1. Einleitung
Das Thema Schulschwierigkeiten und Schulverweigerung dürfte eigentlich fast jedem geläufig sein. Entweder man hat es schon am eigenen Leib durch die eigenen Kinder erfahren oder man wurde durch Presse und Medien darauf aufmerksam gemacht. Denn wir haben es bei diesem Thema nicht mit einem vorübergehenden Phänomen zu tun, sondern mit einem mittle rweile sozial gesellschaftlichen Problem, dem die Institution Schule allein nicht mehr gewachsen ist. Denn, um auf die veränderten gesellschaftlichen Strukturen einzugehen, ist unser Schulsystem zu starr und zu traditionell verhaftet. Deshalb müssen außerschulische Einrichtungen der Jugendhilfe der Schule tatkräftig unter die Arme greifen. Dazu ist es sehr wichtig, dass Schule und Jugendhilfe miteinander arbeiten, denn ohne diese Kooperation wird die Minderung oder Abschaffung von Schulverweigerung wohl kaum realisierbar sein. Unsere Regierung scheint begriffen zu haben, dass wir es mit einem schwerwiegenderem Problem zu tun haben und versucht Strategien zu entwickeln, um der Schulverweigerung Abhilfe zu verschaffen. So wird es zum Beispiel den Schulschwänzern mit Hilfe der Polizei nicht mehr so leicht gemacht. Denn die Polizei fahndet nach Schulschwänzern, indem sie Jugendliche aufgreift, die zur eigentlichen Schulzeit auf öffentlichen Plätzen herumlungern oder sie sucht das Zuhause von längerfristig fehlenden Schülern auf. Doch es reicht nicht aus, den Schwänzern nachzugehen und sie wieder in die Schule zu führen. Hinter dieser Verweigerung steckt noch viel mehr als nur mal keine Lust auf Unterricht zu haben oder einer Klausur auszuweichen. Manche Kinder und Jugendliche haben sogar eine Phobie und bedürfen therapeutischer Hilfe. Andere Heranwachsende kämpfen mit den zusätzlichen Belastungen wie schwierige Familienverhältnisse, schlechte Deutschkenntnisse oder Hänseleien durch Mitschüler. Zudem kommt noch der starke Leistungsdruck unseres Schulsystems, dem sehr viele Schüler nicht gewachsen sind. Außerdem ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt sowieso schlecht, so dass sich die meisten Hauptschüler fragen, warum sie überhaupt noch in die Schule gehen sollen und einen Abschluss erwerben sollen. Denn danach stehen sie höchstwahrscheinlich arbeitslos auf der Straße, also weshalb die Mühen und sich durch den meist als langweilig empfundenen Unterricht quälen?
Die Heranwachsenden müssen einen Ansprechpartner haben, der einzeln auf sie eingehen
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kann. Die Lehrer sind meist zu überlastet, um sich um jeden Schüler einzeln zu kümmern und erkennen somit Anzeichen von Schulschwierigkeiten bei den Schülern fast gar nicht. Deshalb wäre es am besten, wenn Sozialarbeiter vor Ort in der Schule miteingebunden werden, da sie die Zeit und Möglichkeiten haben sich um die Heranwachsenden gezielter zu kümmern und somit sie wieder zu motivieren und Selbstvertrauen aufzubauen.
Um noch mal zu verdeutlichen, dass dieses Thema aktuell ist und von der Regierung, die sich um Hilfsmaßnahmen bemüht, erkannt wurde, sind noch einige Zeitungsartikel angefügt:
2. Erscheinungsformen von Schulverweigerung und
unregelmäßigem Schulbesuch
Wenn man mit dem Begriff des unregelmäßigen Schulbesuchs arbeitet, so stellt sich einem eine Norm- und Definitionsproblematik. Denn wann kann man das Schulbesuchsverhalten als unregelmäßig bezeichnen oder wann ist es „implizit das Abweichen von einer Norm“ (Thimm, 2000, S. 101)? Vor allem stellt sich auch die Frage, was ist eigentlich die Norm? Die Idealnorm des regelmäßigen Schulbesuchs wäre ein Schüler, der keinen Tag der Schule fernbleibt. Doch die tatsächliche Norm belegt, dass es eine durchschnittliche Fehlerrate zu verzeichnen gibt.
Heutzutage wird unentschuldigtes Fehlen als „Schwänzen“ bezeichnet und ist somit illegitim. Früher hingegen wurde das Schwänzen gar als Form abweichenden Verhaltens angesehen, das in ein kriminelles übergeht. Dem Schwänzen kam eine „besondere kriminologische Bedeutung“ (Hildeschmidt, 1979, S. 17) zugute. Aus dieser Sichtweise heraus „wird Schulschwänzen grundsätzlich als beginnende Verwahrlosung und Gesetzlosigkeit gedeutet, die, wenn man ihr strikt entgegentritt, sich zur Juge ndkriminalität generalisiert“ (ebd.). Doch der Wandel unserer Gesellschaft und der Schule verursacht, dass wir das (selbstständige) Fehlen des Unterrichts aus anderen Sichtwinkeln betrachten und in der heutigen Zeit auch anders bewerten. Nämlich nicht unbedingt als Anfang der Verwahrlosung und einer kriminellen „Laufbahn“.
2.1. Verschiedene Formen des Phänomens Schulversäumnis
Der Begriff Schulversäumnis ist generell ein Überbegriff für viele Arten des unerlaubten Fehlens in der Schule. Hierzu gibt es einige Definitionen: Schulmüdigkeit, Schulverdrossenheit, Schulve rmeidung, Schuldistanzierung, Schulflucht, Schulabsentismus weisen auf das Fernbleiben des Unterrichts hin, was in verschiedenen Ausmaßen passiert. Wichtiger als das Ausmaß ist die Intensität des Fehlens. So muss man unterscheiden zwischen Schülern, die hin und wieder mal fehlen - diese werden in der Literatur nicht als Schulverweigerer bezeichnet - oder Schülern, die mehrmals und längere Zeit fehlen. Darüber hinaus gibt es dann noch die Schüler, die dann fast gar nicht mehr in die Schule kommen.
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Letztere sind dann die Fälle, „wenn von Schulverweigerung als einem sozialen und gesellschaftlichen Problem gesprochen wird“ (Ricking/Neukäter 1997 in: Schreiber-Kittl/Schröpfer, 2000, S. 8/9).
In der Literatur wird meist zwischen den Schulverweigerern, die auch Schüler mit Schulphobie einschließen und den Schulschwänzern unterschieden. So werden Kinder und Jugendliche mit Schulphobie doch eher als psychisch krank und Schulschwänzer als verhaltensgestört bezeichnet. In beiden Fällen ist das „ein sozial abweichendes Verhalten, das von der Umwelt in gewisser Weise etikettiert (gelabelt) wird“ (Schreiber-Kittl/Schröpfer, 2000, S. 9).
In den meisten Fällen unterteilen die Autoren in Schulschwänzen, Schulverweigern und Schulphobie. Letztere ist eine Sonderform und sie muss von Therapeuten oder ähnlichen Medizinern behandelt werden. Das Phänomen Schulschwänzen findet man vor, wenn die Eltern des betreffenden Schülers nichts von seinem Verhalten wissen oder mitbekommen. Der betroffene Schüler lügt seine Eltern und seine Le hrer an. Doch diese Art der Schüler ist mit ihrem Verhalten eher unauffällig. Denn sie wollen eigentlich nur unangenehmen Situationen aus dem Weg gehen. Sie haben zum Beispiel nicht auf die Abfrage gelernt oder wollen eine Klausur schwänzen oder vielleicht einem unangenehmen Treffen mit bestimmten Mitschülern aus dem Weg gehen.
Dahingegen ist die Schulverweigerung eine offensichtliche Form von Schulabsentismus, da jeder das Fernbleiben mitbekommt, sogar die Eltern. Schulverweigerer sind Kinder und Jugendliche, „deren Verhaltensprobleme sich im emotionalen Bereich so verdichten, dass das „Nicht-zur-Schule- gehen-können“ mit auffälligen psychogenen und/oder psychosomatischen Veränderungen einhergeht“ (Hildeschmidt, 1979, S. 26).
Doch ganz genau kann man den Schulabsentismus nicht definieren, da jeder Lehrer das Fernbleiben und das Verhalten des betroffenen Schülers anders bewertet. Normalerweise sieht die Schule „Fehlen i.d.R. als entschuldigt, wenn die Erziehungsberechtigten eine schriftliche oder mündliche Mitteilung erbringen, die sich auf gesetzlich definierte Tatbestände bezieht“ (Thimm, 2000, S. 102).
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2.2. Passive und aktive Schulverweigerung
Angesichts der verschiedenen Formen der Verweigerung wird in der Literatur zusätzlich zwischen aktiver und passiver Verweigerung unterschieden.
Die passiven Schulverweigerer sind zwar im Unterricht physisch anwesend, doch geistig sind sie alles andere als am Unterricht anwesend. Sie beteiligen sich in keinster Weise am Unterricht und sitzen träumend in der Schulbank. Diese Art der Verweigerung ist eher unauffällig und wird deshalb meist von den Lehrern nicht als solche wahr- bzw. ernstgenommen. Zu diesen passiven Fällen werden auch Schulverweigerer gerechnet, die nicht in der Statistik aufgeführt sind. Denn das Schulverweigern „wird von diesem Teil der Schüler durch Entschuldigungen wie ärztliche Atteste, entsprechende Schreiben der Eltern und mündliche Ausreden kaschiert“ (Schreiber-Kittl/Schröpfer, 2000, S. 10). Wesentlich mehr Aufmerksamkeit wird auf die Form der aktiven Schulverweigerung gerichtet. Diese Verweigerer zeigen mit ihrem Verhalten offensichtlich, dass sie den schulischen Anforderungen nicht nachgehen wollen. Sie legen es darauf an, dass sowohl Eltern und Lehrer ihre Verweigerung sehen.
Es gibt allerdings zwei Gruppen von aktiven Verweigerern. Die eine Gruppe versucht durch ihr Verhalten des Fehlens versuchen „Signale an die Außenwelt zu senden“ (ebd.). Diese Schüler fehlen entweder nur ab und zu einmal oder gar über einen längeren Zeitraum hinweg. Die zweite Gruppe sind zwar immer in der Schule anzutreffen, doch sie weisen ein sehr aggressives Verhalten gegenüber Mitschülern und sogar Lehrern auf. Auf diese Weise versuchen sie Aufmerksamkeit zu erhaschen oder ihre Verweigerung offenkundig auszudrücken. Diese Schüler „setzen sich in Szene durch erwartungs- bzw. normwidriges Handeln“ (Thimm, 2000, S. 155). Hierzu gehören Aktivitäten wie zum Beispiel im Unterricht umherlaufen, den Platz wechseln, abschreiben, Unterschriften fälschen, Anweisungen von Lehrkräften ignorieren, Räume und Lehrmittel beschmutzen, Lärmen, Konsum von Alkohol und Drogen etc. (vgl. ebd.).
Die beiden Verweigerungsformen - aktive und passive - lassen sich nicht klar voneinander trennen. Man kann nur sagen, dass die Verweigerung passiv anfängt und dann in eine aktive übergeht.
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Arbeit zitieren:
Nadja Rueth, 2005, Schulverweigerung - Anlässe zur Kooperation mit Außerschulischer Jugendhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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