Inhaltsverzeichnis:
1 EINLEITUNG. 3
2 DIE KOGNITIVE PERSÖNLICHKEITSTHEORIE VON HANS
THOMAE 5
2.1 GRUNDZÜGE UND BEGRIFFE DER KOGNITIVEN
PERS ÖNLICHKEITSTHEORIE. 5
2.2 DIE ZENTRALE BEDEUTUNG VON ÜBERZEUGUNGEN 7
2.2.1 Mögliche Konsequenzen für den Umgang mit alten Menschen
am Beispiel der Heimsituation. 9
2.3 ERLEBEN KÖRPERLICHER VERÄNDERUNGEN IM ALTER. 10
2.4 KOGNITIVE REPRÄSENTATION EINER PHYSISCHEN ERKRANKUNG. 11
2.5 THEMEN UND IHRE KOGNITIVE REPRÄSENTATION 12
2.6 REAKTIONSFORMEN UND IHRE VERÄNDERUNG BEIM ÜBERGANG INS
H ÖHERE ALTER. 15
3 EIN INTERAKTIONISTISCHES MODELL DER BEDINGUNGEN
VON LANGLEBIGKEIT. 17
4 ABSCHLIEßENDE WORTE ZUR ZIELSETZUNG VON
KOGNITIVEN THEORIEN 19
Literaturverzeichnis :
Lehr , Ursula (2000): „Psychologie des Alterns“ (9.Auflage), Wiebelsheim:
Quelle und Meyer Verlag
Thomae , Hans (1996): „Das Individuum und seine Welt: eine Persönlichkeits-
theorie “ (3. Auflage ), Göttingen: Hogrefe Verlag
2
1 Einleitung
Um die Besonderheit von kognitiven und interaktionistischen Theorien he r-vorzuheben ist es zunächst sinnvoll, die Theorien von den bisher im Seminarverlauf besprochenen Theorien abzugrenzen. Die sogenannten „Theorie n des erfolgreichen A lterns“ wie die Disengagementtheorie 1 (Cumming/Henry 1961) als auch die Aktivitätstheorie 2 (Tartler 1961 u.a.m.) versuchten, allgemeingültige Merkmale des Alterns im sozial-psychologischen Kontext he rauszustellen. Die Gefahr bei solche n Theorie-Ansätzen besteht darin, dass sehr leicht Altersstereotype gebildet werden, die sich dann wie es gesellschaftlich bis heute noch der Fall ist, in vielen Köpfen manifestieren. Verstärkt wurde dieser Effekt der Stereotypenbildung sicherlich durch empirische Befunde, die fälschlicherweise ein sehr defizitorientiertes Altersbild hinterla ssen haben. Der Versuch, allgemeingültige Aussagen über ein erfolgreiches Altern treffen zu können, wurde schließlich noch einmal in der Kontinuitäts-theorie 3 (Atchley 1989) verwirklicht, die eine Art Synthese der Aktivitäts-und Disengagementtheorie darstellt. Das neue an dieser Theorie war, dass sie den individuellen Lebenslauf stärker berücksic htigt, insofern, als dass sie die Fortführung des bisherigen Lebensstils, ob aktiv oder eher passiv, als Bedingung für erfolgreiches Altern voraussetzt.
Neben den besagten Alternstheorien, wurden entwicklungspsychologische Theorien weiterentwickelt, die sich an dem psycho-sozialen Phasenmodell von E.H. Erikson (1950) 4 orientieren. So hat schließlich R.J. Havighurst in seinem Konzept der Entwicklungsaufgaben 5 gezielt auf soziale, kulturelle und individuelle Einflussfaktoren hingewiesen, aus deren Interaktion sich gewisse entwicklungsabhängige Aufgaben und Thematiken ergeben. Aus den vorangegangenen Schilderungen lässt sich bereits erkennen, dass in der Theoriebildung im Bezug auf das Leben im Alter immer mehr Aspekte und Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Das hat zur Folge, dass die Komplexität dieses Lebensabschnitts auch in der Praxis im Umgang mit alten
1 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 58
2 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 56
3 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 63
4 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 52
5 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 52/53
3
Menschen, gerade in der intervenierenden Gerontologie berücksichtigt werden muss.
Auch kognitive und interaktionistische Theorien versuchen nun, die Komplexität des Alterns zu erfassen und bieten, besonders in der Kombination, das bisher vielleicht umfassendste Konzept in diesem Bereich. Von großer Relevanz ist der biographisch fundierte Ansatz kognitiver Theorien 6 , die der subjektiven Wahrnehmung von Situationen die entscheidende Rolle zuschreiben, wenn es um die Erklärung von Reaktionen und Verhaltensweisen geht. Bei der interaktionistischen Modellentwicklung 7 , die besonders bei der Betrachtung von Einflüssen auf das physische, psychische und soziale Wohlbefinden im Alter zum Einsatz kommt, ist die interdisziplinäre Konzeptidee entsche idend. Generell wird hierbei versucht, das Zusammenspiel vieler Einflussfak-toren und deren kompliziertes Wechselspiel zu erfassen. Kognitive und interaktionistische Theorien lassen sich nun sehr gut miteinander kombinieren. Zentraler Anknüpfungspunkt bietet die Persönlichkeit des Individuums, die in beiden Theorien beleuchtet wird. Während die interaktionistischen Modelle viele äußere Einflüsse auf das Individuum berücksicht igen, können die kognitiven Theorien zusätzlich wesentliche biographische Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster aufführen, die wiederum auf wechselseit igen und hochindividuellen Prozessen beruhen. Im Folgenden soll nun die biographisch fundierte Persönlichkeitstheorie von Hans Thomae vorgestellt und die Bezüge zum Altern herausgearbeitet werden, bevor im Anschluss daran ein interaktionistisches Modell der Langlebigkeit behandelt wird.
6 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 68/69
7 vgl. Lehr, Ursula 2000: „Psychologie des Alterns“, S. 71f
4
2 Die kognitive Persönlichkeitstheorie von Hans Tho-mae
2.1 Grundzüge und Begriffe der kognitiven Persönlich-keitstheorie
Im Zentrum der kognitiven Persönlichkeitstheorie steht die Analyse der In-formationsverarbeitung eines Individuums, ohne näher auf Aspekte der Wahrnehmung einzugehen. Die kognitive Persönlichkeitstheorie basiert auf der Annahme, dass jede kognitive Repräsentation gleichzeitig eine bewusste Wahrnehmung darstellt und somit die „Kognition“ bzw. die „kognitive Repräsentation“ durch den Begriff der „Vorstellung“ ersetzt werden kann. 8 Eine allgemeine Voraussetzung für die Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung ist die Einordnung der wahrge nommenen Reize in „organisierte Strukturen“, welche von Singer und Kolligion (1987) als „Schemata“ bezeichnet werden. Solche Schemata ermöglichen es, Reize zu identifizieren und zu kontrollierbaren Einheiten zusammenzufügen. Konkret bedeutet dies, dass Reize zunächst kodiert und gespeichert werden, bevor diese Informationen schließlich wiederabgerufen werden können. 9 Als Beispiel kann an dieser Stelle das Schema angeführt werden, welches uns ermöglicht einen Hund tatsächlich als Hund zu identifizieren, auch wenn uns das Tier selbst oder sogar die Rasse, der es angehört, völlig unbekannt ist. Neben den Schemata gehören auch sogenannte „Prototypen“ zu den Grundlagen der kognitiven Repräsentation. Diese stabilen abstrakten Repräsentationen bestehen zumeist aus einer Vielzahl von miteinander verbundenen Eigenschaften und charakteristischen Verhaltensweisen, die zum einen mit ve rschiedenen Personentypen, zum anderen aber auch mit dazugehörigen Situationen assoziiert werden. Prototypen fungieren als schematisierende Abstraktionen, welche dazu dienen, auch ohne eigene Erfahrungen, Personen einschä tzen oder Situationen einordnen zu können. 10
Am Beispiel der Entwicklung sexueller Verhaltensweisen in der Pubertät (Carlson,1981) begründet sich die These, dass Schemata existieren, die einen
8 vgl. Thomae, Hans 1996: „Das Individuum und seine Welt“, S. 21-22
9 vgl. Thomae, Hans 1996: „Das Individuum und seine Welt“, S. 23
10 vgl. Thomae, Hans 1996: „Das Individuum und seine Welt“, S. 26-27
5
angemessenen Verlauf von Ereignissen und Verhaltensweisen vorgeben. Solche „Scripts“ (Drehbücher) können somit das Verhalten bis ins junge Erwachsenenalter hinein beeinflussen. 11
Außer den bisher genannten Grundlagen der kognitiven Repräsentation beschreibt Thomae u.a. noch den Begriff des „subjektiven Lebensraumes“. Das Konzept des „Lebensraumes“ wurde 1943 erstmals von Lewin erwähnt, welcher schließlich 1952 den Lebensraum als Person und deren psychologische Umgebung definierte. Unter der abstrakten Bezeichnung „psychologische Umgebung“ fasste L ewin Bedürfnisse, Motivation, Stimmungen, Ziele, Ängstlichkeit und Ideale zusammen. Demzufolge befinden sich die psychologischen Variablen, die die Person an sich betreffen, im Zentrum des Lebensraumes, wohingegen die kognitiven Repräsentationen eher eine Randposition einnehmen.
Ausgehend von dieser Definition verwendet Thomae den Terminus „subjektiver Lebensraum“ und beschreibt diesen als „... die Gesamtheit, der in einem Augenblick aktualisierten kognitiven Repräsentationen eines Individuums.“ In bezug auf die „kognitive Repräsentation“ verweist Thomae auf die ursprüngliche Bedeutung des englischen Begriffs „representation“ hin: representation - something that represents something else. Das Adjektiv „kognitiv“ verdeutlicht in diesem Zusammenhang, dass die Repräsentation (Wiederspiegelung) eine möglichst große Übereinstimmung mit der Realität anstrebt. Der Grund, weshalb Thomae an dieser Stelle explizit die angestrebte Übereinstimmung anspricht, wird spätestens bei einer etwas genaueren Betrachtung der Struktur kognitiver Repräsentationen deutlich. Demnach ist das, was kognitiv repräsentiert wird, jeweils eine „... Legierung aus aktueller Erfahrung und Erinnerungen an früher relevante Erfahrungen. “ Kognitive Repräsentationen besitzen somit eine „integrative Funktion“, da bestimmte emotionale Tönungen in die Vorstellung mit einfließen. 12
Schließlich können kognitive Repräsentationen der gleichen Situation individuell strukturiert sein, d.h. eine bestimmte Situation wird von mehreren Personen mit jeweils unterschiedlichen Assoziationen verknüpft und unterschiedlich kognitiv repräsentiert. 13
11 vgl. Thomae, Hans 1996: „Das Individuum und seine Welt“, S. 27
12 vgl. Thomae, Hans 1996: „Das Individuum und seine Welt“, S. 28-29
13 vgl. Thomae, Hans 1996: „Das Individuum und seine Welt“, S. 35
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Arbeit zitieren:
Roland Mersch, 2002, Kognitive und interaktionistische Theorien des Alterns, München, GRIN Verlag GmbH
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