Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Warum Tabu und warum eigentlich Sexualität? 1
2. Die (Anti-)Phänomene des menschlichen Wesens. 2
3. Frank Wedekind als ein Mensch mit einer 4
ausgepr ägten individuellen Eigenart.
4. „Sexualität als der einzige verbliebene weiße Fleck 5
auf der Landkarte der Wissenschaften“ Erklärung
des Begriffes und wissenschaftliche Hinsicht darauf.
5. Tabu als eine Erziehungsmethode oder das Problem der 7
Sexualit ät in Wedekinds Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie
6. Mine - Haha als Beispiel für das mit dem Tabu bedeckt 19
Erziehungsmodell - „Die Welt könnte in der Tat weniger brutal
eingerichtet sein, als sie es in Wirklichkeit ist“
7. Wo beginnt und wohin führt der Weg der Tabuisierung 23
8. Was ist mit Tabu belegt? 24
9. Tabu - ein Mittel zur Erhaltung der Unschuldigkeit 26
10. Freudsches Totem und Tabu - der wissenschaftliche Blick 27
auf Tabu, das Schamgefühl verbirgt
11. Schlusswort 30
12. Bibliographie 33
13. Abbildungsverzeichnis 34
1. Einleitung - Warum Tabu und warum eigentlich Sexualität?
Ich habe mich dazu entschlossen, eine Diplomarbeit über Tabus und den ständigen Verstoß gegen sie in den Werken von Frank Wedekind zu schreiben, weil ich der Meinung bin, dass sich seit seiner Zeit nicht viel verändert hat. Obwohl man über viele Themen schon offen spricht, gibt es noch viele „Phänomene“, die weiterhin einem Tabu unterliegen. Eines von ihnen, das einerseits eine der natürlichsten Eigenschaften des Menschen betrifft, andererseits weiter für unmoralisch und obszön gehalten wird, ist die Sexualität. Sie bringt noch immer das Blut in Wallung, weil sie ständig für etwas Böses gehalten und durch Tabus geschützt wird.
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2. Die (Anti-)Phänomene des menschlichen Wesens
Die Natur des Menschen war und ist immer ein aktuelles Thema. Die Horizonte der menschlichen Gedanken erweitern sich mit dem Verlauf der Zeit und dem
Zivilisationsfortschritt, aber das menschliche Wesen bleibt seit undenklichen Zeiten auf demselben Niveau. Es steckt in uns jedoch, aus unklaren Gründen, eine Diskrepanz, deswegen ist es immer so, dass das , was für einen Sterblichen scheinbar zu den einfachsten Lebenseigenschaften gehört, ihm sehr schwer fällt. Das, was für den Menschen und dessen Natur geeignet ist, ist aus unbekannten Gründen ein Tabu. Man erfand schon so vieles, entdeckte so manche Geheimnisse der Welt, aber trotzdem spricht der Mensch weiterhin nicht alles, was ihn betrifft offen aus. Warum ist es so? Die Antwort ist klar - es existieren eigenartige konzipierte Regeln, die als richtig gelten und die zu beachten sind um sich ein Mitglied der zivilisierten Welt nennen zu können. Obwohl niemand im Stande ist, diese Regeln vollends in seinem Leben anzuwenden, identifiziert sich fast jeder mit ihnen. Man hält sich an eine Regel, weil es besser ist, in Übereinstimmung mit Anderen zu leben als mit dem eigenen Gewissen. Die Wurzeln dieses Verhaltens liegen in grauer Vorzeit. Einerseits stammt die Vortäuschung nicht vorhandener Gefühle aus den falschinterpretierten Dogmen des christlichen Glaubens - alles Böse, was ich getan habe, wird mir, wenn ich nur Reue empfinde, erlassen, also rechne ich mit meinen Sünden heimlich ab und werde nicht an den Pranger gestellt , andererseits will ich daraus Vorteile ziehen, wenn ich einen Sündiger auf frischer Tat ertappe oder ihn einfach erniedrige, um mich selbst aufzuwerten. Solche Verhaltensweisen haben auch ihre Gründe. Der Mensch fühlt sich unsicher, wenn er etwas ,was in der Meinung der Anderen als ungewöhnlich gilt, getan hat.. Er wartet auf die Reaktion von denen, die ihn umgeben. Wenn er Akzeptanz und Beifall bekommt, wirkt das auf ihn motivierend und gibt ihm Mut. Wenn ihn jedoch Missfallen trifft, verliert er den Boden unter den Füßen. Das erweckt in ihm ein Schamgefühl, deswegen sucht er nach Mitteln und Wegen um seine Handlungen zu verbergen, wenn er befürchtet, dass seine Taten keine Akzeptanz finden. Manchmal verwandelt sich Scham in Schande, was eine Entehrung zur Folge hat. Es gibt Menschen, die mit Verachtung von Anderen nicht zurechtkommen. Sie besitzen keine Kraft um die auf sie gerichtete Herabwürdigung zu bewältigen. Sie haben auch keinen Mut um sich den Regeln der Allgemeinheit zu widersetzen, weil sie sich in diesem Fall am Rand der Gesellschaft wiederfinden würden wo man mit dem Finger auf sie
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zeigen würde. All diese Gründe verursachen in den Menschen eine Neigung zur Lüge und infolge dessen zur Heuchelei. Einem einfachen Menschen lebt es sich leichter, wenn er die Akzeptanz der Anderen findet, obwohl er oft die eigene Identität leugnet. Wenn man sich daran gewöhnt, ist es schwer dies wieder abzulegen. Das Verleugnen wird zur zweiten Natur. Die Denkensweise des Menschen ist primitiv, weil er durch Genetik so beschaffen ist, dass er seine natürlichsten Bedürfnisse befriedigen muss. Oft wird er dadurch zu Dingen gezwungen, die er für moralisch verwerflich hält. Wenn er aber erst einmal etwas „Unmoralisches“ begeht, dann fällt ihm das beim nächsten mal schon leichter und bleibt mit der Zeit von schlimmen Folgen seines Verhaltens ungerührt. Das lässt ihn kalt. Niemand mag jedoch, wenn ihm Fehler vorgehalten werden . Es gilt ein gesellschaftlich angenommenes allgemeines Schweigen - vor Verlegenheit und vor Angst wagt niemand etwas zu sagen. Nur Einzelne versuchen gegen die Verlogenheit zu kämpfen. Sie liefern durch ihr Leben ein Vorbild zur Nachahmung. Andere, die über größere schöpferische Auswirkungskraft verfügen, wie Schriftsteller, zeigen dem einfachen Menschen seine
Begrenztheit und zeigen seine Fehler auf. Sie sprechen offen darüber, was in der allgemeinen Überzeugung als Unanständigkeit gilt. Sie bringen das zur Sprache , was bisher tabuisiert war, sprengen die Grenzen der Konventionen um eine höhere Entwicklungsstufe der menschlichen Sittlichkeit zu ermöglichen. Ihr Schaffen handelt von der Natur des Menschen, von seinen natürlichsten Bedürfnissen und davon, wie er sich für seine menschliche Reflexe schämt.
Der Mensch ist ein kompliziertes und abhängiges Wesen - er tut etwas und dann erwartet er die Reaktion der Anderen. Die Furcht vor der Schande ist für ihn größer als vor der allgemeinenverstandenen Justiz oder den Gewissensbissen. Das Bewusstsein, dass er ein schlechtes Gewissen hat, verliert an Bedeutung. Man sieht noch einen Unterschied zwischen Gut und Böse, aber diese Begriffe wurden für ihn abstrakt, deswegen bemerkt man die schwarze Seele der Mitmenschen, aber die eigene sieht man einfach nicht. Um diesem Schicksaal zu entfliehen, sollen wir uns redlich bemühen, wir sollten jedoch nicht das äußere oberflächliche Verhalten verändern, sondern uns selbst innerlich. Der, der sich brav einreiht, sein Schicksal mit Demut trägt und immer nach den Regeln, die ihm von den Anderen auferlegt werden, spielt, passt sich seiner Umgebung an. Das Leben ist kein Wettlauf, bei dem man siegen soll, aber eine Prüfung, in der man sich bewähren soll. Viele vergessen darüber , zum Glück nicht alle.
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3. Frank Wedekind als ein Mensch mit einer ausgeprägten
in sich gekehrte Lebensart. Dieser Dramaturg setzte sich mit der alten konservativen Weltordnung auseinander und zeigte die verhängnisvollen Folgen, die falschinterpretierte Sittlichkeit und Vorurteile haben. Wedekind betonte , dass fast niemand darüber spricht, was für uns wirklich wichtig ist. Jeder sucht auf eigene Faust nach eigenen Antworten, die nicht immer richtig sind und oft zur Tragödie führen. Die Protagonisten in seinen Werken sind auf den ersten Blick einfache Menschen. Dem äußeren Eindruck nach sind sie von den anderen nicht zu unterscheiden, aber im Inneren leiden sie unter der quälenden Unwissenheit. Für unseren Doppelmoralgesellschaft ist das typisch. Jemand, der nach eine Antwort auf eine Frage sucht , die gegen die „Moral“ verstößt, wird im Dunkeln gelassen oder bleibt ohne Antwort. Es bleibt ihm nichts anders übrig als allein auf die Suche nach der Lösung zu gehen. Die Suche endet meist tragisch, weil der Mensch nicht erwartet, was ihm passieren kann.
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4. „Sexualität als der einzige verbliebene weiße Fleck auf der Landkarte der Wissenschaften“. Erklärung des Begriffes und wissenschaftliche Hinsicht darauf.
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„Erforschung und Verständnis der menschlichen Sexualität befinden sich auch heute noch in einem vorwissenschaftlichen Zustand, der wirklich verlässliche Fakten oder gar Paradigmen zur menschlichen Sexualität eher vermissen als erwarten lässt“.1P(S.685) Die Pioniere der modernen Sexualwissenschaft William H. Masters und Virginia E. Johnson bezeichnen diesen Bereich als „den einzigen noch verbliebenen weißen Fleck auf der Landkarte der Wissenschaften überhaupt“.2P(S.685) Der Grund für diesen bedauerlichen Zustand liegt „in der systematischen und kollektiven Repression und Tabuisierung der menschlichen Sexualität, wie sie seit Jahrhunderten typisch (...) für die westliche, jüdischchristliche Zivilisation und Kultur sind “3P(S.685) Der Einfluss dieser Gesellschaft wirkt sich nicht nur auf die menschliche Sexualität in der Privatsphäre , sondern auch, was das Kernproblem darstellt, auf die akademische Wissenschaft, Forschung und auf die Erkenntnislehre überhaupt aus. Die Gründe für diese Repressionen und Tabuisierungen bleiben - genauso wie es eben für die Tabubereiche typisch ist - den Betroffenen selber unklar. Dem Schicksal kollegialer Ächtung, politischer Verfolgung, Bücherverbrennung und Verbannung ins Exil wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten über die Bedeutung der Sexualität entgingen nicht Frank Wedekind oder Sigmund Freud, der dieselbe revolutionäre Strömung wie Wedekind vertrat. Sie beide waren Opfer der Moralhüter und der öffentlichen Machtinstanzen der gesellschaftlichen Ordnung. Ihre Forschungsansätze, mit dem Hinweis vor allem auf Existenz und Bedeutung der infantilen Sexualität in der Ö ffentlichkeit, entfachten einen wahren Sturm der Entrüstung. Sie strebten nach der Erforschung des menschlichen Wesens. Freuds Beispiel kommt hier nicht grundlos zum Vorschein, weil der Einfluss Freuds Hypothesen bei Wedekind deutlich zu erkennen ist. 1 Der Begriff der Sexualität im wissenschaftlichen Sinn ist völlig anders als die Bezeichnung, die in der Öffentlichkeit existiert. Einen einfachen Menschen erinnert dieser Begriff meistens an pornographische Inhalte. Die Schuld daran tragen die Pseudohüter der Sexualmoral. Sexualität ist nicht anders als
1 Nach Erkenntnissen von Hermann Wendt in Sexualität; Digitale Bibliothek Band 23: Handwörterbuch Psychologie, Psychologie Verlags Union
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Arbeit zitieren:
Remigiusz Paszkowski, 2005, Das Schaffen Frank Wedekinds als Tabubruch, München, GRIN Verlag GmbH
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