Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Politische Dichtung des Hochmittelalters 4
1.1 Die Dichtung 4
1.2 Die Dichter 6
1.3 Das Verhältnis Auftraggeber - Dichter 8
1.4 Die Rezipienten. 9
2. Beispiele aus dem Leben mittelalterlicher Dichter 11
2.1 Dichter zwischen schwankenden Machtverhältnissen. 11
2.2 Neidhart 12
2.3 Hermann Bote, Michel Beheim und Hans Folz - drei Dichter im Vergleich. 13
2.4 Justinus von Lippstadt 15
Schlu ß 16
Literaturverzeichnis 17
3
Einleitung
Diese Arbeit macht es sich zur Aufgabe, einen kurzen Überblick über die politische Dichtung des deutschen Hochmittelalters zu verschaffen. Dabei soll auf die Inhalte der Dichtung, das Leben und sie soziale Situation der Dichter sowie ihren Platz in der Gesellschaft eingegangen werden. Anschließend wird das Verhältnis zwischen Auftraggebern und Dichtern kurz beleuchtet, wobei vor allem das Abhängigkeitsvolumen geklärt werden soll. Die Rezipientenschicht und die Wirkung politischer Dichtung auf dieselbe wird kurz umrissen. Zum Abschluss werden Situationen aus dem Leben einzelner Dichter geschildert, um einen farbigeren Eindruck vom Leben der mittelalterliche n Künstler zu vermitteln. Zudem sollen die kurzen Auszüge Thesen, die in den vier Anfangskapiteln Die Dichtung, Die Dichter, Das Verhältnis Auftraggeber - Dichter und Die Rezipienten aufgestellt wurden, an Beispielen belegen. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit und dem Anspruch auf eine kurze Übersicht können diese Einblicke nur Momentaufnahmen sein, auf die ganze Lebensgeschichte der Dichter einzugehen war leider nicht möglich.
1. Politische Dichtung des Hochmittelalters
1.1 Die Dichtung
„Literatur war eingebunden in erziehliche, informierende, bildungserhöhende und sozialisierende Kommunikation schlechthin, unter religiösem und dichterischem Vorze ichen.“ 1 Sie diente auch als Dokumentationsmittel z.B. der Geschichtsschreibung 2 , oder als versteckte Kritikmöglichkeit. Bernd Thum weist darauf hin, dass Literatur im Mittelalter auch stets in irgendeiner Form politisch war, sobald sie an die breite Öffentlichkeit gerichtet wurde, da sie grundsätzlich auf die politische Ordnung zielte. Lediglich aka-
1 IngeborgSpriewald: Zum Stellenwert des spätmittelalterlichen Autors: Hermann Bote im Vergleich zu Dichtern seiner Zeit, S. 45
2 Die deutsche Hofpoesie um Friedrich II war zum Beispiel politische Dichtung, des Kaisers Wollen und Vollbringen waren der innerste Kern und der Vollzug ihrer Aussage. Dadurch förderte Kaiser Friedrich
II. die Literatur und Kultur in Deutschland, er ließ durch Dichter seine Politik, Weltanschauung und Per-
sönlichkeit ins Volk tragen. Dichtung war ein fortlaufender Kommentar der politischen Ereignisse, ein
Ausdruck öffentlicher Meinung. Dadurch wurde die Dichtung am Kaiserhof zu einem historischen Do-
kument, zu einem geschichtlichen Zeugnis.
4
demische oder klerikale Texte seien davon ausgenommen gewesen. 3 Literarische Texte waren im Mittelalter klare Gebrauchsmittel, Belletristik oder ähnliches waren sowohl aufgrund des sozialen Selbstverständnisses als auch aufgrund der Arbeit, die das Verfassen und Verbreiten eines Textes vor den Zeiten des Buchdrucks bedeutete, undenkbar. Lyrik bildete hierbei keine Ausnahme, selbst Texte mit scheinbar rein erzählerischem Charakter, wie beispielsweise Hartmanns „Iwein“ oder „Parzival“, beinhalteten lehrhafte Elemente. Auch Fabeln konnten zu politischen Botschaften werden 4 . Politik und Dichtung stehen in der Folge in einem Nahverhältnis, das zu den konstitut iven Elementen der mittelalterlichen Literatur gehörte.
Die eigentliche politische Lyrik des Mittelalters erlebte ihre Entfaltung zwischen dem Ende des 12. und der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie fällt somit fast genau zusammen mit der 2. Hälfte der staufischen Herrschaft in Deutschland. Politische Dichtung ist neben dem Minnesang und der religiösen Thematik eine Grundform der mittelalterlichen Lyrik. Eugen Thurnher definiert sie folgendermaßen: „Politische Dichtung ist für uns jene poetische Kundgabe, die direkt oder indirekt, jedoch unmittelbar zu politischen Ereignissen Stellung nimmt, sie interpretiert oder glossiert, aber auf jeden Fall am Vollzug des Geschehens aktiven Anteil nimmt.“ 5
„Politische Lyrik (...) will den Hörer, Zuschauer oder Leser im Sinne eines Glaubens, einer Überzeugung, einer Ideologie o. ä. positiv oder negativ beeinflussen, will also eine bestimmte Wirkung auf ihn ausüben und ihn zu bestimmten Reaktionen veranlassen,“ 6 so Ulrich Müller. In den Texten ist grundsätzlich eine bestimmte Tendenz angelegt; sie wird durch den Auftraggeber veranlasst und durch den Dichter in die Tat umgesetzt. Dichtung im Mittelalter war keine Privatsache, sondern hatte eine öffentliche Funktion. Sie war das einzige Mittel zur Massenbeeinflussung, der einzige Weg, politischen Willen ins Volk zu tragen.
3 vgl. Bernd Thum: Literatur als politisches Handeln. Beispiele aus dem Umkreis der letzten Babenberger, S. 257
4 Fabeln waren im Mittelalter um das 13. Jahrhundert allgemein bekannt und beliebt. Sie wurden von Dichtern teilweise zu politischen Waffen umgeformt, alte Überlieferungen bekamen einen neuen, aktuell
politischen Sinn. Neue Entwicklungen wurden aus zeitlosen Wahrheiten herausgedeutet. Die politische
Propaganda bediente sich mit den Fabeln einer bewährten Form der Menschenführung. Als Begründer
dieses Gebrauchens von Fabeln gilt Bruder Wernher, er war der erste der eine geschlossene Fabel im poli-tischen Sinne ausgelegt hat. Auch Goethe betrieb noch politische Fabeldichtung: sein „Reineke Fuchs“
von 1794 stellt die Auseinandersetzung mit den Ideen der französischen Revolution in Bildern und Vo r-
gängen des Tierreichs dar.
5 Eugen Thurnher: Politik und Dichtung im Mittelalter, S.10
6 Ulrich Müller: Untersuchungen zur politischen Lyrik des deutschen Mittelalters, S. 271
5
Über die Verbreitung und tatsächliche Wirkung der mittelhochdeutschen politischen Lyrik ist wenig bekannt, aber selbst heute lässt sich ja nur schwer die Wirkung der Publizistik einschätzen. Dass sie wichtig für das mittelalterliche Leben war, beweisen aber schon allein die vielen verschiedenen Handschriften der Te xte, die an unterschiedlichsten Orten gefunden wurden.
Grundthemen der politischen Lyrik waren die sogenannte Zwei-Schwerter-Lehre, die sich mit den Aufgabenbereichen von Papst und Kaiser auseinander setzte, die Bedeutung von Weltuntergang und Jüngstem Gericht, die Stellung zwischen dem Kaiser und den Fürsten, die Hierarchie von Papst und Geistlichkeit, die Notwendigkeit der Kreuzzüge, die Begründung des Rechts, und seiner Zeit der Investiturstreit. Sie alle lassen sich als Konstanten in der Dichtung der Zeit nachweisen. Ebenso gehören die Ausei-nandersetzungen zwischen Friedrich II., Philipp dem Schönen und Ludwig von Ba yern zu einer der Blütezeiten der mittelalterlichen Publizistik. Fast sämtliche politische Lyrik wurde uns durch Lyrik-Sammelhandschriften, spezielle Dichterhandschriften, verstreut in gemischten Sammelhandschriften und auf einze lnen Blättern oder innerhalb von zeitgenössischen oder späteren Chroniken überliefert.
1.2 Die Dichter
Es gab im Mittelalter sehr verschiedene Autorentypen. Man kann zwischen fahrenden Dichtern und Sängern, städtischen Handwerksmeistern, Schreibern, Gelehrten und Beamten im höfischen beziehungsweise städtischen Dienst unterscheiden. Aufgrund ihrer unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen hatten die Dichter auch unterschiedliche Gründe und Ziele für ihre Werke. Es war zum Beispiel ein erheblicher Unterschied, ob ein Autor am Hof, also in Abhängigkeit von einem Mäzen gelebt hat, oder ob er einen Beruf hatte und nur nebenher publizistisch tätig war. Auch die Sprach- und Stoffwahl führte zu unterschiedlichsten Rezipientenkreisen, je nach Bildungshorizont und Stand waren den Zuhörern unterschiedliche Werke zugänglich.
Die meisten Dichter der mittelhochdeutschen politischen Lyrik waren fahrende Mus iker, dazu gehörten auch die Verfasser der politischen Reim- Reden, die Herolde. Sie erreichten weite Schichten der Bevölkerung.
Die Gedichte wurden nur zum geringen Teil als Lektüre erfahren, größtenteils wurden sie vorgetragen, die Sänger standen also in direktem Kontakt zum Pub likum. Dabei wa-
6
Arbeit zitieren:
Julia Krknjak, 2002, Politische Publizistik des Hochmittelalters, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Neue Vertriebswege im Buchhandel - Der Internet-Buchhandel
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Das Wunderbare in Ludwig Tiecks 'Der Blonde Eckbert'
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Vorurteile und Stereotypen im Fremdsprachenunterricht
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit, 24 Seiten
Die Lieder Neidharts - Werke eines Einzelautors?
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Sprachgesetzgebung Kataloniens in Geschichte und Gegenwart
Romanistik - Katalanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit, 22 Seiten
Motivation im Fremdsprachenunterricht
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 13 Seiten
Mündlichkeit und Schriftlichkeit im mittelalterlichen Literaturbetrieb
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Wichtige Themen im Bereich frühes Fremdsprachenlernen
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 16 Seiten
Das Spannungsfeld von Tugend und Laster
Die Funktion der Lady Marwood ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Das Gedicht "Luis de Baviera escucha Lohengrin" von Luis Cer...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 17 Seiten
Zum Frauenbild in Neidharts Winter- und Sommerliedern
Ein Liedvergleich zwischen WL ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Die Todesthematik in der Kinder- und Jugendliteratur
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 23 Seiten
Lessings Jugendkomödie „Der junge Gelehrte“
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Lessing, G.E. - Minna von Barnhelm - Inwiefern erfüllt Lessing in '...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 10 Seiten
Die Struktur von Intrige und Verstellung in Lessings „Miss Sara Sampso...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Die zweite Lautverschiebung und ihre Bedeutung für die deutschen Diale...
Hausarbeit, 11 Seiten
Interkulturelles Training - Ziele, Inhalte, Trends
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 23 Seiten
Julia Molzen (geb. Krknjak) hat den Text Politische Publizistik des Hochmittelalters veröffentlicht
Julia Molzen (geb. Krknjak) hat einen neuen Text hochgeladen
Sprache Kommunikation Medien 5. Schülerbuch. Neubearbeitung 2004. Gymn...
Klaus Vonderwerth, Verena Walter, Mareike Zastrow
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
Neuere Einsichten zur Ökonomie
Alihan Kabalak, Birger P. Priddat, Elena Smirnova
Die Sprache des Politischen in actu
Zum Verhältnis von politischem...
Gustavo Corni, Luise Schorn-Schütte, Angela de Benedictis, Brigitte Mazohl
Vom politischen Gebrauch der Sprache
Wort, Text, Diskurs. Eine Einf...
Melani Schröter, Björn Carius
0 Kommentare