Legasthenie - Ätiologie und Symptomatologie
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Einleitung 3
2 Legasthenie 4
2.1 Legasthenie - eine Krankheit? 4
2.2 Ätiologie der Lese-Rechtschreib -Schwäche. 5
2.3 Symptomatologie der Lese-Rechtschreib -Schwäche 7
2.3.1 Primärsymtomatologie 7
2.3.2 Sekundärsymtomatologie 12
3 Schlussfolgerung 13
Literaturverzeichnis 14
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Legasthenie - Ätiologie und Symptomatologie
1 Einleitung
„Heute wissen wir, dass das Lesen- und Schreibenlehren eine sehr viel kompliziertere Angelegenheit ist und dass es nicht ausreicht, den Kindern nur das Alphabet oder die Einzellaute beizubringen. Die Leseforschung hat herausgefunden, dass das scheinbar Einfache, die Buc hstaben und die Laute, für das Kind sehr schwer zu begreifen ist, da es sich um höchst abstrakte [und komplexe] Konzepte handelt.“ (Valtin 1994b, S.5). Dabei sind Sprachwahrnehmungsleistungen, wie die optisch-graphomotorische, phonematisch-akustische, kinästhetisch-artikulatorische, melodisch- intonatorische und rhythmisch-strukturierende Differenzierungsfähigkeit von Nöten, die mittels der Sinnesorgane erfassbar sind und eine unersetzbare Grundlage für das Sprechen-, Schreiben- und Lesenlernen bilden (vgl. Breuer, Weuffen 1993, S.9-43). „Lesen- und Schreibenlernen erfordert eine Sprachanalyse, zu der das Kind erst hingeführt werden muß, nämlich: die Abstraktion vom Handlungs- und Bedeutungskontext, die Konzentration auf die lautliche Seite der Sprache, die Gliederung semantischer Einheiten in Wörter sowie die Gliederung von Wörtern in Lautsegmente. Voraussetzung ist die Vergegenständlichung von Sprache, d.h. die Fähigkeit, Sprache bewusst zum Gegenstand der Aufmerksamkeit zu machen. (...) Erst wenn bei allen Kindern diese Fähigkeit gegeben ist, kann sinnvollerweise mit der Einführung geschriebener Wörter und der Buchstaben/Laute begonnen werden. (...) Kinder mit anhaltenden Lese-Rechtschreibschwierigkeiten haben schon in den ersten Phasen des Schriftspracherwerbs große Probleme damit, sich die Laut-Buchstaben-Beziehungen zu merken und das alphabetische Prinzip zu begreifen.“ (Valtin 1994b, S.5).
Da die Anzahl der Kinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten und die damit verbundenen Probleme zunehmend steigen, erachte ich es als wichtig, sich näher damit zu beschäftigen. Das Thema der vorliegenden Arbeit hält mehr und mehr Einzug in die Literatur. Selbstverständlich können in einem solchen Beleg nicht alle Aspekte ausführlich beleuchtet werden. Vielmehr möchte ich mein Thema „Legasthenie“ eingrenzen und dabei auf die Ätiologie und Symptomatologie der Lese-Rechtschreib-Schwäche eingehen . Dabei erhebt diese Arbeit aufgrund des Umfangs des gewählten Themas keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Den Hauptteil des Beleges habe ich in drei Abschnitte gegliedert. Zuerst möchte ich kurz erläutern, was Legasthenie bedeutet und inwiefern es sich um eine „Krankheit“ handelt. Darauf folgend werde ich auf die Ursachen und die Symptome nä her eingehen.
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Legasthenie - Ätiologie und Symptomatologie
2 Legasthenie
2.1 Legasthenie - eine Krankheit?
Der Begriff der „Legasthenie“ (griech.) wurde 1961 von dem ungarischen Arzt RANSCHBURG eingeführt. Das Wort ist zusammengesetzt aus dem lateinischen „legere“ (lesen) und dem griechischen „a’sth, neia“ (Schwäche) und heißt somit Leseschwäche, wobei Ranschburg die Rechtschreibschwäche als notwendigerweise mit der Leseschwäche verbunden sah. Er definierte „Legasthenie“ mit folgendem Wortlaut:
„Leseschwäche bedeutet (...) eine nachhaltige Rückständigkeit höheren Grades in der geistigen Entwicklung des Kindes, sich äußernd in der Unfähigkeit, im Alter von 6-8 Jahren oder auch darüber hinaus, sich eine derart genügende Geläufigkeit des mechanischen Lesens anzueignen, welche die Vorbedingung eines erträglichen Verständnisses des Gelesenen wäre.“ (zit. nach Warnke 1990 in: Mattyhs-Egle 1996, S. 62).
Unter Legasthenie versteht man demnach eine aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallenden Schwäche im Erlernen des Lesens und indirekt auch des selbständigen, fehlerfreien Schreibens. Dabei kommt es im Rahmen eines konventionellen Lese- und Rechtschreibunterrichtes zu einer Stagnation des Lernprozesses, während auf anderen Leistungsbereichen primär dem Intelligenzniveaus des Kindes entsprechende Leistungen erzielt werden (vgl. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (WWW) 2001).
„Das Hauptmerkmal der Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) ist eine umschriebene Beeinträcht igung in der Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten, die nicht nur durch eine unangemessene Beschulung, nicht durch eine allgemein beeinträchtigte geistige Entwicklung und auch nicht durch spezifische Sinnesbeeinträchtigungen erklärbar ist. Sie ist eine an die Entwicklung der Hirnfunktion gebundene zentralnervös begründete Teilleistungsstörung. Daher ist zu betonen, dass es sich nicht um eine Krankheit handelt.
Erwiesenermaßen sind die Kinder mit Lese-Rechtschreibstörungen vom schulischen Misserfolg, der die gesamte schulische Laufbahn ungünstig beeinträchtigen kann, betroffen (...), verbunden mit der Gefahr einer psychischen, schulischen und sozialen Fehlentwicklung. In der Vorgeschichte der lese- und rechtschreibschwachen Schüler liegen meist Entwicklungsstörungen (besonders in der Wahrnehmung).“ (Landesverband Legasthenie Sachsen e.V. 1995, S.3).
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Legasthenie - Ätiologie und Symptomatologie
2.2 Ätiologie der Lese-Rechtschreib-Schwäche
Die Frage nach den Ursachen von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten beschäftigt Laien wie Fachleute nun schon seit fast 100 Jahren. Die Antworten der Wissenschaft auf diese Frage fallen sehr unterschiedlich aus. Für manche sind diese Schwierigkeiten in erster Linie Ausdruck der Chancenungleichheit in unserem Gesellschaftssystem. Andere sehen darin die Folge von
• kognitiver Retardierung (1910-1950)
→ genetisch determinierte oder exogen erworbene pathologische Veränderung im Cortex;
• allgemeiner Reifeverzögerung und Hirnfunktionsstörungen (um 1951) → nicht mehr die genau zu lokalisierenden pathologischen Veränderungen im Cortex;
• sozioökonomischer Störung (1950 - 1960) → Ursachen innerhalb der Familie (Milieutheorie);
• zentralnervöser Störungen (1960 - 1970)
→ Visuelle Wahrnehmung (Wahrnehmungsfehler bzw. Defizite oder Funktionsstörungen von Wahrnehmungsleistungen, visuelle Wahrnehmungsschwäche);
→ Sprachliche Kompetenz (auditive Wahrnehmungsschwäche, sprechmotorische und sprachlicher Mängel, Unvollkommenheit des Sprechens und der Sprache);
Teilleistungsstörungen und spezifischen Begabungsmängeln, die möglicherweise genetische Ursache haben. Für einige drückt sich in den Lese-Rechtschreibschwierigkeiten ein Versagen unseres Schulsystems aus (1970-1980). Wieder andere sehen die Beschäftigung mit diesen Problemen als ein Symptom für die Verdinglichung des Problembewusstseins in den Sozialwissenschaften, da man sich hier mit einem Problem beschäftigt, das nicht greifbar ist. Diese Liste könnte man fortsetzen, so unterschiedlich sind die Standpunkte (vgl. Klipcera, Gasteiger-Klipcera 1995, S. 233-302; Ramacher-Faasen 1997, S. 41-45; Schenk-Danziger 1991, S. 30-39). Seit den 80er Jahren wandte man sich von der Ursachenforschung ab. D.h., es wurde nicht mehr nach den Ursachen der Legasthenie gefragt, sondern danach, welche Voraussetzungen Kinder zum erfolgreichen Lesen- und Schreibenlernen brauchen. Man besann sich demnach auf die Er-forschung des Lese- und Schreibprozesses selbst (vgl. Ramacher-Faasen 1997, S. 44). SOMMER-STUMPENHORST (1993) grenzt ein, dass folgende Feststellungen zur Ursachenfo rschung sicher sind:
1. „Es gibt keine organischen, psychischen oder sozialen Bedingungen, die in jedem Fallen zu Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten führen.
2. Es gibt keine Bedingung, die als einzige zu Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten führt.
3. Es gibt mehr Jungen als Mädchen, die Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten entwickeln.
4. Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten entwickeln Kinder in allen Kulturen mit Schriftsprache.“
(Sommer-Stumpenhorst 1993 zit. in: Ramacher-Faasen 1997, S. 45).
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Arbeit zitieren:
Susan Grüßner, 2004, Legasthenie - Zu Ursachen und Symptomen, München, GRIN Verlag GmbH
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