Universität Passau, Didaktik der Geographie
UE Entwicklungsländer im Geographieunterricht
Semesterzahl: 04
Entwicklungs- und Schwellenländer in den
Lehrplänen verschiedener Schularten
von: Matthias Lehner
Inhaltsverzeichnis
Entwicklung des Entwicklungsländerunterrichts 3
Vorstellung der ausgewählten Lehrpläne 5
Entwicklungs- und Schwellenländer in den Lehrplänen ausgewählter Schularten 6
Der Lehrplan für Realschulen in Hessen 6
Der Lehrplan für das achtjährige Gymnasium in Hessen 7
Der Lehrplan für das neue achtjährige Gymnasium in Bayern 8
Der Lehrplan für das neunjährige Gymnasium in Bayern von 1990 9
Der Lehrplan für Geographie im Vereinigten Königreich 10
Vergleich der gewählten Lehrpläne 12
Tabellarische Übersicht 12
Zusammenfassender Vergleich der bayerischen Gymnasiallehrpläne 12
I. Entwicklung des Entwicklungsländerunterrichts
Während wir uns in Deutschland über preiswerte Importprodukte aus Entwicklungsund Schwellenländern freuen, ist es oftmals so, dass diese Produkte ihre Erzeuger in den Produktionsgebieten nicht mehr ernähren können. So zeigt sich bereits an dieser Aussage die Verwandlung des Entwicklungsländerunterrichts von einem Fern- zu einem Nahthema, die sich in den letzten Jahrzenhnten vollzogen hat. Die Rahmenbedingungen für den Entwicklungsländerunterricht haben sich z.B. durch Poltik, Wirtschaft, Wissenschaft, neue pädagogische Konzepte und neue didaktische Anregungen verändert. Verschiedene Theorien wie die Modernisierungstheorie1 oder die Dependenztheorie2 wurden begründet und verblassten wieder. Nachdem die Entwicklungsländer weiter in Schwellenländer, „normale“ Entwicklungsländer und die ärmsten Entwicklungsländer unterschieden wurden, sowie die Konkurrenz in der Triade Europa – USA – Japan größer wurde, sank das Interesse an den Entwicklungsländern. Seit den 1970er Jahren wird eine „Alternative Entwicklung“ mit den Prioritäten der Befriedigung von Grundbedürfnissen, Hilfe zur Selbshilfe und der Umweltverträglichkeit verfolgt. Im Brundtland-Bericht von 1987 wurde der neue qualitative und global gültige Begriff der „dauerhaften Entwicklung“ eingeführt. Er besagt, dass heutige Bedürfnisse befriedigt werden sollen, ohne die Handlungsmöglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken. Die untige Tabelle veranschaulicht die Entwicklung der Weltbilder, die den Weg vom klassischen Entwicklungsländerunterricht zum Eine-Welt-Unterricht begründen. Nach langem Zögern rückte Ende der 1980er Jahre schließlich auch die Geographiedidaktik von den bereits genannten Theorien und der westlich zentrierten Dritte-Welt-Pädagogik ab und ging hin zur Entwicklungspädagogik. Die bereits vorhandenen Themen wurden neu gewichtet. Plötzlich fand auch die Ökologie Eingang und die „Dritte Welt bei uns“ wurde berücksichtigt. Zusammengefasst finden die neuen Aspekte im Slogan „Global denken – lokal handeln“ Ausdruck. Im derzeitigen Eindruck des Aufstiegs Chinas zu einer wirtschaftlichen Großmacht ist der Eine-Welt-Ansatz und vor allem der ökologische Aspekt darin wichtiger denn je, wenn man sich vorstellt die Verbreitung des Autos würde in Ländern wie China und Indien unsere Dimensionen erreichen. Daher stellt unsere Überentwicklung ein falsches Vorbild für die derzeitigen Entwicklungsländer dar. Die Metropolen von Entwicklungsländern ersticken bereits heute in den Abgasen der zunehmenden Motorisierung. Betrachtet man diese Tendenzen, so befinden sich China und Teile der Entwicklungsländer schon heute auf dem falschen Weg.
Abbildung 1: Eigener Entwurf nach Kroß (1997). [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Entwicklungsländerunterricht nur ein kleiner Teil des länderkundlichen Unterrichts. Mit der Zeit konnte sich dann, dank des Drucks auch von Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Thema Entwicklungsländer in den Lehrplänen konstituieren, allerdings erreichte es durch die scheinbar in weiter Ferne liegende Problematik keine zentrale Bedeutung. Derzeit befinden wir uns in einem schwierigen Zeitabschnitt da zahlreiche Entwicklungsbemühungen scheiterten und scheitern und viele Konflikte, wie in Nigeria, im Sudan, in Ruanda oder Sri Lanka, der Entwicklungshilfe zuwider laufen. Lösungsansatz für die scheinbare Perspektivlosigkeit des Entwicklungsländerunterrichts ist die Einbindung in den globalen Lernansatz.
Die entwicklungspolitischen Themen im Unterricht werden zunehmend ausdifferenziert , und statt sich mit Einzelbildern aus betroffenen Ländern zu beschäftigen, wird die Entwicklung mit Punkten wie sozialer Gerechtigkeit, internationalen Verflechtungsansätzen und Raumanalysen stärker hinterfragt. Zur Verflechtung eignet sich beispielsweise der Ferntourismus, der in mehreren Lernfeldern beheimatet ist.
Um bestimmte Themen in niedriger Klassen zu verschieben, wird der Entwicklungsländerunterricht zunehmend elementarisiert und auch in andere Lernfelder integiert. So finden sich ganz im Sinne des Eine-Welt-Unterrichts auch Bananenpflücker aus Südamerika im Lernfeld Landwirtschaft. Dies trägt auch zu mehr vernetztem Denken bei, so dass das additive Denken in Unterrichtseinheiten abgelöst werden kann. Zusammengefasst machen die beschriebenen Veränderungen das Unterrichten nicht leichter. Die Schüler sollen lebensnäher und global lernen und die Leitlinien sollen Nachhaltigkeit, flexible Perspektiven, Ganzheitlichkeit, Empathie, Gerechtigkeit und konkretes Handeln sein. Für mehr Lebensnähe bieten sich im Unterricht neben Rollenspielen, Simulationen und Fallbeispielen vor allem Begegnungen und Projekte an3.
II. Vorstellung der ausgewählten Lehrpläne
[...]
1 Diese Theorie beschreibt Entwicklung als Aufholprozess, nachdem die Entwicklungsländer, die Entwicklung der Industrieländer kopieren, Handlungsempfehlung war massive Entwicklungshilfe.
2 Laut dieser Theorie ist die Unterentwicklung die Folge von Überentwicklung anderswo.
3 Vgl. KROSS, E. (1997).
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Matthias Lehner, 2005, Entwicklungs- und Schwellenländer in den Lehrplänen verschiedener Schularten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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