/,('(581 BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
,(,1/(,781 BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
,,)25781 ) JXQJGHV O FNVBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
,,,7(,/,6HOEVWILQGXQJBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
1) Jugendgeschichte (Enface) 7
2) Artuswürdigkeit (Integration) 8
,97(,/,, HKDXSWXQJBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
1) Herrschaftstüchtigkeit 10
2) Liebesbewährung 11
9 ) ,7BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
9 ,/,7(5 7859(5 (, 1,6BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB6
1
,(,1/(,781*
Der Versroman „Lanzelet“, der wahrscheinlich im frühen 13. Jahrhundert nach einer nicht erhaltenen französischen Quelle von Ulrich von Zatzikhoven verfaßt wurde, erzählt die Geschichte eines ungebrochenen, positiven Helden. Die Erzählung ist die frühste deutsche Bearbeitung des Lancelot-Stoffes von Chrètien. Es ist anzunehmen, daß Zatzikhoven die Thematik Chrètiens bekannt war, aber es ist unwahrscheinlich, daß er sich darauf bezogen hat. Der Schriftsteller selbst nennt als Quelle für seine Arbeit ein „ZHOVFKHEXRFK“ 1 .
Ulrich von Zatzikhoven entwarf ein eigenes thematisches Konzept in Lanzelets Namens- und Identitätssuche, seiner Liebesbewährung und Herrschertüchtigkeit. 2 Der Lanzelet hat mit Chrètiens „Karrenritter“ keine Handlungsteile, sondern lediglich ein Motiv gemeinsam: die Entführung der Königin. Anders als dort ist der Held jedoch nicht ihr Ritter und Liebhaber, sondern nur der Protagonist einer Befreiungsaktion mit einer Gruppe von Artusrittern.
Lanzelet ist ein vollkommener Ritter. Er ist körperlich attraktiv, erfolgreich und das Glück ist stets auf seiner Seite. Gefahren und Widerstände dienen nur dazu den Helden als Sieger zu profilieren. Deshalb eignet er sich auch nicht wie Chrètiens Lancelot zur Verkörperung einer glücklosen Liebe. Diese Art von Zwiespalt ist ihm fremd. Lanzelet verkörpert ein Ideal, er ist der Held, der kein WUUHQ kennt und er kennt auch keine Problematik. Er ist von Anfang an der vollkommene und ewig glückhafte Ritter. Alle Ereignisse, Taten wie Minne, gehen über ihn hinweg, ohne ihn zu wandeln, zu steigern oder zu läutern. Stoffbefangen sieht Ulrich von Zatzikhoven das Wesentliche seiner Aufgabe im Außerordentlichen und Unheimlichen. 3
Lanzelet wird zum Ritter entsprechend seiner Bestimmung. Hindernisse gibt es auf seinem Weg nicht zu bewältigen. Der Held zeigt eine krisenlose Aufstiegs- und Bewährungslinie.
Die Demonstration von PDQKHLW - purer Tapferkeit - ist die Essenz der kYHQWLXUH in Lanzelets Karriere. Aber neben seiner PDQKHLW steht noch ein anderer Einfluß als Grund für seinen Erfolg: Fortuna. Die glückhaften Fügungen, die den Held auf seinem Weg begleiten, sein JHOFNHKHLO, und VDHOGH. 4
,,)25781$±)JXQJGHV*OFNV
Die Schicksalsbegriffe JHOFNH, KHLO und VDHOGHals waltende Macht neben Gott sind gleichbedeutend mit dem lateinischen Gegenbegriff 5 . IDWXP, IRUWXQD
Der Mensch ist dem Schicksal ausgeliefert, die Frage ist, was er daraus macht. Dem Schicksal nicht ausweichen, sondern sich sittlicher Forderung entsprechend verhalten, das macht den „Helden“ aus. Lanzelets Schicksal ist vorbestimmt. Der Begriff VDHOGH zählt als eine Garantie zu seinem Erfolg, was auch immer passiert. Bereits im Prolog heißt er „GHUVHOEHVDHOLJHPDQ“ 6 , weil er in dieser Geschichte mit PDQKHLW erreicht, daß ihm Name und Herkunft mitgeteilt werden. 7 Lanzelets sDHOGH ist abhängig von der WXJHQW, beides begleitet unseren Helden den ganzen Roman hindurch bis an sein glückliches Ende. 8
Im Mittelalter betrachtete man Fortuna als die Göttin des Schicksals. Fortuna erscheint zum einen als Gottheit mit den Attributen, die ihr im Laufe ihrer jahrhundertelangen Entwicklungsgeschichte zuteil geworden sind. Als solche ist sie nicht nur eine Personifikation des ewigen Wandels, sondern auch die Verleiherin von weltlichen Gütern. Zum anderen bedeutet Fortuna der Besitz von Glücksgütern, ja bezeichnet das Glück überhaupt oder den glücklichen Zustand von Menschen. Sie ist in erster Linie als dichterisches Motiv zu sehen, da sie in Geschichtsdichtungen häufiger auftaucht als in erzählenden Quellen. Fortunas Eingriffe gleichen einem Glücksspiel, nach Art eines sich drehenden Rades („das Rad der Fortuna“). Ihr Kennzeichen war das Wechselhafte und die unsichere Bestimmung. Sie brachte zwar erstaunlich häufig ein günstiges Schicksal, doch sie barg stets die Gefahr eines Umschwungs mit sich. Der Begriff der Fortuna an sich war neutral, er konnte sowohl Glück, als auch Unglück verheißen, sie vereinte beides in einem. Fortuna war „zweigesichtig“: glücklich oder unglücklich, mit
freundlichem oder unfreundlichem Blick, schön oder häßlich, arm oder reich, lächelnden oder blinden Auges.
Fortunas Walten selbst war keineswegs „blind“, sondern besaß einen Sinn, denn nichts sei dem Zufall überlassen. Das Wirken der Fortuna war Gottes Wirken. Sie symbolisiert übermenschliche Kräfte, sie kennzeichnet das Personenbezogene und persönliche Schicksal des einzelnen.
Die Gründe für das Zurückgreifen der mittelalterlichen Chronisten auf das Bild der Fortuna sind zweierlei: Es widersprach nicht dem göttlichen Wirken, entlastete die göttliche Vorsehung aber von dem Makel des Wechselhaften, und es bot sich besonders dort an, wo der historische Verlauf unerwartet, wo ein eingetretener Wandel, vom menschlichen Verständnis des Heilsplans her gesehen, unerklärlich schien. Hinter Fortunas Wirken stand stets die Vorsehung. Fortuna wurde als Motiv der Geschichtserklärung herangezogen, entsprach jedoch hier gleichsam der menschlichen Sicht, derer Gottes Ratschlüsse letztlich verborgen waren.
Fortuna implizierte etwas schicksalhaftes, und es betonte nicht minder warnend, die Ungewißheit des Schicksals. Für die mittelalterlichen Menschen war Fortuna gleichsam die menschliche Perzeption göttlichen Wirkens. 9
Bei Ulrich von Zatzikhovens Lanzelet taucht Fortuna als konstituive Figur auf. Dies geschieht in einer solch eigentümlichen Metamorphose, daß man sie als eigentliche Fortuna nicht wiedererkennt. Sie heißt hier altfranzösisch DYDQWXUH, mittelhochdeutsch DYHQWLXUH. Der Begriff der DYDQWXUH hat eine doppelte Wurzel: das altfranzösische Wort geht einerseits auf mittellateinische DYHQWXUDzu DGYHQLUH, also „das Ankommen“, „das Herbeikommen“ zurück, andererseits ist semantisch auch HYHQLUH, HYHQWXV in den Begriff eingegangen. Das Herbeikommen von etwas versteht sich damit zugleich als ein Zufallen, als ein Ereignis, das sich unvermittelt einstellt. Damit konnte DYDQWXUHDYHQWLXUH zum Inbegriff eines neuen Romantypus werden, des
Arbeit zitieren:
Kathrin Haubold, 2001, Lanzelet - Der passive Held, der tapfere Held und Fortuna, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Minne und Struktur im "Lanzelet" des Ulrich von Zatzikhoven
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Stadt in Wilhelm Raabes „Chronik der Sperlingsgasse“ im historisch...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Sebastian Brants "Narrenschiff": "Fortuna" im Kapi...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 11 Seiten
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik: Lanzelet - Der passive Held, der tapfere Held und Fortuna ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kathrin Haubold hat den Text Lanzelet - Der passive Held, der tapfere Held und Fortuna veröffentlicht
Kathrin Haubold hat einen neuen Text hochgeladen
La Vida de Lazarillo de Tormes y de Sus Fortunas y Adversidades
Americo Castro, Everett W. Hesse, Harry F. Williams
Duenos de America Latina: Como Amasaron Sus Fortunas Los Personajes Ma...
Gerardo Reyes, Ediciones B
0 Kommentare