INHALT
1 Einführung 3
2 D ü r r e 4
2.1 Abgrenzung des Begriffs Dürre 4
2.1.1 Definitionen 4
2.1.2 Unterschiedliche Arten von Dürre 5
2.2 Räumliche Verteilung von Dürre 6
2.3 Entstehung von Dürre 7
2.4 Dürren in der Menschheitsgeschichte 9
2.5 Beispiele für Dürre 10
2.5.1 Dust-Bowl in USA 10
2.5.2 Sahel im 20 Jahrhundert 12
2.5.3 Sommer 2003 in Deutschland 14
2.6 Folgen von Dürre 16
2.6.1 Desertifikation 17
2.6.2 Waldbrand am Beispiel Australien 19
2.6.3 Hungersnot 20
2.7 Vorbeugung und Maßnahmen gegen Dürren 21
2.7.1 Bestimmung von dürregefährdeten Gebieten 21
2.7.2 Drought-Monitoring und Drought-Management 22
2.7.3 Maßnahmen zur Behebung des Wassermangels 23
2.8 Dürren als Folgen des Klimawandels 24
3. Fazit: Dürre eine Naturkatastrophe 25
A n h a n g : 27
Literaturverzeichnis
Internetquellen
1 Einführung
Dürren traten in der Menschheitsgeschichte immer wieder auf, von biblischen Zeiten über Katastrophen in den 1980er Jahren in Afrika, die zu weltweiten Hilfsaktionen führten (http://www.naturgewalt.de/duerrechronologie.htm), bis hin zum Sommer 2003 in Mitteleuropa (vgl. STEININGER/STEINREIBER/RITZ 2005, S.33f.). Beachtung erlangten Dürren allerdings nicht nur aufgrund ihres physiogeographischen Charakters, sondern zumeist aufgrund der Folgen für die Menschen in den betroffenen Regionen. Die Folgen für die betroffenen Menschen sind regional sehr unterschiedlich und hängen neben den klimatologischen Voraussetzungen auch stark von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen ab.
In der wissenschaftlichen Fachliteratur bewegt sich die Bearbeitung des Phänomens Dürre zwischen so unterschiedlichen Gebieten wie der Analyse des meteorologischen Phänomens (vgl. HÄCKEL 1999, S.287f.), den menschlichen Reaktionen (vgl. SPLITTLER, 1989) und den wirtschaftlichen Folgen dieser Ereignisse (vgl. STEININGER/STEINREIBER/RITZ 2005, S.33f.). Es wird also hieran bereits deutlich, wie vielseitig Dürren und die daraus entstehenden Probleme sind. Dieser Vielseitigkeit versucht diese Arbeit Rechnung zu tragen. Hierfür ist es nötig grundlegend zu klären was unter dem Begriff Dürre verstanden wird und wie Dürren entstehen. Des Weiteren soll anhand ausgewählter Beispiele gezeigt werden, dass Dürren, obwohl sie immer wieder auftreten, zumeist unterschiedliche Verläufe aufweisen und dementsprechend sich in den Folgen unterscheiden. Da Dürren ein sehr großes Schadenspotential aufweisen (vgl. PLATE/MERZ 2001, S.191), ist es nötig verschiedene Ansätze zur Vorbeugung zu beleuchten. Die Notwendigkeit Dürren im Zusammenhang mit Naturrisiken und Naturkatastrophen näher zu betrachten, liegt darin begründet, dass Dürren wie andere Naturkatastrophen an Stärke zunehmen werden. Im Gegensatz zu anderen Katastrophen, wie zum Beispiel Erdbeben oder Vulkanausbrüche, sind der anthropogene Aspekt und somit auch die Einflussmöglichkeiten, die die Betroffenen haben, hier sehr groß.
2 Dürre
2.1 Abgrenzung des Begriffs Dürre
2.1.1 Definitionen
Wie bereits erwähnt sind Dürren ein ständiger Wegbegleiter der Menschheit gewesen und der Begriff Dürre weckt viele Assoziationen, wie zum Beispiel Trockenheit, Hitze, Desertifikation und Hunger. Dennoch ist es schwer eine allgemeingültige Definition für Dürre zu finden. Dies ist damit zu erklären, dass Dürren nicht zu einem klar definierbaren Zeitpunkt auftreten und nicht exakt festgelegt werden können, wie dies etwa bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen möglich ist (vgl. GEIPEL 1992, S.135), stattdessen sind Dürren ein „schleichendes Phänomen“ (GLANTZ 1996, S.98), die immer wieder auftreten ohne jedoch einem bekannten Rhythmus zu folgen (vgl. LAMPING/LAMPING 1995, S.192). Dürren sind also nicht zwangsläufig an der jährlichen Wechsel von Trocken- und Regenzeiten gebunden, sondern treten aperiodisch auf (vgl. GLANTZ 1996, S.101). Dennoch sind in den Standardwerken der Geographie verschiedene Definitionen zu finden. So ist eine mögliche Definition: „Dürre bedeutet das Auftreten von unter dem Mittelwert bleibenden Niederschlägen in der Jahreszeit, in der normalerweise reichlich Niederschlag fällt. Der Begriff wird gewöhnlich verwendet mit Bezug auf die Jahreszeit das Wachstums von Pflanzen, die Nahrung für die Menschen und ihre Haustiere liefern.“ ( STRAHLER/STRAHLER 1999, S.606). Hier stehen die Folgen für den Mensch im Mittelpunkt. Das Lexikon der Geographie beschreibt Dürre als eine Phase unterdurchschnittlicher Niederschläge mit gleichzeitig hohen Temperaturen (vgl. BRUNOTTE et al. 2001, S.282). Ein weiterer wichtiger Aspekt von Dürre sind die hohen Verdunstungsraten in den betroffenen Gebieten (vgl. LAMPING/LAMPING 1995, S.190), die zur Austrocknung des Bodens führen (vgl.
FRATER 2001).
Es wird also deutlich, dass neben den klimatischen Bedingungen die Folgen für den Mensch und seine Umwelt im Mittelpunkt der Betrachtungen zu Dürre stehen. Ebenfalls wird klar, dass Dürre nicht mit dem Klima in ariden Gebieten gleichzusetzen ist, da hier sehr geringe Niederschläge die Regel sind und das Land kaum anthropogen genutzt wird (vgl. SCHULTZ 1995, S.321f.).
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Im Unterschied zu Ereignissen wie Tornados, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen zerstört eine Dürre nicht Einrichtungen wie Häuser oder Fabriken und Menschenleben sind nicht direkt gefährdet (vgl. LAMPING/LAMPING 1995, S.192). Dies erklärt auch warum in Schadensberichten, wie zum Beispiel der Münchener Rück, in denen die versicherten und die volkswirtschaftlichen Schäden einzelner Ereignisse aufgeführt werden, die Schäden von Dürren nicht auftauchen (vgl. BERZ 1998, S.58). Das gehäufte Auftreten von unterdurchschnittlichen Niederschlägen wird als Aridifizierung bezeichnet (vgl. PLATE/MERZ 2001, S.193).
2.1.2 Unterschiedliche Arten von Dürre
Wie zu sehen war, ist die Einteilung von Dürren recht schwierig und daher werden in der Fachliteratur verschiedene Arten von Dürre beschrieben, so zum Beispiel meteorologische, hydrologische und landwirtschaftliche Dürre.
Unter meteorologische Dürre versteht man das Absinken der Niederschlagsmenge unter den Jahresdurchschnitt. Problematisch ist hierbei, dass zum einen die statistischen Daten teilweise recht ungenau und zum anderen weitere Parameter als der Jahresniederschlag entscheidend sein können. Einer dieser Parameter ist die Verteilung des Niederschlags über das Jahr hinweg. Fällt in bestimmten Zeiten nicht ausreichend Regen um die Nutzpflanzen geeignet zu versorgen, so spricht man von einer landwirtschaftlichen Dürre. Die hydrologische Dürre beschreibt die Verringerung des Angebotes an Wasser in Flüssen und Seen. Sinkt dieses Angebot zu stark ab, steht den betroffenen Menschen zu wenig Wasser zur Verfügung (vgl.
GLANTZ 1996, S.98f.). Gerade an der landwirtschaftlichen Dürre wird deutlich wie
relativ die Definition ist: so kann zum Beispiel eine Niederschlagsmenge von 400 mm im Jahr in semiariden Gebieten für landwirtschaftliche Nutzung ausreichend sein, während diese Menge für Nutzpflanzen in den mittleren Breiten viel zu gering wäre (vgl. GEIPEL 1992, S.135f.).
Außerdem gibt es noch weitere unterschiedliche Kategorisierungen von Dürre. So verwendet Mainguet die Bezeichnung „Edaphic Drought“, um die Auswirkungen von Dürre auf den Boden zu beschreiben (vgl. MAINGUET 1999, S.30). Ein weiterer Dürretyp ist die klimatische Dürre, die auftritt, wenn in einem Gebiet mit durchschnittlich 500mm Jahresniederschlag die negative Abweichung über 150mm beträgt (vgl. STÜBEN/THURN 1991, S.146).
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Häufig wird im Zusammenhang mit Dürre auch von Dürrekatastrophe gesprochen. Eine solche Katastrophe tritt auf, wenn eine Dürre sich über mehrere Jahre erstreckt und zu schwerwiegenden Folgen für die Bevölkerung führt (vgl. MENSCHING 1990, S.3).
2.2 Räumliche Verteilung von Dürre
Dürren treten regelmäßig in verschiedenen Regionen der Welt auf. In erster Linie sind semiaride Gebiete betroffen, wie an Abbildung 1 zu sehen ist, da hier die Niederschlagsvariabilität sehr hoch ist (vgl. LAMPING/LAMPING 1995, S.190). Aufgrund dieser Variabilität ist die Aussagekraft des Messparameters „durchschnittlicher Jahresniederschlag“ in diesen Regionen zu hinterfragen (vgl.
JACOB 1995, S.91). Dürren gehören in den semiariden Gebieten zur „normalen
klimatischen Bandbreite“ (MENSCHING 1991, S.3). Dürren treten weltweit betrachtet häufig auf, allerdings kann das zeitliche Auftreten sehr variabel sein (vgl. GLANTZ 1996, S.98). Da große Teile der Erdbevölkerung in diesen Gebieten leben, können Dürren gravierende Folgen haben.
Abbildung 1: Dürre- und Überschwemmungsgebiete der Erde. Die Zonen der Dürreperioden sind gepunktet. (Aus: Lamping/Lamping 1995: S.174)
Daher ist es verständlich, dass in der Forschung meist diese Gebiete ausführlich behandelt werden, wie zum Beispiel die Sahelzone (vgl. STRAHLER/STRAHLER
6
1999, S.606 – 608). Allerdings können Dürren auch in anderen Bereichen der Erde auftreten und dort zu schwerwiegenden Schäden führen. So können alle Kontinente von Dürre heimgesucht werden, wie zum Beispiel China und Japan 1994 (vgl.
JACOB 1995, S.92). Nicht nur im Jahrhundertsommer 2003 erlitten die deutschen
Landwirte massive Einbußen, sondern eine Trockenperiode in Brandenburg 1992 führte zu Ernteeinbußen von 22%. Dementsprechend gibt es auch Untersuchungen und Projekte, wie zum Beispiel ARIDE (Assessment of the Regional Impact of Droughts in Europe), die versuchen Dürre im europäischen Maßstab zu untersuchen (vgl. DEMUTH 2003, S.12). Es ist anzunehmen, dass in den mittleren Breiten, vor allem in deren innerkontinentalen Gebieten, verstärkt Sommertrockenheit auftreten wird und dies Folgen für Mensch und Umwelt haben wird (vgl. STEININGER/STEINREIBER/RITZ 2005, S.36).
2.3 Entstehung von Dürren
Wie bereits die verschiedenen Definitionsversuche gezeigt haben, ist es nicht einfach das Entstehen von Dürren zu beschreiben, da sich hier physiogeographische Ursachen mit anthropgenen Verhaltensweisen mischen.
Dürren sind abhängig von unterdurchschnittlichen Niederschlägen in einem Gebiet (vgl. FRATER 2001). Diese Schwankungen werden aller Voraussicht nach aufgrund der klimatischen Veränderungen zunehmen. Hierbei spielen verschiedenen Faktoren zusammen, so verändert zum Beispiel „El Nino“ den Niederschlag in vielen Gebieten der südlichen Halbkugel und lässt Regionen zeitweise austrocknen, während Trockengebiete Regen erhalten (vgl. JACOB 1995, S.94). Anhand von Abbildung 2 ist deutlich zu erkennen, dass Niederschlagsanomalien häufig mit so genannten ENSO-Jahren, das heißt El Nino und Southern Oscillation, zusammenfallen. Aufgrund geänderter Temperaturen der Ozeane ändern sich die innertropischen Hebungs- und Absinkphänomene und so treten Niederschläge auf, die nicht dem üblichen Mittel entsprechen. ENSO-Ereignisse halten meist einige Monate an (vgl. SCHÖNWIESE 1995, S.152). Dennoch wird auch deutlich, dass nicht jede Dürre in diesem Gebiet mit ENSO erklärt werden kann. Bei Betrachtungen auf regionaler Ebene fallen außerdem noch weitere Unterschiede in der Korrelation zwischen
ENSO und Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres auf (vgl. GLANTZ 1996,
S.101).
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Abbildung 2: Schwankungen der Jahresniederschläge im westlichen Sahel von 1901 bis 1990. ENSO-Jahre sind durch Punkte markiert. (Aus: STRAHLER/STRAHLER 1999, S.608)
Eine andere mögliche Erklärung für Klimaschwankungen ist der so genannte „Milankovic-Mechanismus“ (vgl. SCHÖNWIESE 1995, S.128). Laut diesem Mechanismus, der auf den Thesen des serbischen Astronomen Milutin Milankovic aus dem Jahr 1930 beruht, führen Verschiebungen in der elliptischen Bahn der Erde zu veränderten Einstrahlungswerten und somit zu Klimaänderungen (vgl. GLANTZ 1996, S.100). Da sich dieser Zyklus allerdings auf Jahrtausende bezieht, ist es fraglich, wie hoch der Aussagewert für aktuelle Entwicklungen ist.
Immer wieder in der Diskussion ist der menschliche Einfluss auf das Klima. Es ist bisher aber noch nicht klar, inwieweit der Mensch und die von ihm verursachten Emissionen das Entstehen von Dürren begünstigt oder gar erst möglich macht (vgl.
GLANTZ 1996, S.101).
Neben klimatologischen Gründen führt das Wirtschaften des Menschen zu akutem Wassermangel. Wasser wird zur Mangelware wenn Gesellschaften zuviel Wasser verbrauchen (vgl. FRATER 2001), vor allem für industrielle Zwecke. Internationalen Berechnungen zufolge litten 1993 bereits 26 Länder unter akutem Wassermangel, das heißt pro Bewohner standen in einem Jahr weniger als 1000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung (vgl. JACOB 1995, S.94). Verursacht wird dieser Wassermangel unter anderem durch das rasche Anwachsen der Bevölkerung vor allem im 20.Jahrhundert (vgl. LAMPING/LAMPING 1995, S.193). Des Weiteren ist es auch möglich, dass Gebiete landwirtschaftlich genutzt werden, die hierfür kaum geeignet sind, da die Niederschläge zu gering und zu variabel sind.
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Daniel Stelzer, 2005, Dürre, Munich, GRIN Publishing GmbH
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