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INHALTSVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
GLIEDERUNG Seite
1. Einleitung
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2. Begriffsklärung und Definitionsversuch
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3. Charakteristik und Wesen
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4. Erscheinungsformen
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5. Ausgewählte Autoren
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6. Ausgewählte Texte
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7. Didaktische Überlegungen
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8. Weitere Beispieltexte
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9. Fazit
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LIITERATURVERZEICHNIS V
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1. Einleitung
Beschäftigt man sich mit der Stilrichtung Konkrete Poesie, so entsteht zunächst einmal die Frage nach dem „was“ bzw. dem Inhalt und der Intention. Ein Blick auf die Malerei, von der die Begriffe „konkrete Dichtung“ und „konkrete Poesie“ hergeleitet sind, kann zu einer ersten Klärung einer anfänglichen begrifflichen Schwierigkeit betragen.
Kandinsky zog es vor, die sog. „abstrakte“ Kunst „konkrete“ Kunst zu nennen, weil sie neben der Naturwelt, die Malerei sonst nur abbildete - eine ebenso reale - und eben deshalb konkrete - Kunstwelt darstellt. Der Begriff „konkret“ wurde also eingeführt um Malweisen zu kennzeichnen, die nur die realen Malmittel der Farbe und der Linie auf der Fläche und ihre geometrischen Möglichkeiten präsentieren. Diese Denk- und Handlungsweise wurde später auch auf den Bereich einer Sprachkunst übertragen, die von sprachlichen Elementen als konkretem Material und nicht als begrifflichen Zeichen und Bedeutungsträgern ausging (vgl. Lange, Marquardt, Petzoldt & Ziesenis, 2001, S. 66). Eugen Gomringer erklärte dazu:
„..Der konkrete Dichter sieht genau auf das Material, das er entweder zur Darstellung bringen will oder in dem er darstellt. Er zieht es sogar vor, wenig Inhalt zu bieten, um ihn in einer konkreten sprachlichen Form meistern zu können. ... [Konkrete Poesie] ... ist eine realität an sich und kein gedicht über...“(vgl. ebenda, S. 66/67).
Diese Belegarbeit mit dem Titel „Aspekte der Konkreten Poesie als lyrische Textform“ befasst sich mit der eben beschriebenen Problematik näher und möchte darüber hinaus die Fragen klären, wie genau diese Textart definiert ist, welche charakteristischen Merkmale sie aufweist und welche Kriterien bei dieser Textsorte in Bezug auf die didaktische Anwendung im Deutschunterricht der Schule relevant werden.
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Dazu erfolgt im Abschnitt 2 zunächst eine Begriffsklärung und zudem ein Definitionsversuch. Weiterhin wird im folgenden 3. Abschnitt näher auf das Wesen und die Charakteristik dieser Textsorte eingegangen und anschließend auf die Erscheinungsformen (Abschnitt 4). Die Punkte 5 und 6 stellen Autoren und Beispieltexte aus diesem Arbeitsgebiet vor und unter Abschnitt sieben sollen didaktisch relevante Aspekte und Einsatzmöglichkeiten im Deutschunterricht diskutiert werden. Punkt 8 stellt der besseren Anschaulichkeit wegen weitere Beispieltexte vor, die aber nicht weiter diskutiert werden sollen. Abschließend erfolgt im letzten Teil eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten.
2. Begriffsklärung und Definitionsversuch
Es handelt sich bei der Textsorte Konkrete Poesie zunächst um eine moderne Literaturform, genauer um eine Gedichtform, deren vielfältige
Erscheinungsformen zu unterschiedlichen Bezeichnungen Anlass gegeben haben.
Die konkrete Poesie ist eine junge Literaturform. Als ihre Ahnen werden jedoch häufig die manieristischen Schreibkünstler des Barock bezeichnet. Die französischen Symbolisten, Mallarme und Apollinaire, die Futuristen und die Dadaisten gelten als ihre Väter. Nach 1945 ist Gomringer einer der ersten, der in seinen lyrischen Arbeiten das visuelle Moment betont. Er definiert seine Poesie als „konkrete Poesie“ und prägt diesen Begriff in Anlehnung an die „konkrete Malerei“.
Als anerkannte Synonyme gelten auch: „konkrete Dichtung“, „visuelle Poesie“, „konkrete Lyrik“, „visuelle Texte“ oder „experimentelle Literatur“ (vgl. Lange, Marquardt, Petzoldt & Ziesenis, 2001, S. 66). Der Begriff bezieht sich primär auf die Zielrichtung der modernen Dichtung und bleibt nicht auf Lyrik beschränkt.
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Mit dem Ausdruck konkrete Poesie wird ein allgemeines Formprinzip umschrieben, das angelegt ist an der sog. lyrischen Sageweise und es führt innerhalb dieser Sageweise zum fundamentalen Bruch, indem er diese Gattung an ihre Grenze bringt. So besteht in der Konkreten Poesie z.B. ein Verzicht auf die Versform als wichtigstes Konstituens lyrischen Sprechens. Oft liest man in diesem Zusammenhang davon, dass diese Poesie sich auf den konkreten Materialcharakter der Sprache stütze, dass die Wörter im Raum konkret und gegenständlich anwesend seien bzw. dass das konkrete Gedicht selbst ein Gegenstand sei, nicht eine Aussage über einen Gegenstand (vgl. Köpf, 1983, S. 180). Der Begriff „Konkrete Poesie“ leitet sich aus dem lat. concretus (= zusammengewachsen, gegenständlich) ab und wird im „Funkkolleg Literatur“ als eine Richtung in der modernen Lyrik, seit den 1950er Jahren beschrieben, die von den sprachlichen Elementen als konkretem Material ausgeht und dieses Material neu kombiniert, gruppiert, so dass eine „unlogische, optischakustisch - ornamental wirkende Anordnung entsteht“ (1977, S. 76). Die einheitliche Bezeichnung dieser lyrischen Gattung setzte sich verhältnismäßig spät durch.
Der Begriff Konkrete Poesie ist, nach Aussagen von Helmut Heißenbüttel (1961), in Analogie zur bildenden Kunst und Malerei gebildet. Die Begriffe konkrete und visuelle Literatur werden dabei oft synonym verwendet. Weshalb dies nahe liegt soll später noch näher begründet werden. Die Arten visuelle und akustische Poesie werden dabei aber inhaltlich unterschieden.
Das Aufkommen der Konkreten Poesie als Kunstrichtung in Deutschland wird mit dem Erscheinen des theoretischen Manifests von Eugen Gomringer (1953) „Vom Vers zur Konstellation“ gleichgesetzt. Gomringer verwendete erstmals auch den Begriff Konkrete Poesie in Anlehnung an Max Bill (vgl. Köpf, 1984, S. 181).
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Seit den 1970er Jahren vollzog sich eine sogenannte Retrospektive bezüglich diverser Textsorten, es war eine Zeit breiterer Rezeption und Wirkung, die zur Folge hatte, dass man nun zahlreicher Texte in die Schullesebücher aufnahm (vgl. Köpf, 1984, S. 182). Dort sind sie bis heute enthalten. Welche didaktischen Zielstellungen damit verfolgt werden bzw. werden können, soll im weiteren Verlauf dieses Beleges noch diskutiert werden. Abschließend bleibt noch festzuhalten, dass während Gedichte vormals i.d.R. nur in Büchern aufzuspüren waren und hier regelrecht aus einem „Dornröschenschlaf“ erlöst werden mussten, entwickelte sich mit der Konkreten Poesie mehr und mehr die Tendenz, das Gedicht durch neue Publikationsformen stärker in die Umwelt zu integrieren und zugleich Dichtung maschinell und intermedial zu produzieren. So entstanden Plakatgedichte, Posterpoems, Postkartengedichte, sog. Mailart, Schreibmaschinengedichte, textuelle Holographie und Computertexte - dies alles Gattungsbegriffe, an denen sich die Verschiebung vom sprachlichinhaltlichen Aspekt auf den technisch - publizistischen ablesen lässt (vgl. Ernst, 1991, S. 9).
3. Charakteristik und Wesen
Betrachtet man das Wesen der Konkreten Poesie einmal näher so kann als charakteristischstes Merkmal festgehalten werden, dass die Sprache hier nicht Medium der Mitteilung, sondern selbst Objekt der Betrachtung wird. Sprache wird sozusagen von einem sog. „Schattendasein“ eines halb unbewusst und automatisch funktionierenden Instruments alltäglicher Kommunikation befreit und zum Gegenstand einer unmittelbar auf sie gerichteten Aufmerksamkeit und Aktivität - damit tritt ihre Materialität in den Blick.
Die Konkrete Poesie entdeckt neu, was an der Sprache greifbar, gegenständlich, konkret ist. Sie beachtet die Elemente des Ausdrucks, die Artikulation und Schreibweise, ihre Kombination zu Wortfragmenten, Wörtern und Sätzen, auch ihre Anordnung auf dem Papier (vgl. Köpf, 1984, S.182). Als kennzeichnende Merkmale dieser Textsorte kann man folglich festhalten, dass die Texte gekennzeichnet sind durch die Reduktion auf Sprachelemente, die flächenhaft zu neuen Kombinationen angeordnet werden. Ein Wort steht z.B. allein auf einem Blatt; ein Blatt ist übersät mit Buchstaben, die über verschiedene Lesebewegungen zu einem oder mehreren Wörtern zusammengesetzt werden können; Gruppen, Reihen von Wörtern finden sich in bestimmter räumlicher Anordnung; skripturale, grafische und bildnerische Elemente werden miteinander verbunden; Variationen, Vertauschungen, Collagen syntaktischer Elemente werden vorgenommen. Dieser sog. Reduktionsvorgang bringt auch einen weitgehenden Verzicht auf syntaktische Fügungen, sowie ein „Ausbrechen“ aus der gängigen Strophen- und Versstruktur des traditionellen Gedichts und schließlich aus der traditionellen „Von-links-nach-rechts“-Abfolge des Textes mit sich (vgl. Köpf, 1984, S. 182). Im Ganzen entsteht so eine sog. „räumliche Syntax“ und eine „Poesie der Fläche“ (vgl. Lange, Marquardt, Petzoldt & Ziesenis, 2001, S. 67). Ein weiteres Merkmal umschreibt, dass durch diese neuartige Anordnung der Sprachelemente und die Einbeziehung der Fläche die Konstellationen zum „Seh- und Denkgegenstand“ werden. Durch die Auflösung der syntaktischen Bezüge entsteht eine veränderte Semantik, indem die Wörter aus ihren sprachlichen Bindungen gelöst werden, wird die Bedeutungsvielfalt des Wortmaterials wieder hergestellt. Konkrete Poesie verzichtet auf narrative Zusammenhänge, denn sie will nicht Wirklichkeit abbilden, sondern ist selbst Wirklichkeit. Der kommunikative Charakter der Konkreten Poesie beruht auf ihrer Offenheit und Mehrdeutigkeit.
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Romy Kleine, 2005, Aspekte der Konkreten Poesie als lyrische Textform, Munich, GRIN Publishing GmbH
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