II
Inhaltsverzeichnis
I N H A L T S V E R Z E I C H N I
A b b i l d u n g s v e r z e i c h n i V
T a b e l l e n v e r z e i c h n i s V I
E i n l e i t u n g 1
A T H E O R E T I S C H E G R U N D L A G E N
1 S t r a t e g i s c h e M a r k e n f ü h r u n g 3
1.1 Die strategische Bedeutung der Marke 3
1.2 Zentrale Aufgaben des strategischen Markenmanagements 6
1.3 Vorzüge und Schw ierigkeiten der Markenführung 9
1.4 Grundsätze erfolgreicher Markenführung 12
1.5 Markenstrategische Optionen 14
1.5.1 Vertikale Markenstrategien 15
1.5.2 Horizontale Markenstrategien 16
1.5.3 Internationale Markenstrategien 20
1.6 Die Markenpositionierung 21
1.7 Das Markenportfolio-Management 22
1.8 Das Markencontrolling 26
1.9 Die Markenbew ertung 27
1.10 Rechtliche Aspekte zum Markenschutz 28
1.11 Fazit zur strategischen Markenführung 29
2 I n t e r n a t i o n a l i s i e r u n g 3 0
2.1 Einführung und Begriffsabgrenzung 30
2.2 Strategien internationaler Unternehmen 30
2.3 Going-International-Strategien 31
2.3.1 Ausw ahl von Ländern und Marktsegmenten 31
2.3.2 Internationale Markteintritts- und Marktbearbeitungs-
strategien 32
2.3.2.1 Export 33
2.3.2.2 Marktbearbeitung durch Dritte 33
2.3.2.3 Ausländische Direktinvestitionen (ADI) 35
2.3.2.4 Internet 36
2.3.3 Timing 37
2.4 Being-International-Strategien 38
III
Inhaltsverzeichnis
2.5 Fazit zur Internationalisierung 38
B P R A X I S B E I S P I E L
1 I n t e r n a t i o n a l e m a r k e n s t r a t e g i s c h e K o n z e p t e s p a n i s c h e r
Unterneh men in der Praxis 40
1.1 Foro de Marcas Renombradas Españolas (FMRE) 40
1.2 Spanien im internationalen Wettbew erb 41
1.3 Die internationale Wahrnehmung spanischer Marken 43
2 Strategische Mark enführung am Beispiel des Unterne h mens
C h u p a C h u p s S A 5 0
2.1 Allgemeines über das Unternehmen 50
2.2 Strategische Markenführung 51
2.3 Internationale Expansion 56
3 Strategische Mark enführung am Beispiel des Unterne h mens
F r e i x e n e t S A 5 8
3.1 Allgemeines über das Unternehmen 58
3.2 Strategische Markenführung 59
3.3 Internationale Expansion 65
4 Strategische Mark enführung am Beispiel der Handelskette
Zara 66
4.1 Allgemeines über das Unternehmen 66
4.2 Strategische Markenführung 67
4.3 Internationale Expansion 72
5 Strategische Mark enführung am Beispiel der Handelskette
M a n g o ( M N G ) 7 4
5.1 Allgemeines über das Unternehmen 74
5.2 Strategische Markenführung 75
5.3 Internationale Expansion 78
6 F a z i t z u d e n P r a x i s b e i s p i e l e n 7 9
C S C H L U S S B E T R A C H T U N G U N D A U S B L I C K 8 0
IV
Inhaltsverzeichnis
R e s u m e n e n e s p a ñ o l ( S p a n i s c h e Z u s a m m e n f a s s u n g ) 8
A n h a n g 9 0
L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1 0 3
I n t e r n e t q u e l l e n v e r z e i c h n i s 1 0 7
V e r s i c h e r u n g 1 1 4
V Abbildungsverzeichnis
A B B I L D U N G S V E R Z E I C H N I S
Abbildung 1: Chancen und Risiken für die Markenführung …………………… ……… 1 Abbildung 2: Dimensionen des Markenmanagements …………………………..……… 7 Abbildung 3: Prozess der Markenführung ……………………………………….. ……… 8 Abbildung 4: Grundsätze erfolgreicher Markenführung ………………………...……... 13 Abbildung 5: Abgrenzung von Markenstrategien im Wettbewerb ……………..…….. 15 Abbildung 6: Markenstrategien im horizontalen Wettbewerb …………………..…….. 17 Abbildung 7: Bereiche der Situationsanalyse ……………………………………...…….. 23 Abbildung 8: Strategien zur Weiterentwicklung von Markenportfolios….………….. 24
Abbildung 10: Die wichtigsten Markteintrittsstrategien für Auslandsmärkte ………… 32 Abbildung 11: Die Identifizierung und Wahrnehmung spanischer Marken im Ausland (Ranking) ……………………………………………… …….. 47 Abbildung 12 Die drei Marken der Chupa Chups S.A. …………………………...…….. 50 Abbildung 13: Bekanntheit der Marke Chupa Chups in ausgewählten Ländern in 2004 (in %) …………………………………………………….. 53 Abbildung 14: Die Marke Freixenet ………………………………………………….…….. 58 Abbildung 15: Gekaufte Schaumwein‐Marken ‐ Top 15 in 2002/03 (in %) …………….. 62 Abbildung 16: Exklusivität der Zara‐Filialen ……………………………………………... 66 Abbildung 17: Globale Modefilialisten ‐ Top 5 in 2003 ………………………………….. 70 Abbildung 18: Aufbau des Markenimage durch Mango‐Shops …………………. …….. 74
VI Tabellenverzeichnis
T A B E L L E N V E R Z E I C H N I S
Tabelle 2: Das Markenimage ausgewählter Länder im Vergleich …………..…….. 46 Tabelle 3: Top 8 Süßwarenhersteller Deutschlands im ersten Halbjahr 2004 ……. 56 Tabelle 4: Top 10 Sektmarken nach Vertrauen in Deutschland (2004)……...…….. 63 Tabelle 5: Top 10 Sektmarken nach Vertrauen in Westdeutschland (2004) .. ……... 64 Tabelle 6: Top 10 Sektmarken nach Vertrauen in Ostdeutschland (2004)…..……... 64
1 Einleitung
E I N L E I T U N G
In der Managementpraxis und der Forschung stehen Marken international verstärkt im Mittelpunkt des Interesses. Die Entwicklung und Durchsetzung von Marken unter dy‐ namischen und zunehmend komplexeren Rahmenbedingungen (vgl. Abbildung 1) bilden die zentrale Aufgabenstellung an Wissenschaft und Praxis. Eine Neuorientierung des kon‐ sequenten internationalen Markenmanagements und eine Anpassung an die verschärften Wettbewerbsbedingungen sind unabwendbar.
Vor allem im Zuge fortschreitender Verflechtung der Wirtschaft und zunehmenden Internationalisierungsbestrebungen vieler Unternehmen ist der Erfolgsfaktor Marke in aller Munde. Unter Betrachtung der gegenwärtigen Diskussionen, Beiträgen in Fachzeitschriften und der Fachliteratur sind Marken künftig der einzige Differenzierungsfaktor, um in einer globalisierten Wirtschaft zu überleben.
2 Einleitung
Im Rahmen dieser Arbeit soll die Fragestellung im Mittelpunkt stehen, ob und in wel‐ chem Maße spanische Unternehmen den Zeichen der Zeit folgen und eine Etablierung ih‐ rer Marken bewerkstelligen - international und mit speziellem Bezug auf Deutschland.
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich zunächst auf die Marke, die Grundlagen der Markenführung und den Internationalisierungsprozess von Unternehmen. Im ersten Teil (A) der Arbeit wird zunächst ein Überblick über die theoretischen Ansatzpunkte der inter‐ nationalen strategischen Markenführung gegeben und alternative „Going‐ und Being‐ International‐Strategien“ im Rahmen der Internationalisierung vorgestellt.
Weiterhin werden im zweiten Teil (B) die praktische Umsetzung und die aktuelle Si‐ tuation ausgewählter spanischer Unternehmen erläutert. Ebenso wird die renommierte spanische Initiative „Foro de Marcas Renombradas Españolas“ (FMRE) vorgestellt, welche den ersten einflussreichen Schritt zur internationalen systematischen Markenführung in Spanien wagte. In Zusammenarbeit mit weiteren staatlichen Institutionen und den Unter‐ nehmen versucht FMRE seither den Wettbewerbsvorteil markanter Marken auszunutzen und gemeinsam das Ansehen spanischer Erzeugnisse im Ausland zu verbessern. Gleichzei‐ tig soll eine Modifizierung und Repositionierung des Landesimages und des Herkunftszei‐ chens „Made in Spain“ erreicht werden, um den Weg zur erfolgreichen Internationalisie‐ rung der spanischen Wirtschaft zu ebnen. Die folgenden Kapitel handeln von Marken wie Chupa Chups, Freixenet, Zara und Mango. Anhand dieser aktuellen Fallbeispiele aus der spanischen Unternehmenspraxis soll die praktische Realisierung des Markenmanagements aufgezeigt werden.
Im dritten Teil (C) der Arbeit werden die gewonnenen Erkenntnisse aus Theorie und Praxis zur internationalen strategischen Markenführung zusammengefasst und kritisch hinterfragt, um insbesondere Schwachpunkte aufzuzeigen und hieraus Empfehlungen für die Praxis und die Zukunft der strategischen Markenführung zu entwickeln.
3 A.1 Strategische Markenführung
A . T H E O R E T I S C H E G R U N D L A G E N
1 Strategische Mark enführung
Derzeitig ist die Marke international eine zentrale Thematik, sowohl in der Wissen‐ schaft als auch in der Praxis. Der Aufbau und die Stärkung von Marken tragen grundle‐ gend zum Erfolg der Unternehmen bei und werden zunehmend als Erfolgsfaktor definiert.
Vor allem auf Grund der wachsenden Dynamik und Komplexität der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird das strategische Markenmanagement mit zahlreichen Heraus‐ forderungen konfrontiert. Die Entwicklung und Durchsetzung starker Marken gerät mehr denn je in den Fokus strategischer Unternehmensführung und tritt in den Vordergrund als erfolgbestimmender Faktor.
Im Zuge der zunehmenden Produkt‐ und Qualitätshomogenität, ausgelöst durch die wachsende internationale Verflechtung und Globalisierung des Wettbewerbs, ist es für die Unternehmen ein „Muss“ durch die Gestaltung einer ausgeprägten Markenpersönlichkeit einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen und infolgedessen eine Unique Selling Proposition (USP) 1 aufzubauen und zu sichern. Der konsequente Aufbau und die kontinuierliche Pflege der Marke verhelfen dem Unternehmen zu einer überragenden Wettbewerbsposition mit starker Markteintrittsbarriere. 2
1.1 Die strategische Bedeutung der Marke
Die Markenregistrierungen in Deutschland erleben in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum, wie auch die Anmeldungen von Marken beim Deutschen Patent‐ und Marke‐ namt (DPMA) in München dokumentieren (vgl. Anhang 1.1 und 1.2). Doch nicht die An‐ meldung allein, vielmehr die systematische Markenführung bewirkt den Aufbau
1 Die USP stellt ein „einzigartiges Verkaufsversprechen“ dar und betont den spezifischen Nutzen eines Produktes, den Konkurrenzangebote nicht aufweisen oder nicht ausdrücklich hervorheben. Vgl. Dil‐ ler 2001, S. 1715. 2 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 7f.
4 A.1.1 Die strategische Bedeutung der Markenführung
markanter Marken, durch deren prägende Assoziationen die Bindung zwischen Verbrau‐ cher und den Produkten oder Dienstleistungen verstärkt wird. 3
Um strategische Markenführung richtig verstehen und anwenden zu können, muss zuerst einmal die profunde Bedeutung von Marken dargelegt und hinterfragt werden. Im Folgenden werden Begriffsabgrenzungen vorgenommen und unterschiedliche wissen‐ schaftliche Standpunkte zum Thema Marke erläutert. 4 Die frühe Theorie stellt überwiegend rudimentäre Definitionen für den Begriff Marke zur Verfügung, die ihren Schwerpunkt auf die Kennzeichnung von Produkten oder Dienstleistungen setzen. 5 Die Autoren Kotler und Bliemel orientieren sich ebenfalls an einer ursprünglichen und formalen Betrachtungsweise und drücken den Begriff der Marke mit den folgenden Worten aus: Die Marke ist ein „Na‐ me, Begriff, Zeichen, Symbol, eine Gestaltungsform oder eine Kombination aus diesen Bestandteilen zum Zweck der Kennzeichnung der Produkte oder Dienstleistungen eines Anbieters oder einer An‐ bietergruppe und der Differenzierung gegenüber Konkurrenzangeboten“. 6 Der zitierte Erklä‐ rungsansatz stellt ausschließlich die Markierung der Produkte in den Vordergrund und vernachlässigt die eigentliche Macht der Marke - ihre Wahrnehmung. Die Kennzeichnung ist durchaus bedeutend für die Identifikation und Wiedererkennung der Marke, dennoch verkörpert sie nicht ihre wesentliche Funktion. Abgesehen von der Marke als eingetragenes Warenzeichen, entspricht sie vielmehr der Wahrnehmung ihrer Käufer und versinnbild‐ licht eine Persönlichkeit und Philosophie, die sich in den Köpfen der Verbraucher veran‐ kert. Gestützt wird die vorgenannte Synthese durch das Image und die empfundene Sym‐ pathie zu der herstellenden Unternehmung. 7 Die Autoren Meffert und Burmann haben die besondere Bedeutung der Marke aufgegriffen und definiert: „Marken sind ein in der Psyche des potenziellen Konsumenten verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild von einem Produkt
3 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 7. 4 An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass es sich bei den nachfolgenden Begriffsabgrenzungen um unter‐ schiedliche Definitionsansätze der Marke handelt, die in keinster Weise miteinander konkurrieren, sondern unterschiedliche Perspektiven vertreten, zumeist verursacht durch die fortschreitende Entwicklung der Marken‐ und Marketingwissenschaft. 5 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 8f. 6 Vgl. Kotler/Bliemel 2001, S. 736. 7 Vgl. Ahlert 2005, „Marken sind nicht die Schöpfung von Markentechnikern“ vom 11.01.2005, http://www.absatzwirtschaft.de (Zugriff: 10.02.2005).
5 A.1.1 Die strategische Bedeutung der Markenführung
oder einer Dienstleistung.“ 8 Aus dieser Begriffsabgrenzung wird die tief greifende und wach‐ sende Bedeutung von starken Marken deutlich und verrät bereits mehr über den Mythos und ihren Nutzen. Ebenso fokussiert Esch in seiner Begriffsauffassung die Tatsache, dass „Marken Vorstellungsbilder in den Köpfen der Konsumenten sind, die eine Identifikations‐ und Differenzierungsfunktion übernehmen und das Wahlverhalten prägen“ 9 . Das was die Marke ausmacht, sind nicht die funktionalen Eigenschaften, sondern die mit der Marke verbun‐ denen Gefühle und Erfahrungen. 10 Das Ziel der Markenführung ist die Erzeugung einer kohärenten und widerspruchsfreien Marke, die sogar im Rahmen eines vielfältigen Mar‐ kenportfolios zu einer markenspezifischen Erlebniswelt 11 gestaltet werden kann, ganz nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden. Das erfolgreiche Markenmanagement sieht die Marke als „ the consumer’s idea of a product.“ 12 „Die Marke soll das Produkt aus der Masse der Anonymität herausheben und dem markierten Objekt zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Persönlichkeit verhelfen.“ 13 Markenhersteller tragen der angesprochenen Notwendigkeit Rechnung aus der Flut von Informationen und Signalen mit ihrer Marke hervorzustechen und orientieren ihre Geschäftstätigkeit an der Idee Marken systematisch zu schaffen, sie konsequent zu pflegen und sie zu einem aussichtsreichen Markenportfolio auszubauen. Erfolgreiche Marken leben von dem Phänomen bleibende Eindrücke bei den Kunden zu hinterlassen und starke Gefühle hervorzurufen. 14
Auf Grund bestehender Differenzen zwischen den existierenden Definitionen und Auffassungen der Marke wird im Folgenden abschließend eine Begriffserklärung nach Bruhn vorgestellt, die den Besonderheiten der veränderten Anschauung der Marke in der
8 Siehe Meffert/Burmann 2000, S. 167‐187. 9 Siehe Esch 2003, S. 23. 10 Vgl. Esch 2003, S. 23.
11 Vertiefende Literatur zum Thema Markenerlebniswelten: Vgl. Meffert/Burmann 1996, S. 46 und Köhler et al. 2001, S. 29.
12 Siehe Ogilvy 1951 zitiert nach Esch 2003, S. 23. 13 Siehe Plummer 1984/85, S. 27f. zitiert nach Esch 2001, S. 63. 14 Vgl. Riesenbeck/Perrey 2004, S. 13ff.
6 A.1.2 Zentrale Aufgaben des strategischen Markenmanagements
Praxis gerecht wird. 15 „Als Marke werden Leistungen bezeichnet, die neben einer unterschei‐ dungsfähigen Markierung durch ein systematisches Absatzkonzept im Markt ein Qualitätsverspre‐ chen geben, das eine dauerhaft werthaltige, nutzenstiftende Wirkung erzielt und bei der relevanten Zielgruppe in der Erfüllung der Kundenerwartungen einen nachhaltigen Erfolg im Markt realisiert beziehungsweise realisieren kann.“ 16
1.2 Zentrale Aufgaben des strategischen Markenmanagements
Im Mittelpunkt des strategischen Markenmanagement stehen die erfolgreiche Imple‐ mentierung der übergeordneten Unternehmensziele und die Ableitung einer Grundsatz‐ strategie für die Marke, die sich vor allem auch in der strategischen Ausrichtung des um‐ gesetzten Marketing‐Mix widerspiegelt. 17 Das Markenmanagement umfasst, als Kernauf‐ gabe des Marketings, sowohl strategische als auch operative Entscheidungen. Die nachste‐ hende Abbildung 2 veranschaulicht die beiden Dimensionen und stellt die Aufgabengebie‐ te des strategischen und operativen Markenmanagements dar. Die strategische Entschei‐ dungsfindung in einem Unternehmen findet in erster Linie auf unternehmensstrategischer Ebene statt. Das heißt unter Berücksichtigung von strategischen Unternehmenszielen wird der Bedingungsrahmen für alle untergeordneten Ebenen festgelegt. Das Top‐Management legt die grundsätzliche Richtung fest, auf welche alle anderen Instrumente ausgerichtet werden. Im angelsächsischen Sprachgebrauch bezeichnet man diese Aufgabe als „Defining the Business“. In Bezug auf die Markenführung wird in dieser Phase die Gestaltung und Steuerung von Markenportfolios näher erörtert (siehe hierzu vertiefend Kapitel A 1.7). 18 Die markenstrategische Ebene beschäftigt sich mit der Aufgabendefinition und Ausrichtung der Marke in Anlehnung an die unternehmensstrategischen Ziele und Richtlinien. Die Entwicklung einer Marketing‐Grundsatzstrategie und die Umsetzung der operativen Mar‐ keting‐Mix‐Entscheidungen sind das Ergebnis dieser Stufe des Markenmanagements.
15 Vgl. Bruhn 2003, „Markenpolitik - Ein Überblick zum »State of the Art«“, S. 180‐184. 16 Siehe Bruhn 2004, S. 21. 17 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 52f. 18 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 12ff.
7 A.1.2 Zentrale Aufgaben des strategischen Markenmanagements
Das nachfolgende Schaubild (vgl. Abbildung 3) stellt den dynamischen Prozess der Markenführung systematisch dar und zeichnet den Zusammenhang zwischen der unter‐ nehmensstrategischen und der markenstrategischen Ebene auf. Deutlich zu erkennen ist, dass die Umweltanalyse und die Kontrolle der Prozesse auf allen Ebenen berücksichtigt werden müssen und planungsbegleitend erfolgen. 19 Wie bereits erläutert, erfordert die sys‐ tematische Markenführung, das heißt der Managementprozess von Planung, Koordination und Kontrolle von Marken, hohen Zeitaufwand und langfristige Investitionen. Dennoch ist eine Investition in die Marke langfristig betrachtet von enormer Tragweite für ein Unter‐ nehmen. 20
19 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 12ff.
20 In dieser Arbeit unberücksichtigt bleibt die Fragestellung, ob Markenmanagement für jedes Unternehmen und für jede Branche in gleichem Maße relevant ist. Wie jüngst eine Studie der Autoren Fischer, Meffert und Perrey zeigte, sollte eine kritische Betrachtung der Markenrelevanz im Vorfeld der Entscheidungsfin‐ dung von jedem Unternehmen in Erwägung gezogen werden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Vgl. Fischer et al. 2004, „Markenpolitik: Ist sie für jedes Unternehmen gleichermaßen relevant? S. 333‐356.
8 A.1.2 Zentrale Aufgaben des strategischen Markenmanagements
Eine Umfrage unter den Marketing‐ und Vertriebsleitern der europäischen Top‐500‐ Unternehmen, durchgeführt von der Management‐Beratung Booz Allen Hamilton und der Londoner Markenberatung Wolff Olins, zeigt die Vorteile von starken Marken auf und belegt die Aussage, dass starke Marken langfristig den Unternehmenserfolg erheblich stei‐ gern können. 90% der befragten Unternehmen sehen im Markenmanagement einen Schlüs‐ selfaktor des Unternehmenserfolgs, dennoch verfügen nur 18% der Befragten über ein kla‐ res Markenverständnis und richten ihre unternehmerischen Aktivitäten danach aus. Die vorgenannte Studie identifizierte als Ergebnis eine eindeutige Korrelation zwischen mar‐ kengeführten Unternehmen und Unternehmenserfolg. Eine enge Verzahnung von Strate‐ gieentwicklung und Markenmanagement, sowie die Anwendung adäquater
9 A.1.3 Vorzüge und Schwierigkeiten der Markenführung
Messgrößen (siehe vertiefend hierzu Kapitel A.1.8 und A.1.9) führen erwiesenermaßen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Unternehmens‐Performance. 21
Unter Umständen kollidiert das zuvor beschriebene Konzept der professionellen Mar‐ kenführung mit einer kurzfristigen Ausrichtung der Unternehmensaktivitäten und somit auch mit einer einseitigen Fokussierung auf kurzfristige Gewinnziele, wie sie sich in den letzten Jahren zunehmend im Zuge des Shareholder Value‐Konzepts 22 durchgesetzt hat. Anzumerken bleibt jedoch, dass zur erfolgreichen Markenführung intensive Investitionen unumgänglich sind und sich ihre Wirkungen langfristig entfalten. 23
1.3 Vorzüge und Schw ierigkeiten der Markenführung
Wie in den vorangegangenen Abschnitten angedeutet, bietet die Markenbildung dem Unternehmen entscheidende Vorteile. Im Folgenden werden Funktionen aufgeführt, wel‐ che die Bedeutsamkeit der strategischen Markenführung unterstreichen.
Den Kunden bietet eine Marke hohe Sicherheit und dient als Orientierungs‐ und Entschei‐ dungshilfe im „Informationsdschungel“. Im Zuge der steigenden Informationsflut durch Angebote und Werbemaßnahmen symbolisieren Marken stetige Sicherheit und gelten zu‐ dem als Qualitätsgarant und Vertrauensanker. Die Markenbekanntheit und das Unterneh‐ mensimage vermitteln Stabilität und fördern das Vertrauen in die Marke und die Glaub‐ würdigkeit des Herstellers. 24 Eine Identifikation und Wiedererkennung des Produktes im Kaufprozess ist Ergebnis der gezielten Marken‐Selbstdarstellung und sichert ihre Präsenz, beispielsweise im Handel. Ferner profitiert eine starke Marke von der Kundenerwartung der ständigen Verfügbarkeit und schlägt sich in einer gestiegenen Verhandlungsmacht des
Vgl. Booz Allen Hamilton/Wolff Olins, „Starke Marken sind rentabler. Markenorientierte Unterneh‐ 21
men sind fast doppelt so erfolgreich “, http://www.boozallen.de (Zugriff: 10.02.2005). 22 „Das Shareholder Value‐Konzept fordert eine konsequente Orientierung der Unternehmensführung und damit auch sämtlicher Marketing‐Aktivitäten an dem Ziel […] den Unternehmenswert zu steigern.“ Siehe Diller 2001, S. 1539ff. 23 Vgl. Meffert 2002, S. 128ff. 24 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 10.
10 A.1.3 Vorzüge und Schwierigkeiten der Markenführung
Herstellers mit dem Handel nieder. 25 Gleichzeitig senkt allerdings auch der Handel sein Risiko, da die Verbraucherakzeptanz des Markenproduktes gewährleistet ist. Das positive Markenimage und die Reputation des herstellenden Unternehmens nehmen Einfluss auf das Ansehen des Handels und versprechen langfristige Synergieeffekte. Neben Zielen wie Absatz‐ und Gewinnerhöhung und langfristiger Unternehmenserfolgssicherung, erreicht der Hersteller mit konsequentem Markenmanagement den Aufbau von Markenloyalität sowie Präferenzbildung für die eigenen Produkte. Die Profilierung einer Marke auf dem Markt bewirkt die Sicherung eines Ursprungsnachweises. Das bedeutet, dass durch die Markierung von Produkten ihre Originalität gewahrt wird und eine Zuordnung von posi‐ tiven, mit der Marke verbundenen Eigenschaften auf das Produkt selbst erfolgt. 24 Ebenso entfalten starke Marken einen unentbehrlichen Schutz im harten Wettbewerb. 25
Die zuvor genannten Gesichtspunkte sind lediglich ein Ausschnitt aus den Vorteilen, die sich für die involvierten Parteien ergeben und versinnbildlichen die bedeutsame Positi‐ on des Markenkonzeptes als wichtiges Instrument im Marketing und der Marke als zentra‐ len immateriellen Vermögenswert. 26
Der Weg zu einer erfolgreichen Marke oder gar zu einem hervorstechenden Marken‐ portfolio kann ebenso mit Schwierigkeiten verbunden sein. Ausgelöst durch Fehlentschei‐ dungen, die verheerende Auswirkungen auf die Markenpolitik haben und zu beträchtli‐ chen Schäden am Markenimage führen. Im Folgenden werden drei Problemfelder einer nachlässigen Markenführung kurz erläutert:
1. Markenerosion
2. Unkontrollierte Markenausdehnungen 3. Markenmonotonie beziehungsweise Markenhomogenität
Der in den letzten Jahren zu erkennende Trend zu Discountern und preisorientierten Angeboten macht auch vor den Markenartikeln nicht halt. Einige Markenhersteller neigen
25 Vgl. Kotler 2003, S. 635ff.
26 Vgl. Esch: „Das Ende der marktorientierten Unternehmensführung?“, http://www.absatzwirtschaft.de (Zugriff: 13.01.2005).
11 A.1.3 Vorzüge und Schwierigkeiten der Markenführung
zu unüberlegten kurzfristigen Handlungen, um ihre Marktanteile zu verteidigen, verlieren jedoch die Strategie und Markenphilosophie ihres Unternehmens aus den Augen. Im Ge‐ genteil, sie fügen der Marke hohen Schaden zu, indem sie versuchen sich am Preiskampf zu beteiligen. Preisaktionen sind nur von kurzem Erfolg, langfristig können sie Kunden nicht an die Marke binden. Die Folgen sind eindeutig: Die Markenpositionierung verwischt, die Stammkundschaft ist verunsichert und die Markenloyalität nimmt ab. Dieser Prozess wird wissenschaftlich als Markenerosion bezeichnet und umschreibt den Zerfall der aufge‐ bauten Marke. 27
Neben dem Preiskampf im Handel wird auch die Bedrohung der Herstellermarke durch die Handelsmarke („Kampf der Marken“) stetig größer. Der Handel versucht mit Einführung und Stärkung der Handelsmarke dem Profilierungsstreben der Markenherstel‐ ler zu begegnen und die Grenzen zu verwischen. 28 Besonders durch die steigende Qualität der Handelsmarken erhöht sich die Gefahr der Substitution von Herstellermarken durch ihre preiswerten Konkurrenten. Diese Entwicklung veranlasst viele Unternehmen zu einer Konzentration auf ihre stärksten Marken und führt zu einer intensiven Fokussierung auf Familien‐ oder Dachmarken. Diese Form der Ausdehnungsstrategien sollte jedoch nicht unkontrolliert angewandt werden, da sie ebenfalls zu Markenerosion führen können. 29
Eine unzureichende Positionierung der Marke (siehe hierzu vertiefend Kapitel A.1.6), die eine unklare Abgrenzung zu Konkurrenzprodukten mit sich bringt, führt zu so genann‐ ter Produkt‐ und Markenhomogenität. Die unzulängliche Differenzierung vom Wettbe‐ werb hat eine Verunsicherung der Kunden zur Folge und geht einher mit dem Verlust von
27 Vgl. Meffert: „Faszinieren statt Rabattieren - durch Marken mit Identität den Kunden begeis‐ tern“ http://www.absatzwirtschaft.de (Zugriff: 19.01.2005). 28 Vgl. Esch 2003, S. 48.
29 Auch das Unternehmen Unilever verfolgt eine Konzentration auf wenige, aber starke Marken und strebt eine Reduzierung des Markenportfolios von cirka 1.600 Marken auf etwa 400 Kernmarken im Jahre 2005 an. Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 86. Vgl. Michael „Konsumgüter‐Unternehmen verdichten die Zahl ihrer Marken“ vom 04.05.2005, http://absatzwirtschaft.de (Zugriff: 05.05.2005).
12 A.1.3 Vorzüge und Schwierigkeiten der Markenführung
Markenloyalität. Eine Schwächung der Marke und der Verlust der Markenidentität und des Wettbewerbsvorteils sind unabwendbar. 30
Neben den zuvor genannten Problemfeldern kommen weitere problematische Aspek‐ te hinzu, die ihren Ursprung in der Unternehmensorganisation selbst finden. Unterneh‐ mungen, die sich für die Markenführung entschieden haben, diese aber nicht in ihrer Phi‐ losophie als Aufgabe des Top‐Managements verankern, sehen sich langfristig mit einer Vielzahl von Problemstellungen innerhalb des Markenmanagements konfrontiert. Anzu‐ merken ist jedoch, dass eine Verwurzelung der Markenpolitik allein nicht ausreicht, auch ein hinreichendes Markenverständnis in der Chefetage muss gegeben sein, um die Marke als zentralen Erfolgsfaktor zu etablieren. 31 Ebenso die Tatsache, dass Kommunikationsakti‐ vitäten zunehmend von externen Agenturen geplant und durchgeführt werden, die nur geringe Kenntnisse über die strategischen Ziele und den Markenkern haben, verstärken die Verwässerung der Marke und den Verlust der Markenidentität. Hausgemacht ist ebenfalls das langfristig erfolglose Markenmanagement durch unerfahrene Produktmanager. Viel‐ fach weicht die langfristige und systematische Planung und Steuerung von Marken, kurz‐ fristigen Marketingaktionen, um in relativ kurzer Zeit Erfolge vorweisen können. Langfris‐ tig jedoch leidet das Markenbild und eine kontinuierliche Markensteuerung ist nicht gege‐ ben. 32 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Markenführung auf Grund ihres strategischen Charakters langfristig ausgerichtet ist und eine enge Bindung mit den gesamtunternehme‐ rischen Strategien unterhält. Entscheidend ist allerdings, dieses Zusammenspiel kontinu‐ ierlich zu beobachten und den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen.
1.4 Grundsätze erfolgreicher Markenführung
Wie bereits zuvor erläutert führt unzureichende oder falsche Markensteuerung und Markenpflege zu belastenden Schwierigkeiten, demgemäß ist eine konsequente Anwen‐ dung bewährter Grundlagen besonders wichtig.
30 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 20f.
31 Vgl. Brandmeyer 2005, „Wenn Leichtmatrosen Riesentanker manövrieren“ vom 20.04.2005, http://www.absatzwirtschaft.de (Zugriff: 01.05.2005). 32 Vgl. Esch 2001, S. 39.
13 A.1.4 Grundsätze erfolgreicher Markenführung
Zweifelsohne ist die nachstehende übersichtliche Zusammenfassung (vgl. Abbildung 4) der wichtigsten Erfolgsprinzipien des Markenmanagement kein „Patentrezept“, sondern liefert lediglich einige interessante Ansatzpunkte zur Fehlervermeidung innerhalb der Markenführung. Symbolisch bilden die nachfolgenden Eckpfeiler ein Grundgerüst, auf dem die erfolgreiche Markenführung aufbaut.
1. Eigenständiges Markenimage
Der Aufbau eines klaren Markenimages ist für eine langfristige strategische Marken‐ führung grundlegend. Das Image muss auf das richtunggebende Markenkonzept aufbau‐ en und den Inhalt der Unternehmensstrategie widerspiegeln. Voraussetzung dafür ist ei‐ ne konsequente Positionierung der Marke auf dem Markt.
2. Weiterentwicklung und Innovation
Produkte sind einem Lebenszyklus unterworfen und nach einiger Zeit technologisch überholt. Ein ständiger Innovationsprozess gewährleistet, dass das Produkt fortwährend „up to date“ ist, also auf dem neusten Stand. Marken dagegen sind zeitlos und unterlie‐ gen keinem „Zyklus“. Eine dynamische Markenpflege bewirkt eine Weiterentwicklung der Marke ohne ihre Position zu gefährden. Die Anpassung und Aktualisierung der Mar‐ kenpositionierung wird an dieser Stelle abermals hervorgehoben und unterstreicht ihren Stellenwert innerhalb der Markenführung (vgl. hierzu Kapitel A.1.6).
14 A.1.5 Markenstrategische Optionen
3. Konsequenz und Kontinuität
Für die Konsequenz und Kontinuität des Markenmanagements ist eine klare Orien‐ tierung am Kern der Markenidentität von fundamentaler Bedeutung. Profilierte Marken sollten ihre Entwicklung am Markenkern ausrichten und die bereits erworbene Stärke nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, um ein konsistentes Markenbild zu wahren.
4. Ganzheitlichkeit und Konsistenz
Erfolgreiches Markenmanagement setzt voraus, dass alle „Core Values“ 33 , welche die Identität und Markenpersönlichkeit formen in sämtlichen unternehmerischen Aktivitäten gleichermaßen gelebt werden. Ziel ist die Schaffung eines durchgehend einheitlichen Markenbildes mittels Zusammenführung aller marketingpolitischen Instrumente zu ei‐ nem kohärenten und widerspruchsfreien Marketing‐Mix. 34
1.5 Markenstrategische Optionen
Der dynamische Prozess der Markenführung, wie bereits in Kapitel A.1.2 erläutert, gliedert sich in zwei grundlegende Zielblöcke. Nach Analyse der strategischen Ausgangsi‐ tuation und Ableitung der Marken‐Grundsatzstrategie aus den Unternehmenszielen, ver‐ bleibt die Entscheidung über die konkreten Strategien zur Markenbildung. Systematisch dargestellt in der nachstehenden Grafik (vgl. Abbildung 5) und in Anlehnung an Meffert wird zwischen Markenstrategien im horizontalen, vertikalen und internationalen Wettbe‐ werb unterschieden. 35
33 Core Values (Kernwerte) sind die Qualitäten einer Marke, die den Markenkern bilden und an denen eine Ausrichtung aller markenstrategischen Entscheidungen erfolgen sollte. 34 Vgl. Gaiser et al. 2005, S. 58ff. 35 Vgl. Meffert 2002, S. 136ff.
15 A.1.5.1 Vertikale Markenstrategien
1.5.1 Vertikale Markenstrategien
Die vertikalen Basisstrategien definieren die Möglichkeiten die ein Hersteller hat, sei‐ ne Produkte zu markieren. Differenziert wird im Folgenden zwischen der Hersteller‐, Handels‐, Lizenz‐ und Dienstleistungsmarke. 36
Herstellermarke
Die Herstellermarke wird als traditioneller Markenartikel angesehen, welcher vom Hersteller geprägt und geführt wird. Der Hersteller vertreibt seine Produkte unter eigenem Namen und garantiert damit eine gleich bleibend hohe Qualität, eine „Überallerhältlich‐ keit“ und eine einheitliche Preisgestaltung. 37
Handelsmarke (Distributor’s Own Brand - DOB)
Im Gegensatz zu der Herstellermarke versieht der Händler die Produkte mit dem ge‐ wünschten Markennamen. Auf diese Weise sichert er sich den exklusiven Vertrieb der Produkte über eigene Distributionskanäle, muss demzufolge aber auch alle Chancen und
36 Vgl. Meffert 2002, S. 152ff. 37 Vgl. Diller 2001, S. 573f.
16 A.1.5.1 Vertikale Markenstrategien
Risiken des Markenaufbaus selbst tragen. Häufig anzutreffen sind Handelsmarken im Be‐ reich der Lebensmittelindustrie, wie z.B. die Hausmarken vom Lebensmitteldiscounter Aldi. Handelsmarken verzeichnen eine sehr positive Entwicklung und sind ernstzuneh‐ mende Konkurrenz der klassischen Herstellermarken. 38
Lizenzmarke
Das Konzept der Lizenzmarke sieht das „Mieten“ von bereits im Markt etablierten Marken (Namen und Symbole), aber auch Eigennamen von berühmten Persönlichkeiten, Figuren oder Charakteren aus Filmen und Büchern gegen Lizenzgebühren vor. Dieses Verfahren ist ein nützliches Instrument um Produkte relativ schnell und unkompliziert als „Markenprodukt“ im Markt zu etablieren. 39
Dienstleistungsmarken
Die Dienstleistungsmarke erlebte im Zuge der stürmischen Entwicklung der Informa‐ tions‐ und Kommunikationstechnologien einen stetigen Bedeutungszuwachs. 40 Dienstleis‐ tungsunternehmen, die ihre Produkte und Services unter einem bewährten Namen verkau‐ fen, werden zusammenfassend unter dem Begriff der Dienstleistungsmarken betrachtet. 41
1.5.2 Horizontale Markenstrategien
Im Rahmen der Markenportfolio‐Analyse und der Festlegung von Markenstrategien sind verschiedene wissenschaftliche Ansätze zu distinguieren. Nach Meffert existieren vier Grundoptionen der idealtypischen Markenstrategien im horizontalen Wettbewerb. 42 Das folgende Schaubild (vgl. Abbildung 6) gibt einen Überblick über die Basisstrategien.
38 Vgl. Köhler et al. 2001, S. 25ff.
39 Vgl. Kotler/Bliemel 2001, S. 748ff. 40 Vgl. Meffert 2002, S. 264ff. 41 Vgl. Meffert 2002, S.264ff. 42 Vgl. Meffert 2002, S. 137ff.
17 A.1.5.2 Horizontale Markenstrategien
Einzelmarkenstrategie (Produkt- oder Mono-Marken-Konzept)
Die Einzelmarkenstrategie fordert für jeden einzelnen Produktbereich eines Unter‐ nehmens eine eigene Marke, die ebenso ausschließlich ein Marktsegment besetzt. 43 Vorteil‐ haft an der Strategie der Einzelmarken oder auch „Individual Brand Name“ 44 , ist die deutli‐ che Positionierung und Hervorhebung der Marke bei minimaler Integration in das gesamte Produktprogramm. Eine optimale Vermarktung von Produktinnovationen ist gewährleistet und negative Effekte haben keine Auswirkung auf das restliche Produktprogramm, da eine Identifizierung nur geringfügig möglich ist. 45 Nachteilig fällt auf, dass die Produktmarke allein die gesamten Marketingaufwendungen tragen muss und demnach höhere Kosten verursacht als Markenfamilien und Dachmarken. 42
Mehrmarkenstrategie (Parallel- oder Multimarkenstrategie)
Im Falle des Mehrmarken‐Konzepts bietet ein Unternehmen in einem Produktbereich mehrere Marken (mindestens jedoch zwei) parallel an, die auf den Gesamtmarkt ausgelegt
43 Vgl. Meffert/Bolz 1998, S. 177ff.
44 Vgl. Assael 1990, S. 196 zitiert nach Esch 2001, S. 302. 45 Vgl. Esch 2003, S. 252‐254.
18 A.1.5.2 Horizontale Markenstrategien
sind. Das Markenangebot unterscheidet sich hinsichtlich des angewandten Marketing‐Mix und der Positionierung. 43 Ziel dieser Strategie ist, in Produktkategorien mit geringer Mar‐ kenloyalität keine Kunden an Wettbewerber zu verlieren, sondern an eine andere Marke aus dem eigenen Portfolio. Dieses Handeln sichert dem agierenden Unternehmen eine stärkere Präsenz im Handel, festigt den Gesamtumsatz und entwickelt Markteintrittsbar‐ rieren in Bezug auf Wettbewerber. Die größte Gefahr der Mehrmarkenstrategie liegt in der Kannibalisierung. Gegenseitige Substitution der Marktanteile und die damit verbundenen Umsatzeinbußen bilden somit die Kehrseite dieser Alternative. 46
Markenfamilienstrategie (Produktgruppen- und Rangemarkenstrategie)
Von einer Markenfamilienstrategie oder auch einem „Product Line Name“ 47 wird ge‐ sprochen, wenn ein Unternehmen mehrere verwandte Produktkategorien unter einer Mar‐ ke führt oder auf den Unternehmensnamen Bezug nimmt. Die Familienmarke stellt eine Kombination aus Einzel‐ und Dachmarke dar. 48 Im Gegensatz zur Mehrmarkenstrategie ist hier eine Homogenität der Marketing‐Mix‐Strategien von Nöten, um die gemeinsame Mar‐ ke als strategischen Kern zu verdeutlichen. 43 Begünstigend wirkt bei Verfolgung der Mar‐ kenfamilienstrategie die schnellere Akzeptanz auf dem Markt der neu eingeführten Pro‐ dukte, auf Grund der Erfahrung der Konsumenten mit den bereits etablierten Produkten. Ebenso bietet diese markenstrategische Option die Nutzung von Synergien im Bereich des Marketings an und verschafft dem Hersteller durchaus einen preispolitischen Spielraum. 49 Problematisch stellt sich jedoch die Möglichkeit eines negativen Imagetransfers dar, sollte die Differenz der strategischen Ausrichtung unter den einzelnen Produktgruppen zu groß sein.
46 Vgl. Meffert 2002, S. 140.
47 Vgl. Assael 1990, S. 199 zitiert nach Esch 2001, S. 304. 48 Vgl. Meffert 2002, S. 142.
49 Die Markteinführungskosten können durch eine gesteigerte Werbeeffizienz gesenkt werden, da weitere Produkte der Markenfamilie von einem Werbeoverflow profitieren. Vgl. Friederes 2004, „Dachmarke ver‐ sus Einzelmarke“, S. 3, http://competence‐site.de (Zugriff: 09.04.2005).
Arbeit zitieren:
Kathrin Kaluza, 2005, Internationale strategische Markenführung spanischer Unternehmen in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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