Cornelia Dreßler Der Weg zum Berliner Mauerbau 1961 und seine Auswirkungen II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis. III
1. Einleitung und Zielstellung 1
2. Der Weg zur Gründung zweier deutscher Staaten. 2
2.1. Die Entstehung der Berlinproblematik seit 1944 2
2.2. Wachsende Gegensätze zwischen den Supermächten. 2
2.3. Die Blockade West-Berlins 1948 4
2.4. Zwei Verfassungen für zwei deutsche Staaten 5
3. Der Ost-West-Konflikt und internationale Beziehungen 6
3.1. Die Supermächte im Kalten Krieg. 6
3.2. Berlin als Schauplatz politischer und gesellschaftlicher Konfrontation 7
3.3. Superalliierter und Supermacht - Der Einfluss der DDR auf die UdSSR bei der
Entscheidung zum Mauerbau 9
4. Der Bau der Berliner Mauer 1961 10
4.1. Massenflucht als Motiv für den Mauerbau 10
4.2. Die politische und militärische Planung und Durchführung des Berliner Mauerbaus 11
4.3. Reaktionen auf den Mauerbau. 12
5. Auswirkungen des Mauerbaus 13
5.1. Politische Auswirkungen 13
5.2. Gesellschaftliche Auswirkungen 14
5.3. Ökonomische Auswirkungen 14
6. Fazit 15
Bibliographie IV
Cornelia Dreßler Der Weg zum Berliner Mauerbau 1961 und seine Auswirkungen III Abkürzungsverzeichnis
BRD Bundesrepublik Deutschland BZ Besatzungszone DDR Deutsche Demokratische Republik FDGB Freier Deutscher Gewerkschaftsbund KPD Kommunistische Partei Deutschlands NATO North Atlantic Treaty Organisation; Nordatlantikpakt RGW Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe SBZ Sowjetische Besatzungszone SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SMAD Sowjetische Militäradministration in Deutschland SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands SU Sowjetunion UdSSR Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken USA Vereinigte Staaten von Amerika
Cornelia Dreßler Der Weg zum Berliner Mauerbau 1961 und seine Auswirkungen 1
1. Einleitung und Zielstellung
Ohne Zweifel kristallisierten sich in der Stadt Berlin insbesondere seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Facetten der Ost-West-Beziehungen zwischen den Supermächten USA und UdSSR besonders anschaulich als auch exemplarisch heraus. Die heute wieder zur Hauptstadt eines vereinten Deutschlands avancierte Stadt mag man gar metaphorisch als „Spiegelbild“ für das jeweils herrschende politische Klima zwischen diesen Mächten zu Zeiten des Kalten Krieges bezeichnen. So ist es durchaus möglich, vom Beginn der wachsenden Gegensätze zwischen den USA und der UdSSR nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung Deutschlands an diesem Schauplatz die Dominanz-, Eindämmungs-, Befreiungs-, Konsolidierungs-, Konfrontations- und Entspannungsphasen - welche die Politik der beiden deutschen Staaten sowie den Ost-West-Konflikt prägten - nachzuvollziehen (vgl. Mannes 2004, 1).
Nachdem das europäisch dominierte Staatensystem im Zuge des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde und demzufolge ein Machtvakuum hinterließ, schlug die Stunde für die „Randmächte“ USA und UdSSR, die Bühne der internationalen Beziehungen zu betreten und diese nachhaltig zu prägen, wie dies bereits - allerdings in noch gemäßigter Form - bereits seit den dreißiger Jahren der Fall war. Der heranwachsende Ost-West-Konflikt bezeichnete nicht nur machtpolitische Rivalitäten dieser beiden Großmächte, sondern auch die Konkurrenz zweier politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ideologischer Ordnungsvorstellungen (vgl. Görtemaker 2003, 2).
Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, die Entwicklung der Ereignisse, welche zum Mauerbau in Berlin im Jahre 1961 geführt haben, aufzuzeigen als auch im Zusammenhang darzustellen. Der Fokus der Untersuchungen wird hierbei auf die politischen Aspekte gerichtet. Aufgrund der Komplexität der diskutierten Thematik erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit derjenigen Ereignisse und Zusammenhänge, welche letztendlich den Berliner Mauerbau bedingten. Es werden die aus Sicht der Autorin bedeutendsten Geschehnisse und Motive vorgestellt und erläutert. Auch konzentriert sich diese Arbeit vorwiegend auf den Zeitraum zwischen 1944 und 1961 sowie auf die Perspektive nur eines der beiden deutschen Staaten, nämlich auf jene der Deutschen Demokratischen Republik.
Im Anschluss hieran wird der ereignisreiche Weg zur Gründung zweier deutscher Staaten im Jahre 1949 aufgezeigt. Daraufhin sollen die internationalen Verflechtungen der Ost- und Westmächte näher beleuchtet werden, um eine umfassende Erklärungsbasis für den Mauerbau zu schaffen, welcher im Folgenden besprochen wird. Zudem widmet sich das fünfte Kapitel den Auswirkungen des Mauerbaus aus politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Sicht. Eine zusammenfassende Schlussbetrachtung erfolgt im letzten Kapitel.
Cornelia Dreßler Der Weg zum Berliner Mauerbau 1961 und seine Auswirkungen 2
2. Der Weg zur Gründung zweier deutscher Staaten
2.1. Die Entstehung der Berlinproblematik seit 1944
Der Zweite Weltkrieg endete mit der von Präsident Roosevelt und Premierminister Churchill bereits 2 Jahre zuvor auf einer Pressekonferenz in Casablanca geforderten bedingungslosen Kapitulation (unconditional surrender) des deutschen Staates (vgl. Maibaum 1998, 9). Damit verlor dieser seine Existenz, das internationale Machtgefüge wurde nach der letzten Kriegskonferenz der „Großen Drei“ im Juli und August 1945 im Potsdamer Schloss Cecilienhof neu geordnet: Die bisherigen „Randmächte“ USA und UdSSR avancierten zu weltpolitischen „Supermächten“ (vgl. Görtemaker 2003, 7). Bereits hier entstand der Eindruck sowjetischer Unnachgiebigkeit, da die UdSSR sich unverhohlen der Sowjetisierung Ostmittel- und Südosteuropas widmete (vgl. Maibaum 1998, 10), ohne dass diesbezüglich alliierte Vereinbarungen getroffen worden wären (vgl. Görtemaker 2003, 7).
Angesichts des verheerenden Krieges sollten die Sicherheitsbedürfnisse - und natürlich auch die Reparationsbedürfnisse - der drei Großmächte durch die Schaffung von Besatzungszonen in einem zu diesem Zeitpunkt noch ausdrücklich einheitlichen Deutschland befriedigt werden. Dieser Vorschlag entstammte dem Londoner „Zonen-Protokoll“ vom 12. September 1944, welches in seiner Fassung vom 26. Juli 1945 nach der Hinzunahme von Frankreich als Viermächte-Abkommen bekannt ist (vgl. Maibaum 1998, 10). Demzufolge sollte Deutschland - innerhalb der Grenzen, wie sie am 31. Dezember 1937 bestanden - in vier Besatzungszonen eingeteilt sowie durch eine interalliierte Regierungsbehörde (Kommandatura) verwaltet werden. Ebenso unterlief das Gebiet von „Groß-Berlin“ einer gleich gearteten Teilung. Die Stadt gehörte gemäß dem Wortlaut des angeführten Protokolls keiner anderen Zone an, sondern unterlag einer gemeinsamen Besetzung und Verwaltung durch den - aus den jeweiligen Militärgouverneuren der vier Mächte bestehenden - Kontrollrat, mit identischen Rechten für jede Macht. Hiermit erlangte Berlin eine unmissverständliche Symbolkraft, denn es verkörperte sichtbar den alliierten Triumph (vgl. Wetzlaugk 1996, 9).
2.2. Wachsende Gegensätze zwischen den Supermächten
Das Gebiet Groß-Berlin befand sich bereits seit zwei Monaten unter alleiniger sowjetischer Besatzung, ehe auch die westlichen Militärverbände am 11. Juli 1945 eintrafen (vgl. Wetzlaugk 1996, 9). Diese erwarteten einige unliebsame Überraschungen: die von Moskau unterstützte „Initiativgruppe“ unter der Leitung Walter Ulbrichts hatte bereits einen Tag nach der deutschen Kapitulation mit dem Aufbau von Verwaltung, Parteien sowie von Gewerkschaften begonnen. Ebenso befanden sich die Schlüsselpositionen des bereits wieder funktionsfähigen Verwaltungsapparats Berlins fest in kommunistischer Hand. Jedoch gelang eine erfolgreiche Neubesetzung der entsprechenden Ämter ebenso wie die Umstrukturierung der Ver- waltung in den Westalliierten Besatzungszonen. Während jedoch die UdSSR den von ihr
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eingerichteten Magistrat der Stadt unterstützte, widmeten die Westmächte sich mit der Stärkung ihrer Bezirksverwaltungen einer gegensätzlichen Politik (vgl. Mannes 2004, 2). Ihnen war daran gelegen, im Nachkriegsdeutschland eine Entnazifizierung, Dekartellisierung, Entmilitarisierung sowie eine zügige Demokratisierung durchzuführen. Die Sowjetunion hingegen schuf in der SBZ am 9. Juni 1945 mit der SMAD einen Verwaltungsapparat, welcher auf zwei wesentlichen Stützen beruhte. Die Erstere bezeichnete die Reichweite der SMAD durch sowjetische Militärverwaltungen bis auf regionale (SMA der Länder) und lokale Ebenen (Kommandaturen). Die zweite Stütze der sowjetischen Verwaltung repräsentierte die Nutzung der sowjetischen Machtposition, um bei der Restrukturierung des Verwaltungsapparats durch die Begünstigung von KPD bzw. SED personelle und strukturelle Grundlagen zu schaffen, welche eine Bereicherung für die UdSSR im späteren östlichen Bündnis bedeuten würden (vgl. Judt 1998, 12).
Da sich die Militärgouverneure des Kontrollrats primär auf ihre „eigenen“ Besatzungszonen konzentrierten - und nicht, wie beabsichtigt, in Abstimmung mit den anderen Gouverneuren um der Einheit der deutschen Besatzungsgebiete willen agierten - nutzte die UdSSR diese Lähmung des Gremiums aus, um in der SBZ gesellschaftspolitische Umwälzungen vorzunehmen, welche in einer Gesellschaftsordnung ähnlich der sowjetischen resultieren sollten. Des Weiteren erfolgte eine rigorose Demontagepolitik, Entnahmen aus der laufenden Produktion sowie die Aneignung und Umwandlung leistungsfähiger Betriebe in „Sowjetische Aktiengesellschaften“. Kurzfristige Konsequenz daraus stellte die Verfestigung der Trennungslinie zwischen der SBZ und den westlichen BZ dar. Mittelfristig folgte daraus eine schrittweise Ostintegration. Als langfristige Auswirkung des sowjetischen Vorgehens ist der kontinuierliche ökonomische „Aderlass“ und eine resultierende Verarmung der Bevölkerung zu nennen (vgl. Maibaum 1998, 12).
Die Westmächte widmeten sich in ihren BZ der Zurückdrängung des sowjetischen Einflusses, in der SBZ jedoch vermochte es die KPD, ihre Macht auszubauen. Die Vereinigung derselben mit der SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 21./22. April 1946 bezweckte, den fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung zu beseitigen (vgl. Mannes 2004, 2).
Der Rigorismus des sowjetischen Vorgehens in der SBZ sowie das grundlegend differierende Verständnis von freien Wahlen und Demokratie ließ die Westmächte bereits 1945 vermuten, dass Moskau keineswegs daran interessiert war, in den besetzten Gebieten und Ländern die Zusagen über den Aufbau freier, unabhängiger und demokratischer Staaten zu erfüllen. Dies musste der amerikanische Präsident Roosevelt bereits vor seinem Tod im April 1945 erkennen (vgl. Görtemaker 2003, 7). So dauerte es nicht mehr lange, bis 1946 der Begriff „Kalter Krieg“ auftauchte und sich auf die Spannungen zwischen den Ost- und Wes t- mächten bezüglich der Entwicklung der befreiten Länder bezog (vgl. Wetzlaugk 1996, 10).
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Cornelia Dreßler, 2004, Der Weg zum Berliner Mauerbau 1961 und seine Auswirkungen, München, GRIN Verlag GmbH
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