Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Geschichtswissenschaften
Proseminar: Adaption oder Niedergang?
Der Deutsche Orden nach der Schlacht von Tannenberg (1410)
DER DEUTSCHE ORDEN ALS LANDESHERR
UND DER PREUßISCHE BUND
eingereicht von:
Zühlke, Henning
Sommersemester 2005
Inhalt:
I. Einleitung ... 1
II. Außensituation des Deutschen Ordens nach dem Jahr 1410 ... 2
III. Die Ursachen des Preußischen Bundes ... 3
III. 1 Einschränkung ständischer Privilegien ... 3
III. 2 Herrschaftswillkür und Verweltlichung des Ordens ... 5
III. 3 Politik des Ordens und die historische Rolle der Stände im Ordensland ... 7
IV. Schlussbemerkungen ... 9
V. Quellen- und Forschungsliteraturverzeichnis ... 10
I. Einleitung
Die folgende Arbeit mit dem Titel „Der Deutsche Orden und der Preußische Bund“ versucht anhand der Analyse der Quelle „Orsachen des bundes“1 darzustellen, dass die finanzielle Krise des Deutschen Ordens die Ursache für den Widerstand der Stände war, der sich in der Gründung des Preußischen Bundes manifestierte. Auch in Preußen gab es eine Ständekonstellation, die sich aus dem Klerus, dem Adel, dem Stadtbürgertum und den freien Bauern zusammensetzte. Wenn in der folgenden Arbeit von den Ständen gesprochen wird, so sind damit lediglich der Adel, das Stadtbürgertum und die freien Bauern gemeint. Allerdings spielten die Bauern nur eine unwesentliche Rolle im Preußischen Bund, werden aber in Quellenbeispielen oft erwähnt. Der Klerus bestand im Ordensland zwar nicht nur aus dem Orden, denn neben ihm gab es noch vier bischöfliche und vier domkapitularische Gebiete, doch waren die Domherren meistens Priesterbrüder des Ordens und die Bischöfe konnten kaum eigenständig agieren.2
Bei der von Max Toeppen edierten Quelle „Orsachen des bundes“ aus dem Jahr 1453 handelt es sich um eine Sammlung von 66 Punkten, welche Gewalttätigkeiten und Ungerechtigkeiten des Ordens gegen Personen und Gemeinden aufzählen und die Ursachen für die Gründung des Preußischen Bundes waren. Der zeitliche Verlauf der Quelle beginnt mit den Amtsjahren des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Heinrich von Plauen (1410-1413), und endet mit der unmittelbaren Entstehung der Quelle im Jahr 1453. Gliedern lässt sich die Quelle in Sachgebiete: 1. Einschränkung ständischer Privilegien, die sich in Form der rabiateren Finanzpolitik, Änderung des Erbrechts, Eingriffe in Angelegenheiten des städtischen Rates und verändertes Münz-, Mahl und Fischereirecht äußert; 2. Herrschaftswillkür, die sich in Gerichtswillkür und Rechtsverletzungen ausdrückt sowie in Verweltlichungserscheinungen von Ordensmitgliedern; 3. Politik des Ordens und die historische Rolle der Stände in der Geschichte des Ordens. Um die geschilderte Situation richtig einordnen zu können, wird im zweiten Kapitel kurz die außenpolitische Lage des Ordenlandes skizziert. Die nachfolgende Analyse hält sich dann an die Reihenfolge der geschilderten Sachgebiete.
Hinsichtlich des Forschungsstandes muss als wesentliches Datum das Jahr 1861 genannt werden, in der erstmals fundierte Forschungen in dem Werk „Scriptores Rerum Prussicarum“3 veröffentlicht wurden. Es folgte eine Analyse gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Prozesse des Ordens, hauptsächlich von deutschen und polnischen Historikern, welche im Ergebnis aber zum Teil durch national-ideologische Interessen beeinträchtigt wurden. Deshalb war erst nach dem Jahr 1945 eine objektivere Herangehensweise polnischer und deutscher Wissenschaftler möglich.4
[...]
1 Orsachen des bundes, ed. v. Max Toeppen (Hrsg.), in: Acten der Ständetage Preussens unter der Herrschaft des Deutschen Ordens., Bd. 4, Leipzig 1878, Artikel 17, S. 21-31. Die Quelle ist in zwei Fassungen überliefert: 1. im Ordensfoliant 112, Folge 17b – dessen gedruckte Fassung von Max Toeppen hier verwendet wird; 2. in: Die Danziger Chroniken vom Bunde, herausgegeben von Hirsch, Theodor; Strehlke, Hans, u. a., in: Sriptores Rerum Prussicarum – Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft, Bd. 4, Leipzig 1870, S. 471-476.
2 Vgl. dazu: BOOKMANN, Hartmut: Der Deutsche Orden – Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, 4. Aufl., München 1994, S. 183.
3 HIRSCH, Theodor; STREHLKE, Hans, u. a. (Hrsg.): Sriptores Rerum Prussicarum – Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft, Bd. 1-5, Leipzig 1861-1874.
4 Vgl. dazu: BOOKMANN, wie Anm. 2, S. 35-41.
Quote paper:
Henning Zühlke, 2005, Der Deutsche Orden als Landesherr und der Preußische Bund, Munich, GRIN Publishing GmbH
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