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Inhaltsverzeichnis
1. Mittelniederdeutsche Schreibsprachen
Lübecker Ausgleichssprache - Hansesprache
Sprachsituation in frühhansischer Zeit
Problematik und Verdrängung der Hansesprache 3
(Bearbeitet von Silvia Kramer)
2. Die Lübische Ausgleichssprache 16
(Bearbeitet von Marion Brelage)
3. Orthographie des Mittelniederdeutschen 25
(Bearbeitet von Lydia Plagge)
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Gliederung
1. Die Sprachsituation in frühhansischer Zeit (12. /13. Jahrhundert) 4
2. Hansesprache - keine gesprochene Sprache? 7
3. Problematik der Hansesprache 8
3.1 Die Sprachsituation im 15. Jahrhundert 8
3.2 Die Schreibweise im 15. Jahrhundert 9
3.3 Die Sprachkenntnisse des hansischen Kaufmanns 10
4. Verdrängung des Mittelniederdeutschen durch die hochdeutsche
Schriftsprache 11
4.1 Besondere Situation Elbostfalens, während des Untergangs 14
4.2 Gebietsweiser Untergang 14
5. Literaturverzeichnis 15
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1. Die Sprachsituation in frühhansischer Zeit (12./13. Jahrhundert) Zur Zeit der Kaufmannshanse, im 12. und 13. Jahrhundert, können sie sprachlichen Verhältnisse wie folgt beschrieben werden:
die Ostsiedlung bewirkt einen sprachlichen Umbau des gesamten Ostseeraumes es entsteht das neue ostniederdeutsche Sprachreal. Es beinhaltet die Mundartenräume des Ø Mecklenburgischen Ø Pommerschen Ø Niederpreußischen Ø Märkischen
Der Übergang des elb- und ostseeslavischen Gebietes zum Niederdeutschen ergibt sich zum einen aus der Siedlung niederdeutscher und niederländischer Sprecher, zum anderen aus dem Sprachwechsel der slavischen Bevölkerung.
Die Verdrängung des Slavischen erfolgt jedoch nicht abrupt; es herrscht ein langes Nebeneinander der niederdeutschen und slavischen Sprache. Ähnliche Verhältnisse des Zweisprachengebrauchs gab es auch in Preußen. Hier gingen die Sprachen, bevor sie nachher in niederpreußisches Mittelniederdeutsch überging, Niederpreußisch und baltisch Preußisch nebeneinander her.
In den neuen Städten an der Südküste der Ostsee gab es in der ersten Zeit keine einheitliche Mundart, da die Neubürger aus den verschiedenen Mundartlandschaften des neudeutschen Altlandes und der Niederlande stammten. Es wird ein Nebeneinander der Dialekte gegeben haben.
Auch zogen die Neugründungen nichtdeutsche Bewohner des Umlandes an. So ist in den Städten in der Frühzeit auch slavisch gesprochen worden.
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Das Zusammenleben der Sprecher verschiedener Dialekte in der Stadt führte aber wohl bald zu einem sprachlichen Ausgleich. Die lübische Stadtmundart, eine Ausgleichssprache entstand. In ihr konnte sich keine altländische Mundart durchsetzen, sondern es waren alle beteiligten Sprachlandschaften wieder zu finden.
Doch war die frühe Lübecker Stadtmundart zumindest der Oberschichten nach, Ausweis der frühesten schriftlichen Überlieferung hauptsächlich nordniederdeutsch geprägt.
In den baltischen Ländern fehlte eine niederdeutschsprachige bäuerliche Bevölkerung. Das Baltikum wird um 1300 von den zur finnourgischen Bevölkerung gehörenden Esten und Liven und von den baltischen Kuren, Semgallen, Selen und Lettgallen bewohnt. An der Nordküste Estlands gibt es schwedische Besiedlung. Das baltische Mittelniederdeutsch wird vom grundbesitzenden Adel und vom städtischen Bürgertum gesprochen. Ein Sprachwechsel der einheimischen Bevölkerung zum Niederdeutschen findet kaum statt.
Während in Riga überwiegend Niederdeutsch gesprochen wird, entwickelt sich Reval zu einer mehrsprachigen Stadt, in der Niederdeutsch, Schwedisch und Estnisch miteinander konkurrieren.
Auch an der nördlichen Ostseeküste, in den dänischen und schwedischen Städten, lassen sich seit Mitte des 13. Jahrhunderts zahlreiche norddeutsche Kaufleute und Handwerker nieder. Jedoch fehlt genau wie im Baltikum auch hier die bäuerliche niederdeutsche Siedlung. Durch die Einwanderer und durch das Ansehen des Mittelniederdeutschen bedingt, entstehen in dänischen und schwedischen Städten im 13 und 14 Jahrhundert skandinavisch-niederdeutsche Zweisprachigkeit.
Es ist anzunehmen, dass sich im Ostseeraum schon früh eine hansische Umgangssprache, eine lübisch geprägte Handels- und Verkehrssprache, herausgebildet hat. Für ihre Existenz sprechen viele Gründe, die hier nicht näher
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erläutert werden sollen. Es ist jedoch sicher, das sich innerhalb der Gemeinschaft der Fernhandelskaufleute ein sprachlicher Ausgleich gebildet hat. Geschriebene Sprache zur Zeit der Kaufmannshanse ist das Lateinische: Ø Abgeschlossene Verträge mit ausländischen Handelspartnern Ø Privilegien der englischen, dänischen und norwegischen Könige sowie der flandrischen Grafen
Ø Grundlegende Schriftstücke der hansischen Gemeinschaft, die ihre Außenstellung begründen
Die Sprachsituation in frühhansischer Zeit ist als Mehrdialektalität zu kennzeichnen.
Im hansischen Wirtschaftsraum konkurrieren
• Niederdeutsch, daneben auch Niederländisch, und Ostmitteldeutsch, sowie nichtdeutsche Dialekte:
• Slavisch, Baltisch und Finno-ugrisch,
die im Ostseeraum von einer lübischen geprägten Verkehrssprache überdacht werden. Diese Mehrdialektalität im Bereich der gesprochenen Sprache steht im Funktionsbereich der geschriebenen Sprache das Lateinische gegenüber.
Noch im 13. Jahrhundert beginnt dann in Norddeutschland der Übergang von der lateinischen zur volksprachigen Schriftlichkeit. Dieser Prozess ist zeitlich zu differenzieren.
Während im Bereich der Stadtrecht die Ablösung der lateinischen Sprache meist noch in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu finden ist, kann si ch in den städtischen Kanzleien das Niederdeutsche erst zwischen 1360 und 1380 ganz durchsetzen.
Besonders lange hat das hansische Schriftwesen am Latein festgehalten. Dies ist auf das gut ausgebaute lateinsprachige Kanzleiwesen und das Schriftwesen der Hanse zurückzuführen. Als sich dann schließlich auch in den städtischen Kanzleien, insbesondere der Lübecker Ratskanzlei, das Niederdeutsche als
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Amtssprache durchgesetzt hat, wird auch die in der Kanzlei ausgefertigte hansische Korrespondenz in niederdeutscher Sprache geführt.
Erst nach 1380 wird der Übergang zum Niederdeutschen überall durchgeführt.
2. Hansesprache - keine gesprochene Sprache?
Die verbreitete Annahme, dass die Hansesprache auch eine gesprochene Sprache gewesen sei, bedarf in dieser Allgemeinheit wohl gewichtiger Einschränkungen so berichtet Willy Sanders in seinen Aufzeichnungen.
Bleibt zunächst die Frage zu klären, wer mit dieser Schriftsprache überhaupt in Berührung kam?
Von Amtswegen beherrschten sie die Kanzleien, Sekretäre und Kontoristen. Die eigentlichen Träger des Mittelniederdeutschen waren die führenden Patriziergeschlechter, das gebildete Bürgertum und die Geistlichen: also die wirtschaftlich, politisch und kulturell maßgebende Oberschicht der Hansestädte.
Dass diese Oberschicht im 15. Jahrhundert eine bestimmte sprachliche Mode pflegte, dass sie vielleicht oder sogar wahrscheinlich in Anlehnung an die herrschende Schreibsprache gewisse Sprech- und Ausdrucksweisen bevorzugte kann durchaus als vorstellbar gelten. Auf solche Weise bildete sich in den Städten eine „höhere Umgangssprache“. In dieser höheren Umgangssprache bildeten sich, durch die Oberschicht, mundartliche Wörter, Formen und Lautungen, die in der Schriftsprache Verwendung fanden. Die Mehrzahl der Sprecher, die Unterschicht hatte hier keinen Einfluss drauf.
Das „klassische“ Mittelniederdeutsch blieb, das mit der schriftlichen und zugleich schriftsprachlichen Überlieferung der Mundarten wohl doch nur eine geschriebene Sprachform, die im Wesentlichen durch die städtischen Kanzleien geübt wurde und von daher den offiziellen Sprachgebrauch bestimmte, ohne eine gesprochene Grundlage im Volk zu besitzen.
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3. Problematik der Hansesprache
3.1 Die Sprachsituation im 15 Jahrhundert
Auch wenn man sich auf eine einheitliche Sprache, die Hansesprache geeinigt hat, wird doch die Masse der Bevölkerung noch weiterhin die örtlichen Mundarten gesprochen haben, jedoch geht man davon aus, dass es in größeren Städten eine Oberschicht gab, die die neue Sprache gesprochen hat.
In den östlichen Städten hat die Existenz der slavischen Sprache und damit die niederdeutsch-slavische Zweisprachigkeit abgenommen. Dies auch bedingt dadurch, dass auf dem Lande nun auch niederdeutsch gesprochen wurde und somit auch die Einwanderer aus den umliegenden Dörfern, die in die Städte kamen, von vornherein Niederdeutsch sprechen und der slavischen Sprache kein Raum mehr bleibt.
Im Baltikum ist das Mittelniederdeutsche weiterhin die Sprache der Oberschicht. Die einheimische Bevölkerung spricht weiterhin die baltischen und finno-urgischen Sprachen.
In Reval herrschte eine besondere Situation. Die Einwohnerschaft bestand zu einem Drittel aus Deutschen die dort zur Ober- und Mittelschicht zählen. Ein sechstel der Einwohner waren Schweden, die zum größten Teil zur Mittel- und Unterschicht zuzuordnen sind. Zur knappen Hälfte waren die Einwohner Esten die zur Mittel- und zum großen Teil zur Unterschicht gehörten. Daneben gab es in Reval noch Finnen und Russen. Das Zusammenleben solch verschiedener Nationalitäten in ein und derselben Stadt führte bei vielen Bewohnern zu Zwei-oder Mehrsprachigkteit. Aus wirtschaftlichen Gründen sprachen viele Deutsche estnisch; die Umgangssprache der Stadtesten war von norddeutschen Wörtern und Ausdrücken geprägt.
Auch in skandinavischen Städten, besonders in Stockholm spricht ein Teil der Bevölkerung Mittelniederdeutsch besonders das Prestige der
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mittelniederdeutschen Verkehrssprache bewirkt nämlich dass die skandinavischen und deutschen Einwohner zweisprachig werden. Jedoch bleibt die Zweisprachigkeit auf die adeligen und bürgerlichen Oberschichten sowie auf Teile der Handwerkerschaft beschränkt. Es entsteht eine große Zahl niederdeutscher Lehnwörter im Dänischen und Schwedischen. Im dänischen Herzogtum Schleswig kommt es zum Sprachenwechsel; von Südjütischen zum Niederdeutschen.
Auch herrscht in den Hansestädten noch immer eine Mehrdialektalität vor. Schon aufgrund des andauernden Zuzuges vom Lande. Es wird davon ausgegangen das dort eine passive Mehrdialektalität bestanden haben muss.
3.2 Die Schreibweise im 15. Jahrhundert
Die geschriebene Sprache ist im Nord- und Ostseeraum nach lübischen Vorbild weitgehend normiert.
Weniger ausgeprägt ist die Durchsetzung der Norm im Ostfälischen, während sie im Südmärkischen und Westfälischen so gering ist, dass man eher von einer Fortexistenz der Regionalsprache als von einer Übernahme der lübischen Schreibe sprechen kann.
In Preußen bleibt die oben beschriebene Situation erhalten, es wird überwiegend ostmitteldeutsch geschrieben. Dies gilt auch in den thüringischen Hansestädten. Auch der Raum um Halle, das südliche Elbostfalen, gibt zwischen 1350 und 1450 seine niederdeutsche Schreibsprache zugunsten des Ostmitteldeutschen auf. Nichtniederdeutsche Schreibsprachen bleiben auch im Westen des hansischen Wirtschaftsraumes in Gebrauch; das Ijsselländische, das Geldrisch-Kleverländische und das Ribuarische.
Das Mittelniederdeutsche lübischer Prägung ist sicherlich im 15. Jahrhundert die bedeutendste Schreibsprache im hansischen Raum, jedoch vermag sie sich nur
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unvollständig durchzusetzen. Neben ihr existieren weitere niederdeutsche als auch nichtniederdeutsche Schreibsprachen.
Besonders Preußen, der ans Mitteldeutsche angrenzende Südosten, sowie der kölnisch-ostniederländisch-westfälische Raum, das Kölner Hansedrittel, erweisen sich gegenüber den von Lübeck ausgehenden Einflüssen als weitgehend resistent.
3.3 Die Sprachkenntnisse des hansischen Kaufmanns
In frühhansischer Zeit musste sich der Kaufmann des Mittelalters und vor allem der Fernhandelskaufmann auf seinen Fahrten und an den Zielorten verständigen können. Er musste versuchen, sich in der Sprache seines Handelsgebietes auszudrücken. Daher war das Erlernen fremder Sprachen für ihn ein Muss.
In der Schule lernt der angehende Kaufmann Latein, welches er im 14. Jahrhundert zur Führung seiner geschäftlichen Aufzeichnungen benutzte. Es ist anzunehmen, dass die hansischen Kaufleute je nach ihrem Handelsgebiet die nordischen Sprachen, das Französische, Englische, eventuell auch das Italienische, aber sicher das Niederländische und das Hochdeutsche soweit beherrscht haben, dass sie sich mit Fremden verständigen konnten.
Die Verständigung im Skandinavischen wurde sicher dadurch erleichtert, dass ein Teil des schwedischen und dänischen Bürgertums niederdeutschsprachig bzw. zweisprachig war.
In England benötigte der Hansekaufmann englische und französische Sprachkenntnisse. Jedoch ist anzunehmen, dass bei längeren Verhandlungen die Dienste eines Dolmetschers in Anspruch genommen wurden.
In Brügge musste der niederdeutsche Kaufmann über niederländische, aber sicherlich auch über deutsche, französische und italienische Sprachkenntnisse
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verfügen. Die meisten Sekretäre die im Brügger Kontor tätig waren, stammen aus dem westlichen niederdeutschen Sprachgebiet. Das Westfälische steht zwischen der niederländischen und niederdeutschen Sprache. Die Sekretäre Westfalens studierten meist alle in Köln. Aus diesen Gründen waren sie für das Arbeiten in Brügge besonders geeignet, da sie in der Schrift die westfälische Regionalsprache, das lübische Mittelniederdeutsch, das Niederländische und das Ribuarische beherrschten.
Auch waren einzelne Kaufleute bemüht in Reval die estnische Sprache zu erlernen. Estnische Spracherkenntnisse erlaubten dem Lübecker Kaufmann, Waren direkt von den Esten zu erstehen und den Zwischenhandel der Städter zu umgehen.
Eine weitere Sprache war das russische. Russische Sprachkenntnisse waren unter den hansischen Kaufleuten nur ungenügend verbreitet. Im Handel mit den Russen benötigte man Dolmetscher. Später wurden dann junge Kaufleute nach Novogorod geschickt um die russische Sprache zu erlernen. Über dieses Monopol des russischen Spracherwerbs hat die Hanse stark gewacht. Niederdeutsche Kaufleute sollten die einzigen bleiben die diese Sprache sprechen, denn Sprachkenntnis ist Voraussetzung für erfolgreiche Handelstätigkeit. Und so konnte die Hanse ihr Handelsmonopol in Russland aufrechterhalten.
4. Verdrängung des Mittelniederdeutschen durch die hochdeutsche Schriftsprache
„Schriftsprache ist stets das Werk der gebildeten Oberschicht des Volkes.“ 1 Das bedeutet, dass schriftsprachliche Veränderungen sich durch das Sprachverhalten der Oberschicht widerspiegeln. So auch in der mittelniederdeutschen Schriftsprache. Jedoch ist die Verdrängung des Mittelniederdeutschen durch das Hochdeutsche das Endergebnis einer schon länger durch vielfältige Gründe
1 vgl. Sanders, Willy. Seite 153.
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wechselnden Sprachmode bedingt. Diese neue Sprachmode hatte zur Auswirkung, dass es eine verhängnisvolle Missachtung des muttersprachlichen Niederdeutschen gab und somit eine besondere Wertschätzung des Hochdeutschen in Form der obersächsich-meißnischen Gebildentensprache.
Viele Gründe sprechen für die Aufnahme des Hochdeutschen; praktischer und kultureller Art. Der eigentliche Anstoß kann lokal verschieden sein. Einige Gründe will ich hier näher erläutern:
In der niederdeutschen Blütezeit war Niederdeutschland im Ganzen ein in sich geschlossenes Gebiet. Dies änderte sich mit der Änderung der Verhältnisse. Die einst so sagenumwobene Hanse war dem Untergang nahe. Das Handelsgebiet öffnete sich stärker dem Reich. Gleichzeitig treten jetzt die alten Lokalrechte vor dem Römischen Recht zurück, dem Kaiserrecht, das im ganzen Land galt. Gelehrtenbildung erreicht weitere Schichten; nicht nur künftige Gelehrte, vielfach auch der Kaufmann besucht die Universität. Hierbei beschränkt man sich nicht auf die in den niederdeutschen Landen liegenden Universitäten wie Rostock und Greifswald, sondern geht auch an Universitäten außerhalb des niederdeutschen Sprachgebietes, dem Hochdeutschen.
Der Austausch mit dem Reich wird stärker als je zuvor, die Bedürfnisse nach protestantischen Geistlichen und Lehrern können oft nicht durch Niederdeutsche gedeckt werden; hochdeutsche Priester und Lehrer ziehen ein und mit ihnen das hochdeutsche Schrifttum.
Als Beispiel: Schon Mitte des 16. Jahrhunderts druckt Magdeburg mehr hochdeutsche als niederdeutsche Bücher.
Aber der Hauptgrund dürfte doch die innere Einstellung, und zwar die Einstellung der kulturell maßgebenden Oberschicht, gegenüber dieser Sprache bzw. den damals konkurrierenden Sprachen gewesen sein:
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„Der Gebildete liest im 17 Jahrhundert Hochdeutsch“ 2
So taucht auch im 17. Jahrhundert erstmals der Begriff „Platt“ für das Niederdeutsche auf. Er meint in gewisserweise eine „platte“ minderwertige Sprachform zu beschreiben.
Bleibt jetzt die Frage zu klären, wie sich die Spätzeit des Mittelniederdeutschen insgesamt mit dem Sprachgebrauch verhielt, besonders dem Mündlichen?
Im 17 Jahrhundert, als Frankreich seinen Siegeszug durch Europa beginnt, galt es an den Fürstenhöfen als Mode französisch zu sprechen. Daneben sprach man bei Hofe das meißnische Hochdeutsch. Zwar kannten die gebildeten bürgerlichen Kreise, die miteinander natürlich Hochdeutsch sprachen, noch die Niederdeutsche Sprache, jedoch verwendeten sie sie nicht mehr.
Wie sehr der Gebrauch des Niederdeutschen damals diskriminierend wirken konnte, zeigt das Beispiel des Altonaer höheren Bürgerstandes, der sich noch Ende des 18. Jahrhunderts der heimischen Volkssprache bediente. Als 1793 vor der Revolution fliehende französische Aristokraten dorthin kamen, erregte dies ihren Spott, mit dem Erfolg, dass das Niederdeutsche alsbald aus der guten Gesellschaft verschwand.
Demgegenüber ist klar, dass die Masse des Volkes, die unteren Schichten und insbesondere die ländliche, vorwiegend bäuerliche Bevölkerung, auch nach der Einführung einer löchrigen Schulpflicht an ihrem Plattdeutsch festhielt. Auf diesem ständischen und zugleich sprachlichen Gegensatz beruht der Abwertungsprozess und der stetige Verfall des Niederdeutschen.
2 vgl. Lasch, Agathe. Seite 253.
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4.1 Besondere Situation Elbostfalens während des Unterganges Mittelniederdeutsch musste ja, wie oben bereits erwähnt dem Hochdeutschem weichen. Dies geschah Gebietsweise. Zuerst waren es südliche Teile Elbostfalens, die abbröckelten. Dies lässt sich gut am Beispiel des Hallers Schöffenbuches belegen, 1417 wurde es endgültig hochdeutsch. Der Übergang zum Hochdeutschen ist hier zeitlich zwar nicht viel früher als der des Gesamtgebietes, jedoch ist er in seiner Wirkung ein ganz anderer. Hier geschieht die Aufnahme der hochdeutschen Sprache nicht durch die Kanzleien oder die oberen Schichten, sondern hier ist das hochdeutsche mündlich von allen Bevölkerungsschichten aufgenommen worden.
4.2 Gebietsweiser Untergang
1504, beginnend in Berlin, schiebt sich die Bewegung voran, über Brandenburg, dann Ostfalens, was von Anfang an dem Hochdeutschen näher stand als dem Niederdeutschen (Erklärung siehe oben).
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts geht der Größte Teil des Gebietes zur neuhochdeutschen Schriftsprache über, welches das niederdeutsche nur sehr langsam überwindet.
Abgelegene Teile oder kleinere Orte schließen sich etwas später an.
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5. Literaturverzeichnis
Lasch, Agathe: Ausgewählte Schriften zur niederdeutschen Philologie. Hg. von Robert Peters und Timothy Sodman. Neumünster: Karl Wachholtz Verlag 1979, S. 250-253.
Sanders, Willy: Sachsensprache, Hansesprache, Plattdeutsch. Sprachgeschichtliche Grundzüge des Niederdeutschen. Göttingen: Vadenbeck und Ruprecht 1982, S. 150-158.
Ureland, P. Sture (Hrsg): Sprachkontakt in der Hanse. Aspekte des Sprachausgleichs im Ostsee- und Nordseeraum. Tübingen: Niemeyer 1986, S.65-82.
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Lydia Plagge, Marion Brelage, Silvia Kramer, 2004, Hansesprache - Mittelniederdeutsche Schreibsprachen: Lübecker Ausgleichssprache, Munich, GRIN Publishing GmbH
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