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Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis III
Abstract 1
1. Einleitung 2
2. Die Aktienanalyse im Überblick 4
2.1 Entstehung und geschichtlicher Hintergrund 4
2.2 Verfahren der Aktienanalyse 5
2.3 Gegenüberstellung der Technischen
und Fundamentalen Aktienanalyse 6
3. Annahmen, Ausgangspunkt und Aufgaben/Ziele
der Technischen Aktienanalyse 16
3.1 Ursprung und Annahmen der Technischen Aktienanalyse 16
3.1.1 Die Dow-Theorie 16
3.1.2 Der Kurstrend im Mittelpunkt der Analyse 18
3.2 Aufgaben und Ziele der Technischen Aktienanalyse 21
3.3 Der Kurschart als Ausgangspunkt
und Handwerkszeug des Chartisten 22
4. Instrumente und theoretische Möglichkeiten 25
der Technischen Aktienanalyse
4.1 Charttechnik - die traditionelle Analysemethode 25
4.1.1 Unterstützungen und Widerstände 25
4.1.2 Trendbestätigungsformationen 31
4.1.3 Trendwendeformationen 36
II
4.2 Das Trendfolgemodell der gleitenden Durchschnitte
als Vertreter der modernen Technischen Aktienanalyse 43
5. Prüfung der Anwendbarkeit technischer Instrumente
in der Praxis 47
5.1 Formulierungen bestimmter Analysegesichtspunkte 47
5.2 Beurteilungen langfristiger Kursbilder verschiedener Aktien 48
6. Fazit der Untersuchung und der Ausblick
für die Technische Aktienanalyse 53
Literaturverzeichnis 56
Abbildungsverzeichnis 60
Anhang I - Siemens - Monats- und Wochenchart I
Anhang II - Adidas - Monats- und Wochenchart II
III
Abkürzungsverzeichnis
FAA fundamentale Aktienanalyse
GD gleitender Durchschnitt
MTAA moderne Technische Aktienanalyse
RWH Random-Walk-Hypothese
TAA technische Aktienanalyse
1
Abstract
In dieser Arbeit soll die Technische Aktienanalyse als Alternative zur Fundamentalen Aktienanalyse vorgestellt und ihre Anwendbarkeit in der Praxis untersucht werden. Dabei werden beide Methoden anhand verschiedener Kriterien voneinander abzugrenzen, da beide zwar das gleiche Ziel verfolgen, jedoch auf grundlegend verschiedenen Ansätzen beruhen. Während die Fundamentale Aktienanalyse bei der Bewertung von Aktien sowie auf unternehmensinterne als auch auf -externe Daten zurückgreift, bedient sich die Technische Aktienanalyse im Wesentlichen der Kursdaten der jeweiligen Aktie, deren Entwicklung sich anhand eines so genannten Charts grafisch darstellen lässt.
Bei der Herausarbeitung von Stärken und Schwächen der Analysemethoden wird ersichtlich, dass zwar beide Verfahren ihren Beitrag zur Aktienanalyse zu leisten im Stande sind, jedoch sowohl der Technischen als auch der Fundamentale Aktienanalyse einige Mängel vorzuwerfen sind. Die Technische Aktienanalyse geht davon aus, dass sich Aktien gerichtet in so genannten Trends bewegen und die Vorhersage zukünftiger Kursentwicklungen anhand der Deutung des Kursverlaufes möglich ist. Zur Kursprognose bzw. zur Erfassung dieses Trends hält die traditionelle Technische Aktienanalyse - die Chartanalyse - verschiedene Instrumente bereit.
Die moderne Technische Aktienanalyse, deren Instrumente auf stochastischen Ansätzen beruhen, wurde bis auf das Trendfolgemodell der gleitenden Durchschnitte weitestgehend außer Acht gelassen.
Bei der Anwendung der vorgestellten Instrumente auf praktischer Ebene wird deutlich, dass die Charttechnik durchaus eine hilfreiche Unterstützung bei der Bewertung von Aktien darstellt, jedoch aufgrund zahlreicher Schwächen keineswegs das Allheilmittel für den sicheren Erfolg am Aktienmarkt darstellt. Aufgrund der Tatsache, dass die Technische Aktienanalyse das Betreiben der Fundamentalen Aktienanalyse voraussetzt, wäre eine Verdrängung der Fundamentalen Aktienanalyse durch die Technische Aktienanalyse nicht möglich.
2
1. Einleitung
Der Aktienmarkt bietet langfristig attraktive Investitionsmöglichkeiten. Den hohen Wachstumschancen stehen jedoch entsprechende Risiken gegenüber. Um den Anlageerfolg nachhaltig beeinflussen zu können, stehen dem Kapitalanleger die Fundamentale und die Technische Aktienanalyse zur Verfügung. Die Fundamentale Aktienanalyse konnte sich bis heute als die am weitesten verbreitete Methode zur Aktienbewertung durchsetzen. Neben dieser Analysemethode konnte sich in den letzten Jahrzehnten die Technische Aktienanalyse zunehmender Beliebt- und Bekanntheit erfreuen. Während der Begriff Technische Analyse allgemein die Beurteilung aller Handelsgüter umfasst, deren Preise durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage gebildet werden, beschränkt sich die Technische Aktienanalyse auf die Analyse von Aktien.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Technischen Aktienanalyse als Alternative zur Fundamentalen Aktienanalyse und ihrer Anwendbarkeit in der Praxis. Ziel der Arbeit ist neben der Vorstellung der Technischen Aktienanalyse die Beantwortung der Frage, ob und inwieweit diese Analysemethode einerseits einen nützlichen Beitrag zur Aktienanalyse leisten kann und andererseits eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Fundamentalen Aktienanalyse darstellt. Die Arbeit umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil, wobei dem theoretischen Teil ein weitaus größerer Teil eingeräumt werden soll. Im folgenden Teil der Arbeit soll nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick und einer Einführung in das System der Verfahren zur Aktienanalyse eine Gegenüberstellung von Fundamentaler und Technischer Aktienanalyse vorgenommen werden. Neben der begrifflichen Abgrenzung werden spezielle Wesenzüge und Stärken und Schwächen der jeweiligen Methoden herausgearbeitet.
Dann werden zum einen die Grundannahmen und Theorien beleuchtet, welche der Technischen Aktienanalyse zugrunde liegen. Zum anderen werden die Aufgaben und Ziele dieser Methoden besprochen.
3
Bevor im nächsten Abschnitt die wichtigsten Instrumente der Technischen Aktienanalyse vorgestellt werden, wird der Aufbau des Kurscharts einer Aktie als Ausgangspunkt der Analyse beschrieben, soweit dies für diese Arbeit notwendig ist.
Anschließend werden die Instrumente der klassischen Technischen Aktienanalyse - der Chartanalyse - besprochen, während die Instrumente der modernen Technischen Aktienanalyse aus Platzgründen zum größten Teil vernachlässigt werden sollen.
Da in der Literatur zu diesem Thema weitestgehend einheitliche Aussagen vor-zufinden sind, stützt sich diese Arbeit im Wesentlichen auf einige Standardwerke, wobei abweichende und ergänzende Aussagen aus anderen Quellen einflossen.
Im praktischen Teil der Arbeit sollen mit Hilfe der vorgestellten Instrumente die langfristigen Kursverläufe von zwei Aktienwerten analysiert werden, um die Anwendbarkeit der Chartanalyse beurteilen zu können. Abschließenden wird neben der Auswertung der Untersuchung auch ein Blick auf die Zukunft der Technischen Aktienanalyse geworfen.
4
2. Die Aktienanalyse im Überblick
2.1 Entstehung und geschichtlicher Hintergrund
Die Geschichte der professionellen Aktienanalyse geht zurück bis in die zwanziger bzw. dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Zu dieser Zeit herrschte an den US-amerikanischen Aktienmärkten eine bis dahin noch nie da gewesene Volatilität. Auf den Börsenkrach im Jahre 1929, welcher den seit 1921 andauernden Börsenboom beendete, folgten Börsenjahre, welche durch ausgeprägte Kurs-bewegungen in beide Richtungen gekennzeichnet waren. 1 In diesen Zeiten waren Entscheidungshilfen für die Anlage in Aktien gefragt, da man sich nun nicht mehr auf die stetigen Kurssteigerungen verlassen konnte, wie noch vor einigen Jahren.
Gesetzesverabschiedungen, die der breiten Öffentlichkeit Zugang zu den Finanzinformationen der Unternehmen verschafften, ermöglichten es den Marktteilnehmern, sich ernsthaft mit der Analyse von Aktien auseinanderzusetzen. Dies war bis dahin nur den Investmentbanken vorbehalten. 2 Das 1934 erschienene Buch 'Security Analysis' von Benjamin Graham und David Dodd enthielt den ersten Ansatz zur Ermittlung des Bilanzwertes, der Ertragskraft eines Unternehmens und Kriterien zur Aktienauswahl. Dieses Buch gilt heute als der Beginn der Fundamentalen Aktienanalyse. 3 Bereits einige Jahrzehnte früher befasste sich der Amerikaner Charles Dow mit den Kursbewegungen am Aktienmarkt. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen bilden die Grundlagen für die Technische Aktienanalyse. Ins Licht der Öffentlichkeit rückten seine Erkenntnisse dreißiger Jahren.
1 Vgl. Cesar: Aktienanalyse heute, 1996, S.1
2 Vgl. Dornbusch: Untersuchung von Modellen der Fundamentalen und Technischen
Aktienanalyse, 1999, S.25
3 Vgl. Dornbusch: Untersuchung von Modellen der Fundamentalen und Technischen
Aktienanalyse, 1999, S.25
5
2.2 Verfahren der Aktienanalyse
Bezüglich der Verfahren zur Aktienanalyse kann die Unterscheidung zwischen einzelwertorientierten und kapitalmarktorientierten Methoden vorgenommen werden. Unter einzelwertorientierten Methoden sind traditionelle Verfahren der Aktienanalyse zu verstehen, wo eine isolierte Bewertung der Aktien ohne Portefeuillebezug vorgenommen wird. Dazu zählen die Fundamentale und die Markttechnische Aktienanalyse. Zweitere teilt sich wiederum in die Technische Aktienanalyse (TAA) und die Random-Walk-Hypothese (RWH). Kapitalmarkttheoretische Methoden hingegen sind moderne Ansätze, welche einerseits portefeuillebezogen sind und von der Gleichgewichtsannahme am Markt ausgehen und anderseits auf bestimmten Faktormodellen und der Annahme der Arbitragefreiheit aufbauen. 4 Die professionelle Anwendung dieser Methoden ist erst durch die rasante Entwicklung der Computertechnologie in den letzten Jahrzehnten möglich geworden. Somit konnten größere Datenmengen ohne großen Zeitaufwand verarbeitet werden. Andererseits kann auch die Unterscheidung zwischen Preisbildungsmodellen, wozu unter anderem die RWH zählt, und Preisprognosemodellen, zu welchen die FAA und die TAA gehören, vorgenommen werden. 5
In dieser Arbeit soll im Wesentlichen die Charttechnik als traditioneller Aspekt der Technischen Aktienanalyse behandelt werden. Von den Instrumenten der modernen TAA soll lediglich das Modell der gleitenden Durchschnitte als Vertreter der Trendfolgeindikatoren vorgestellt werden, da es durch die Anwendbarkeit auf den Kurschart in gewisser Weise Bestandteil der Chartanalyse ist.
Die Random-Walk -Hypothese stellt das Gegenstück zur Technischen Analyse auf der Ebene der Markttechnischen Aktienanalyse dar.
4 Vgl. Dissertation zum Thema „Anwendung abhängigkeitsanalytischer Verfahren auf den
deutschen Aktienmarkt - Eine empirische Untersuchung“ Friedel, 2001
5 Vgl. Kasparzak, R.: Aktienkursbildung, 1997, S.23
6
Sie geht von der Annahme effizienter Märkte und der zufälligen Schwankung der Aktienkurse um ihren inneren Wert aus. Danach bestehen keine Abhängigkeiten zwischen vergangenen und zukünftigen Aktienkurs-Entwicklungen. Neben der TAA wird auch die FAA in Frage gestellt. 6 Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass mit der Geldanlage in Aktien lediglich durch Zufall ein besseres Anlageergebnis als das des Marktdurchschnitts zu erzielen ist. 7 Die so genannte 'buy-and-hold-Strategie’ 8 ist demnach die beste Möglichkeit am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Auf Random-Walk-Hypothese soll jedoch nicht weiter eingegangen werden.
2.3 Gegenüberstellung der Technischen und Fundamentalen Aktienanalyse
Aufgrund der gegensätzlichen Auffassungen von Fundamentaler und
Technischer Aktienanalyse soll an dieser Stelle eine Abgrenzung vorgenommen werden, um dem Leser die Wesenszüge der beiden Ansätze verdeutlichen zu können. In diesem Zusammenhang können vor allem auch die Stärken und Schwächen beider Verfahren beleuchtet werden.
Die Fundamentale Aktienanalyse kann zweifelsohne als das am weitesten verbreitete Konzept der einzelwertorientierten Aktienanalyse bezeichnet werden. 9 In der Grundannahme dieser Methode wird davon ausgegangen, dass der Börsenkurs einer Aktie im Laufe der Zeit um den realen bzw. inneren Wert des Unternehmensanteils schwankt. Folglich ist der Wert der Aktie an der Börse zeitweise unter-, über- bzw. angemessen bewertet. Der Kauf einer Aktie ist nach dieser Überlegung also nur dann sinnvoll, wenn der Börsenkurs unterbewertet ist, da eine Angleichung an den inneren Wert zu erwarten ist. 10
6 Vgl. Perk "Professionelle Aktienanalyse, 1990, S.8
7 Vgl. Buchner, Grundzüge der Finanzanalyse, 1981, S.251
8 Die ‚buy-and-hold-Strategie’ bedeutet in diesem Zusammenhang
den langfristigen Kauf von Aktien ohne zwischenzeitliches Handeln.
9 Vgl. Priermeier: Geld verdienen mit Fundamentalanalyse, 2002, S.12
10 Vgl. Buchner, Robert: Grundzüge der Finanzanalyse, 1981, S.221
7
Die eigentliche Aufgabe der Fundamentalanalyse besteht nun darin, den inneren Wert eines Unternehmensanteils zu bestimmen. 11 Dazu muss zunächst der Wert des entsprechenden Unternehmens anhand bestimmter Kennzahlen berechnet und anschließend durch die Anzahl der Aktien dividiert werden. 12 Der Vergleich des errechneten inneren Wertes mit dem Börsenkurs gibt nun Aufschluss darüber, ob die Aktie an der Börse unter-, über- oder angemessen bewertet ist. Wie bereits erwähnt, kann die Aktie gekauft werden, wenn der Börsenkurs unter dem inneren Wert liegt. Im umgekehrten Falle sollte sie verkauft werden. Bei der Ermittlung des Unternehmenswertes wird zwischen der Substanz- und der Ertragswertmethode unterschieden, wobei nicht weiter auf diese Methoden eingegangen werden soll. 13 Zur Bestimmung des inneren Wertes werden neben Unternehmensdaten auch gesamtwirtschaftliche Einflußgrößen berücksichtigt. 14
Die Technische Aktienanalyse hingegen beschränkt sich bei der Aktienbeurteilung lediglich auf die Betrachtung der historischen Kurs- und Umsatzentwicklung der entsprechenden Aktie, welche sich in Form eines so genannten Charts grafisch darstellen lässt. 15 Darin spiegelt sich nach Ansicht der technischen Analysten das Verhalten der Marktteilnehmer auf der Angebots- und Nachfrageseite wider. 16 Dabei ist nicht entscheidend, warum sich die Kurse in die eine oder andere Richtung entwickeln. 17 Grundlegende Philosophie und eigentliche Berechtigung für die Anwendung der Technischen Analyse ist die Auffassung, dass sich Aktienkurse nicht richtungslos bewegen, sondern in so genannten Trends verlaufen und die Kursprognose aus der Beobachtung charakteristischer Kursverläufe, so genannter Kursformationen, möglich ist. 18 Der eigentliche Schwerpunkt liegt dabei jedoch nicht auf der Abgabe von Kursprognosen, sondern eher in der Ermittlung
11 Vgl. Perk: Professionelle Aktienanalyse, 1990, S.3
12 Quelle: Technische vs. Fundamental-Analyse, Traders, 01/2004, S.62f,
13 siehe hierzu Priermeier: Geld verdienen mit Fundamentalanalyse
14 Vgl. Peters: Kapitalmarkttheorie & Aktienmarktanalyse, 1987
15 Vgl. Priermeier: Geld verdienen mit Technischer Aktienanalyse, 1998, S.11
16 Vgl. Perk: Professionelle Aktienanalyse, 1990, S.10
17 Vgl. Cesar: Aktienanalyse heute, 1996, S.5
18 Vgl. Buchner: Grundzüge der Finanzanalyse, 1981, S.240
8
der aktuellen Trendsituation und auf dem Erkennen von Trendwendesignalen. 19 Für die Verfechter dieser Analysemethode "ist eine Aktie nur soviel wert, wie am Markt für sie bezahlt wird", wodurch die grundsätzliche Abgrenzung zur FAA deutlich wird. 20
Generell kann bereits an dieser Stelle gesagt werden, dass sich beide Analysemethoden darin unterscheiden, dass die FAA aktiver und die TAA passiver Natur ist. Durch das Analysieren und Erstellen von Kursprognosen auf fundamentaler Basis und den daraus resultierenden Handelsaktivitäten der Marktteilnehmer wird der Kursverlauf einer Aktie maßgeblich beeinflusst. 21 Die Möglichkeit der technischen Auswertung des Kursverlaufs basiert im Grunde also auf den durch die FAA geprägten Kursbewegungen. John J. Murphy drückte in seinem Buch "Technische Analyse" diesen Zusammenhang sehr treffend aus: "Der Fundamentalist studiert die Ursachen von Marktbewegungen, während der Techniker die Auswirkungen untersucht." 22 Die Technische Aktienanalyse bedingt somit förmlich das Betreiben der Fundamentalen Aktienanalyse. 23
Dieser Einfluss fundamentaler Faktoren auf die Aktienkurse wird von den technischen Analysten also nicht geleugnet, jedoch die Möglichkeit, Aktienkurse auf dieser Basis prognostizieren zu können. 24 John Bollinger, Entwickler des bekannten Bollinger-Bands-Indikators 25 , meinte in einem Interview hierzu: "Die Fundamentale Analyse ist zwar gut geeignet, ein Unternehmen zu analysieren, aber nicht eine Aktie." 26
Des Weiteren kann festgestellt werden, dass die Erwartungen der Anleger, welche sich in Form von Angst und Gier in den Aktienkursen niederschlagen, bei der technischen Analyse in vollem Umfang berücksichtigt werden, während
19 Vgl. Herrling/Krapf: Der Wertpapier- und Anlage-Ratgeber, 1990, S.135
20 Cesar: Aktienanalyse heute, 1996, S.5
21 Vgl. Stöttner: Finanzanalyse, 1989, S.10
22 Murphy: Technische Analyse der Finanzmärkte, 1999, S.24
23 Vgl. Cesar: Aktienanalyse heute, 1996, S.79f.
24 Vgl. Dornbusch: Untersuchung von Modellen der Fundamentalen und Technischen
Aktienanalyse, 1999, S.38
25 Die ‚Bollinger Bands’ sind Trendfolgeindikatoren - mehr dazu in Abschnitt 4.2
26 Etzkorn: John Bollinger - Fokus auf die Märkte, Der aktive Trader 09/2002, S.90
9
die wirtschaftlichen Einflussgrößen völlig außer Acht gelassen werden. Bei der fundamentalen Analyse hingegen werden lediglich die wirtschaftlichen Zusammenhänge betrachtet, ohne jedoch dem psychologischen Einfluss einen Stellenwert einzuräumen. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die FAA zwar bestrebt ist, den wahren Wert einer Aktie zu berechnen, sich aber nicht mit dem Marktwert derselben beschäftigt, während die TAA den Marktwert kennt, ohne sich für den wahren Wert der Aktie zu beschäftigen. Bei der nun folgenden Gegenüberstellung beider Methoden ist es notwendig, um diese unterschiedlichen Philosophien zu wissen. 27 Außerdem ist zu beachten, dass die FAA zwar die Richtung des Aktienkurses aufgrund eines bestimmten Ereignisses, wie etwa der Bekanntgabe des Jahresergebnisses, vorauszusagen vermag, jedoch nicht das Ausmaß der entsprechenden Bewegung. Die TAA hingegen vermag beispielsweise durch die Lokalisierung von Unterstützungs- und Widerstandsbereichen potentielle Kursziele zu bestimmen, beschäftigt sich jedoch nicht vordergründig mit der möglichen Richtung, welche der Kurs einschlagen sollte. Das Sprichwort "Der Markt hat immer recht" verdeutlicht diese Haltung. Anhand einzelner Kriterien und Aspekte entscheidende Stärken und Schwächen der Technischen und Fundamentalen Analyse herausarbeiten. Zunächst soll das Thema der Fristigkeit besprochen werden. Bei der Fundamentalen Aktienanalyse werden die zur Berechnung der Kennzahlen benötigten volks- und betriebswirtschaftlichen Daten allenfalls monatlich, in der Regel jedoch nur Quartalsweise und zudem mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung veröffentlicht. 28 Allein daraus kann geschlussfolgert werden, dass die Fundamentalanalyse weniger zur kurzfristigen als eher zur mittel- bzw. längerfristigen Kursprognose geeignet ist. 29 Die strategische Auswahlentscheidung von Aktien steht also im Vorder-grund. 30
27 Vgl. Cesar: Aktienanalyse heute, 1996, S. 79
28 Vgl. Welcker: Technische Aktienanalyse, 1994, S.19
29 Vgl. Priermeier: Geld verdienen mit Fundamentalanalyse, 2002, S.12
30 Vgl. Artikel: Technische vs. Fundamental-Analyse, Traders 01/2004, S.62f.
Arbeit zitieren:
Steffen Heinrich, 2004, Die Technische Aktienanalyse als Alternative zur Fundamentalen Aktienanalyse und ihre Anwendbarkeit in der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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