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(,1/(,781*BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB Günter Eich 3
Die Entstehungsgeschichte des Hörspiels „Die Mädchen aus Viterbo“ 5
',(0b'&+(1$869,7(5%2BBBBBBBBBBBBBBBBB Teil I 7 11 Teil II
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Exotische erscheinende Länder 15
Suche nach verlorenen Wörtern 16 Träume und Wirklichkeit 17
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Das Hörspiel „Die Mädchen aus Viterbo“ aus dem Jahre 1944 ist die Frage nach dem Sinn der Leiden und Schrecken der Wirklichkeit. In „Die Mädchen aus Viterbo“ laufen zwei Handlungsstränge parallel. Beide Geschichten erzählen von Menschen, die gefangen sind: ein Jude und seine Enkelin haben sich im Berlin der Nazizeit in einer Wohnung einer Bekannten versteckt. Um sich die Todesangst zu vertreiben, erfinden sie zusammen die Geschichte einer Schulklasse aus Viterbo, die sich bei einem Ausflug in die römischen Katakomben ausweglos verirrt hat. Die Hoffnung auf Rettung wird in beiden Handlungen von der erbarmungslosen Realität zerstört. 1
GÜNTER EICH
Günter Eich war am 1. Februar 1907 im mark-brandenburgischen Lebus geboren. Er studierte an verschiedenen Universitäten in Leipzig, Paris und Berlin Sinologie, Jura und Volkswirtschaft. Günter Eich schrieb anfangs Natur- und Erlebnisgedichte. Ende der zwanziger publizierte er sein erstes Gedichtband.
Später arbeitete Eich mit Chiffren und schrieb wortkarge Lyrik. 1931 wurde das in Zusammenarbeit mit Martin Raschke 1929 entstandene Hörspiel „Das Leben und Sterben des Sängers Caruso“ ausgestrahlt. Auch erschienen in Raschkes Zeitschrift 'LH.RORQQH (1930-1932) weitere Arbeiten. 1939-1945 war Günter Eich Soldat im zweiten Weltkrieg und wurde 1944 in der Front eingesetzt. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges gerät Eich in amerikanische Gefangenschaft.
Vor allem der Hörfunk bot Eich die Möglichkeit, von der nationalsozialistischen Propaganda relativ unberührt tätig zu sein. In amerikanischer Gefangenschaft verfaßte er einige für die deutsche „Kahlschlagliteratur“ der Nachkriegszeit beispielhafte Gedichte (darunter /DWULQHund ,QYHQWXU)
Während dieser Zeit stieß er auch zu der Zeitschrift 'HU5XI , die von Alfred Andersch und Hans Werner Richter herausgegeben wurde. Durch Kontakt zu Andersch und Richter wurde er Mitglied der Gruppe 47, deren erster Preisträger er 1950 war.
In der Folgezeit schrieb Eich eine Anzahl von Hörspielen: Unter anderem: *HKQLFKWQDFK(O .XZHKG, 1950; 7UlXPH, 1951; %OLFNDXI9HQHGLJ, 1952. 'LH0lGFKHQYRQ9LWHUER, publizierte Eich bereits kurz vor seiner Heirat mit der Schriftstellerin Ilse Aichinger, 1953. Die Hörspiele belegen Eichs Sprachvirtuosität und er verlieh der Gattung eine bisher nicht gekannte Eigenständigkeit. Seine Hörspiele wirkten in den 50er und 60er Jahren prägend für andere Autoren. Seine einzigartige Fähigkeit, mit angedeuteten Worten in der Technik der Rückblende und Einblendungen ein Hörspiel zu gestalten, hat ihm viele Bewunderer und Auszeichnungen gebracht. Mit Mitteln der Akustik blendet er von einer Szene und Ebene auf die andere über, wodurch die Grenzen von Traum und Realität fließend werden. Seine Stücke machen den Hintergrund von Ereignissen und Gefühlen sichtbar, rufen zum Mitleiden auf und deuten auf die bedrohte Existenz der Menschen 2 . Es gelingt ihm das Seelenleben seiner Akteure transparent zu machen. Außerdem sind seine Hörspiele spannend und aussagekräftig und dringen in das Reich der Phantasie ein, durch Worte, Geräusche, Musik, durch laut und leise.
Günter Eich wurde für sein Hörspiel „Träume“ mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Es sind Alpträume, die Menschen hier heimsuchen.
1959 erhielt er den Georg - Büchner - Preis.
Ende der sechziger Jahre entstand Eichs lyrische Kurzprosasammlungen 0DXOZUIH (1968) und (LQ 7LEHWHU LQ PHLQHP %UR (1970), die stark vom Surrealismus geprägt sind.
1972 stirbt Günter Eich in einem Sanatorium in Salzburg. 3
DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES HÖRSPIELS „DIE MÄDCHEN AUS VITERBO“
Die Textgeschichte von „Die Mädchen aus Viterbo“ 4 reicht laut Notizbuch bis in den Januar 1952 zurück: YRP ELV Ä.DWDNRPEHQ³ 5 EHUOHJW.
Zum entscheidenden Anstoß aber wird das Angebot der Mitte 1952 ins Leben gerufenen Gemeinschaftsredaktion der Hörspielabteilungen am Südwestfunk, am Bayerischen Rundfunk und bei Radio Bremen. Eich erhält am 5. Mai 1952 das Angebot ein Originalhörspiel zu schreiben; die Federführung liegt beim SWF und dessen Hörspielleiter Christian Boehme (SWR Baden-Baden). Der Zusammenschluß der mittleren und kleinen Anstalten ermöglichte es diesen, ein Gesamthonorar von 6000, - DM anzubieten und somit zum ersten Mal eine Gesamtsumme in Aussicht zu stellen, die den Honorarleistungen der großen Anstalten wie dem NWDR konkurrieren kann.
Eich geht auf ein solches Angebot spontan ein, schreibt allerdings, daß er sich nicht vor dem Spätherbst an die Arbeit setzen könne. 6 Am 5. Dezember 1952 verwirft Eich laut Notizbuch 4 ½ Seiten eines Textes „Die Mädchen von Viterbo“ 7 . Nachdem aber Eich auf Nachfrage des SWF am 6. Dezember 1952 die Ablieferung des Manuskriptes bis Weihnachten telegraphisch verspricht, erarbeitet er vom 9. bis 19. Dezember den Hörspieltext, schreibt ihn am 22. und 23. Dezember ab und schickt ihn pünktlich am 23. Dezember 1952 an den SWF. 8
SWF-Dramaturg Manfred Häberlen zeigt sich am 7. Januar 1953 „sehr stark beeindruckt“ von dem Text: „Nach unserem damaligen Gespräch hatte ich mir nur sehr schwer vorstellen können, daß sie eine kontrapunktische Handlung zu dem Geschehen in den Katakomben finden werden. An manchen Stellen allerdings ist der Text so sparsam, daß die Sprecherinnen vor schwer lösbare Aufgaben gestellt werden.“ 9 . Am 9. Januar antwortete Eich, daß er bereits selbst einige Änderungswünsche habe; „Es wäre mir
lieb, wenn ich vor der Umarbeitung noch die Meinung aus Baden-Baden, Bremen und München im einzelnen hörte“.
Da Eich bis dahin die Katakomben nicht kannte, will er für einige Tage nach Rom und Viterbo fahren, eine Reise, von der er „sich etwas verspricht“. „In den Katakomben ist mir sogar etwas eingefallen“, schreibt Eich auf einer Postkarte mit den Domitilla-Katakomben an den SWF. Vom 26. bis 31. Januar 1953 findet daraufhin eine Manuskript-Besprechung In Baden-Baden statt, deren Ergebnis in dem Brief des Regisseurs Karl Peter Bilz festgehalten ist: „Ich glaube, die Entscheidung, die wir hier getroffen haben, ist die richtige. Ich möchte also dabei bleiben, die erste Fassung Ihres Hörspiels zu nehmen. Natürlich kommen die kleinen Änderungen, die Sie in dem Berliner (!) Teil angebracht haben, mit in die neue Fassung.“ 10
Kurz vor der Ursendung wird im Februar 1953 bekannt, daß Eich der Träger des „Hörspielkreises der Kriegsblinden“ für „Die Andere und ich“ (1952) geworden ist. Der SWF freut sich und gratuliert. Gleichzeitig bittet er um Eichs Einverständnis für den Abdruck der „Mädchen von Viterbo“ in der Zeitschrift 5XQGIXQNXQG)HUQVHKHQ.
Der Ursendung am 10. März 1953 folgt die Ausstrahlung der Bonner Rede, die Eich bei der Entgegennahme des Preises gehalten hat. Eich zeigt sich in einem Brief an Manfred Häberlen einen Tag später von der Inszenierung durch Blitz sehr begeistert: “Bitte (...) sagen sie ihm, daß ich seine Sendung gestern hervorragend fand und darüber glücklich war“ 11 . Großzügig stundete der Autor dem SWF die noch ausstehende Spendengebühr von 1250,- DM bis zum 1. April, da das SWF-Hörspiel am Ende seines Abrechnungsjahres in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. 12 Das Hörspiel würde in einer zweiten Fassung am 8. Juni 1959 im Hessischen und Süddeutschen Rundfunk aufgeführt. 13
Arbeit zitieren:
Kathrin Haubold, 2002, Günter Eich - Die Mädchen aus Viterbo, München, GRIN Verlag GmbH
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