Gliederung
1. Einleitung Seite 4
2. Konstruktivismus Seite 4
2.1. Begriffe, Definitionen und Geschichte Seite 4
2.2. Der Konstruktivismus als Lerntheorie Seite 6
2.3. Konstruktivistische Didaktik Seite 7
3. Bewertung des Konstruktivismus / der konstruktivistischen Didaktik Seite 10
3.1. Folgerungen aus dem Konstruktivismus / der konstruktivistischen Didaktik Seite 10
3.2. Kritik am Konstruktivismus Seite 12
3.3. Kritische Aspekte einer konstruktivistischen Pädagogik / Didaktik Seite 14
3.4. Bewertung der Konstruktivistischen Didaktik aus studentischer Sicht Seite 16
4. Fazit Seite 18
5. Quellenangaben Seite 19
6. Bildquellenachweis Seite 20
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1. Einleitung
Bewusstsein, Wahrnehmung und Kommunikation, wie zum Beispiel die Unmittelbarkeit der Wahrnehmung durch unsere Sinnesorgane, sind für uns heutzutage so selbstverständlich, dass dies nicht weiter hinterfragt wird. Unser alltagstheoretisches Verständnis setzt all diese Phänomene als gegeben voraus, ohne sie jedoch näher zu betrachten. Um zu überprüfen, wie viel bzw. wie wenig wir über diese doch so selbstverständlichen Phänomene wissen, sollten wir uns fragen, wie eigentlich die Strukturen, Prozesse und Operationen, die diesen Phänomenen zugrunde liegen, aussehen, worin sie sich ähnlich sind und worin sie sich unterscheiden. Genau hier setzen der Konstruktivismus und die ihm verwandten Arbeiten und Theorien an, indem sie postulieren, dass die Welt bzw. die Wirklichkeit nur eine Konstruktionsleistung des Gehirns sei.
In der vorliegenden Seminararbeit soll nun versucht werden, den Konstruktivismus und insbesondere die Konstruktivistische Didaktik ansatzweise zu beleuchten. Vor allem möchten wir kritisch auf deren Ansätze eingehen, indem die Vor- sowie die Nachteile einer Konstruktivistischen Didaktik aufgezeigt werden.
2. Konstruktivismus
2.1 Begriffe, Definitionen und Geschichte
Im Zusammenhang mit der konstruktivistischen Didaktik gibt es noch keine offizielle Definition für den Konstruktivismus. In der bildenden Kunst wird eine Kunstrichtung des frühen 20. Jahrhunderts. als Konstruktivismus bezeichnet, die eine Bildgestaltung mit rein geometrischen Formen vornimmt. Konstruktivi smus spiegelt sich in dem Wort „Konstruktion“ wider: In den verschiedensten Bereichen kann man das aus dem Lateinischen stammende Wort „konstruieren“ mit entwerfen, bauen, zeichnen, zusammensetzen, aufbauen, herstellen etc. übersetzen. Durch eine Auswahl von Definitionen verschiedener Konstruktivisten oder deren Anhänger kann man einen näheren Bezug zu dem Wort „Konstrukt“ erkennen:
„Arbeitshypothese oder gedankliche Hilfskonstruktion für die Beschreibung von Dingen oder Erscheinungen, die nicht konkret beobachtbar sind, sondern nur aus anderen beobachtbaren Daten erschlos- 1 sen werden können.“
Der Konstruktivismus ist eine Gegenbewegung zum Wissensverständnis in der Tradition des Empirismus. Während hier Erkenntnis auf Sinneserfahrung beruht und die Aufgabe des Wissens die Repräsentation dieser Realität ist, glauben die Konstruktivisten, dass es keine objektiv existierende Au- 2 ßenwelt gibt und ,,das Subjekt (als lebendes System) alleiniger Urheber des Wissens" ist. Der Konstruktivismus ist eine Art Erkenntnistheorie für kognitive Systeme. Er geht davon aus, dass Wissen und Wahrnehmung kognitive Konstrukte sind. Demnach gibt es auch keine objektive Wirklichkeit, also keine allgemeingültige Struktur der Wirklichkeit bzw. der Welt. Der Mensch erzeugt selbst unwillkürlich die Welt, in der er lebt, durch seine kognitiven Leistungen. Im Konstruktivismus ist die 1 Deutsches Universalwörterbuch 1989, S. 875.
2 Gudjons 1999, S. 47.
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3 „Dabei wird das kognitive System als ,,[...] Welt, wie wir sie sehen, [...] ist Erfahrungswirklichkeit".
empirischer Ort der Sinn- bzw. Wissensproduktion angesehen [...]", wobei man aber berücksichtigen muss, dass „[...] Sinn- und Wissensproduktion für das Individuum nur möglich ist durch die stammesgeschichtliche und die soziokulturelle Prägung kognitiver Operationen und deren ständigen Rückbe- 4 zug auf kollektives Wissen“.
Obwohl der Begriff des Konstruktivismus erst im letzten Jahrhundert geprägt wurde, finden sich konstruktivistische Ansätze schon viel früher. Bereits die Sophisten im antiken Griechenland waren der Meinung, dass eine objektive Erkenntnis der Wirklichkeit nicht möglich sei.
schungen in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts schrieb Giambattista Vico über das „facere“, das Komponieren und Zusammenfügen allen Erkennens:
„Ebenso wie die Wahrheit Gottes das ist, was Gott erkennt, indem er es zusammenfügt und schafft, ist die menschliche Wahrheit das, was der Mensch erkennt, indem er es handelnd aufbaut und durch sein Handeln formt. Darum ist Wissenschaft (scientia) Kenntnis (cognitio) der Entstehung, der Art und Weise, wie die Dinge hergestellt wurden."
„...wenn die Sinne (aktive) Fähigkeiten sind, so folgt daraus, dass wir die Farben machen, indem wir sehen, die Geschmäcke, indem wir schmecken, die Töne, indem wir hören, das Kalte und Heiße, in- 7 dem wir tasten."
Vico war somit Vorreiter Kants sowie des Konstruktivismus. Vor Kant wurde Sehen als passives Abbilden der objektiven Realität durch das Auge verstanden. Kant dagegen erklärte die Bilderzeugung als eigenschöpferische Leistung des erkennenden Subjekts. Er betonte die aktive Rolle des Bewusstseins bei der Wahrnehmung und legte damit den Grundstein für den Konstruktivismus: „Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Ge- 3 Schmidt1992, S. 18.
4 Schmidt 1996, S. 43.
5 Schmidt 1992, S. 7.
6 ebd., S. 7.
7 Vico 1710, S. 29, zitiert nach http://www.uni-stuttgart.de/pae/edl/index.php.
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genstände, die unsere Sinne rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfah- 8 rung heißt?“
2.2 Der Konstruktivismus als Lerntheorie
Der Konstruktivi smus ist eine Lerntheorie, in der ein Lerner seinen Lernprozess selbst steuert. Er konstruiert sich seine individuelle Lernsituation, in der er selbst bestmöglich lernen kann. Das Lernen selbst findet spielerisch-explorativ statt; dem Lernenden muss eine Möglichkeit gegeben werden, sich eine Lernsituation zu konstruieren und aus geeigneten Wissensquellen, wie zum Beispiel dem Internet, auszuwählen, sowie für ihn adäquate Lernmethoden anzuwenden. Das erlernte Wissen ist hierbei eine individuelle Repräsentation der Welt, da jeder Lerner etwas Eigenes lernt und dies von der eigenen Erfahrung abhängt.
Aufgrund der Tatsache, dass der Lernende das Wissen selbst konstruiert, kann davon ausgegangen werden, dass dieses Wissen dauerhaft beim Lerner gespeichert wird und der Lerner besonders in der Lage ist, dieses Wissen auf andere Situationen anzuwenden und seine Erfahrungen adaptiv zu nutzen. Man denke beispielsweise an die Vorteile beim arbeitsplatznahen Lernen in der innerbetrieblichen Weiterbildung.
Der Lehrende tritt bei Anwendung dieser Lernform aus der Rolle des Wissensvermittlers in die Rolle des Lernprozessberaters. Er hält sich hierbei im Hintergrund, nimmt eine beobachtende Position ein und greift nur unterstützend ins Lerngeschehen ein, wenn der Lernprozess ins Stocken zu geraten scheint.
8 Kant 1787, S. 45, zitiert nach http://www.uni-stuttgart.de/pae/edl/index.php
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Arbeit zitieren:
Tim Tengler, Maria Ehlen, Korbinian Müller, 2005, Kritische Aspekte einer konstruktivistischen Didaktik, München, GRIN Verlag GmbH
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