Gliederung
1. Einleitung
2. Minderheiten
2.1. Allgemeines zum Begriff
2.2. Definition: Minderheitenprobleme
2.3. Minderheiten nach territorialen Kontext
2.3.1 Nationale Minderheit
2.3.2 Staatenlose Minderheiten
3. Nationalitäten
3.1. Allgemeines zum Begriff
3.2. Definition: Nationalitätenkonflikte
3.2.1 Beispiele
4. Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Die Europäische Union ist ein völkerrechtlicher Bund, der sich aus 15 Nationalstaaten zusammensetzt. Diese grenzen sich voneinander hinsichtlich mehrerer Merkmale, wie etwa Geschichte, Tradition, Religion oder Abstammung, ab.
Dennoch scheint es offensichtlich, dass die Grenzen, die zwischen den einzelnen Staaten als Resultat von politischen Ereignissen gezogen wurden, nicht unbedingt der Aufteilung der Bevölkerung entsprechen müssen. Vielmehr wurden Grenzen über Menschen gezogen und dabei auf die natürliche Zusammensetzung der ansässigen Bevölkerung verzichtet. Tausende Menschen sind nun am Anfang des 3. Jahrtausends immer noch nicht in der Lage friedlich zusammenzuleben, obwohl uns die Geschichte lehrte, insbesondere die Deutsche, dass Blutvergießen nicht zum Ziel führt.
"Die These, wir hätten in Westeuropa gelernt, mit Minderheitenproblemen und Nationalismus so umzugehen, dass sie nicht mehr zu gewalttätigen Auseinandersetzungen eskalieren, läuft Gefahr, die Dinge schönzureden. Nicht einmal auf die Definition einer nationalen Minderheit können sich die EU-Staaten einigen, geschweige denn auf eine allgemein verbindliche Minderheitenpolitik. (...) Gerade im Sinne der ureigenen emanzipatorischen Prinzipien demokratischer Selbstregierung wird die EU nicht umhinkönnen, längst fällige Schritte in Richtung Regionalisierung und Föderalisierung, kultureller Autonomie und des garantierten Minderheitenschutzes zu unternehmen. Die sezessionistischen Nationalismen von Schotten und Walisern in Großbritannien, der ungelöste Nordirlandkonflikt, die Grenz- und Minderheitenkonflikte Griechenlands mit seinen türkischen und albanischen Nachbarn, der baskische Separatismus in Spanien, die Regierungskoalition aus Neofaschisten und Nationalpopulisten 1994 in Italien sind nur einige Beispiele für die Aktualität dieser Fragen in Westeuropa." (Aus: Bruno Schoch, Nationale Konfliktpotentiale in Westeuropa, HSFK-Report 8/1995)
Ob Mentalität oder zu stark ausgeprägter Nationalismus, diese Menschen bilden die Gruppe der stets anwachsenden Minderheit. Sie alle werden heute als Minderheiten angesehen, auch wenn das für sie eine Zumutung darstellt.
Beschäftigt man sich mit Deutschland oder Frankreich, und forscht nach Minderheiten, so gelangt man sehr schnell zu den Türken in Westdeutschland oder zu den Maghrebinern in Frankreich. Sie entsprechen den Gruppen von Minderheiten, die den territorialen Kontext zugeordnet werden. Seit mehreren Jahrzehnten leben sie auf dem Territorium der oben genannten Länder und nennen dieses Heimat. Daher scheint der Begriff Minderheit für sie in keiner Weise angebracht. Es sei darauf hingewiesen, dass sich diese vorliegende Arbeit nicht nur mit dem territorialen Kontext beschäftigt, sondern auch mit dem historischen Kontext. Des weiteren beschäftigt sich diese Arbeit mit Nationalitätenproblemen wie man sie von Zypern und Nordirland kennt. Nun drängen sich dennoch die Fragen auf , was ist denn überhaupt eine Minderheit oder eine Nationalität? Was versteht man unter Minderheitenkonflikten und Nationalitätenproblemen?
2
2. Minderheiten
2.1. Allgemeines zum Begriff
Bevor man sich mit Minderheiten in der Europäischen Union beschäftigt, sollte man sich einen allgemeinen Überblick verschaffen. Definition von Minderheiten Î Angehörige einer
(1) - zahlenmäßig gegenüber der Mehrheitsbevölkerung kleineren Gruppe von Personen
(2) - welche die Staatsangehörigkeit ihres Wohnsitzstaates besitzen (3) - sich zugleich aber von der Mehrheitsbevölkerung durch
- Sprache
- Religion
- Rasse/Ethnizität
- Kultur
- oder durch ähnliche Kriterien unterscheiden (4) - ferner auf einem abgrenzbaren Territorium leben
(5) - und sich - jedenfalls in ihre Mehrheit - auch subjektiv dieser Minderheit zugehörig fühlen
„Eine Minderheit ist somit eine Bevölkerungsgruppe in einem Raum (Staat, Stadt), die sich bezüglich Rasse, Religion, Kultur, Sprache oder anderer personaler Merkmale deutlich von der Mehrheit der Bevölkerung unterscheidet“ (Diercke; Wörterbuch Allgemeine Geographie). Die Staatsangehörigkeit des Staates in dem ihr Territorium sich befindet muss angenommen werden, jedenfalls soweit dies von der Mehrheit nicht anders gesetzlich geregelt ist. Wichtige Bestimmungsfaktoren von Minderheiten sind ihre Kultur und ihre Identität. Diese beruht unter anderem auf dem kollektiven Gedächtnis, das untrennbar mit den ethnokulturellen Eigenheiten der Minderheit verbunden ist, d.h. ihren "Wurzeln", aber auch mit ihrer Geschichte, der Geschichte ihrer Beziehungen zur Mehrheit.
2.2. Minderheitenprobleme
„Minderheitenprobleme ist der Sammelbegriff für die Konflikte, die sich durch die Existenz von nicht integrierten Minderheiten ethnischer, religiöser, sprachlicher und anderer Art in einem Gebiet ergeben. Minderheitenprobleme entstehen vor allem durch unterschiedliche Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen, oft aber auch durch Vorurteile, etwa eine rassistische Weltanschauung. Sie äußern sich in sozialen Spannungen, die sich bis zu Gewalttätigkeiten steigern können“ (DIERCKE; Wörterbuch Allgemeine Geographie).
3
Bei den meisten Minderheitenkonflikten geht es nicht um Werte oder um persönliche Konflikte, sondern um die Kontrolle über Distribution und Allokation der im Staat und der Bevölkerung vorhandenen Ressourcen, d.h. um Macht.
Die Schwierigkeiten bei der Lösung von "Minderheitenkonflikten" in Gesellschaften, die aus Segmentation und Diskriminierung bestehen, ergeben sich zu einem großen Teil aus dem herrschenden selektiven Denken und Bewusstsein. Minderheit und Mehrheit werden dabei jeweils vom "anderen Teil" als fremd wahrgenommen, aus anderem wird "Andersartigkeit" (Siehe Abb.1).
Abb.1: Konfliktanalyse; Breuer, M: Nordirland - Eine Konfliktanalyse; Band 6
2.3. Minderheiten nach territorialen Kontext 2.3.1 Nationale Minderheiten
Unter Nationalen Minderheiten versteht man das Kollektiv, dass innerhalb der Grenzen eines Staates A lebt, dessen Ethnie, Sprache und Sitten in einem anderen Staat B die Mehrheit bilden. Als Beispiel sind hier, die in der Einleitung erwähnten Türken in Westdeutschland und die Maghrebiner in Frankreich zu nennen.
Die Türken machen mit 8,8% den größten Ausländeranteil Deutschlands aus. „Zwischen Saarbrücken und Metz verläuft eine Sprachgrenze, diesseits wird Türkisch, jenseits Arabisch gesprochen. Dieses Bonmot suggeriert eine Symmetrie und in der Tat: Mitte der achtziger Jahre lebten etwa eben so viele Türken in der alten Bundesrepublik wie Nordafrikaner in Frankreich, nämlich jeweils um die 1,4 Millionen. In unserer Epoche der zweiten Völkerwanderung ist das hüben und drüben etwa ein Drittel aller Ausländer und deren stärkste Gruppe. Türken wie Maghrebiner kommen überwiegend aus armen ländlichen Gebieten,
4
beispielsweise aus Anatolien und der algerischen Kabylei. Gibt es Parallelen oder überwiegen hier die Unterschiede?“ (Autor: Prof. Dr. Arnold Rothe, Romanisches Seminar, Heidelberg). Am 30.10.1961 wurde zwischen der Türkei und Deutschland die Vereinbarung über die Anwerbung von Arbeitskräften abgeschlossen. Wie bei den vorausgehenden Anwerbe-Abkommen (mit Italien 1955, Spanien und Griechenland 1960) ging auch bei der Türkei die Initiative vom "Entsendeland" aus. Grundlage für dieses Abkommen war sowohl der in Deutschland durch starkes Wirtschaftswachstum ausgelöste Arbeitskräftebedarf als auch die durch die türkische Regierung beabsichtigte Entlastung des eigenen Arbeitmarktes, die Förderung der Wirtschaft durch qualifizierte Rückkehrer und die finanzielle Unterstützung der Angehörigen in der Türkei durch die in Deutschland tätigen Familienmitglieder.
Im Zeitraum von 1961 bis 1973 forderten deutsche Unternehmen rund 710.000 Arbeitskräfte aus der Türkei an.
Es zeigte sich allerdings bald, dass das verabschiedete Rotationsprinzip (Begrenzung der Arbeitserlaubnis auf zwei Jahre) sowie die Unterbringung der Zugereisten in Gemeinschaftsunterkünften einer Integration der Zugewanderten im Wege stand. 1964 wurde dieses Prinzip auf Drängen der Wirtschaft fallengelassen. Das Abkommen über die soziale Sicherheit der Familien, das die Kinder der Einwanderer in die Kindergeldregelung miteinbezog, stellte die türkischen Arbeitnehmer mit ihren deutschen Kollegen sozialrechtlich weitgehend gleich und förderte den Nachzug weiterer Familienangehörigen. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten (Rezession 1967, Ölkrise 1973) kam es zum Anwerbestopp, was wiederum zum erhöhten Nachzug von Familienmitgliedern führte. Der Militärputsch in der Türkei 1980 und die bessere Schul- und Berufsausbildung in Deutschland verstärkten zudem die Aufenthaltsdauer, so dass 1982 37 Prozent der türkischen Staatsangehörigen bereits länger als zehn Jahre in der Bundesrepublik waren. Heute sind es rund 60 Prozent.
In Europa konzentrieren sich Türken und Maghrebiner auf Ballungszentren, in denen die Ausländer einen Bevölkerungsanteil von 15 Prozent und mehr erreichen können, gehen meist einer minderqualifizierten Tätigkeit nach und sind von der Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich betroffen.
Das Interesse an der Politik ist bei den Migranten nach wie vor sehr gering ausgeprägt, denn größtenteils wohnen sie in Ballungszentren in denen sich im Laufe der Zeit Wohnviertel gleicher Kulturen herausbildeten.
Beispiel für türkische Wohnviertel in Deutschland: Frankfurt a.M., Berlin, Stuttgart, Köln,
Arbeit zitieren:
Frank Schneider, 2002, Minderheitenkonflikte und Nationalitätenprobleme innerhalb der Europäischen Union, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zum Leben Albrechts III., dem König von Schweden und Herzog von Meckle...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Analyse des Buches 'The Hitchhikers Guide to the Galaxy' von D...
Hausarbeit, 20 Seiten
Soziales Lernen - ein kurzer Überblick
Hausarbeit (Hauptseminar), 11 Seiten
Integration von Minderheiten im post-sowjetischen Raum: Lettland und s...
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Seminararbeit, 18 Seiten
Deutschlands verspätete Nationalstaatsgründung und der deutsche Sonder...
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Seminararbeit, 18 Seiten
Papier schöpfen im 3. Schuljahr (ausführliche Unterrichtsausarbeitung)
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Unterrichtsentwurf, 20 Seiten
Recent changes in the constitution of Great Britain
Anglistik - Kultur und Landeskunde
Seminararbeit, 16 Seiten
Frank Schneider hat den Text Minderheitenkonflikte und Nationalitätenprobleme innerhalb der Europäischen Union veröffentlicht
Frank Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
Nachbarschaften innerhalb der Europäischen Union
Ulrich Hufeld, Peter-Christian Müller-Graff, Stefan Okruch
Der Parallelhandel mit Arzeinmitteln innerhalb der Europäischen Union
(GEW 10)
Stefan Lieck, Anja Steinbeck, Christoph Ann
Politik und Religion in der Europäischen Union
Zwischen nationalen Traditione...
Hartmut Behr, Mathias Hildebrandt
Die demokratische Legitimation der Europäischen Union aus gemeinschaft...
Eine Analyse der These vom Dem...
Winfried Kluth
Die offene Flanke der Europäischen Union
Russische Föderation, Belarus,...
Ernst Piehl, Peter W. Schulze, Heinz Timmermann
Die Europäische Union auf dem Weg in die Supranationalität
Untersuchung der Rechtsnatur d...
Michael Lysander Fremuth
0 Kommentare