Inhaltsangabe
1. Einleitung ------------------------------------------------------------------------------------ 3
1.1. Zum Begriff „Familie“ ------------------------------------------------------------- 3
2. Der Wandel der Familie als Ausdruck von gesellschaftlichen Verän-
derungsprozessen -------------------------------------------------------------------------- 5
2.1. Nichteheliche Lebensgemeinschaften-------------------------------------- 7
3. Die Bedeutung der Familie im Sozialisationsprozess-------------------- 8
3.1. „Neue“ Familienformen und die Folgen für die Sozialisation--------- 8
3.1.1. Alleinerziehende -------------------------------------------------------- 9
3.1.2. Stieffamilien ------------------------------------------------------------ 12
3.1.3. Gleichgeschlechtliche Eltern: Eine neue Lebensform?-- 14
3.2. Erwerbstätige Mütter und die Auswirkungen auf die Kinder ------- 16
4. Der Wandel e lterlicher Erziehungsziele und Erziehungsverhalten:
Von der Prügelstrafe zur Verhandlungsstrategie ---------------------------- 17
5. Schluss ------------------------------------------------------------------------------------- 18
6. Quellenangabe -------------------------------------------------------------------------- 20
2
1. Einleitung
„Die Familie ist ein Sozialgebilde, dessen Struktur innerhalb der Gesellschafts-ordnung durch Stabilität und Kontinuität gekennzeichnet ist.“ 1 Dieser Tatbe-stand macht eine Familie zu einer Institution. Doch wie stabil und kontinuierlich ist diese Institution heutzutage wirklich, wenn Ehescheidungen weltweit zunehmen und dadurch Elternteile wegfallen, oder durch die Wiederheirat eines Elternteils neue Personen in den Lebensraum der Kinder eindringen? Immerhin gilt die Familie als die wichtigste Sozialisationsinstanz, „... die auch maßgeblich die Weichen für die spätere soziale Platzierung des Individuums stellt“. 2 Wird der Sozialisationsprozess nicht dadurch gestört?
In Zusammenhang mit der Veranstaltung „Einführung in die Bildungssoziologie I - Individuum und Gesellschaft“ möchte ich mich mit dem Thema Der Wandel der Familie und die sich daraus ergebenden Folgen für die Sozialisation ausei-nandersetzen. Dazu dient mir das Buch „Familie heute - Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erziehung“ von R. NAVE-HERZ als Grundlage. Allerdings ist dieses Thema sehr weitläufig. Deswegen kann diese Arbeit nur einen Überblick darstellen, da sie sonst den mir erlaubten Umfang sprengen würde.
Der Titel dieser Arbeit beinhaltet also die Entwicklung der „Familie“ im historischen Kontext. Aus verschiedenen Formen der Großfamilie, hat sich heute die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie entwickelt. Oder gilt diese auch schon für überholt? Tatsache ist doch, dass sich seitdem auch neue Lebens- und Famili-enformen, wie nichteheliche Lebensgemeinschaften, Ein-Personen-Haushalte, Alleinerziehende und allein herumirrende Elternteile, gleichgeschlechtliche Eltern usw. hervorgehoben haben. Diese Entwicklung hat nicht nur einen veränderten Familienbegriff, sondern auch eine veränderte Familienstruktur zur Folge.
1.1. Zum Begriff „Familie“
Die Stabilität und Konstanz eines Beziehungsnetzes zwischen bestimmten Elementen wird in der Soziologie als Struktur bezeichnet. Wird die Struktur des
1 BEGEMANN, Helmut: Strukturwandel der Familie, 2., überarbeitete Auflage, Witten 1966, S. 40.
2 SCHÄFERS, Bernhard (Hrsg.): Grundbegriffe der Soziologie, 4. verbesserte und erweiterte Auflage,
Opladen 1995, S. 280.
3
Systems „Familie“ analysiert, dann ist damit eine Analyse der innerfamiliären Rollenverteilung und die Betrachtung von Rangordnung und Zusammenhang zwischen den einzelnen Rollenträgern gemeint. Die Frage nach dem Wandel von Familienstrukturen bezieht sich darauf, ob diese sich im Verla uf der Geschichte verändert haben. 3
Was heute Familien in unserer Gesellschaft von anderen Lebensformen unterscheidet, ist zunächst ihre biologisch-soziale Doppelnatur, da sie eine Reproduktions- und Sozialisationsfunktion besitzt. Außerdem besitzt eine Familie ein besonderes Kooperations - und Solidaritätsverhältnis, aus dem sich „… eine ganz spezifische Rollenstruktur mit nur für sie geltenden Rollendefinitionen …“ 4 ergibt. Darüber hinaus besteht eine Familie aus mindestens zwei Generationen. Bezieht sich die Generationsdifferenzierung ausschließlich auf die Eltern-Kind-Einheit, wird von einer Kernfamilie gesprochen. Nach dieser Definition von NAVE-HERZ stellen also auch Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern Familiensysteme dar, da eine eheliche Basis - soziologisch gesehen - nicht mehr als Voraussetzung für eine Familie gesehen we rden darf. 5
Wie es zu dieser Entwicklung kam, wird im nächsten Kapitel behandelt. Doch zunächst ein kleiner historischer Rückblick: Bis Anfang der 70er Jahre ging man noch von der Annahme aus, dass der Drei-Generationen-Haushalt in der vorindustriellen Zeit vorherrschend war. Inzwischen ist empirisch belegt, dass dies nur ein Mythos war, da u.a. die damals geringe Lebenserwartung oder die schlechte ökonomische Situation einer Familie diese Lebensform kaum zuließen. Es lebten also nur dann mehrere Generationen zusammen, wenn die produktiven Voraussetzungen dafür gegeben waren.
Heute ist die Lebenserwartung um einiges höher und durch das soziale Auffang netz werden die elementaren materiellen Notwendigkeiten eines Einzelnen sichergestellt. So gibt es gegenwärtig mehr Drei- oder sogar Vier-Generationen-Familien als früher, doch wohnen die Familienmitglieder nicht
3 NAVE-HERZ, Rosemarie: Familie heute. Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erzie-
hung, 2., überarbeitete und ergänzte Auflage, Darmstadt 2002, S. 11.
4 a. a.. O., S. 15.
5 Ebenda.
4
mehr alle unter einem Dach, sondern in verschiedenen Haushalten. Die Familiensoziologie nennt diese historisch neue Familienform die Multilokale-Mehrgenerationen-Familie.
Damals überwogen also erweiterte Kernfamilien (Familien ohne Produktionsfunktion) und größere Haushalte, bestehend aus Familienmitgliedern und familienfremden Personen (Familien mit Produktionsfunktion und Gesellen, Diens tmädchen etc.). 6
Ein weiteres Missverständnis war auch die Annahme, dass die vorindustriellen Familien eine hohe Kinderanzahl hatten. Doch hier ist die explizite Unterscheidung zwischen Geburten- und Kinderzahl relevant: Kirchenbüchern waren zu entnehmen, dass verheiratete Frauen durchschnittlich 8-12 Geburten zu überleben hatten. Doch starben weit mehr als die Hälfte der Kinder schon im Säuglings- oder Kleinkindalter durch Epidemien, Kriege, Hunger und Kinderkrankheiten, wie Scharlach, Masern, Pocken usw. So betrug die tatsächliche Kinderzahl pro Familie im Schnitt nur drei bis vier. 7
In den 50er und 60er Jahren kam dann der Vorwurf auf, die Familie würde zunehmend einen Funktionsverlust erleiden; „… d.h. die Abgabe wichtiger Aufgaben an andere gesellschaftliche Institutionen“. 8 Seit der Trennung von Wohn-und Arbeitsstätte ist dieser Verlust deutlich an der ökonomischen Funktion von Familie zu erkennen. Doch dafür hat eine Familie bis heute ganz andere Funktionen zugeschrieben bekommen, „… die sich aus ihrer Identifizierung mit »Privatheit« ergaben und die sich ganz wesentlich auf den Bereich der Primärsozialisation bezogen“. 9
2. Der Wandel der Familie als Ausdruck von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen
Einerseits wurde in den letzten Jahren in zahlreichen Veröffentlichungen verstärkt der Stabilitäts- und Verbindlichkeitsverlust von Ehe und Familie betont und von den Verfassern als De-Institutionalisierungsprozess bezeichnet. Doch andererseits steht dem gestiegenen Traditionsverlust, die zugenommene Auf-
6 NAVE-HERZ,Rosemarie: Ehe- und Familiensoziologie. Eine Einführung in Geschichte, theoretische
Ansätze und empirische Befunde, Weinheim und München 2004, S. 37 f.
7 a. a. O., S. 41.
8 GESTRICH, Andreas: Vergesellschaftungen des Menschen. Einführung in die Historische Sozialisati-
onsforschung, in: Historische Einführungen, Band I, Tübingen 1999, S. 119.
9 Ebenda.
5
lösung fester Verbindlichkeiten gegenüber, was die Zunahme an individueller Freiheit bedeutet. Der Mensch hat somit die Möglichkeit zwischen verschiedenen Formen menschlichen Zusammenlebens zu wählen. Diese Entwicklung wird auch Individualisierungsprozess genannt und ergibt sich aus der ökonomischen Wohlstandssteigerung, dem in Deutschland vorhandenen sozialen Auffangnetz, dem gestiegenen Bildungsniveau usw.
Während also die De-Institutionalisierungsthese „… den Bedeutungsverlust von Ehe und Familie und damit auch den quantitativen Rückgang der „Normalfamilie“ (=Zwei-Eltern-Familie)“ 10 betont, beinhaltet die Individualisierungsthese den Hinweis darauf, dass die Familie nicht mehr als die primär erstrebenswerte Le-bensform betrachtet wird, sondern - ganz im Gegenteil - sich sogar neue Fa-milienformen herausgebildet haben.
Die vollzogenen gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozesse zeigen sich aber auch in anderen Bereichen. Die damals steife Vorstellung davon, dass der Vater/Mann für die ökonomische Sicherheit der Familie zu sorgen hat und die Mutter/Frau für den Haushalt bzw. für die Erziehung und Pflege der Kinder zuständig ist, ist heutzutage nicht mehr so starr gegeben. 11 Auch die gesellschaftliche Betrachtungsweise von ledigen Müttern hat einen deutlichen Wandel gemacht. In der Vergangenheit hatten unverheiratete Mütter es schwer ihre Lebensform auszuleben, denn sie wurden gesellschaftlich ve rachtet und erhielte n sogar öffentlich eine Bestrafung (Zuchthaus, körperliche Züchtigung usw.). Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dann das Problem lediger Mütter thematisiert, so dass sich langsame Veränderungen anbahnten: der 1905 gegründete Verein „Bund für Mutterschutz und Sexualreform“ zeigte großen Einsatz, um rechtliche und soziale Veränderungen herbeizuführen. 12
„Wurde also zuvor ledige Mutterschaft als individuell zu verantwortende Ver-
fehlung geahndet, ließ man ledige Mütter nunmehr eher Mitleid und deswegen
Schutz und Unterstützung zuteil werden.“ 13
Einen neuen gesellschaftlichen Status bekamen die unverheirateten Mütter dann endgültig als 1970 die rechtliche Diskriminierung aufgehoben wurde.
10 NAVE-HERZ, Rosemarie: Familie heute. Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erzie-
hung, 2., überarbeitete und ergänzte Auflage, Darmstadt 2002, S. 13.
11 a. a. O., S. 13 f.
12 a. a. O., S. 99 f.
13 a. a. O., S. 100.
6
Arbeit zitieren:
Charisma Capuno, 2005, Der Wandel der Familie und die Folgen für den Sozialisationsprozess, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erziehung
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Kinderbetreuung in Deutschland - Analyse eines zukünftigen, bedarfsger...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Studienarbeit, 37 Seiten
Alleinerziehende Mütter und Väter in Deutschland
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 22 Seiten
Funktionen des Darstellenden Spiels im Unterricht der Grundschule
Examensarbeit, 94 Seiten
Die phantastische Kinder- und Jugendliteratur
Am Beispiel ausgewählter Texte...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Essay, 15 Seiten
Der Innere Monolog bei Arthur Schnitzlers Fräulein Else - Psychogramm ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Venedig im Zentrum einer mittelalterlichen Weltwirtschaft
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 45 Seiten
"Cornelius lernt Kunststücke: Was kannst du ihm beibringen?"...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Die Lüge, ein linguistischer Fall - Beschreibung des Lügens als Sprech...
Magisterarbeit, 114 Seiten
Schreiben lernen, aber wie? Vergleichende Analyse des traditionellen S...
Seminararbeit, 13 Seiten
Psychoanalytische Aspekte in "Elektra" von Hugo von Hofmanns...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Hobbes, Locke und Amerika: Über die Ursprünge der US-Verfassung
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 12 Seiten
Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht: Eine schülerzentrie...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 25 Seiten
Charisma Capuno hat den Text Der Wandel der Familie und die Folgen für den Sozialisationsprozess veröffentlicht
Charisma Capuno hat einen neuen Text hochgeladen
Terror und Staat. Der 11. September - Hintergründe und Folgen
Geostrategie, Terrorismus, Geh...
Ronald Thoden
Das Gesetz und seine visuellen Folgen / La loi et ses conséquences vis...
Ein interdisziplinäres Forschu...
Ruedi Baur
Hans Holbein und der Wandel in der Kunst des frühen 16. Jahrhunderts
Bodo Brinkmann, Wolfgang Schmid
Deutsche und französische Medien im Wandel
Cornelia Frenkel, Heinz H. Lüger, Stefan Woltersdorf
Führung, Innovation und Wandel
Wie Sie Potenziale entdecken u...
Lutz Becker, Johannes Ehrhardt, Walter Gora
Raum im Wandel - L'espace en metamorphose - Space in Change
Sabine Coelsch-Foisner, Pascal Fagot
0 Kommentare