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Der Liebesbrief des 18. Jahrhunderts
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1. Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Liebe und Liebesbrief im 18.Jahrhundert:
a) Kapitel 1. Rollenzuschreibungen: Mann und Frau;
b) Kapitel 2. Brautbriefe und Liebesbriefe: Gemeinsamkeiten und Unterschiede;
c) Kapitel 3. Täuschung und Selbsttäuschung in den Briefen:
- räumliche Distanz als Mittel zur Poesie und Täuschung
- fingierte Gefühle und Beziehungen
d) Kapitel 4. Kunstprodukt und Beziehung zugleich: Briefe als Werkstatt der Poesie;
e) Kapitel 5. Erläuterungen zu Stil und Wortwahl.
4. Schlussfolgerung
5. Literaturverzeichnis
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Zur Einleitung muss erwähnt werden, dass der Liebesbrief im 18. Jahrhundert von der Form und dem Inhalt etwas anders ist als in den vorausgehenden und nachfolgenden Jahrhunderten und auch eine andere Funktion übernimmt. Die Geschichte des Liebesbriefes ist durch große Veränderungen gekennzeichnet. Im Jahr 789 ist den Nonnen vom Kapitular Karls des Großen verboten worden, Liebesbriefe zu verfassen. Im 12. Jahrhundert und im 13. Jahrhundert erlebt der deutsche höfische Liebesbrief, der oft auf Lateinisch geschrieben wird, seine Blütezeit; doch „seit dem Ende des 15. Jahrhunderts begegnen uns nur noch volkstümliche Liebesbrie- fe.“ 2 Im 18. Jahrhundert kommt es zu einer Art Lebensweise, wo die Literatur und das Leben, die Literatur und die Liebe nicht so klar unterschieden werden können: „[...]das tendenzielle Ineins zeichnet hier das Verhältnis von poetischer zu außerpoetischer Realität“ 3 , was oft zu verkehrten Vorstellungen, seltsamen Lebenseinstellungen, aber auch auf manche Schicksale sehr positiv gewirkt hat, indem es zu imaginären Liebesgeschichten (die später in echte Lovestories und danach in Ehen übergingen) geführt hat. Auf dieses Verhältnis und die Ten- denzen des 18. Jahrhunderts, wie Entwicklung und Stabilisierung der geschlechtsspezifischen Stereotypen und Rollenzuschreibungen, wird in dieser Arbeit näher eingegangen.
Das Ziel dieser Arbeit ist eine Zusammenschau von Forschungsstandpunkten zum Liebesbrief des 18. Jahrhunderts und deren Diskussion im Zusammenhang mit der exemplarischen Analy- se ausgewählter Briefe. Die Aufmerksamkeit wird auf den Stil, die Wortwahl der Liebesbriefe gelenkt. Es wird auch berücksichtigt und darauf hingewiesen, dass die Briefe des 18. Jahr- hunderts zugleich Beziehungen sind. Da, was im weiteren noch zu zeigen sein wird, Liebes- und Brautbrief voneinander zu unterscheiden sind, sollen die Briefe vom 19. und vom 20. Mai 1830 aus Owen an Luise Rau (von Eduard Mörike geschrieben) 4 und die von 25.-26.August 1770, 25. August 1770, 1.Oktober 1770, 14.Juni 1771, 9.März 1772 aus dem Briefwechsel Karoline Flachsland - Johann Herder 5 der Bezugspunkt sein. Es werden aber in dieser Arbeit auch die Briefe von Meta Moller an Friedrich Klopstock von 27.-28. Mai 1751, 11.06.1751 und die von Klopstock an Meta von 19.-21. Mai 1751 und 17. Juli 1751 6 auf Stil und Voka- bular untersucht. Die Briefwechsel zwischen allen obengenannten Personen dienen dieser
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Arbeit als Grundlage für den Vergleichsversuch der Form, des Stils, der Bedeutung und der Funktion der Liebesbriefe im 18. Jahrhundert. Zugleich ist diese Arbeit ein Versuch, dem 18. Jahrhundert näher zu kommen und die Situation in der damaligen Gesellschaft in der Bezie- hung zwischen Mann und Frau zu sehen.
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Wenn die Dichtung des Briefes im 13. Jahrhundert noch zur „feineren Erziehung und Bil- dung“ 7 bei Frauen wie bei Männern gehört, ist sie im 18.Jahrhundert aufgrund dessen bewer- tet, ob der Autor weiblich oder männlich ist. Die dichterischen Fähigkeiten, genauer gesagt, die Fähigkeit zu hoher Dichtung, wird im 18. Jahrhundert allein den Männern zugeschrieben. Die Frau hat nach Gellert einen anderen Stil als der Mann: die so genannte natürliche Schreibart. 8 Zur Charakteristik des weiblichen Briefs werden Adjektive wie aufgeweckt, naiv gebraucht. Es wird auch eine Inhaltslosigkeit der Briefe erwähnt. Eine „Abwertung der weib- lichen Kreativität“ 9 ist auch in der Meinung enthalten, dass eine Frau nur einen „unorthogra- phischen Liebesbrief“ 10 zu schreiben im Stande ist. Es wird „zwischen einem >weiblich- natürlichen Brief< und einem >männlich-poetischen Brief<“ 11 unterschieden, wie es bei Mö- rike der Fall ist. Als >weiblich-natürlich< wird ein empfindsamer Ton gedacht, da die Frau ja sehr empfindlich und gefühlsvoll bis verletzlich sei. Das ist das Idealbild einer Frau in jener Zeit und damit aber auch eine abwertende Vorstellung, da die Frau somit auf die Rolle eines Geschöpfs zurückgewiesen ist, das nur fühlen und leiden kann. Der Mann dagegen ist zwar empfindlich und leidenschaftlich, was aber eine höhere Form der Empfindung ist, als die der Frau, zunächst, weil der Mann von der Natur her zum Denken geschaffen worden sei. Wenn die Frau diesem Bild in ihrem Schreiben nicht entsprach oder etwa abwich, wurde sie sehr als unweiblich empfunden und als eine Amazone angesehen. Oder die Frau bekam eine Rolle, wo sie „sanft, zärtlich, wohltätig, stolz und tugendhaft. und betrogen “ 12 ist, so wie Karoline Flachsland ein „Ideal von einem Frauenzimmer“ 13 sah, welches sie der „Geschichte des Fräu- leins von Sternheim“ von Sophie de La Roche entnommen hatte.
Sehr wichtig ist auch die Tatsache, dass der Brief durch die Brieftheorie des 18. Jahrhunderts eine „Einstufung [...] als typisch weibliches Genre [erhielt], die seine Nichtbeachtung oder Abwertung durch die Literaturwissenschaft bewirkt hat“ 14 . Bis heute noch erfreuen sich Brie- fe als literarische Objekte weniger Aufmerksamkeit als Texte anderer Gattungen.
So entwickeln sich im 18. Jahrhundert geschlechtspezifische Rollenzuschreibungen und Ste- reotypen, wobei paradoxerweise die Liebesbriefe eine wichtige Rolle gespielt haben. Auf die
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Galija Achmedschina, 2002, Der Liebesbrief des 18. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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