahrhunderte in den verschiedensten Kulturen Formen von Schriften und später auch Alphabeten entstanden sind. Obwohl es aber weltweit unzählige verschiedenartige Entwicklungen von Struktur und Symbolik dieser Schriften gab, hat sich in der Forschung eine Anzahl von nahezu immer gleich bleibenden Entwicklungsschritten herauskristallisiert: zunächst versuchte der Mensch, Begriffe durch Bilder darzustellen, die so genannte Ideenschrift entstand. In der nächsten, wohl weitaus bedeutenderen Stufe, kommt es zur Bildung der Wort-Lautschrift. Das Bild gibt nicht mehr einen Begriff, sondern einen Laut wieder, d.h. der Zeichenwert verschiebt sich vom optischen auf das akustische Gebiet. Damit wird der Weg zur Silbenschrift frei. Die dritte Entwicklungsstufe ist die Buchstabenschrift, entweder als rein phonetische Konsonantenschrift, wie bei vielen semitischen Schriften - zum Beispiel dem Hebräischen - oder in späteren Entwicklungsstufen als alphabetisch phonetische Schrift, wie erstmals im Griechischen. 2
Die alteuropäische Schrift
Die Geschichte der Schrift beginnt vor rund 7000 Jahren in Südosteuropa mit der alteuropäischen Schrift des altmediterranen Schriftkulturkreises auf Altkreta/ Altkypros. Die alteuropäische Linearschrift ist das erste sprachorientierte Schriftsystem der Welt. Diese Schrifttradition in den Donauländern und auf dem griechischen Festland bricht allerdings nach der Invasion der Indogermanen um die Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. wieder ab. Später setzte sie auf Kreta in Form von Linear A wieder ein. Dass es sich eigentlich um das selbe Schrifttum handelt, zeigen die vielen Parallelen zwischen der alteuropäischen Linearschrift und Linear A auf Kreta. Aus Linear A entstehen mehrere Abzweigungen, die bekannteste davon ist das so genannte Linear B.
Das alteuropäische Schrifttum mit Linear A und B hielt sich am längsten auf Zypern, nämlich fast 5000 Jahre, bis ca. 300 v. Chr. Grund des Untergangs der Schrift war letzten Endes der Konkurrenzkampf gegen das griechische Alphabet, dem das alteuropäische Schrifttum nach etwa 200 Jahren unterlag.
2 Siehe http://www.stub.unibe.ch/stub/vorl96/01/schr.html
4
Die Schrifttradition des alten Orients begann nach dem heutigen Stand der Forschung erst einige Zeit nach der in Europa, zum Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. in Altsumer.
Das Alphabet: eine schrifthistorische Revolution
Bis zum Ende des 2. Jahrtausends waren Bilderschriften und Silbenschriften in Gebrauch. Die hieroglyphische Segmentalschrift Ägyptens, die Keilschrift Mesopotamiens, die hethitische Hieroglyphenschrift und das kretische Linear B wurden in der Forschung lange für die Ausgangsbasis der Entwicklung der Alphabetschriften gehalten. Sie waren die am weitesten entwickelten Schriften ihrer Zeit und zum Teil sehr verbreitet.
Führten sie zum revolutionären Umbruch von der Silben- zur Buchstabenschrift? Die Antwort der Forschung nach heutigem Stand: keines der genannten großen Schriftsysteme hat eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Buchstabenschriften gespielt. Einige Parallelen in den Zeichenformen der Buchstabenschriften weisen zwar darauf hin, dass die ägyptische Schriftkultur und das kretische Linear A und B bedingt Einfluss hatten. Die eigentliche Entwicklung fand aber weitgehend unabhängig davon statt.
Silben- und Segmentalschriften sind spezielle Varianten der Phonographie, also einer Schreibweise, die sich an der Lautung von Wörtern orientiert. Gleichzeitig handelt es sich, vom schrifttypischen Standpunkt, um eine Form der Schrift, die spezialisierter ist als irgendeine logographische Schriftweise. Die Spezialisierung von Silben- und Segmentalschriften gegenüber der Logographie besteht grundsätzlich darin, dass man mit einem viel geringeren Bestand an Schriftzeichen auskommt. Phonographische Schreibweisen haben immer logographische Vorstufen, auch die ägyptische Segmentalschrift hatte einen solchen Vorläufer. Die Phonographie ist in Ägypten die älteste; die Idee zu Schreiben kam zwar von Mesopotamien nach Ägypten, aber die Ägypter vollzogen den Übergang von der logographischen zur phonographischen Schreibweise schneller. 3 In Ägypten entwickelte sich etwa 2000 v. Chr. 4 eine Buchstabenschrift mit 24 Konsonanten. Das ägyptische Alphabet wurde von den Phöniziern und Hebräern übernommen und vervollkommnet.
3 Haarmann, Harald: Universalgeschichte der Schrift. S. 362
4 die ältesten Dokumente wurden im heutigen Syrien gefunden.
5
Nach ihrer „inneren Struktur“ unterschieden sich die Buchstabenschriften sehr stark von allen vorherigen Schriftsystemen, da das Organisationsprinzip auf der phonographischen Schreibweise von Einzellauten basierte. Anfangs waren sie noch unvollkommen, da es keine Zeichen für Vokale gab.
Der große Vorteil der Buchstabenschriften ist in erster Linie die Tatsache, dass nicht mehr der Sinn, sondern nur noch die Lautung der dargestellten Worte berücksichtigt wird. Die Buchstabenschriften arbeiteten nicht mit
Ideogrammzeichen wie, mit Ausnahme der Byblosschrift, alle anderen zeitgenössischen Schriftsysteme. Dort führten diese Ideogrammzeichen zum Teil zu Hunderten von Symbolen.
Als das Alphabet der Sprache folgte, konnten mit einem Mal nur etwa 30 Zeichen die wichtigsten Lautwerte menschlicher Sprache wiedergeben. Es gab damit eine viel besser überschaubare Zahl einfacher, eindeutiger Zeichen. Daher wurde die Buchstabenschrift viel leichter zu lernen und eine viel weitere Verbreitung möglich. Der Übergang von Schriftsystemen mit Ideogrammzeichen zur Buchstabenschrift war wohl noch bedeutender als später der Übergang von der Silben- zur Einzellautschreibung. Die gleichen Symbole konnten in verschiedenen Sprachen verwendet werden. „In einem gewissen Sinne schließt sich der Kreis damit: Waren Bildzeichen ursprünglich universell einsetzbar, im Grunde sogar universell verständlich, so war man im Stadium einer Wort-Lautschrift stark an eine bestimmte Sprache gebunden. Erst in der alphabetischen Schrift wurden die Zeichen wieder universell einsetzbar - auch wenn sie als Einzelzeichen nun nicht mehr selbständig sinngebend sind.“ 5
Die erhebliche Verringerung des Zeichenschatzes führte also zur leichteren Erlernbarkeit und Handhabung und damit, zusammen mit den bereits erwähnten kulturellen und vor allem politischen Faktoren, maßgeblich zur raschen Verbreitung erst in Europa und Asien, später in Afrika und Amerika. Die in der Forschung vormals geäußerte Annahme, die Entwicklung der Konsonantenschrift wäre durch eine Einzelperson geschehen 6 , kann aufgrund zeitlich parallel verlaufender Entwicklungen mittlerweile ausgeschlossen werden. Da es aber kein direktes Vorbild für die Konsonantenschriften gab, handelte es sich um viele selbständige Leistungen, die das Entstehen und die Entwicklung erst möglich machten. 7 Die uns bekannten Alphabete entstanden, wie bereits
5 http://www.stub.unibe.ch/stub/vorl96/01/schr.html
6 Pfohl, Gerhard: Das Alphabet. Siehe Einleitung S. XX
7 Haarmann, Harald: Universalgeschichte der Schrift. Siehe S. 280
6
Arbeit zitieren:
Julia Krknjak, 2003, Der Siegeszug des Alphabets am Beispiel griechischer und ägyptischer Schriftkultur, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Frauenmystik im Mittelalter
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 16 Seiten
Geschichte der Schrift - ein kurzer Abriss
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 16 Seiten
Julia Molzen (geb. Krknjak) hat den Text Der Siegeszug des Alphabets am Beispiel griechischer und ägyptischer Schriftkultur veröffentlicht
Julia Molzen (geb. Krknjak) hat einen neuen Text hochgeladen
Vocabular Wortschatz-Bilder: Schule, Medien, Kommunikation
Bildtafeln und Kopiervorlagen
Susanne Lehnert, Birgit Busche-Brandt
»Die sünde, der sich der tiuvel schamet in der helle«. Homosexualität ...
Lev M. Thoma, Sven Limbeck
Stratigraphie und Gefüge. Beiträge zur Archäologie des Mittelalters un...
Festschrift für Hartmut Schäfe...
Susanne Arnold, Folke Damminger, Uwe Gross, Claudia Mohn
Mythen Europas 3. Zwischen Mittelalter und Neuzeit
Schlüsselfiguren der Imaginati...
Almut Schneider, Michael Neumann
Aussenseiter Zwischen Mittelalter Und Neuzeit: Festschrift Fur Hans-Ju...
Norbert Fischer, Marion Kobelt-Groch
Inschriftenpaläographie des abendländischen Mittelalters und der frühe...
Früh- und Hochmittelalter 1
Walter Koch
0 Kommentare