1. Erlebnisanalyse
2. Textsicherung
2.1. Übersetzung des Textes
2.4. Te xtkritik
3. Synchrone Analyse
3.1. Sprachlich-syntaktische Analyse
3.2.1. Textsemantik
3.2.2. Wortsemantik
3.3. Narrative Analyse und Argumentationsanalyse
4. Diachrone Analyse
4.1. Literarkritik
4.5. Redaktionskritik
5. Ergebnissicherung
5.1. Versexegese
5.2. Gesamtexegese
5.3. Hermeneutisch-theologische Reflexion
6. Literaturverzeichnis
2
Züge vermissen lässt, z.B. verzichtet die Heilung der Schwiegermutter auf sprachliche oder
29. Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und gelangten mit Jakobus und
Johannes in das Haus des Simon und Andreas.
30. Die Schwiegermutter Simons aber lag fibrig da, und alsbald sagten sie ihm von
ihr.
31. Und er ging hin, richtete sie auf und ergriff ihre Hand. Und das Fieber verließ
sie und sie diente ihnen.
32. Als es aber Abend wurde, nachdem die Sonne untergegangen war, brachten sie
zu ihm alle Kranken und Besessenen.
33. Und es war die ganze Stadt vor der Tür versammelt.
34. Und er heilte viele Kranke mit unterschiedlichen Krankheiten, trieb viele böse
Geister aus und ließ die bösen Geister nicht reden, weil sie ihn kannten.
1 Griechische Vorlage vgl.: ALAND, K/B.(HRSG): Das Neue Testament. Griechisch und Deutsch, Stuttgart 1986 27 ,
S.90 f.
4
2.2. Gliederung des Textes nach Segmenten, Sätzen und Propositionen
In diesem Abschnitt wird die Perikope in kleinere Einzelabschnitte gegliedert. Hierbei wird eine terminologische Differenzierung in Segmente, Sätze und Propositionen vorgenommen. 2 „Textsegmente sind Gliederungseinheiten der Textoberfläche“ 3 und werden demnach nach inhaltlichen und syntaktischen Gesichtspunkten bestimmt. Sie bilden die umfangreichsten Abschnitte der Analyse. Augenscheinlich zerfällt unsere Perikope in nur zwei größere Abschnitte (Heilung der Schwiegermutter und Massenheilung), die durch eine inhaltliche Zäsur klar voneinander abgetrennt sind und sich jeweils in zwei Textsegmente teilen lassen. Die Verse 29-30 bzw. 32-33 bilden die Exposition der Geschichte, der Vers 31 bzw. 34 enthält jeweils die Wunderheilung.
Als nächst kleinere Texteinheit spalten wir den Text nun in ‚Sätze’ auf, wobei diese nicht nur anhand der Interpunktion abgegrenzt sind. Stattdessen wird im Folgenden nach einer grammatikalischen Satzdefinition gegliedert:
2 vgl. BRINKER, K.: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, Berlin 2001 5 , S.26
ff.
3 ebd.
5
Noch mehr Elemente erhalten wir anhand folgender Zerlegung (durch Bindestriche gekennzeichnet) des Textes in Propositionen, die kleinsten hier untersuchten semantischen Struktureinheiten.
Und alsbald gingen sie aus der Synagoge - und gelangten in das Haus des Simon und Andreas - mit Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter Simons aber lag fibrig da, - und alsbald sagten sie ihm von ihr. Und er ging hin, - richtete sie auf - und ergriff ihre Hand. - Und das Fieber verließ sie - und sie diente ihnen. - Als es aber Abend wurde, - nachdem die Sonne untergegangen war, - brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. - Und es war die ganze Stadt - vor der Tür versammelt. Und er heilte viele Kranke - mit unterschiedlichen Krankheiten, - trieb viele böse Geister aus - und ließ die bösen Geister nicht reden, - weil sie ihn kannten.
2.3. Kontext- und Abgrenzungsanalyse
Bei der nun durchgeführten Kontext- und Abgrenzungsanalyse wird eine Differenzierung in einen Mikro- und einen Makrokontext vorgenommen.
Zunächst soll bei der Untersuchung auf Kohärenz im Mikrokontext auf grammatikalische Kohärenzkriterien eingegangen werden. Diese werden beispielsweise durch die Verwendung von Konjunktionen zu Beginn eines neuen Satzes erfüllt. Die Konjunktion ‚?aˆ’ verbindet alle Sätze mit Ausnahme von 30a und 32a, wo die formale Kohärenz der Aussagen durch ‚ d•’ gesichert wird. Asyndeta, unverbundene Sätze ohne einleitende Konjunktion, finden sich keine.
Ein weiteres sprachliches Mittel, welches in unserer Perikope Kohäsion erzeugt, ist die Wiederholung. Mehrmals greift der Autor dieselben Wörter im Folgesatz wieder auf und stellt somit eine direkte Verbindung her, wie z.B. ‚ Sˆµ??’ oder ‚ da?µ Ò????’, einmal manifestiert sich die Verbindung zweier Sätze durch die Wiederholung eines Wortpaares (‚?a?î? Ÿ?w?’).
Schließlich lässt auch die zahlreiche Verwendung von Pronomina auf kohärierende Verse schließen. So wird der Name ‚Jesus’ in der ganzen Perikope nicht verwendet, sondern stets durch ein Pronomen ersetzt. Rein grammatikalisch erweist sich der Text als äußerst
6
kohärent. Inhaltlich stellen der Ortswechsel zu Beginn der Perikope (V.29) und die doppelte Zeitangabe (V.32) deutliche Zäsuren dar.
Formal und inhaltlich am wenigsten zu kohärieren scheinen die Verse 31 und 32. Hier fehlt das für die Textstelle sonst so charakteristische ‚?aˆ’, zudem wird V.32 durch eine doppelte Zeitangabe eingeleitet, die auf den Beginn einer neuen Sinneseinheit hinweist. Rein inhaltlich beginnt mit V.32 ein neuer Abschnitt.
Die Eingliederung des Textes in den Makrokontext entspricht dessen Einordnung in das gesamte Evangelium. Die Perikope befindet sich nach J. Roloff 4 zu Beginn des ersten von zwei großen Hauptteilen (1,14 – 8,26) im Evangelium nach Markus, der das Wirken Jesu in Galiläa thematisiert. Hier wiederum ist der Text dem ersten der drei Unterpunkte eingeordnet, den Roloff „Jesu vollmächtiges Wirken vor dem Volk (1,14 – 3,12)“ 5 nennt. Der Textstelle voraus geht die Erzählung vom Kommen Jesu nach Galiläa (Mk 1,14). Anschließend beruft er die ersten Jünger, Simon, Andreas, Jakobus und Johannes, die in Mk 1,29, wiedererwähnt werden. Der folgende Abschnitt geht direkt der einzuordnenden Passage voraus und handelt von Jesu Ankunft in Kafarnaum und dem Besuch einer Synagoge. Hier trifft Jesus auf einen Besessenen, den er von seinem bösen Geist befreit. Mk 1, 29-34 stellt, gemeinsam mit dieser Geschichte, somit den Anfang der Wunderheilungen im Markusevangelium dar, die gemeinsam mit der Verkündigung der Lehre Jesu den ersten Hauptteil dominieren.
Die nachfolgende Perikope erzählt vom Aufbruch aus Kafarnaum, sowie von weiteren Dämonenaustreibungen.
2.4. Textkritik 6
Da eine vollständige textkritische Analyse der Perikope über den Umfang der Arbeit hinausgeht, findet sich im Anschluss eine Auswahl der für den Text bedeutungsvollsten und entscheidenden Varianten. Zu deren Klärung ist eine Sichtung der verschiedenen Lesarten 7 und ihrer Zeugen notwendig.
4 vgl. ROLOFF, J.: Einführung in das Neue Testament, Stuttgart 1995, S.157
5 ROLOFF, S.157
6 vgl. SCHNELLE, U.: Einführung in die neutestamentliche Exegese, Göttingen 2000 5 , S.32 ff.
7 vgl. ALAND 1986, S.90 ff.
7
1.Variante (Mk 1, 29)
Äußere Bezeugung:
1. ‚?aˆ eÙ? Ý? ™? t Á? s??a???Á? ™?e??Ò?te? Ã????’ lesen die Majuskeln ? 01
(Sinaiticus) [Kat.I], A 02 (Alexandrinus) [Kat.III], C 04 (Ephraemi) [Kat.II], L 019 (Regius) [Kat.II], K 017 [Kat.V], N 022 [Kat.V], P 024 [Kat.V], G 036 [Kat.V], D 037 [Kat.III], die Minuskeln 33 [Kat.I], 28 [Kat.III], 892 [Kat.II], 1241 [Kat.III], 1424 [Kat.III], 2542 [Kat.III], die Vulgata, sowie eine syrische und eine bohairische Überlieferung.
2. Dagegen lesen die Majuskeln B 03 (Vaticanus) [Kat.I], Q 038 [Kat.II] (mit
Wortumstellung), die Minuskelfamilien f 1 und f 13 , sowie die Minuskeln 565 [Kat.III], 579 [Kat.II], 700 [Kat.III], 2427 [ohne Kat.] und wenige andere, eine altlateinische Handschift und Einzelhandschriften der Vulgata ‚?aˆ eÙ? Ý? ™? t Á? s??a???Á? ™?e??î? Ã??e? ’.
3. Die Lesart ‚™?e??î? d• ™? t Á? s??a???Á? Ã??e? ’ bezeugen die Majuskeln D 05
(Bezae Cantabrigiensis) [Kat.IV] und W 032 (Freerianus) [Kat.III], sowie mehrere altlateinische Handschriften eine bohairische Überlieferung.
Innere Bezeugung:
Inhaltlich ergibt sich als Hauptunterschied der drei Lesarten der Numerus der Verben des Verses. Während die zuerst genannte Lesart den Plural setzt, und damit neben Jesus, Jakobus und Johannes noch weitere Begleiter auf dem Weg von der Synagoge zum Haus impliziert, stehen die Verben in den beiden anderen Lesarten im Singular. Demnach würde Jesus nur mit Jakobus und Johannes aus der Synagoge in das Haus gehen, ohne andere Personen.
Textkritisches Urteil:
Die äußere Bezeugung spricht tendentiell eher für die erste Lesart, obwohl wichtige Textzeugen wie der Codex Vaticanus die zweite Lesart führen. Doch überwiegt die Zahl der Textzeugen für die erste Lesart, während sich Abfassungszeit und Kategorien in etwa die Waage halten. Die dritte Lesart dagegen ist qualitativ und quantitativ sehr gering bezeugt. Inhaltlich erscheint es zunächst sinnvoller, die Textstelle im Singular wiederzugeben, da von weiteren Begleitern außer Jakobus und Johannes vorher und nacher nicht die Rede ist. Wahrscheinlich ist daher, dass die ein späterer Redaktor die Passage in den Singular gesetzt hat.
8
Quote paper:
Tina Ponater, Matthias Bernhard, 2004, Exegese Mk 1, 29 - 34, Munich, GRIN Publishing GmbH
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