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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2
2. Die Vorgeschichte 3
2.1. Matteo Ricci auf dem Weg nach China 3
2.2. Kontakte zwischen China und Europa vor 1600 4
2.3. Alessandro Valignano und die Akkommodationstheorie 5
3. Ricci in China 7
3.1. Von Macao nach Zhaoqing 7
3.2. Zhaoqing: Die Literati 7
3.3. Von Zhaoqing nach Peking 9
4. Ricci und die Chinesen 10
5. Riccis Werke: Zwei Beispiele 11
6. Resümee 12
7. Literaturverzeichnis 13
8. Anhang 14
8.1. Die Mappamundo Riccis Weltkarte 14
8.2. Die Welt zur Zeit Riccis wichtige Orte 14
8.3. Chronologie 15
Abbildung auf der Titelseite von Yu Wên-hui aus: Dunne Seite VI
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„Matteo Ricci ist ein nicht heilig-
gesprochener Heiliger.“ 1
1. Einleitung
„‚Inkulturation’ heißt das Marketingrezept, mit dem die römische Kurie die kulturellen Hürden zu überwinden trachtet. Das Christentum soll endlich mit ‚asiatischem Gesicht’ auftreten und auf lo- kale Sitten und Gebräuche Rücksicht nehmen.“ 2
Das liest man in einem Beitrag des Spiegel zum Tode Papst Johannes Pauls II. in einem Ab- schnitt zur geplanten Vorgehensweise der Kirche in den letzten dem Christentum abgeschotte- ten Ländern der Welt. Bei diesen Sätzen des 21. Jahrhunderts erscheint die Beschreibung eines Ordensbruders Riccis vor dem Hintergrund des 16. Jahrhundert als Anachronismus:
„Mattheo Ricio, Italiener, so ähnlich in allem den Chinesen, dass er einer von ihnen zu sein scheint in der Schönheit des Gesichtes und im Zartgefühl, und in der Sanftmut und Milde, welche jene so schätzen.“ 3
Wie kaum ein anderer im 16. Jahrhundert hat es der italienische Missionar Matteo Ricci, „unstreitig der größte China-Missionar und wohl überhaupt der bedeutendste geistige Ver- mittler zwischen China und dem Abendland“ wie ihn Franke benennt, verstanden, auf eine andere Kultur zuzugehen, ihr auf Augenhöhe zu begegnen und dabei die eigene Herkunft nicht zu vergessen. 4 Immer das Ziel seiner Mission vor Augen, nämlich die vom wahren
Glauben abgekommenen Chinesen zum Christentum zu bekehren, wählte er einen für die damalige Zeit einen alles andere als selbstverständlichen Weg – die Akkommodation. Ricci war mit dieser Methode seiner Zeit mit dem Blick auf die beiden obigen Zitate offensichtlich weit voraus – er hatte schon damals das „asiatische Gesicht“ das sich die Kirchenführung in Rom heute von den Missionaren in Fernost wünscht.
Zuerst wird es in dieser Arbeit um das Leben Riccis gehen, wobei es selbstverständlich nicht möglich ist, sein Leben bis in das letzte Detail nachzuzeichnen. Ähnlich verhält es sich auch mit den Werken Riccis, die hier nur kurz und exemplarisch behandelt werden können. Zuletzt wird natürlich auch die Akkommodationstheorie selbst angesprochen. Als Quelle für den heutigen Wissenstand über die Missionierung in China stehen uns viele Schriftstücke zu Verfügung: Von den Schriften der Missionare selbst, über Berichte von Zeit- genossen in und außerhalb Chinas bis hin zu kircheninternen Dokumenten bietet sich eine Fülle von Materialien.
1 Li, 1997, Seite 219 2 Smoltczyk, Alexander u.a., Ein Reich, nicht von dieser Welt, in: Der Spiegel, Nr. 15 / 11.4.2005, Seiten 94 – 166, hier: Seite 112 3 Zitiert nach Franke, Seite 74 4 Franke, Seite 72
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3 2. Die Vorgeschichte
2.1. Matteo Ricci auf dem Weg nach China Matteo Ricci erblickte am 6. Oktober 1552 in Macerata das Licht der Welt. Sein Vater, Gio- van Battista Ricci, war Apotheker und in der Politik sehr engagiert, während seine Mutter, Giovanna Angiolelli die sozialen Kontakte der Familie pflegte und die Erziehung übernahm. 5 Ricci wurde 1561 ein Schüler des Jesuitenkolleg in Macerata und erhielt hier eine sehr gute Ausbildung. Besonders beim Erlernen von Sprachen zeigte er sich sehr engagiert, ein Charak- terzug der ihm in späteren Jahren zu Gute kommen wird. 6 1568 begann er sein Studium in Rom – zunächst wählte er Jura, wechselte aber, nachdem er sein Noviziat „against the will of his pharmacist father“ bei den Jesuiten angetreten hatte, zu einem Studium der Freien Kunst, Philosophie und Mathematik. 7 Bei seinem Mathematikstudium kam er mit Christopher Clavi- us, dem besten Mathematiker seiner Zeit, in Kontakt. Mit seinem Interesse an philosophi- schen und religiösen Thematiken stieß Ricci zunehmend auf Widerstand bei seinem Vater, weshalb Clavius, der es zu seiner eigenen Art machte, philosophische und naturwissenschaft- liche Fragen zu verknüpfen, unter Umständen zu einem Vorbild für Ricci wurde. Die Be- kanntschaft mit Clavius prägte Ricci auf jeden Fall erheblich – über ihn kam er in Berührung mit den verschiedenen Sprachen und Kulturen in Europa. 8 Ricci war beeindruckt von der Mission der jungen und dynamischen Jesuiten – vor allem deren ‚Modernität’ war für Ricci wichtig. Der Orden beschäftigte sich nicht streng konserva- tiv mit der Kirche und ihrer Lehre, sondern auch mit den neuen Naturwissenschaften und verschiedensten Sprachen. Hier kam er erstmals mit Alessandro Valignano in Kontakt. Dieser unterstützte sein Studium der Mathematik, Philosophie und arte liberales in Rom und Florenz. Das in diesem Zusammenhang betriebene intensive Auswendiglernen von lateinischen und griechischen Texten schulte in erheblichem Maße Riccis Gedächtnisleistung, mit welcher er später die Chinesen beeindrucken wird. 9 Fasziniert von dem Gedanken seinen Glauben fremden Völkern zu vermitteln, meldete er sich Anfang 1577 freiwillig für die Missionstätigkeit – „ad maioram gloriam Dei", wie Li schreibt. 10 In Coimbra, Portugal, betrieb er die nötigen theologischen Studien und lernte Por- tugiesisch. 11 1578 brach er dann mit 13 anderen Missionaren nach Goa, Indien, auf und unter- 5 Vgl. Hoffmann-Herreros, Seite 7 6 Vgl. Hoffmann-Herreros, Seite 13 7 Vgl. Pfister, Seite 1 8 Vgl. Demel, Spalte 181 9 Vgl. Li, Seite 225 10 Li, Seite 220 11 Hoffmann-Herreros, Seiten 21 und 22
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richtete dort während seines Theologiestudiums Latein und Griechisch. 12 In Cochin, Indien,
wurde Ricci 1580 zum Priester geweiht, bevor er nach einer kurzweiligen Rückkehr nach Goa
im Jahre 1582 nach Macao reiste. 13
2.2. Kontakte zwischen China und Europa vor 1600
„Before the expansion of the Iberian Sea-borne empires, the two great empires at each end of the Eurasian land mass, Rome and China, knew very little about each other, but Graeco-Roman cul- ture and Chinese culture each shared the belief that they were the civilised centre of the world and beyond their borders was barbarism.” 14
Aufgrund der Tatsache, dass auf beiden Seiten eine solch egozentristische Weltanschauung
existierte, ist es nicht schwer sich vorzustellen, dass es lange Zeit keine Bekanntschaft, ge-
schweige denn einen Austausch zwischen diesen beiden Kulturen gab. Zwar gab es bereits im
8. und 9. Jahrhundert erste christliche Gemeinden in China – die von Nestorianern 635 ge-
gründet und knapp 200 Jahre später fast völlig vernichtet worden waren – als aber Marco Polo
im 13. Jahrhundert durch Asien bis nach China reiste, war jegliches Wissen über das Reich
am anderen Ende des asiatischen Kontinents längst wieder vergessen. 15 Ironischerweise kehr-
te auch nach Marco Polo dieses Vergessen wieder, so dass im 17. Jahrhundert den Franziska-
ner bei ihren ersten Missionsbemühungen im fernen Osten wiederum jegliche Bekanntschaft
mit den Chinesen in den Jahrhunderten zuvor unbekannt war. 16 Auch nach der Entdeckung
Chinas durch die Krone Portugals blieb die Geschichte der Bekanntschaft zwischen beiden
Ländern im Dunkel:
„When the Portuguese maritime expansion first brought news to Europe of Japan and its neighbouring powerful empire, China, these were seen as totally new ‘discoveries’. Where there was knowledge of Polo’s writing no connection was made between his Cathey and Zipangu and the ‘newly discovered’ China and Japan.” 17
Das Verhalten der ersten Portugiesen in China war alles andere als zivilisiert, so dass „the
behaviour of the Portuguese during these first contacts was such that their status as barbarians
was only too definitely confirmed.” 18 Da die Chinesen ohnehin “alles, was nicht chinesisch
war, als barbarisch und daher unzivilisiert“ betrachteten, ist es auch nicht weiter verwunder-
lich, dass die Portugiesen 1521 aus dem Reich der Mitte verbannt wurden. 19 Vom Handel der
begehrten Waren aus Europa abgesehen, existierte nun kaum mehr ein Austausch zwischen 12 Li, Seite 220 13 Demel, Spalte 181 14 Ross, Seite 1 15 Vgl. Ross, Seite 1 16 Vgl. Ross, Seite 2 17 Ross, Seite 2 18 Ross, Seite 2 19 Li, Seite 221
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Martin Meingast, 2005, Matteo Ricci - Dem Fremden ein Vertrauter und dem Vertrauten ein Fremder werden, Munich, GRIN Publishing GmbH
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