2.Inhaltsverzeichnis
3. Einleitung 3
4. Didaktische Zielsetzung 4
5. Von der Begriffsunruhe zur Begriffsklarheit 6
6. Vorbetrachtungen zur Thematik: Die Theodizee-Problematik in den Religionen 7
6.1. Theodizee- philosophische oder religiöse Problematik? 8
6.2. Der christliche Sündenfall 9
6.2.1. Die ethische Deutung des Sündenfalls 11
6.2.2. Weiterführende Gedanken 11
7. Die Theodizee -„Interpreten“ 12
7.1. Hiob 12
7.1.1. Weiterführende Gedanken 15
7.2. Platon 17
7.3. Epikur 17
7.4. Augustinus 19
7.5. Leibniz 20
7.5.1. Die beste aller möglichen Welten 21
7.5.2. Die Arten des Übels 22
7.5.3. Weiterführende Gedanken 23
7.6. Der leidende Gott 24
7.6.1. Gnostizismus 25
7.6.2. Weiterführende Gedanken 27
7.7. Die Atheisten 28
7.7.1. Weiterführende Gedanken 29
8. Die Theodizee-Frage nach dem Holocaust 29
8.1. Weiterführende Gedanken 31
9. Die Umsetzung der Theodizee-Problematik im Unterricht 32
10. Schlussbetrachtung 33
11. Literaturverzeichnis 35
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3. Einleitung
Erinnert man sich an die schreckliche Flutkatastrophe in Südasien, sieht man die furchtbaren Bilder der Ertrunkenen, die an den Strand gespült wurden, denkt man an die Erdbeben, die tausende von Menschenleben fordern oder führt man sich die Opfer vieler unheilbarer Krankheiten, wie Krebs oder Aids vor Augen, so fragt man sich immer wieder, wer an all diesem Leid Schuld trägt? Anders als bei den Terroranschlägen in New York oder in Madrid, gibt es keine Täter die für das Leid verantwortlich sind. Niemand konnte diese Katastrophen verhindern. Die Menschen können sich die Gründe dafür nicht erklären.Damit werden unheilbare Krankheiten, Erdbeben oder Flutkatastrophen zu Fragen an unseren Glauben. Wie kann ein Gott, der die Welt und seine Menschen liebt, solch ein Unglück zulassen?
Man nennt die se Frage die Theodizee-Frage. Sie beschäftigt sich mit der Rechtfertigung Gottes im Angesicht der Übel, der Leiden und des Bösen in der Welt.
Der Begriff „Theodizee“ stammt von Gottfried Wilhelm Leibniz. Die Frage an sich ist viel älter und begegnet uns bereits in der Bibel und vor allem im Buch Hiob. Der Begriff „Theodizee“ wurde aus dem Griechischen (theos: Gott; dike: Recht, Gerechtigkeit), mit Bezug auf den Brief des Apostels Paulus an die Römer gebildet 1 : „Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit dartut, was wollen wir dann sagen? Soll Gott ungerecht sein, wenn er sein Zorngericht verhängt? [...] Das sei ferne! Denn wie könnte dann Gott die Welt richten?“ (Röm 3, 5) Von besonderer Bedeutung ist die Theodizee-Frage in der europäischen Philosophie seit dem verheerenden Erdbeben in Lissabon, dem im Jahr 1755 etwa 100000 Menschen zum Opfer fielen. Leibniz und viele andere Philosophen vor und nach ihm versuchten der Theodizee-Frage eine Lösung zu geben. Doch kann es überhaupt eine Lösung auf diese Frage geben? Ist es dem Menschen
1 Vgl.: Smitmans-Vejda, Barbara: Religion und Weltanschauungen. Reihe Abitur Wissen Ethik. Freising: Stark
Verlag, 2000. S. 138.
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möglich, über „göttliche Belange“ zu entscheiden. Darf der Mensch Gott verurteilen, um einen Schuldigen für die Leiden in der Welt zu finden?
In der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Theodizee-Problematik zeigt sich die gesamte Bandbreite dieser Frage. Auf der einen Seite wird die Theodizee abgelehnt, weil diese Anklage und Verteidigung Gottes die Grenzen des menschlichen Verstandes und der menschlichen Vernunft übersteigt. Die Frage nach dem „warum“ wird lediglich als ein Zeichen eines mangelnden Glaubens, ja sogar als Zeichen der Gotteslästerung von einigen Theologen abgeschmettert. Für Atheisten ist diese Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids in der Welt ein konkreter Beweis dafür, dass Gott nicht existiert und man „ihn“ demzufolge auch nicht rechtfertigen kann.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, verschiedene Lösungsansätze zur Theodizee-Problematik aufzuzeigen und diese in Ansätzen zu diskutieren. Dabei wird es jedoch keine Beurteilung der Lösungen im Sinne von richtig und falsch geben können, weil die Beantwortung der Theodizee-Frage abhängig ist von eigenen Glaubensbildern, die im Laufe der Erziehung subjektiv entwickelt wurden. Auf Vollständigkeit erhebt diese Arbeit keinen Anspruch, denn die Darstellung der unzähligen Lösungsvorschläge, die sich in all den Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte angesammelt haben, würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Ich habe einige der prägnantesten Vertreter der Theodizee-Thematik ausgewählt und ihre Ansichten, natürlich verkürzt, dargestellt. Zu jedem Lösungsansatz finden sich daher „weiterführende Gedanken“, die beispielsweise als Impulse im Unterricht eingebaut werden können, um eine Diskussion voranzutreiben.
4. Didaktische Zielsetzung
Diese Hausarbeit strebt nicht an, eine Unterrichtskonzeption für eine bestimmte Klassenstufe zu sein, sie ist vielmehr eine Sammlung und
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Diskussionsgrundlage einiger Argumente zur Problematik der Theodizee-Frage. Ich habe diese Thematik ausgewählt, weil sich die Frage nach Gott und nach der Schuld am Leid immer wieder in ethischen Sachverhalten stellt, sei es bei dem Thema „Umwelt und Natur“ (Naturkatastrophen), sei es bei der Thematik „Tod und Sterben“ (Warum werden wir krank, warum müssen wir sterben?) und natürlich besonders bei der Behandlung der Religionen, vor allem des Christentums, im Unterricht. Auch in anderen Fächern wird die Frage nach der Rechtfertigung Gottes immer wieder aufgeworfen, so zum Beispiel in Geschichte (bei der Holocaust-Thematik, warum lässt Gott Kriege zu ...) oder in Chemie (warum ist es den Menschen nicht möglich ein Mittel gegen Krebs zu entwickeln, warum will Gott, dass diese Krankheit unheilbar bleibt?)
Bereits kleine Kinder fragen, warum gerade ihre Lieblingsoma sterben musste, obwohl sie doch immer so lieb war. Warum verhindert der „liebe“ Gott nicht, dass die Menschen leiden müssen? Ich habe es selbst erlebt, dass Lehrer diese wichtige und berechtigte Frage einfach übergehen, weil sie selbst keine Antwort darauf finden (konnten oder wollten) - „dass ist eben so und nicht so einfach zu erklären“ - entgegnen sie den Schülern. Es ist richtig, dass die Theodizee-Thematik nicht einfach zu erklären ist, weil es keine richtige Antwort auf diese Frage gibt. Doch die Antwort ist für mich nicht das Ziel. Wichtig ist, dass man die Kinder nicht allein lässt mit dieser fundamentalen Frage. Man muss als Lehrer versuchen, den Schülern verschiedene Wege zu ebnen, die sie jedoch dann mit ihrem bereits erworbenen Wissen und ihren Meinungen selbst beschreiten müssen. Mit dem Beschreiten meine ich das Nachdenken über verschiedene Sachverhalte, hier Lösungsansätze, über das jeder Schüler zu seiner eigenen „Antwort“ auf solch eine Frage kommt. Die Suche nach einer Lösung, die ich selbst vertreten kann, ist der Weg, der zum Ziel führt. Freilich ist die Suche bei dieser Problematik etwas schwieriger, weil es keine vorgefertigten Antworten und Definitionen gibt, die man sich ohne Nachdenken einfach erschließen könnte.
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Doch gerade das Thema der Theodizee geht jeden von uns an und jeder hat sich diese Frage auch schon mindestens einmal gestellt, daher ist ein Zugang zu den Schülern schnell erschlossen und die Motivation ist das eigene Interesse an der Frage. Außerdem vereinigt das Thema „Theodizee“ beispielhaft philosophische und theologische Frage- und Antwortstellungen in sich, so dass es auch für Kinder, die nicht an Gott glauben und besonders bei den religiösen Themen im Ethik-Unterricht kein Interesse zeigen, interessant ist, dennoch über religiöse Fragen nachzudenken, die sie sich selbst stellen. Wichtig für mich ist, für Lehrer und für Schüler einen Zugang zu dieser Problematik aufzuzeigen (natürlich dann immer altersgemäß abgestimmt), in der jeder für sich eine Antwort auf die Frage nach dem „Leid“ in der Welt erfahren kann und auch andere dazubringen kann sich tiefgründiger mit der Theodizee-Frage zu beschäftigen.
5. Von der Begriffsunruhe zur Begriffsklarheit
Wichtig für die Schüler ist immer, Sicherheit in den Begrifflichkeiten zu erlangen. Doch diese Sicherheit erreicht man nur, wenn man sich Begriffe selbst erschlossen hat und sie demzufolge erst verstehen kann. Vor Beginn jeder Thematik, ist es daher bedeutsam, eine „Begriffsunruhe“ bei den Schülern zu erzeugen, um so durch die Diskussion und durch das gegenseitige Gespräch auf klare Begriffe zu stoßen. Die Subjektivität bei diesem Verfahren ist natürlich wesentlich höher als wenn man den Schülern einfach Definitionen vorlegt, und es ist dann auch schwieriger auf einen „gemeinsamen Nenner“ zu kommen, wenn viele verschiedene Ideen in einen Begriff eingebunden werden, aber das Ergebnis bringt den Lohn für diese Anstrengung, nämlich die persönliche Identifizierung jedes einzelnen Schülers mit dem Begriff. Jeder Schüler hat für sich Klarheit über den Begriff errungen. Es ist kein bloßes, stupides Auswendiglernen von vorgesetzten, bereits gedachten Gedanken, sondern ein Selbsterforschen, Selbsterkennen und Selbstverstehen.
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Ein unbekannter Philosoph hat es so auf den Punkt gebracht: „Es gibt 2 Wege durchs Leben zu gehen, entweder man nimmt alles hin und glaubt es einfach, oder man streitet alles ab und bezweifelt es - beide Möglichkeiten halten uns davon ab, selbst zu denken.“ Genau das muss das Ziel in jedem Unterricht sein - die Schüler zum Denken zu animieren!
Die Begriffe, die in diesem Zusammenhang zur Diskussion stehen, sind im folgenden nur aufgezählt, um von dem, mir selbst verhängten Verbot, die Gedanken des Schülers mit Definitionen (fremden bereits gedachten Gedanken) „zuzukleistern“, nicht abzuweichen. Jeder sollte für sich allein darüber nachdenken, was die Begriffe für ihn bedeuten: Das Böse, das Gute, das Leid, die Sünde.
6. Vorbetrachtungen zur Thematik:
Die Theodizee -Problematik in den Religionen Zu jeder Thematik sind Vorbetrachtungen wichtig. Sie zeigen die Tragweite des Themas und grenzen bestimmte Bereiche ab. Sie bieten ein erweitertes und umfassendes Wissen zum eigentlichen Kontext. Die jüdische und christliche Theologie begründet die Ursache vom Bösen und vom Übel, aus dem freien Willen des Menschen zur Schuld, die durch den Sündenfall mitsamt den Folgen ihrer Leiden auf das gesamte Menschengeschlecht vererbt wird (Erbsünde). Das Theodizee-Problem stellt sich in dieser Weise vor allem einer monotheistischen Religion wie der jüdisch-christlichen: Der eine Gott als Weltschöpfer kann auch der einzige Urheben des Bösen und des Übels sein und als solcher zur Rechenschaft gezogen werden.
Im Buddhismus gibt es nicht den Glauben an einen Schöpfungsgott, so dass auch kein höheres Wesen für das Böse und das Leid verantwortlich gemacht werden kann. Die Frage nach der Ursache von Leid ist demzufolge nicht an einen Gott gebunden. Für Buddhisten bedeutet das Leben und die Widergeburt (Samsara) Leid, welchem sie
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Arbeit zitieren:
Sandra Geithner, 2005, Von der Güte Gottes und dem Leid in der Welt - das Theodizee-Problem im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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