Vorwort
Soziale Kompetenzen sind gefragt heutzutage.
Schon Schüler sollen empathiefähig, kommunikationsfähig, konfliktfähig,
zuverlässig, umsichtig und kooperationsfähig sein.
Doch wo und wie kann man soziale Kompetenzen lernen ?
Hinsch und Pfingsten entwickelten zu diesem Zweck ein
verhaltenstherapeutisches Trainingsprogramm - das „Gruppentraining
sozialer Kompetenzen“.
Die Auswertung, Einschätzung und Optimierung dieses Trainings, im
Rahmen seiner Durchführung mit Jugendlichen in einer Kontaktstelle für
Ambulante Jugendhilfe, ist Sinn meiner Arbeit.
Soziale Kompetenztrainings entstammen der Verhaltenstherapie und
werden deshalb in erster Linie auch in therapeutischem Kontext
eingesetzt. Als dementsprechend schwierig erwies sich die Beschaffung
von Informationen zur Anwendung und Verbreitung entsprechender
Trainings im sozialpädagogischen Alltag.
Hauptgrundlage meiner Arbeit sind Interviews mit Jugendlichen, die am
Training teilgenommen haben. Ihnen möchte ich an dieser Stelle für ihre
Offenheit danken, ohne die meine Arbeit nicht das wäre, was sie
geworden ist.
Außerdem möchte ich den Mitarbeiter/innen der Kontaktstelle - und
besonders meiner Anleiterin Gudrun Rosenauer - für ihre Unterstützung
und Begleitung danken.
Ich hoffe, ich kann ihnen mit dieser Arbeit einige Anregungen geben.
Inhaltsverzeichnis 4
Franziska Mälzer Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Jugendliche
Inhaltsverzeichnis
ERKL ÄRUNG. 2
VORWORT 3
INHALTSVERZEICHNIS. 4
1. EINLEITUNG. 8
1.1. Problemstellung - das Anliegen der Arbeit. 8
1.2. Abgrenzung des zu behandelnden Themenbereiches. 9
1.3. Aufbau der Arbeit. 11
1.4. Der Begriff der Sozialen Kompetenz. 12
2. SOZIALE KOMPETENZTRAININGS IN IHRER VIELFALT 14
2.1. Anwendungsbereiche 14
2.2. Zielgruppen. 14
2.3. Trainings mit Jugendlichen. 16
2.3.1. Was Sandkastenrocker von Heulsusen lernen können 17
2.3.2. Unverletzende Selbstbehauptung. 18
2.4. Resümee 19
3. DAS GRUPPENTRAINING SOZIALER KOMPETENZEN NACH
HINSCH / PFINGSTEN 19
3.1. Entstehung sozialer Kompetenzprobleme in der Präadoleszenz 20
3.1.1. Überforderungssituationen. 20
3.1.2. Erwerb sozialer Ängste. 20
3.1.3. Lerndefizite 21
3.1.4. Erfahrungen mit Selbstverstärkung / Selbstbestrafung 21
3.2. Konzeption des GSK und allgemeine Vorgehensweise. 22
3.2.1. Drei Typen sozialer Situationen 23
3.2.1.1. Recht durchsetzen (Typ R) 23
3.2.1.2. Beziehungen (Typ B) 23
3.2.1.3. Um Sympathie werben (Typ S) 23
3.2.2. Trainingselemente des GSK. 24
3.2.2.1. Trainingselemente auf der kognitiven Ebene 24
3.2.2.2. Trainingselemente auf der emotionalen Ebene 26
3.2.2.3. Trainingselemente auf der motorischen Ebene 26
Inhaltsverzeichnis 5
Franziska Mälzer Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Jugendliche
4. DIE KONTAKTSTELLE UND IHRE JUGENDLICHEN 27
4.1. Die Kontaktstelle für Ambulante Jugendhilfe in Ludwigsburg. 27
4.1.1. Die Strukturen 27
4.1.2. Vier verschiedene Betreuungsformen 27
4.1.2.1. Das Betreute Jugendwohnen (BJW) 27
4.1.2.2. Die Übergangsbetreuung (ÜB) 28
4.1.2.3. Die Erziehungsbeistandschaft (EB) 28
4.1.2.4. Die Intensive Sozialpädagogische Einzelfallhilfe (ISE) 28
4.1.3. Rechtliche Grundlagen der Arbeit in der Kontaktstelle 28
4.2. Qualifikation der Mitarbeiter. 29
4.3. Die Jugendlichen. 29
4.3.1. Gesellschaftliche Situation Jugendlicher 29
4.3.2. Besonderheiten Jugendlicher in der Ambulanten Jugendhilfe 30
4.3.3. Die Rolle der Sozialarbeit 31
5. DAS GSK IN DER KONTAKTSTELLE. 31
5.1. Warum das Training in der Kontaktstelle ? 32
5.2. Wozu ? à Ziel des GSK im Kontext der Kontaktstelle 33
5.3. Modifikationen und Besonderheiten des Trainings. 33
5.3.1. Modifikationen 33
5.3.2. Das Training in einer Gruppe Jugendlicher - Chancen und Risiken
34
6. DURCHFÜHRUNG DES TRAININGS IM HERBST 2000 35
6.1. Mitwirkende 35
6.2. Ablauf. 36
6.3. Materialien. 37
7. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUR
ERKENNTNISGEWINNUNG 38
7.1. Eine Evaluation ? 39
7.2. Mein Erkenntnisinte resse. 40
7.3. Die Informationsquellen. 41
7.3.1. Die Stundenbögen. 41
7.3.1.1. Inhalt des Stundenbogens 42
7.3.1.2. Vorgehen bei der Auswertung 42
7.3.2. Leitfadeninterviews. 42
7.3.2.1. Auswahl der interviewten Jugendlichen 43
7.3.2.2. die Form des Interviews 43
7.3.2.3. Aufbau des Interviewleitfadens. 44
7.3.2.4. Durchführung der Interviews 46
Inhaltsverzeichnis 6
Franziska Mälzer Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Jugendliche
7.3.2.5. Vorgehen zur Auswertung der Interviews. 46
8. AUSWERTUNGEN UND ERGEBNISSE 47
8.1. Auswertung der Stundenbögen. 47
8.2. Ergebnisse der Interviews 49
8.2.1. Vorgeschichte, Erwartungen, „Motivationsträger“ 49
8.2.2. Rahmenbedingungen des Trainings 51
8.2.2.1. Zeitpunkt und Räumlichkeiten. 51
8.2.2.2. Training in der GRUPPE und Abendessen. 51
8.2.3. Methoden des Trainings 53
8.2.3.1. Materialien. 53
8.2.3.2. Verständlichkeit der Erklärungen der Trainer 56
8.2.3.3. Rollenspiele 57
8.2.3.4. Video- bzw. Tonkassettenaufnahmen. 60
8.2.3.5. Hausaufgaben. 61
8.2.3.6. Entspannungstraining. 62
8.2.3.7. Umfang des Trainin gs und der einzelnen Trainingseinheiten 62
8.2.4. Beziehungen. 63
8.2.4.1. Stimmung und Atmosphäre während des Trainings 63
8.2.4.2. Beziehungen unter den Teilnehmern 63
8.2.4.3. Verhältnis zu den Trainern 64
8.2.5. Transfer der Trainingsinhalte in den Alltag und abschließende
Reflexion des Trainings durch die Jugendlichen 64
8.2.5.1. Eindruck, dass das Training weitergeholfen hat 64
8.2.5.2. Nachhaltig Eindrückliches. 65
8.2.5.3. AHA - Erlebnis (Situation im Alltag, die im Training
vorgeübt wurde) 66
8.2.5.4. sekundäre Gewinne aus dem GSK 66
8.3. Zusammenfassung Konsequenzen. 67
9. ÄNDERUNGSVORSCHLÄGE - NACH AUSEINANDERSETZUNG
MIT KRITISCHEN FAKTOREN. 68
9.1. Diskriminations - bzw. Unterscheidungstraining 69
9.2. Instruktionspapiere für selbstsicheres Verhalten. 70
9.3. Rollenspiele 70
9.3.1. Handeln statt darüber reden 70
9.3.2. Situationen vorgeben oder selbst entwerfen ? 71
9.3.3. vorgegebene Rollenspiele 73
9.3.4. Rollenspiele selbst entwerfen. 73
9.4. Änderungen der Materialblätter. 74
9.5. Zusammenfassung 75
10. GSK UND SOZIALARBEIT 75
10.1. Sozialarbeit versus Therapie 75
Inhaltsverzeichnis 7
Franziska Mälzer Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Jugendliche
10.2. Einbettung des Trainings in die Arbeit in der Kontaktstelle 76
11. ZUSAMMENFASSENDE BET RACHTUNG / RESÜMEE /
OFFENE FRAGEN. 78
11.1. Kurz - Resümee der Arbeit 78
11.2. Wechselseitiges Lernen. 78
11.3. Freiwilligkeit und Prävention. 78
11.4. offene Fragen: 79
11.4.1. intellektuelles Niveau des Trainings 79
11.4.2. Aussteiger 80
11.4.3. Sozialarbeiter/innen als Trainer/innen. 80
11.5. „Unverletzende Selbstbehauptung“ statt GSK. 81
12. LITERATURVERZEICHNIS. 83
13. ANHANG 87
1. Einleitung
1.1. Problemstellung - das Anliegen der Arbeit
Von F ebruar bis August 2000 absolvierte ich mein zweites
Praxissemester in einer der beiden Kontaktstellen für Ambulante
Jugendhilfe der Karlshöhe in Ludwigsburg. Die Kontaktstellen bieten
Kindern und Jugendlichen im Rahmen des SGB VIII Hilfe und
Unterstützung bei ihrer Lebensbewältigung.
Während des Praktikums kam die Sprache immer wieder auf ein
Selbstsicherheitstraining, das alljährlich im Herbst für und mit den
Jugendlichen in der Kontaktstelle durchgeführt werde. Interessehalber
arbeitete ich mich in die T rainingsmaterialien ein. In der
Auseinandersetzung damit entstand der Wunsch, mich aktiv an dem
Training zu beteiligen. Daraufhin erhielt ich das Angebot, beim nächsten
Kurs als Trainerin mitzuwirken. ich nahm gerne an, auch wenn dieser
erst nach Ablauf meines Praxissemesters stattfand.
Noch während des Praxissemesters bereitete ich das Training intensiv
vor und auf.
Grundlage für das Training bildet das „Gruppentraining sozialer Kompetenzen“ nach Hinsch/Pfingsten 1 . Das ursprünglich für
Erwachsene konzipierte Training wurde von Mitarbeitern der
Kontaktstelle zum Teil abgewandelt und verändert, so dass es mit
Jugendlichen durchgeführt werden kann.
In meiner Arbeit habe ich vor, das Training in dieser Form auf seine
Sinnhaftigkeit, Angemessenheit und Auswirkungen hin zu überprüfen
und zu hinterfragen. Hierbei werden die Einschätzungen und
Bewertungen der teilnehmenden Jugendlichen eine große Rolle spielen.
Die Fragen, die sich zum Thema „Gruppentraining sozialer
Kompetenzen für Jugendliche in der Ambulanten Jugendhilfe“
aufwerfen, sind vielfältig.
1 Hinsch/Pfingsten, 1998
Von Interesse ist zuerst einmal: Was sind eigentlich soziale
Kompetenzen ? In welcher Situation finden sich Kinder und Jugendliche
in der heutigen Gesellschaft ? Mit welchen Problemen, schwierigen
Lebenslagen und Familienverhältnissen müssen besonders
Jugendliche, die in Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe
eingegliedert sind, zurechtkommen ? Welche sozialen Kompetenzen
brauchen diese Jugendlichen ? Wo können sie diese erlernen und
erproben ? Und wo nicht ? Wo entstehen zwangsläufig Defizite ?
Welche Motivation haben die Betreuer der Jugendlichen, ihnen ein
Training sozialer Kompetenzen anzubieten ? Was wollen sie damit
erreichen ? Und ist das auch im Interesse der Jugendlichen ?
Weiterhin stellt sich die Frage, was das Gruppentraining sozialer
Kompetenzen (im folgenden GSK genannt) wirklich leisten und bewirken
kann. Macht ein solches Training überhaupt einen Sinn ? Wäre für die
Jugendlichen unter Umständen ein anderes Training sinnvoller oder
angemessener ?
Welche anderen Trainingsformen gibt es außerdem ? Wie weit verbreitet
sind diese Trainings generell ? Wo werden sie hauptsächlich
durchgeführt und angewendet ? Gibt es Erfahrungen mit ähnlichen
Trainings im sozialpädagogischen Kontext und Arbeitsbereich ?
Und schließlich: Was wirkt am GSK ? Ist das GSK in seiner jetzigen
Form schon für Jugendliche optimiert ? Oder gibt es noch
Verbesserungsmöglichkeiten ? Wie sind die Anwendungsbedingungen
des GSK ? Gibt es Differenzierungen für Jugendliche mit verschiedenen
intellektuellen und persönlichen Ressourcen ? Funktioniert der Transfer
trainierter Verhaltensweisen in den Alltag der Jugendlichen ?
Wie ist das Training in das Gesamtbetreuungskonzept der Kontaktstelle
eingegliedert ? In welche vor- und nachfolgenden Maßnahmen ist das
Training eingebettet ? Werden die Trainingsinhalte nach dem Training
wieder aufgegriffen und weitergeführt ?
Und vor allem: Was sagen die Jugendlichen zum GSK ?
Der Fülle dieser Fragen auf den Grund zu gehen, würde den Rahmen
einer Diplomarbeit sprengen. Darum möchte ich einige Einschränkungen
vornehmen.
So wird ein Vergleich verschiedener Selbstsicherheitstrainings bzw.
Trainings sozialer Kompetenzen nicht Inhalt meiner Diplomarbeit sein.
Auch einer differenzierten Ortsbestimmung der Lage Jugendlicher in
unserer Gesellschaft werde ich mich nicht annehmen.
Ebenfalls nicht leistbar ist eine objektive Erfolgsüberprüfung des
Trainings. Es gibt zwar Möglichkeiten, Veränderungen durch das Training zu überprüfen, wie zum Beispiel den IE-SV-F 2 . Um hierbei
jedoch ein signifikantes Ergebnis zu erzielen, bedarf es einerseits einer
bestimmten Teilnehmerzahl und andererseits auch Vergleichsgruppen,
die nicht an dem Training teilnahmen und ebenfalls überprüft werden.
„Hat man z.B. nur eine einzige Trainingsgruppe mit ca. acht bis zehn
Teilnehmern (oder gar weniger), muß die Wirkung des Trainings schon sehr groß sein, um auch statistisch nachweisbar zu sein.“ 3 Da die von
mir zu beschreibende Trainingsgruppe aus nur vier bis sieben
Teilnehmern bestand, fällt die Möglichkeit einer objektiven
Erfolgsüberprüfung aus.
Mein Ziel wird daher sein, zu überprüfen, wie das GSK speziell in der
Kontaktstelle mit den Jugendlichen angemessen durchgeführt werden
kann.
Ich werde mich dabei auf das GSK als Trainingskurs in seiner von den
Mitarbeitern der Kontaktstelle modifizierten Form beschränken.
Zur Einschätzung und Bewertung des Trainings möchte ich vor allem
diejenigen Jugendlichen zu Wort kommen lassen, die an dem von mir
miterlebten Training teilgenommen haben.
Ihre Meinungen wurden auf zwei Wegen erhoben. Zum einen durch
ausfüllen eines Fragebogens am Ende jeder Trainingseinheit (der
sogenannte Stundenbogen) und zum anderen durch
Leitfadeninterviews, in denen ich die Jugendlichen speziell zum Training
befragte, um die pauschalen Antworten der Stundenbögen mit Leben
2 Der IE-SV-F ist ein Fragebogen, mit dem die kognitive Verarbeitung von Erfolgs- und Misserfolgssituationen erfasst werden kann (Dorrmann & Hinsch, 1981). Aufgrund der von Hinsch und Pfingsten wahrgenommenen Tatsache, dass sich die Attribuierungsgewohnheiten von Erfolgen und Misserfolgen durch die Teilnahme am GSK verändern (Hinsch/Pfingsten, 1998, S.133), ist dieser Fragebogen eine geeignete Methode, eben diese Attribuierungsgewohnheiten der Teilnehmer vor und nach dem Training zu erfassen, miteinander zu vergleichen und so Veränderungen, die das Training bewirkte, festzustellen.
3 Hinsch/Pfingsten, 1998, S. 135
und Inhalt füllen zu können und ein komplexes Bild der Einschätzung
des Trainings durch die Jugendlichen zu bekommen.
Die Auswertung der Stundenbögen und Interviews sowie meine eigenen
Beobachtungen werden die Grundlage für eine kritische Betrachtung
des Trainings sein.
Ich werde die Arbeitsmaterialien und Inhalte des Trainings auf ihre
Eignung für Jugendliche hin noch einmal überprüfen und
Änderungsvorschläge erarbeiten, wo es mir sinnvoll erscheint.
Außerdem werde ich mich damit beschäftigen, wie das Training in die
Arbeit der Kontaktstelle und damit in die Betreuung der Jugendlichen
eingebettet ist.
Meine Diplomarbeit wird somit der nachstehenden Gliederung folgen:
1.3. Aufbau der Arbeit
Der Einleitung folgend werde ich mich im zweiten Kapitel mit dem
aktuellen Stand der Forschung und Literatur im Bezug auf Soziale
Kompetenztrainings auseinandersetzen.
Das dritte Kapitel widmet sich dem Gruppentraining Sozialer
Kompetenzen nach Hinsch/Pfingsten, seinen Grundlagen, Zielen und
Inhalten.
Im darauffolgenden vierten Kapitel stelle ich die Kontaktstelle, die dort
stattfindende Arbeit sowie die Zielgruppe des Trainings - die betreuten
Jugendlichen - vor.
Im fünften Kapitel werde ich darstellen, aus welcher Motivation heraus
und mit welcher Absicht das Training von den Mitarbeitern der
Kontaktstelle initiiert und etabliert wurde und in welcher Form das
Training für die Verwendung in der Kontaktstelle modifiziert wurde.
Wie das Training im Herbst 2000 konkret aussah, werde ich im sechsten
Kapitel beschreiben.
Das siebte Kapitel schließlich beschäftigt sich mit den Methoden der
Erkenntnisgewinnung meiner Arbeit. Ich zeige Methoden auf, begründe
deren Verwendung und stelle ihre konkrete Form dar.
Im achten Kapitel folgen die Auswertungen der Stundenbögen und
Interviews.
Die daraus resultierenden Änderungsvorschläge für das Training stelle
ich im neunten Kapitel dar.
Im zehnten Kapitel befasse ich mich noch einmal ausführlich mit der
Verwendung des verhaltenstherapeutischen GSK im
sozialarbeiterischen Kontext.
Den Schluß bildet schließlich das elfte Kapitel mit zusammenfassenden
Betrachtungen und dem Resümee meiner Arbeit.
Doch nun möchte ich zuerst einmal den Begriff der sozialen Kompetenz
klären.
1.4. Der Begriff der Sozialen Kompetenz
Der Begriff „soziale Kompetenz“ ist mit unterschiedlichen Bedeutungen
gefüllt. So bauen z.B. verschiedene Trainings auf einer jeweils eigenen Definition sozialer Kompetenz auf. 4
Im Fachlexikon Sozialer Arbeit wird der Begriff „Soziale Kompetenz“
folgendermaßen definiert:
„Der Begriff geht auf den symbolischen Interaktionismus zurück und
beruht auf der theoretischen Annahme, dass das faktisch sichtbare
Verhalten eines Individuums durch den Erwerb von Grundmustern in der
primären Sozialisation zustande kommt und bedingt ist. Das neue
Gesellschaftsmitglied erwirbt danach seine soziale
Handlungskompetenz (...) aufgrund symbolischer und kognitiver
Fähigkeiten im Rollenhandeln. (...)
Soziale Kompetenz ermöglicht die Erklärung von eigenständiger
Informationsaufnahme und -interpretation, der Problemlösung und somit
von autonomer Handlungsfähigkeit von Individuen in der Gesellschaft. (...)“ 5
Hinsch und Pfingsten „brechen“ den Begriff auf eine „alltäglichere“
Ebene herunter:
4 vgl. Döpfner et al., 1981, Kastner, 1996, Petermann/Petermann, z.B. 1987, Feldhege/Krauthan, 1979, S.8
5 Fachlexikon der s ozialen Arbeit, 1993, S.855 f.
Sie gehen bei ihrer Definition von der Feststellung aus, dass Menschen
zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse und zur Erreichung ihrer Ziele immer
wieder auf soziale Interaktionen angewiesen seien. Dazu verfügten sie
in mehr oder minder starkem Maße über Fertigkeiten, akzeptable
Kompromisse zwischen sozialer Anpassung einerseits und individuellen
Bedürfnissen andererseits zu finden und zu verwirklichen. Diese
Fertigkeiten bezeichnen Hinsch und Pfingsten als „soziale Kompetenzen“ 6 .
Versuche, diesen Begriff in beobachtbare Verhaltensweisen zu
übersetzen, führen jedoch immer wieder zu erheblichen Widersprüchen
und Unklarheiten. Um eine allzu willkürliche Festlegung sozial
kompetenter bzw. inkompetenter Verhaltensweisen zu verhindern,
halten Hinsch und Pfingsten eine allgemeinere Definition für nötig. Demnach definieren sie in Anlehnung an Döpfner, Schlüter & Rey 7
soziale Kompetenzen als die Verfügbarkeit und Anwendung von
kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, die in
bestimmten sozialen Situationen zu einem langfristig günstigen
Verhältnis von positiven und negativen Konsequenzen für den Handelnden führen. 8
Diese Definition liefert zwar einen formalen Rahmen für die Bestimmung
des Zielverhaltens, sie konkretisiert jedoch nicht inhaltlich, was unter
sozialer Kompetenz verstanden werden soll.
Denkt man weiter, könnte man nun Verhaltensweisen als kompetent
bezeichnen, die eine optimale Zielerreichung bewirken. So bewerten
Hinsch und Pfingsten ein Verhalten auch nur in der Relation zu den
beabsichtigten Zielen als positiv oder negativ. „Habe ich z.B. das Ziel,
meinen Partner zu verletzen, erlebe ich sein Beleidigtsein als positive
Konsequenz, habe ich aber das Ziel, mich mit ihm zu versöhnen, nehme ich das eher als negative Konsequenz wahr.“ 9
6 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.12f. und 55f.
7 Döpfner,M. , Schlüter, S. & Rey, E.-R., 1981
8 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.13
9 a.a.O., S. 56
Sie legen besonderen Wert auf die „relative Unabhängigkeit von kurzfristigen Verstärkungen durch die soziale Umwelt.“ 10 und begeben
sich damit in Widerspruch zu einer Definition von Döpfner et al., die ein
Verhalten nur dann als sozial kompetent bezeichnen, wenn es „von der
sozialen Umwelt als positiv, zumindest aber als akzeptabel bewertet wird.“ 11
Abschließend lässt sich sagen: Soziale Kompetenz ist kein einheitliches
Konstrukt, sondern lediglich der Oberbegriff für eine Menge
verschiedener sozialer Kompetenzen und damit immer relativ.
2. Soziale Kompetenztrainings in ihrer Vielfalt
Ihren Ursprung nahm die Entwicklung von Trainings sozialer
Kompetenzen in der Psychotherapie. Sie bauen meist auf
verhaltenstherapeutischen Methoden auf und wurden im klinischen
Bereich intensiv auf Anwendbarkeit und Wirksamkeit überprüft.
Trainings sozialer Kompetenzen gibt es für verschiedenste Zielgruppen.
Sie dienen unterschiedlichen Zielen und haben viele Formen.
Diese Differenzierungen möchte ich im folgenden näher darstellen.
2.1. Anwendungsbereiche
Soziale Kompetenztrainings werden entweder zur Prävention
durchgeführt. Ziel ist dabei die Vermittlung sozialer Kompetenz um der
Entstehung von Verhaltensproblemen frühzeitig vorzubeugen.
Oder sie dienen der therapeutischen Rehabilitation. Dann behandeln sie bereits vorhandene Verhaltensschwierigkeiten. 12
Die Vielzahl sozialer Trainings beschäftigt sich mit letzterem Phänomen.
2.2. Zielgruppen
Soziale Kompetenztrainings wurden für sehr vielfältige Zielgruppen
entwickelt, so unter anderem für • Menschen mit sozialen Kompetenzdefiziten,
10 a.a.O., S. 55
11 Döpfner et al., 1981, S. 234
12 vgl: Feldhege/Krauthan, 1979, S.16
die nicht über ein ausreichendes Repertoire an Verhaltensweisen
verfügen, um soziale Situationen angemessen zu bewältigen.
• Menschen mit sozialen Ängsten bzw. Sozialphobien 13
Dies ist eine sehr große Gruppe, denn soziale Ängste und psychische
Störungen bedingen sich häufig gegenseitig und sind somit nicht wirklich voneinander abzugrenzen. 14 Hier ist das erste Ziel eine Entängstigung
bevor konkrete Fertigkeiten erlernt werden können. 15
• Menschen mit Depressionen
„Bezogen auf Depressive versteht man unter „Sozialer Kompetenz“ die
Fähigkeit dieser Person, ihre alltäglichen Beziehungen zu anderen
Personen (Freunde, Partner, Arbeitskollegen, Bekannte, Fremde) so zu
gestalten, dass sie ein hohes Maß an angenehmen und positiven Konsequenzen erfahren.“ 16
• Menschen mit psychosomatischer Symptomatik
Die stationäre verhaltenstherapeutische Psychosomatik sieht
Selbstsicherheitstrainings als Standardtherapiekomponente vor. Damit
sollen einerseits spezifische Defizite überwunden werden. Zusätzlich
wird eine allgemeine Steigerung der Lebenszufriedenheit durch die Erhöhung von Selbstsicherheit und Selbstvertrauen angestrebt. 17
• Randgruppen
Zu dieser Gruppe zählen etwa jugendliche und heranwachsende
Straffällige, Inhaftierte, Arbeitslose und alleinerziehende Mütter. Soziale
Trainingskurse sollen „Ursachen und Folgen abweichenden Verhaltens
transparent machen, Verhaltensänderungen initiieren, indem
Sozialisationsdefizite gezielt angegangen und alternative
Verhaltensmöglichkeiten aufgezeigt werden.“ 18
• aggressive und sozial unsichere Kinder
Für Kinder und Jugendliche gibt es eine ganze Reihe von
Trainingsformen. Hier ist auch der Aspekt der Prävention am stärksten
vertreten, da Kinder und Jugendliche noch keine ausgereiften
13 Markgraf/Rudolf, 1995, S.12:
„Unter Sozialphobien versteht man eine dauerhafte, unangemessene Furcht und Vermeidung von Situationen, in denen die Betroffenen mit anderen Menschen zu tun haben und dadurch einer möglichen Bewertung im weitesten Sinne ausgesetzt sind. Menschen mit einer Sozialphobie befürchten zu versagen, sich lächerlich zu machen oder durch ungeschicktes Verhalten gedemütigt zu werden.“
14 Vgl: Ullrich und Ullrich, 1995, S.77
15 a.a.O., 1995, S.78
16 Hautzinger und Ingebrand, 1995, S.155
17 Geissner / Gonzales-Martin / Rief / Fichter, 1995, S.172f.
18 Belz und Muthmann,1985, S.7
Persönlichkeitsstrukturen haben und somit sehr gut vorbeugend
stabilisiert werden können.
Ziel sozialer Kompetenztrainings mit sozial unsicheren Kindern ist es,
„das Sozialverhalten positiv zu beeinflussen, das Kinder in wichtigen
Alltagskontexten (Schule, Pausenhof, Spielplatz, zu Hause usw.) zeigen.
Dies sollte dann eine Veränderung wesentlicher anderer
Anpassungsvariablen wie z.B. die Integration in der Schulklasse nach
sich ziehen. Auch das subjektive Befinden der Kinder sollte sich entsprechend verbessern.“ 19
Ulrike Petermann eröffnet in ihrem Training die Möglichkeit, spezifische Therapieziele für jedes Kind anzustreben. 20
Auch für aggressive Kinder entwickelten Petermann und Petermann ein Training 21 . Sie sehen einmal den Wunsch, eigene Bedürfnisse
egoistisch durchzusetzen als Ursache von Aggressionen bei Kindern.
Zum anderen gibt es aber auch angstmotiviert aggressive Kinder. Das
Training begegnet beidem mit sehr vielfältigen Methoden. • Jugendliche
Mit den Trainings mit Jugendlichen beschäftige ich mich im folgenden
Abschnitt.
2.3. Trainings mit Jugendlichen
Auf diesen Punkt möchte ich näher eingehen, da einerseits die GSK-Modifikation auch ein Training für Jugendliche ist, und sich andererseits
in diesem Bereich besonders interessante Entwicklungen zeigen.
Zunächst scheint es so, wie Hinsch und Pfingsten bemängeln:
„Obwohl soziale Kompetenz für Jugendliche, die sich bekanntlich in einer schwierigen Altersstufe befinden (Eintritt in das Erwachsenenleben, Partnersuche, Loslösung vom Elternhaus), einen besonderen Stellenwert hat, wenden sich Trainings für diese Zielgruppe vorwiegend an spezielle Problemgruppen, wie straffällige, suchtkranke oder
22 verhaltensgestörte Jugendliche.“
So existiert tatsächlich eine Vielzahl an Trainings für Jugendliche, deren „Kind schon in den Brunnen gefallen ist“. 23
19 Lübben und Pfingsten, 1995, S.129
20 Petermann und Petermann, 1986, S.78
21 vgl.: Petermann / Petermann, 1988 22 Hinsch/Pfingsten, 1998, S. 51
23 wie z.B. Pielmaier, 1980; Steller/Hommers/Zienert, 1978
Doch gerade für Jugendliche gibt es auch viele präventive Ansätze und
neue Projekte, besonders in der Schule.
Petermann/Petermann entwickelten in „Pionierarbeit“ 1987 ein erstes
Training, dessen Ziel es ist, die allgemeine Handlungskompetenz im Arbeits- und Sozialverhalten von Jugendlichen zu fördern 24 um sie damit
zu stärken und in ihrer Persönlichkeit zu festigen.
Für den Bereich Trainings und Projekte in der Schule möchte ich zwei
Beispiele aus neuester Zeit erwähnen:
Dieses Projekt war zuerst einmal ein Forschungsprojekt in Nordrhein-
Westfalen, in dem ausgehend von der geschlechtsspezifischen
Sozialisationsforschung und der pädagogischen Diskussion um
reflektierte Koedukation Daten über den schulischen Alltag erhoben werden sollten. 26 Es sollte aber auch „gleichzeitig eine Sensibilisierung
für und eine Veränderung von geschlechtsstereotypem Verhalten erreicht werden.“ 27 Ziel war es, die Durchsetzungskraft bei Mädchen zu
stärken und bei Jungen soziales Verhalten und Engagement für Familie, Partnerschaft und Haushalt zu fördern. 28
In der Studie wird ein hochinteressanter Abriss von
geschlechtsspezifischem Verhalten und Einstellungen von Schülerinnen
und Schülern gegeben. Und es werden neue Methoden aufgezeigt, mit
Konflikten und Schwierigkeiten umzugehen. Dies sind unter anderem
Rollenspiele, meditative Konzentrationsübungen und neue
Kommunikationsformen, wie Mädchen- und Jungenkonferenzen. Ein
ausführlicher Materialband enthält Anregungen und Anleitungen zur
Umsetzung im Unterricht
24 vgl: Petermann / Petermann, 1987
25 Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen, Was Sandkastenrocker..., 2000
26 a.a.O., S.1
27 a.a.O., S.1
28 a.a.O., Vorwort
2.3.2. Unverletzende Selbstbehauptung 29
Dieses Karlsruher Jugendtraining entstand aus der Beobachtung
heraus, „dass die Jugendlichen als marginale Randgruppe unserer
Gesellschaft ihre Position durch ungünstiges Interaktionsverhalten noch verschlechtern.“ 30 Es erwuchs die Idee in der Schule als pädagogischer
Institution die „unverletzende Selbstbehauptungskompetenz“ 31 durch ein
entsprechendes Training zu erhöhen.
„Die Jugendlichen lernen im Schutz einer (...) Gruppe ihre Interessen
und Ziele kennen, diese kritisch zu bewerten und erwerben die soziale Kompetenz, sie unverletzend durchzusetzen.“ 32
Das Training richtet sich vorwiegend an Jugendliche der Mittelstufe (8.-
11.Klasse) und erstreckt sich über 6 Trainingseinheiten. Grundlegende
Elemente sind Theorievermittlung, Selbstreflexion und Rollenspiele. In
diesen äußeren Bedingungen ähnelt das Training sehr der GSK-Modifikation für die Kontaktstelle. Im Unterschied dazu wird aber beim
Karlsruher Jugendtraining von den Jugendlichen ein höherer Grad an
Kreativität und Selbstreflexion gefordert. Die Rollenspiele stehen
dagegen nicht so sehr im Mittelpunkt.
Die beiden Ansätze beeindrucken mich deshalb stark, weil sie eine
Tendenz weg von rein verhaltenstherapeutisch „klinischen“ Trainings hin
zu einem kreativ-spielerischen Umgang mit dem Thema soziale
Kompetenzen aufzeigen. Diese Trainings haben einen höheren
„Unterhaltungswert“ für Jugendliche - ein nicht zu unterschätzender
Punkt der Motivation, denn Jugendliche entscheiden heute vorwiegend
nach dem Lustprinzip, was sie tun. Diese Trainings machen Spaß und
die Jugendlichen lernen dabei „spielend“, sich sozial kompetent zu
verhalten.
29 Marsal, 1997
30 a.a.O., S.5
31 a.a.O., S.5
32 Marsal, 1997, S.9
2.4. Resümee
Dieser Überblick über verschiedene Trainingsformen erhebt keinerlei
Anspruch auf Vollständigkeit, er sollte lediglich die Bandbreite sozialer
Trainings und speziell Entwicklungen neuer Trainingsformen für
Jugendliche darstellen.
Worüber ich leider nur wenige Informationen bekommen konnte, war die
Verbreitung sozialer Kompetenztrainings im sozialpädagogischen bzw.
sozialarbeiterischen Bereich.
In der Arbeit mit Randgruppen, wie etwa Strafgefangenen oder
delinquenten Jugendlichen, spielen diese Trainings immer wieder eine
Rolle, wobei sie da meist „angeordnet“ oder als „Strafe“ auferlegt
werden, was ich für schwierig erachte, da eine Arbeit an der
Persönlichkeit nur auf freiwilliger Basis geschehen kann.
Eine Ausnahme bilden, wie schon aufgezeigt, die Schulen. Sie erkennen
wohl immer deutlicher die Notwendigkeit der Stärkung sozialer
Kompetenzen von Schülern besonders auch im Hinblick auf die
zunehmende Gewalttätigkeit unter Schülern. Hier wird die Erprobung
und Entwicklung neuer Projekte vorangetrieben.
3. Das Gruppentraining Sozialer Kompetenzen
nach Hinsch / Pfingsten
In diesem Kapitel möchte ich das GSK nach Hinsch & Pfingsten
vorstellen. Ich werde die Hintergründe und Grundzüge des Trainings
erläutern und damit einen Überblick über das Training vermitteln.
Hinsch und Pfingsten stellen der Konzeption ihres Programms
Überlegungen zur Entstehung sozialer Kompetenzprobleme voraus. Auf
diese möchte ich insofern eingehen, als sie vor und während der
Präadoleszenz, also dem jungen Erwachsenenalter (in dem sich auch
die Jugendlichen der Kontaktstelle befinden) eine Rolle spielen. Dabei
geht es mir darum, herauszustellen, welchen speziellen Anforderungen
und Risikofaktoren besonders Jugendliche ausgesetzt sind.
Typisch für diese Entwicklungsstufe ist die Ablösung der
Heranwachsenden vom Elternhaus. Zudem sind sie mit vielen
neuartigen Sozialsituationen konfrontiert, für deren Bewältigung die früheren kindlichen Verhaltensmuster nicht mehr ausreichen. 33
Diese Tatsache birgt folgende Risiken:
3.1.1. Überforderungssituationen
Menschen können durch objektive Lebensumstände „einem
Situationsmenü ausgesetzt sein, das sie ständig in ihren sozialen Kompetenzen überfordert“ 34 .
Bei Heranwachsenden kommt es aufgrund der entwicklungsbedingten
Veränderungen des Situationsmenüs fast zwangsläufig zu zeitweise anhaltenden Überforderungssituationen 35 .
Überforderungen wiederum erhöhen das Risiko realer Misserfolge, die
Auslöser bei der Entstehung sozialer Ängste sein können:
3.1.2. Erwerb sozialer Ängste
„Soziale Ängste führen zu unangenehmen Beeinträchtigungen in bestimmten sozialen Situationen oder zu deren völliger Vermeidung.“ 36
Sie entstehen unter anderem dann, wenn diese sozialen Situationen in
der Vergangenheit zu unangenehmen Konsequenzen führten. „Dabei
können Affekte wie Schmerz, Scham oder Schuldgefühle ausgelöst
worden sein. Entsprechend wurden diese Emotionen (...) oder auch Angstgefühle mit den betreffenden Situationen verknüpft.“ 37 Interessant
ist dabei zu wissen, dass einmalige traumatisierende Koppelungen von Reizereignissen ausreichen, um soziale Ängste zu verfestigen 38 .
33 Vgl. Hinsch/Pfingsten, 1998, S.36
34 Hinsch/Pfingsten, 1998, S. 36
35 a.a.O., S. 36
36 a.a.O., S. 38
37 a.a.O., S.39
38 Dies zeigte eine Untersuchung von Wolpe. vgl. Wolpe, 1981
Hinzu kommt, dass negative Erfahrungen eine um so nachdrücklichere
Konditionierungswirkung haben, je neuartiger Situationen für die betreffende Person sind. 39
Jugendliche stehen also in besonderer Gefahr, soziale Ängste zu
erwerben.
3.1.3. Lerndefizite
Auch Lerndefizite können für die Entstehung sozialer
Kompetenzprobleme verantwortlich sein.
Die Leistung, sich in einer konkreten Situation angemessen und effektiv
zu verhalten, ist sehr komplex und setzt umfangreiche Lernerfahrungen
voraus, die in vielfacher Hinsicht ungünstig verlaufen sein können.
„Besonders ist an folgende Möglichkeiten zu denken:
1. Das betreffende Verhalten war in der Vergangenheit nicht
erforderlich, wurde nicht geübt oder nicht verstärkt.
2. Es fehlten in der Vergangenheit Vorbilder und Modelle mit sozial
kompetenten Verhaltensweisen.
3. Sozial kompetentes Verhalten wurde durch äußere Umstände verlernt.“ 40
3.1.4. Erfahrungen mit Selbstverstärkung / Selbstbestrafung
„Menschen, die stark von externen Verstärkungen abhängig sind und
nicht gelernt haben, sich eigenen Ansprüchen gemäß selbst zu
verstärken, dürften Probleme damit haben, ihre eigenen Ziele, Bedürfnisse und Interessen im Alltag konsequent zu verfolgen.“ 41 Zur
Entstehung von Defiziten im Bereich der Selbstverstärkung sind
mindestens zwei Prozesse von Bedeutung:
1. Selbstverstärkung und Selbstlob wurden unzureichend gefördert.
Viele Menschen werden durch ihre Eltern kaum auf die Möglichkeit
angemessener Selbstverstärkung aufmerksam gemacht. „Zeigen
Kinder von sich aus selbstlobendes Verhalten, halten viele Eltern
solche Reaktionen für unbescheiden und lassen dies mehr oder
minder deutlich spüren. Das Sprichwort: „Eigenlob stinkt!“ zeigt die
39 vgl. Merckelbach et al., 1996
40 Hinsch/Pfingsten, 1998, S. 37f.
41 a.a.O., S. 42
Diskriminierung selbstverstärkender Verhaltensgewohnheiten in unserer Gesellschaft.“ 42
2. Im Laufe der Sozialisation wurden selbstbestrafende
Verhaltensgewohnheiten herausgebildet.
Dies kann mit herabsetzenden, tadelnden und geringschätzigen
Äußerungen wichtiger Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrern
zusammenhängen. Es kann aber auch die Erfahrung eine Rolle
spielen, „dass selbstkritische Äußerungen die Kritik anderer oft
verhindern und bei den Mitmenschen statt dessen positive Reaktionen wie Trost und Zuwendung hervorrufen können.“ 43
In der Auswertung meiner Interviews wird zu sehen sein, dass das
„Sich-selbst-loben“ für die jugendlichen Teilnehmer des GSK eine
besondere Schwierigkeit darstellte.
Soweit zu den Entstehungsbedingungen sozialer Kompetenzprobleme.
Es gibt sicherlich noch mehr Ursachen dafür. Hinsch und Pfingsten
haben weitere dargestellt. Mir war wichtig, aufzuzeigen, was mir auffiel,
dass nämlich die Entwicklungsstufe der Präadoleszenz besonders
wichtig und prägend für die Herausbildung sozialer Kompetenzen oder
entsprechender Defizite ist.
Bei der Entwicklung des GSK war es das Ziel von Hinsch und Pfingsten,
„ein intensives und ökonomisches Trainingsverfahren mit optimalem Wirkungsgrad zu schaffen.“ 44 Die Konzeption des GSK basiert daher auf
empirischen Forschungsergebnissen. 45
Im folgenden Kapitel gebe ich einen Überblick über die Ziele und das
Konzept des GSK. Mit der Darstellung der wichtigsten
Trainingselemente folge ich nicht dem chronologischen Ablauf des
Trainings, sondern der Systematik, welche sich aus dem Konzept
ableitet.
42 a.a.O., S. 42
43 a.a.O., S. 42
44 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.61
45 nachzulesen bei Hinsch/Pfingsten, 1998, S.61ff.
3.2.1. Drei Typen sozialer Situationen
Das Konstrukt „soziale Kompetenz“ differenzieren Hinsch/Pfingsten
entsprechend ihrer Definition nach Klassen von Situationen, die durch
das Vorherrschen bestimmter Ziele charakterisiert werden können. Sie unterscheiden drei Situationstypen 46 :
3.2.1.1. Recht durchsetzen (Typ R)
Ziel: Erfüllung eigener Forderungen, die zudem durch gesellschaftliche
Normen oder Konventionen legitimiert sind.
Beispiel: Durchführen einer Reklamation nach dem Kauf einer
fehlerhaften Ware.
„Soziale Kompetenz in diesen Situationen misst sich an der Effektivität des Verhaltens hinsichtlich der Durchsetzung dieses Rechts.“ 47
3.2.1.2. Beziehungen (Typ B)
Ziel: Die Erfüllung von Forderungen gegenüber Lebenspartnern oder
Freunden. Hier verfügt man im allgemeinen nicht über eine rechtliche
Legitimation, mit deren Hilfe man diese Forderungen durchsetzen
könnte.
Übergeordnetes Ziel: Beziehungen aufrechterhalten oder verbessern.
„In diesen Situationen geht es weniger um ein Durchsetzen als um ein
Einigen. (...) Günstig wird es sein, die eigenen Gefühle in den
Mittelpunkt der Argumentation zu stellen, denn Gefühle sind Privatereignisse und von daher nicht diskussionsfähig.“ 48
3.2.1.3. Um Sympathie werben (Typ S)
Ziel: eigene Forderungen durchsetzen in Situationen, in denen ein
anderer dafür auf sein Recht verzichten muss oder in denen man schnell
eine möglichst gute Beziehung herstellen möchte.
Beispiele: an der Kasse im Supermarkt vorgelassen werden,
Kontaktaufnahme zu anderen Personen
„Eine im Sinne des Ziels erfolgreiche Bewältigung“ wird dadurch
erreicht, „dass der Interaktionspartner mich möglichst sympathisch
findet. In solchen Situationen ist es wichtig, dass man den anderen
46 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.56f.
47 Hinsch/Pfingsten, 1998, S. 57
48 a.a.O., S. 57
verstärkt, sein Interesse bekundet, nachfragt, Komplimente macht usw.“ 49
Es kann diskutiert werden, „ob die drei Situationstypen wirklich
Eigenschaften von Situationen wiederspiegeln oder ob nicht vielmehr die
Priorität der Ziele das wesentliche Kriterium für eine Differenzierung darstellt.“ 50 Hinsch und Pfingsten tendieren zu letzterem. Um den
Klienten jedoch die Möglichkeit einer Differenzierung und damit
Handhabbarkeit der Situationen an die Hand zu geben, wird ihnen
folgendes Konzept vermittelt:
• „Es gibt verschiedene, voneinander abgrenzbare Klassen von
Situationen (Situationstypen)
• Je nach Situationstyp sind unterschiedliche Fertigkeiten (soziale
• Die Frage, welchem Typ eine konkrete Situation zuzuordnen ist,
Im GSK werden Bewältigungsfertigkeiten auf kognitiver, emotionaler und
motorischer Ebene vermittelt. Die Autoren gehen davon aus, dass diese
drei Ebenen bei der kompetenten Bewältigung sozialer Situationen
zusammenwirken.
3.2.2.1. Trainingselemente auf der kognitiven Ebene
Das Erklärungsmodell 52 a)
Wichtigstes Trainingselement sowie elementare Grundlage des
Trainings ist das Erklärungsmodell. „Dem Klienten wird (damit) ein
Schema zur Verfügung gestellt, in das er seine eigene Problematik einordnen und mit dem er sie - in gewissen Grenzen - erklären kann.“ 53
Zudem werden mit dem Erklärungsmodell gleichzeitig Informationen
über Ziele, Aufbau und Struktur des Trainings vermittelt.
49 a.a.O., S. 57
50 a.a.O., S. 57
51 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.58
52 Materialband, S. 22
53 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.58
Das Erklärungsmodell findet sich im Materialband meiner Diplomarbeit.
Es basiert, kurz gesagt, auf den drei Ebenen des Trainings (kognitive,
emotionale und motorische Ebene). Es sagt aus: Negative
Selbstverbalisationen (also Kognitionen) führen zu negativen Gefühlen
(wie Angst und Unsicherheit) und diese wiederum zu vermeidendem
bzw. Fluchtverhalten in sozialen Situationen. Positive
Selbstverbalisationen hingegen bewirken ein Gefühl der Zuversicht und
ein aktives Zugehen auf Situationen.
Ziel des Trainings ist es, die „Seiten zu wechseln“ und daran wird auf
allen drei Ebenen gearbeitet.
Weitere Trainingselemente:
b) Unterscheidung nach Situationstypen
wie unter 3.2.1. erläutert.
Differenzierung von aggressivem und selbstsicherem Verhalten 54 c)
Das sogenannte Diskriminations- bzw. Unterscheidungstraining „wird
nicht unter moralischen oder ethischen Gesichtspunkten eingeführt, sondern nur unter dem Aspekt der Zielerreichung diskutiert.“ 55
d) Unterscheidung von Gefühlen und Kognitionen
Diese Übungen stellen für das Aussprechen-können von Gefühlen eine
wesentliche Voraussetzung dar. Die Unterscheidung von Gefühlen und
Kognitionen ist auch für Trainer nicht einfach und wird während des
Trainings immer wieder thematisiert.
e) Selbstlobeübung
„Da die Selbstverbalisationen sozial inkompetenter Personen eine große
Zahl negativer Etikettierungen der eigenen Person enthalten, werden die
Klienten in dieser Übung angehalten, positive Aspekte zu suchen und auszusprechen.“ 56
Ein ähnliches Ziel verfolgt das
f) Viedeofeedback
54 Materialband, S. 27
55 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.59
56 a.a.O., S. 59
im Anschluss an die Rollenspiele. Nachdem sich die Klienten ihr
Rollenspiel noch einmal angeschaut haben, sollen sie positive Aspekte
des eigenen Verhaltens hervorheben.
3.2.2.2. Trainingselemente auf der emotionalen Ebene
Entspannungstraining 57 a)
Um eine Bewältigungsfertigkeit auf der emotionalen Ebene zu erlernen,
ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson in modifizierter
Form Teil des Trainings. Die progressive Muskelentspannung ist eine
aktive Form der Entspannung. Mit Erlernen dieser Technik erfahren die
Klienten einen Zuwachs an Selbstkontrolle und gesteigertes
Kompetenzvertrauen.
3.2.2.3. Trainingselemente auf der motorischen Ebene
Rollenspiele mit Videofeedback 58 a)
„Verhaltensfertigkeiten werden in Rollenspielen mit Videofeedback
geübt, die - zeitlich betrachtet - den größten Teil des Trainings beanspruchen..“ 59
In - vivo - Übungen 60 b)
„Dem Transfer in die Realität dienen In-vivo-Übungen, die als Hausaufgaben durchgeführt werden.“ 61 In-vivo-Übungen sind kleine
Rollenspielsituationen, die im realen Leben durchgeführt werden (z.B.
sich in einem Laden Dinge vorführen lassen und diese dann nicht
kaufen).
Soweit zur Darstellung der Ziele und Trainingselemente des GSK nach
Hinsch/Pfingsten. Der genaue Ablauf ist in der für die Jugendliche
modifizierten Form im Materialband meiner Arbeit zu finden.
57 a.a.O., S. 122ff.
58 Materialband, S. 24, 34 und 39
59 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.60
60 Materialband, S. 33 und 42
61 Hinsch/Pfingsten, 1998, S.60
4. Die Kontaktstelle und ihre Jugendlichen
Da sich meine Diplomarbeit mit der Optimierung des GSK für die
Kontaktstelle für Ambulante Jugendhilfe der Karlshöhe in Ludwigsburg
befasst, möchte ich in diesem Kapitel die Kontaktstelle erst einmal näher
vorstellen. Dabei werde ich auf folgende Fragen eingehen: In welche
Strukturen ist die Kontaktstelle eingebunden ? Wie sieht die Arbeit dort
konkret aus ? und: Welche Jugendlichen finden den Weg zur
Kontaktstelle ?
Die Kontaktstelle für Ambulante Jugendhilfe ist Teil der Kinder- und
Jugendhilfe der Karlshöhe Ludwigsburg.
Die Karlshöhe ist Mitglied des Diakonischen Werkes der Evangelischen
Kirche in Württemberg. Auf der Karlshöhe leben und arbeiten heute ca.
800 Menschen in verschiedenen Einrichtungen der Behindertenhilfe, der
Wohnungslosenhilfe, Altenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe.
Das Angebot der Kinder- und Jugendhilfe reicht von stationären über
teilstationäre bis hin zu ambulanten Hilfeangeboten. Auch
Schulsozialarbeit, Inobhutnahme und Notaufnahme in Familien werden
von der Kinder- und Jugendhilfe der Karlshöhe realisiert.
In den Bereich der Ambulanten Jugendhilfe fallen
4.1.2. Vier verschiedene Betreuungsformen
nämlich
4.1.2.1. Das Betreute Jugendwohnen (BJW)
Das „Betreute Jugendwohnen“ b ietet Jugendlichen (ab 16 Jahren),
welche vormals in stationären Hilfeangeboten eingegliedert waren und
solchen, die aufgrund von Konflikten und problematischen
Lebensverhältnissen nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie bleiben können
oder wollen, die Möglichkeit, in einer eigenen Wohnung zu leben.
Begleitend dazu findet eine regelmäßige Betreuung statt. Diese hat das
Ziel, die Jugendlichen zu befähigen, ihr Leben in allen Bereichen
selbständig und eigenverantwortlich zu organisieren und zu gestalten.
4.1.2.2. Die Übergangsbetreuung (ÜB)
Die Übergangsbetreuung findet im Anschluss an das BJW statt. Ziel ist
es, die Jugendlichen auf dem Wege der Verselbständigung zu begleiten.
Der Betreuungsschlüssel ist hier wesentlich niedriger als beim BJW.
Die Intensität der Betreuung nimmt also ab.
4.1.2.3. Die Erziehungsbeistandschaft (EB)
Die EB ist konzeptioniert für Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 9
bis 16 Jahren.
Bei jüngeren Kindern ist vorwiegendes Ziel, die Herkunftsfamilie soweit
zu stabilisieren, dass diese ihrem Erziehungsauftrag zum Wohl des
Kindes gerecht werden kann.
Für Jugendliche kann die EB auch Verselbständigung und Loslösung
von der Herkunftsfamilie beinhalten. Dabei besteht auch die Möglichkeit
der Überleitung in eine geeignetere Maßnahme, wie zum Beispiel das
BJW.
In Abgrenzung zur Sozialpädagogischen Familienhilfe liegt der
Betreuungsschwerpunkt beim Kind bzw. Jugendlichen.
Die ISE richtet sich an Jugendliche und Junge Erwachsene ab ca. 14
Jahren u.a. aus randständigen Milieus, die besonders gefährdet sind.
Die ISE gehört zum Katalog der ambulanten Hilfen im KJHG. Sie ist das
niedrigschwelligste Angebot der Jugendhilfe und erwartet von einem
Jugendlichen lediglich die Bereitschaft zur Mitarbeit und den Wunsch zur
Veränderung der eigenen Situation.
Alle Angebote der Kontaktstelle sind Hilfen zur Erziehung nach §§27ff
SGB VIII. In §27 SGB VIII ist festgeschrieben, dass jeder
Personensorgeberechtigte einen Rechtsanspruch auf Hilfe zur
Erziehung hat, „wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen
entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist“ 62 .
Die konkretisierten Grundlagen für Erziehungsbeistandschaft, Betreutes
Jugendwohnen und Intensive Sozialpädagogische Einzelfallhilfe finden
sich in den §§28, 34 und 35 des SGB VIII.
4.2. Qualifikation der Mitarbeiter
Die oben genannten Betreuungsaufgaben werden momentan von fünf
SozialpädagogInnen, SozialarbeiterInnen und SozialdiakonInnen
wahrgenommen.
4.3. Die Jugendlichen
In der Ambulanten Jugendhilfe überwiegt die Arbeit mit den einzelnen
Kindern bzw. Jugendlichen. Sie sollen in ihrer Entwicklung gefördert und
in der Bewältigung ihres Alltags und eventuell auftretender
Schwierigkeiten unterstützt werden.
Im folgenden werde ich zuerst kurz die Situation Jugendlicher in unserer
Gesellschaft anreißen und im Anschluss daran auf die besonderen
Anforderungen an Jugendliche, die durch die Ambulante Jugendhilfe
unterstützt werden, eingehen.
4.3.1. Gesellschaftliche Situation Jugendlicher
Unsere Gesellschaft ist geprägt von Individualisierung. Diese
Entwicklung geht auch nicht an den Jugendlichen vorbei. Mehr denn je
sind sie dazu herausgefordert, ihr Leben selbst zu gestalten und schon
früh Entscheidungen zu treffen, die den weiteren Gang ihres Lebens beeinflussen. Böhnisch 63 spricht hierbei von einer Biografisierung der
Lebensphase Jugend. Jugend, sagt Böhnisch, sei kein abgeschlossener
Schon- und Experimentierraum mehr, sondern sei zu einer „biographisch vielfältig variierten Bewältigungskonstellation geworden“ 64 .
62 Stascheit,U., 1998, Nr.110, S.13
63 Böhnisch, 1999, S. 134
64 a.a.O., S. 135
Zu bewältigen sind für Jugendliche im westlichen Kulturkreis folgende
Entwicklungsaufgaben:
1. „Berufs- und Tätigkeitsfindung, um
2. die finanzielle Unabhängigkeit vom Elternhaus durch den Aufbau
einer eigenen materiellen Lebensgrundlage zu erreichen.
3. die allmähliche Ablösung vom Elternhaus in sozialer Hinsicht durch
den Aufbau eigener sozialer Beziehungen.
4. die Bewältigung der mit der für das Jugendalter spezifischen
körperlichen Entwicklung (Längenwachstum, Erlangen der
Geschlechtsreife) verbundenen psychischen Probleme als
Voraussetzung für
5. die sexuelle Weiterentwicklung bis hin zu heterosexuellen
Beziehungen.
6. Der vorläufige Abschluss einer kontinuierlichen Entwicklung als
Voraussetzung für
7. die allmähliche Ausbildung von Norm- und Wertbegriffen zur Entwicklung eines eigenen Moral- und Wertsystems.“ 65
Jugendliche, die den Weg in die Kontaktstelle finden, müssen sich
diesen Entwicklungsaufgaben unter erschwerten Bedingungen stellen
und sind zudem weiteren Belastungen ausgesetzt.
Sie kommen entweder aus einer schwierigen Herkunftsfamilie oder
direkt aus stationären Einrichtungen der Jugendhilfe.
In der Regel wurden sie in ihrer Familie schon früh mit Problematiken
wie Scheidung, Sucht oder Gewalt konfrontiert, haben eine schwierige
Sozialisation hinter sich und leiden daher unter vielfältigen
Beeinträchtigungen, wie Selbstwertdefiziten, Konzentrationsstörungen,
Schwierigkeiten im Durchhaltevermögen, unkontrollierbaren
Aggressionen, Suchtverhalten oder Essstörungen. Es gibt auch nicht
wenige unter ihnen, die schon Missbrauchserfahrungen machen
mussten.
65 Hinsch/Pfingsten, 1998, S. 76
Das Bildungsniveau der Jugendlichen in der Kontaktstelle ist bis auf
einige Ausnahmen relativ niedrig: einige besuchen Förderschulen, viele
die Haupt- oder Realschule, wenige das Gymnasium.
Die Nationalitäten sind gemischt.
4.3.3. Die Rolle der Sozialarbeit
Zur Bewältigung der anstehenden Entwicklungsaufgaben brauchen
Jugendliche sowohl intellektuelle und manuelle Fähigkeiten als auch
soziale Kompetenzen.
Sozialarbeit „bietet Kindern und Jugendlichen Hilfen zur
Lebensbewältigung an, die in offensichtliche Bewältigungsdilemmata
gekommen sind. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung und Erweiterung der Handlungsfähigkeit der Individuen.“ 66 , schreibt Böhnisch.
Das GSK ist dabei eines von mehreren möglichen Handwerkszeugen,
die Sozialarbeitern an die Hand gegeben sind.
Ziel des GSK im Hinblick auf die Entwicklungsaufgaben ist es nicht,
einzelne Probleme zu lösen, sondern vielmehr Fertigkeiten zu
vermitteln, welche die Basis für eine Bewältigung dieser Probleme darstellen können. 67 Es kann also als eine Art Hilfe zur Selbsthilfe
betrachtet werden.
5. Das GSK in der Kontaktstelle
Im nun folgenden Kapitel möchte ich darstellen, aus welchem Grund und
mit welchen Zielen das Training in der Kontaktstelle eingesetzt wird und
welche Veränderungen an der ursprünglichen Fassung vorgenommen
wurden.
66 Böhnisch, 1999, S. 165
67 vgl.: Hinsch/Pfingsten, 1998, S.77
5.1. Warum das Training in der Kontakt stelle ?
Wie in den Kapiteln 3.1. 68 und 4.3. 69 beschrieben, ist die Präadoleszenz
ein wichtiger Wendepunkt im Leben eines Menschen. Ich habe
dargestellt, dass Jugendliche vielfältigen neuen sozialen Situationen
ausgesetzt sind, die sie dazu zwingen, neue Handlungsmuster zu
erproben. Im günstigsten Fall gelingt es ihnen, angemessene
Verhaltensweisen zu entwickeln und damit soziale Kompetenzen zu
erlernen. Sie befinden sich dabei aber auch in einer anhaltenden Überforderungssituation 70 , die das Risiko der Manifestation sozialer
Ängste durch Misserfolge birgt.
Die besondere Situation Jugendlicher aus der Kinder- und Jugendhilfe 71
erschwert das Erlernen sozialer Kompetenzen zusätzlich.
Die Jugendlichen im BJW müssen ihr Leben komplett selbst meistern.
Sie werden von den Mitarbeitern der Kontaktstelle bei Wohnungssuche,
Einrichten und Bewohnen dieser Wohnung (inclusive Verhandlungen mit
dem Vermieter etc.), Suche eines Ausbildungsplatzes und sinnvoller
Gestaltung ihres Lebensalltages (Knüpfen von Beziehungen,
Freizeitbeschäftigung etc.) tatkräftig unterstützt.
Die Mitarbeiter beobachten dabei, dass die Jugendlichen häufig
unkonzentriert sind und dass es ihnen an Durchhaltevermögen und
Selbstvertrauen mangelt. Sie zeigen Suchtproblematiken und andere
Schwierigkeiten. Häufig haben die Jugendlichen in ihren
Herkunftsfamilien auch problematische Konfliktlösungsstrategien, wie
z.B. besonders aggressives oder passives Verhalten, erlernt.
In der Arbeit mit diesen Jugendlichen liegt die große Chance, direkt in
der Phase d er Entwicklung sozialer Kompetenzen unterstützend
einzugreifen und damit der Entstehung von manifestierten
Kompetenzproblemen präventiv vorzubeugen.
68 Kapitel 3.1.: Entstehung sozialer Kompetenzprobleme in der Präadoleszenz
69 Kapitel 4.3.: Die Jugendlichen der Kontaktstelle
70 vgl. Kapitel 3.1.1.: Überforderungssituationen
71 vgl. Kapitel 4.3.2.: Besonderheiten Jugendlicher in der Ambulanten Jugendhilfe
Die Durchführung des GSK mit den Jugendlichen soll also dem Ziel dienen, „die Jugendlichen fit fürs Leben zu machen“ 72 . Ihnen sollen
Fertigkeiten an die Hand gegeben werden, mit deren Hilfe sie
Situationen wie Bewerbungsgespräche und Auseinandersetzungen mit
anderen Menschen (z.B. ihren Vermietern) sowie eine eigenständige
Lebensführung kompetent bewältigen können.
Zudem lernen die Jugendlichen in dem Training Fertigkeiten, die auch
dem Verhältnis zwischen Betreuer und Jugendlichem zugute kommen.
Unter anderem ist dies die Fähigkeit, Wünsche und Gefühle offen
anzusprechen. Es kommt also zu einer Verbesserung der
Kommunikation und damit zu einem qualitativ hochwertigeren Betreuungsverhältnis. Auch dies ist ein Ziel des Trainings. 73
Die Grundzüge des GSK habe ich bereits im 3. Kapitel 74 beschrieben.
Hier soll nun dargestellt werden, aus welchen Gründen und in welcher
Form das Training für seine Durchführung in der Kontaktstelle modifiziert
wurde.
Das Konzept des GSK wurde im großen und ganzen nur geringfügig
verändert.
Hauptsächlich wurden sprachliche Veränderungen vorgenommen, um
einerseits das Verständnis für die Jugendlichen zu erleichtern und
andererseits stärker auf die spezifischen Probleme der Jugendlichen
Bezug zu nehmen.
Konkret wurden folgende Änderungen vorgenommen:
72 aus einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Kontaktstelle am 28.02.01
73 Die Einbettung des GSK in die Arbeit der Kontaktstelle ist im Kapitel 10.2. beschrieben.
74 Vgl. Kapitel 3.2.: Konzeption des GSK und allgemeine Vorgehensweise
• Im Erklärungsmodell wurde das Wort Selbstverbalisation durch
das Wort innerer Satz ersetzt.
• Das Diskriminationstraining wurde in Unterscheidungstraining
• Die vorgegebenen Rollenspielsituationen wurden so abgeändert,
• Die in den Arbeitspapieren verwendete Anrede wurde
• Außerdem wurde ein neues Arbeitspapier entwickelt, das
Zudem ist es seit Jahren Tradition, vor Beginn des Trainings gemeinsam
zu Abend zu essen.
Trainer des GSK sind immer Mitarbeiter der Kontaktstellen.
Soziale Kompetenztrainings werden vorwiegend in Gruppen angewandt
und durchgeführt. Dies scheint logisch, hat doch soziales Verhalten, wie
das Wort schon sagt, immer mit der Interaktion zwischen Menschen zu
tun.
Die Durchführung eines solchen Trainings in einer Gruppe Jugendlicher
birgt Chancen und Risiken, die gleichen Ursprungs sind.
Amerikanische Forscher stellten fest, dass gefährdete Jugendliche,
nachdem sie ein Training durchlaufen hatten, in dem sie soziales
Verhalten und Selbstkontrolle lernen sollten, aggressiver waren und sich
mehr Regelverstöße leisteten als Vergleichsgruppen ohne die
vermeintliche Hilfe. Dieses Phänomen führten sie auf Lernprozesse
zwischen den Jugendlichen zurück. Diese „belohnten“ sich gegenseitig
mit Lachen oder sonstigen Ermutigungen, wenn sie zum Beispiel von
verbotenem Tun berichteten. So kam es zu einer Verstärkung
abweichenden Verhaltens, die auch drei Jahre später noch nachweisbar war. 75
Diese Erfahrung steht durchaus im Einklang mit der Aussage von
Hinsch und Pfingsten, dass die Erfahrung positiven Feedbacks aus der Gruppe Gleichaltriger besonders wichtig sei für Jugendliche. 76
Sie verstärken sich also gegenseitig, sowohl in sozial kompetenten, wie
auch in sozial inkompetenten Verhaltensweisen.
Für die Durchführung des GSK in der Kontaktstelle sehe ich dieses
Phänomen eher als Chance denn als Risiko. Den Jugendlichen bietet
sich die Möglichkeit, solch positives Feedback von Gleichaltrigen zu
bekommen. Die Gefahr einer Verstärkung abweichenden Verhaltens
halte ich für relativ gering, da die Jugendlichen in der Kontaktstelle
wenig dissoziales Verhalten zeigen. Ihnen geht es eher um die
Überwindung von Kommunikationsdefiziten und Schüchternheit, wie
auch die Auswertung der Interviews zeigen wird.
6. Durchführung des Trainings im Herbst 2000
Nachdem ich im vorherigen Kapitel dargestellt habe, aus welchen
Gründen und mit welchem Ziel das Training in der Kontaktstelle
durchgeführt wird, möchte ich hier nun ganz konkret auf dasjenige
Training eingehen, das im Herbst 2000 in Kooperation mit der
Kontaktstelle für ambulante Jugendhilfe Kornwestheim, stattfand.
6.1. Mitwirkende
Zur Einführungsveranstaltung des Trainings erschienen sieben
Jugendliche, davon sechs Jungen und ein Mädchen. Drei von ihnen
entschieden sich gegen das Training, vier männliche Teilnehmer
besuchten das Training regelmäßig bis zum Schluss.
75 Jochen Paulus, 2001
76 vgl. Hinsch/Pfingsten, 1998, S.39
Dies waren:
• Bob: 16 Jahre alt, betreut im Rahmen einer
• Christian: 16 Jahre alt, betreut im Rahmen des BJW durch
• Jörg: 16 Jahre alt, betreut im Rahmen einer
• Markus: 18 Jahre alt, betreut im Rahmen einer
Diese vier Jugendlichen nahmen sehr regelmäßig am Training teil.
Begleitet wurde das Training von 3 Trainerinnen, darunter eine
Mitarbeiterin der Kontaktstelle für Ambulante Jugendhilfe in Ludwigsburg
(Sabine), eine Mitarbeiterin einer ähnlichen Kontaktstelle in
Kornwestheim (Petra) und ich.
6.2. Ablauf
Das GSK fand vom 20.09. - 15.11. 2001 immer mittwochs von 18 - 21
Uhr in der Kontaktstelle der Ambulanten Jugendhilfe Ludwigsburg statt.
Von 18.00 - 18.30 gab es jeweils ein ausgedehntes Abendessen, bei
dem man sich in lockerer Atmosphäre über den vergangenen Tag oder
das, was die Woche über passiert war, unterhalten konnte.
Das Training fand dann in zwei Räumen statt. Im größeren der beiden
steht ein großer Tisch, an dem Teile im Plenum stattfanden. Für die
Rollenspiele und andere „Kleingruppenarbeit“ gab es noch einen
zweiten Raum, in dem sich auch die Videokamera und der Fernseher
befanden.
Für die Rollenspiele mussten wir mit nur einer Videoausrüstung
auskommen, die jeweils andere Kleingruppe arbeitete dann mit einem
Kassettenrecorder.
Grundsätzlich begann jede Einheit mit der Auswertung der
Hausaufgaben. Es folgte ein Theorieteil, in einigen Einheiten das
Entspannungstraining und daran anschließend die praktische
Durchführung der Rollenspiele. Zum Schluss wurden neue
Hausaufgaben gegeben.
Nach jeder Stunde füllten die Jugendlichen die Stundenbögen 77 aus und
bewerteten damit die Trainingseinheit.
Soviel zu den äußeren Gegebenheiten.
6.3. Materialien
Der g enaue Ablauf des Trainings sowie die dazu verwendeten Materialien finden sich im Materialband der Arbeit. 78
Im folgenden Kapitel möchte ich darstellen, auf welcher Grundlage ich
zu Bewertungen und Einschätzungen des Trainings komme.
77 Materialband, S. 47
78 Materialband, S. 4 bis 57
7. Methodische Überlegungen zur
Erkenntnisgewinnung
Ausgehend von der Frage, wie das GSK für die Arbeit in der
Kontaktstelle noch optimiert werden könne, überlegte ich, welche
Informationen dafür von Bedeutung wären und wie ich diese methodisch
erheben könnte.
In Frage kamen unter anderem folgende Vorgehensweisen:
1. detaillierte Befragungen der Trainer und damit der Mitarbeiter der
Kontaktstelle über ihre Beobachtungen und Einschätzungen
bezüglich des Trainings
à Die Trainer reflektieren regelmäßig ihr Verhalten und den Ablauf
des Trainings in Besprechungen, an denen auch ich teilnahm. Diese
Erfahrungen, Beobachtungen und Reflexionen werden in meine
Arbeit mit einfließen.
Gegen eine systematische Befragung der Trainer entschloss ich
mich aufgrund meines beschränkt vorhandenen Zeit- und
Energiebudgets zugunsten der Interviews mit den teilnehmenden
Jugendlichen.
2. Befragungen der Kontakt- und Bezugspersonen von Jugendlichen,
die an dem Training teilgenommen haben, um Informationen über
tatsächliche Verhaltensänderungen der Jugendlichen in Erfahrung
zu bringen
à Dieser Aufwand erschien mir zu groß um damit relevante
Aussagen über Auswirkungen des Trainings zu bekommen.
Angehörige können zudem keine Aussagen über das Training selbst
treffen, da sie es nicht miterlebt haben.
3. Systematische teilnehmende Beobachtung des Trainings um
Schlussfolgerungen aus den während dem Training stattfindenden
Interaktionen zu ziehen.
à Auch hier entschied ich mich gegen eine systematische
Beobachtung, werde jedoch im Training von mir Wahrgenommenes
in die Arbeit mit einfließen lassen.
4. Befragung der Teilnehmer, um Einschätzungen und Bewertungen
der Nutzer in Erfahrung zu bringen.
à Die Jugendlichen sind und sollen im Endeffekt die Nutznießer des
Trainings sein. Für sie wird das Training durchgeführt. Deshalb ist es
natürlich von großem Interesse, welche Erfahrungen sie mit dem
GSK gemacht haben und wie sie es einschätzen und bewerten. Da
in diesen Punkten bisher nur sporadische Aussagen Jugendlicher
vorlagen, hielt ich es für besonders wichtig, mir ein genaueres Bild
von der Meinung der teilnehmenden Jugendlichen über das Training
zu machen. Hier setzte ich dementsprechend die Priorität meiner
methodischen Untersuchungen und führte mit ihnen ausführliche
Interviews durch.
7.1. Eine Evaluation ?
Setzt man mein Forschungsvorhaben in Relation zu den drei idealtypischen Modellen der Praxisforschung nach Moser 79 , so gleicht es
am ehesten der Evaluation.
Evaluation definieren Rossi et al. 80 als „die Sammlung, Analyse und
Interpretation von Informationen über den Bedarf, die Umsetzung und
Wirkung von Maßnahmen, welche die Lebensbedingungen und das
soziale Umfeld der Menschen verbessern sollen.“
Dieser umfassenden Definition kann und soll meine Arbeit jedoch nicht
entsprechen. So überprüfe ich im Hinblick auf das GSK zwar dessen
Umsetzung und Wirkung, mache jedoch keine grundsätzliche
Bedarfserhebung. Hier genügt mir die Einschätzung der Mitarbeiter der
Kontaktstelle, welche das Training für angemessen und sinnvoll hielten
und es deshalb einführten.
Ich möchte aus diesem G rund meine Arbeit nicht als Evaluation
bezeichnen und mich damit auch vor überhöhten Ansprüchen
verwahren.
Was ich leisten möchte, ist eine Einschätzung und Bewertung des
Trainings - in erster Linie aus der Sicht der jugendlichen Teilnehmer,
79 Die drei idealtypischen Modelle der Praxisforschung nach Moser sind:
• Praxisuntersuchungen zur Überprüfung von formulierten Hypothesen
• Evaluationsforschungen, die in einem bestimmten Arbeitsfeld stattfindendes Handeln überprüfen wollen
• Aktionsforschung, bei der WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen gemeinsam versuchen, ein Projekt zu initiieren. Vgl: Moser, 1995 & 1997
80 Vgl : König, 2000, S.34 und Rossi et al., 1988
untermauert j edoch von eigenen Beobachtungen und in Beziehung
gesetzt zum darüber hinausgehenden Betreuungsverhältnis durch die
Mitarbeiter der Kontaktstelle.
Dabei möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Ergebnisse meiner
Untersuchungen zunächst nur zu gültigen Aussagen über die Arbeit in
der Kontaktstelle für Ambulante Jugendhilfe in Ludwigsburg führen
werden, da genau deren Praxis auch Ausgangspunkt meiner
Untersuchungen ist. Eine Generalisierung der Ergebnisse wird deshalb nicht ohne weiteres möglich sein 81 .
7.2. Mein Erkenntnisinteresse
Mein Erkenntnisinteresse gilt, wie schon beschrieben, in erster Linie der
Einschätzung des Trainings durch die Jugendlichen.
Meine Ausgangsthese ist also:
Das Training ist gut, wenn dessen Nutzer (also die teilnehmenden
Jugendlichen) zufrieden sind.
Um zu einer Aussage über die Einschätzung und Bewertung des
Trainings durch die Jugendlichen zu kommen, führe ich zweierlei
Erhebungen durch:
Zum einen ist dies die Auswertung von Stundenbögen, in denen die
Jugendlichen nach jeder Trainingseinheit durch Ankreuzen
Rückmeldung über die jeweilige Sitzung gaben.
Zum anderen führte ich mit drei Jugendlichen, die an dem Training teilnahmen, Leitfadeninterviews 82 durch, die ich in dieser Arbeit
analysiere.
Damit kombiniere ich die Möglichkeiten quantitativer und qualitativer Methoden 83 , um mir ein möglichst genaues Bild machen zu können.
81 vgl. König, 2000, S. 46
82 Beide Vorgehensweisen werden im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer erklärt.
83 „Mit qualitativen Verfahren ist es möglich, sehr viele und sehr differenzierte Informationen über eher wenige Personen, Dinge oder Sachverhalte zu erhalten und diese dann einzelfallspezifisch bewerten zu können.
Mit quantitativen Methoden ist es dagegen möglich, über sehr viel Dinge, Personen oder Sachverhalte eher wenig zu erfahren, d.h. ein auf Einzelfälle bezogen eher nicht differenziertes Bild zu erhalten.“ (König, 2000, S.108f.)
Arbeit zitieren:
Franziska Mälzer, 2001, Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Jugendliche in der Ambulanten Jugendhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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