a. a. O. am angegebenen Ort ebd. ebenda f. folgende ff. fortfolgende hrsg. herausgegeben Hrsg. Herausgeber S. Seite Verf. Verfasser vgl. vergleiche
Abbildungsverzeichnis
Nr. 1: Die Stufen der Erkenntnis bei Aristoteles (Quelle: Eigene Darstellung)
4
Gliederung des Textes
1 Zweck und Anlage der Arbeit 5
2 Die Unterscheidung der Erkenntniskräfte nach Aristoteles und ein Vergleich der
Kategorienlehre von Aristoteles und Kant 5
2.1 Die Unterscheidung der Erkenntniskräfte nach Aristoteles 6
2.2 Die Kategorien bei Aristoteles und Kant 6
2.2.1 Die Kategorien nach Aristoteles 6
2.2.2 Die Kategorien nach Kant 8
2.2.3 Der Vergleich der Kategorien nach Aristoteles und Kant 9
3 Wissen und Wissenschaft bei Aristoteles 11
3.1 Allgemeine Grundlagen der aristotelischen Theorie 11
3.2 Die Stufen der Erkenntnis bei Aristoteles 11
3.3 Gegenstand und Methode der Wissenschaft 13
3.4 Das Erkennen des Sachgrundes (aitia) als Voraussetzung für notwendiges und
allgemeines Wissen 14
3.5 Die Gewinnung der Prinzipien nach Aristoteles 15
3.5.1 Die erste Philosophie und die Rolle der Prinzipien 15
3.5.2 Die Beantwortung der Frage nach der Gewinnung der Prinzipien 16
3.6 Die Beantwortung der Frage, ob die Erkenntnistheorie des Aristoteles als
empiristisch zu bezeichnen ist 17
4 Ausblick 18
5
1 Zweck und Anlage der Arbeit
Diese Arbeit geht der Frage nach, ob es zutreffend ist, Aristoteles als Empiristen zu bezeichnen. Es wird dabei hauptsächlich die Erkenntnistheorie Aristoteles betrachtet.
Den Anfangspunkt bildet dabei der Vorwurf Kants, dass Aristoteles ein Empirist sei. Von diesem Anfangspunkt ausgehend wird anhand von verschiedenen wesentlichen Merkmalen der aristotelischen Theorie untersucht ob und wenn ja, inwieweit diese Klassifikation zutrifft. Im folgenden Abschnitt wird aufbauend auf Aristoteles grundlegender Unterscheidung zwischen Wahrnehmen, Vorstellen und Denken (Ziffer 2.1) auf die Unterschiede der Kategorien (Ziffer 2.2) bei Kant und Aristoteles eingegangen. Danach wird der Aufbau des wissenschaftlichen Systems bei Aristoteles dargestellt und im Hinblick auf empiristische Elemente analysiert (Ziffer 3); näher wird dabei auf allgemeine Aspekte (Ziffer 3.1), die Stufen der Erkenntnis (Ziffer 3.2), Wissen und Wissenschaft (Ziffer 3.3), den Begriff des Sachgrundes (aitia, Ziffer 3.4) und die Gewinnung der ersten Prinzipien (archai, Ziffer 3.5) eingegangen. Sodann wird die Ausgangsfrage (Ziffer 3.6) beantwortet. Ein Ausblick rundet die Untersuchung ab (Ziffer 4).
2 Die Unterscheidung der Erkenntniskräfte nach Aristoteles und ein Vergleich der Kategorienlehre von Aristoteles und Kant
Ausgangspunkt aller Erkenntnis ist nach Aristoteles das empirisch gegebene Seie nde. 1 Dieses kann allerdings nur in der Form der Kategorien wahrgenommen werden. Es soll im Folgenden untersucht werden, inwieweit die Wahrnehmung und Erfahrung dazu beitragen sicheres Wissen zu gewinnen und welche Rolle die Kategorien hierbei spielen.
1 vgl. A. Goedeckemeyer, Aristoteles, S. 49: „Es [das methodische Prinzip des Philosophen, der Verf.] ist entsprungen aus der bei ihm schon stark entwickelten empirischen Tendenz, die er in einer seiner naturwissenschaftlichen Schriften so entschieden betont, dass er geradezu erklärt, man müsse der Wahrnehmung mehr trauen als der mit allgemeinen Erwägungen arbeitenden Spekulation, und dürfe dieser nur dann Glauben schenken, wenn sie zu Ergebnissen führe, die mit den Erscheinungen übereinstimmten.“ (Hervorhebung durch Verf.), F. Dirlmeier, Aristoteles, in: P. Moraux (Hrsg.), Aristoteles in der neueren Forschung, S. 149 stellt allerdings die Auffassung in Frage, dass Aristoteles in seiner Jugend kein Empirist gewesen und dann „zum Schluß […] ein ‚Tatsachenmensch’ “ gewor- den sei.
6
2.1 Die Unterscheidung der Erkenntniskräfte nach Aristoteles
Hierzu ist es jedoch wichtig, zuerst auf die Unterscheidung von Wahrnehmen, Vorstellen und Denken bei Aristoteles einzugehen. Diese Begriffe bezeichnen einen Aspekt der Theorie des Aristoteles ohne den vieles nicht verständlich ist. Die drei Operationen sind nach Aristoteles zeitlich völlig getrennt voneinander. Sie sind sich streng ausschließende (exklusive) Akte. 2 Neben der Wahrnehmung kann ein Phänomen also nicht gleic hzeitig vorgestellt oder gedacht werden. Die Erkenntniskräfte sind aber nicht völlig unverbunden, sondern bauen aufeinander auf. Die Wahrne hmung steht ganz am Anfang, die Vorstellungen sind die zweite Stufe. Vorstellungen sind rein innere Erscheinungen einmal wahrgenommener Phänomene, sie sind ohne aktuellen empirischen Bezug. Das Denken hingegen ist die dritte Stufe. Es greift die Vorstellungen auf und setzt Erfahrung voraus. Es erfasst an den Vorstellungen allgemeine Wesenszüge, dies kann intuitiv oder diskursiv geschehen. Hierauf wird später eingegangen 3 , denn zunächst ist es sinnvoll von der untersten Stufe, der Wahrnehmung auszugehen, da sich auf dieser alles aufbaut. 4 Ein grundlegendes Konzept für die Wahrnehmung sind die Kategorien. Nur innerhalb dieser kann etwas wahrgenommen. Ihrer Untersuchung gilt deshalb der nächste Abschnitt.
2.2 Die Kategorien bei Aristoteles und Kant
Im Folgenden werden die Kategorien nach Aristoteles und nach Kant vorgestellt. Sich aus dem Vergleich ergebende Unterschiede sollen herangezogen werden, um im Hinblick auf die Anfangsfrage ob Aristoteles Empirist sei, zu klären, wo empiristische Elemente in der Kategorienlehre des Aristoteles zu finden sind.
2.2.1 Die Kategorien nach Aristoteles
Aristoteles kennt zehn Kategorien. Die Kategorien haben sowohl eine logische und eine ontologische Dimension, sie betreffen sowohl die Formen der Aussage, als auch
2 Siehe den Nachweis bei H. Busche, Die interpretierende Kraft der Aisthesis. Wahrheit und Irrtum der Wahrnehmung bei Aristoteles, in: G. Figal., Interpretationen der Wahrheit, S. 112-142
3 vgl. Ziffer 3.6
4 vgl. De An. III 8, 432 a ff.
7
die Formen des Seins. 5 Hier kommt der erkenntnistheoretische Realismus des Aristoteles, der (wahre) Aussagen als Abbilder der Wirklichkeit versteht, wieder zum Vorschein.
Unter den Kategorien nimmt die „S ubstanz“ (ousia 6 ) eine herausragende Stellung ein. Aristoteles unterscheidet die erste Substanz von der zweiten Substanz. 7 Die erste Substanz (prote ousía) ist das tode ti, was selbständige Entität bzw. Individuum bedeutet, die zweite Substanz ist die allgemeine Wesenheit dieser Entität bzw. dieses Individuums. Die zweite Substanz (deutera ousia) wird durch den zum Individuum gehörenden Artbegriff (eídos) begrifflich erfasst.
Die anderen neun Kategorien werden „Akzidenzien“ genannt. Dies sind „Quantität“, „Qualität“, „Relation“, „Ort“, „Zeit“, „Lage“, „Haben“, „Wirken“ und „Leiden“. Die Akzidenzien können niemals unabhängig von einer Substanz auftreten, sie sind die Eigenschaften, die einer Substanz zukommen. Die Kategorien sind eine erschöpfende Einteilung des Seins. 8
Das Seiende im Sinne der Substanz und das Seiende im Sinne der Akzidenzien deckt zwei von vier Stufen des Seienden bei Aristoteles ab. Das Wort „ist“ kann des Weiteren „im Sinne der Möglichkeit und Wirklichkeit, sowie des Wahren und des Falschen gebraucht werden.“ 9
Dass der Mensch das Seiende nur in den genannten Kategorien wahrnehmen kann ist noch nicht zwingend eine Entkräftung der These, dass Aristoteles Empirist sei. Auch Empiristen können Kategorien kennen. Im Empirismus kann die Existenz von Kate-gorien so begründet werden, dass diese allein schon durch den Wahrnehmungsprozess entstehen bzw. durch die Erfahrung, die vermittelst Wahrnehmung gewonnen wurde und so dem Menschen beim Wahrnehmungsvorgang immer präsent sein müssen. Deshalb muss gefragt werden, was genau empiristisch an Aristoteles Kategorienle hre ist bzw. welche empiristischen Züge ihr vorgeworfen wurden.
5 K. v. Fritz, Zur Aristotelischen Kategorienlehre, in: Hager, F. P. (Hrsg.), Logik und Erkenntnislehre des Aristoteles, Darmstadt 1972, S.100
6 vgl. W. Viertel, Der Begriff der Substanz bei Aristoteles, S.90 ff.
7 vgl. E. Tugendhat, Ti kata tinos, S. 37 ff.
8 An. Post. I 22, 83 b 15
9 K. Baier, Die Einwände des Aristoteles gegen die Ideenlehre Platons, S.30 f.
Arbeit zitieren:
Markus Andreas Mayer, 2005, Ist die aristotelische Erkenntnistheorie empiristisch?, München, GRIN Verlag GmbH
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