Inhalt
1. Einleitung 3
2. Theorien 4
2.1. in Europa. 4
2.1.1. Georges Louis Leclerc de Buffon 4
2.1.1.1. zum Autor 4
2.1.1.2. Natur 5
2.1.1.3. Menschen 6
2.1.2. Cornelius de Pauw 8
2.1.2.1. zum Autor 8
2.1.2.2. Natur 9
2.1.2.3. Menschen 10
2.2.2. aus mexikanischer Sicht: Francisco Javier Clavijero 13
2.2.1. zum Autor 13
2.2.2. Widerlegung der europäischen Theorien am Beispiel de Pauws 14
2.2.2.1. Natur 14
2.2.2.2. Menschen. 16
3. Schluss 22
2
1. Einleitung
In dem Hauptseminar „Nationenbildung und Literatur am Beispiel Mexikos“ im Sommersemester 2002 haben wir uns eingehend die Frage gestellt, wie und unter welchen Umständen die Nation „Mexiko“ überhaupt geboren wurde und inwieweit schriftliche, aber auch mündlich überlieferte Literatur, wie zum Beispiel der Guadalupe-Mythos, zu dieser Entwicklung beigetragen hat.
Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielen die Vertreter des „Patriotismo Criollo“. Dadurch, dass die Kreolen in Mexiko während des 16. Jahrhunderts jeglicher politischer und wirtschaftlicher Macht beraubt wurden, entbrannte ein heftiger „Familienstreit“ zwischen ihnen und den Spaniern, was zur Folge hatte, dass die Kreolen ihre spanische Herkunft offen ablehnten und sich statt dessen immer mehr mit den Indios identifizierten. So schufen sie sich nach und nach eine eigene mexikanische Identität, die mit ihren spanischen Wurzeln nichts mehr gemein hatte.
Dabei hatten sie aber mit vielen Problemen zu kämpfen, nicht zuletzt mit dem schlechten Bild, das Europa von den mexikanischen Wilden hatte. Wissenschaftliche Abhandlungen, wie die von Buffon oder de Pauw, verbreiteten in Europa anti-amerikanische Theorien, so dass es sich einige Vertreter des „Patriotismo Criollo“, darunter beispielsweise Francisco Clavijero, zur Aufgabe gemacht hatten, in literarischen Gegendarstellungen diese Theorien zu entkräften. Eben damit werde ich mich in der folgenden Arbeit beschäftigen, indem ich zuerst die europäischen Theorien, vornehmlich die von Buffon und de Pauw vertretenen, vorstellen und schließlich aufzeigen werde, wie Calvijero in seiner „Historia Antigua de México“ die Behauptungen de Pauws Schritt für Schritt widerlegt.
Dabei werde ich die Begriffe verwenden, die die Europäer synomym für Indios benutzen, wie zum Beispiel Indianer, Amerikaner, Wilde oder Barbaren.
Ein weiterer lexikalischer Hinweis: Unter der „Alten Welt“ versteht man Europa, Asien und Afr ika, während Amerika als „Neue Welt“ bezeichnet wird.
3
2. Theorien
2.1. in Europa
2.1.1. Georges Louis Leclerc de Buffon
2.1.1.1. zum Autor
Georges Louis Leclerc, Comte de Buffon wurde am 07.09.1707 in Montbard/Frankreich geboren und starb am 16.04.1788 in der Nähe von Paris. Der Naturalist und Schriftsteller beschäftigte sich vorwiegend mit den Naturwissenschaften.
In seinen „Histoires Naturelles“, die zwischen 1749 und 1789 veröffentlicht wurden, versuchte Buffon die Kontinuität der Natur aufzuweisen.
Weitere Werke des Mitgliedes der Académie Française sind die „Epoques de la nature“ von 1788, die „Histoire et Théorie de la Terre“, in der er sich mit der Entstehung der Erde beschäftigte, sowie seine Theorien über die Fauna des amerikanischen Kontinents in „De la dégéneration des animaux“.
Er beschäftigte sich jedoch nicht nur mit der Tierwelt der neuen Welt, sondern auch mit ihrer Bevölkerung. Was die Menschen betrifft, findet man bei Buffon zwei Theorien, die sich sehr stark untersche iden. Die erste ist der de Pauws relativ ähnlich, die ich unter Kapitel 2.1.2.3. näher beschreiben werde; er beschreibt den Indio darin auf sehr negative Art und Weise. Nachdem sich Buffon allerdings näher mit de Pauw und dessen recht radikalen Ansichten beschäftigt hatte, modifizierte er seine eigenen, um sich nicht mit de Pauw auf eine Stufe zu stellen. Die Kritik an seinem Kollegen beruht vor allem auf der Tatsache, dass de Pauw nicht wissenschaftlich fundiert arbeitete und keine Beweise für seine Theorien vorlagen. Darauf werde ich später bei de Pauw aber noch näher eingehen.
Buffon selber nutzte als Quellen Reiseberichte. Das hat den Vorteil, dass er sich auf Augenzeugenberichte stützt, allerdings hat er diese nie selber überprüft, da auch er, wie de Pauw, nie nach Amerika gereist ist. 1
1 vgl. Duchet S. 232/233
4
2.1.1.2. Natur
In seinen verschiedenen Werken beschäftigt sich Buffon mit der Entstehung der Kontinente und ihren natürlichen Gegebenheiten. Er glaubt, dass Europa, Asien und Amerika einmal ein einziger Kontinent ge wesen sind, der sich später geteilt hat. Als Beweis dafür sieht er Knochen von Elefanten, Nashörnern und Nilpferden, die in den nördlichen Zonen der Erde gefunden wurden. Als er allerdings in Reaktion auf de Pauw seine Meinung ändert, sagt er, dass Amerika der jüngste Kontinent und dass das Leben auf ihm nicht so weit entwickelt ist. Ansonsten revidiert er seine Beschreibungen der amerikanischen Natur nicht. Für ihn ist Amerika ein ungesunder Kontinent, da er mehrmals überschwemmt wurde und somit viel zu feucht ist. Dieses ungünstige Klima wirkt sich negativ auf Flora und Fauna aus, das heißt, das Leben kann sich nicht richtig entwickeln.
So leben zum Beispiel von den 200 Arten von Vierfüßern, die es auf der Erde gibt, 130 in der Alten Welt und nur 70 in der Neuen Welt. Von diesen 70 Arten sind auch nur 40 wirklich in Amerika heimisch, die Übrigen wurden von Europäern nach Amerika gebracht. 2 Während die heimischen Reptilien und Insekten übermäßig groß sind, findet man keine großen Vierfüßer auf diesem Kontinent. So gibt es weder Elefanten noch Kamele, auch keine vergleichbaren Rassen, da das peruanische Lama, das oft als Kamelart angesehen wird, nicht mit diesem verwandt ist. Die echten Kamele, die von Spaniern eingeführt wurden, haben sich aufgrund des ungünstigen Klimas nicht vermehrt. Mit Löwen, Tigern und Panthern verhält es sich ähnlich, da man sie, wie es sie in Afrika gibt, in Amerika nicht findet und obwohl man gewissen Raubtieren den Namen `Tiger´ oder `Panther´ gab, gehören sie eigentlich nicht diesen Rassen an. Die Benennung der Tiere Amerikas verlief eher willkürlich, da die Europäer nicht in der Lage waren, die amerikanischen Namen auszusprechen und die Tiere daher mit ähnlichen Rassen der Alten Welt verglichen und ihnen diese Namen gaben.
Im Allgemeinen sind die Tiere auf dem amerikanischen Kontinent um einiges kleiner als in Europa oder Afrika. Das größte Tier ist der Tapir, der in etwa die Größe eines kleinen Maultiers hat. 3
Auch auf die nach Amerika importierten Tiere wirkt sich das Klima negativ aus, sie degenerieren und werden kleiner und schmächtiger. Importierte Rassen sind vor allem Haustiere wie Pferd,
2 vgl. Clavijero S. 475
3 vgl. Clavijero S. 480
5
Esel, Ziege, Rind, Hund und Katze, die, abgesehen von dem verminderten Wachstum, nicht unter dem ungünstigen K lima leiden.
2.1.1.3. Menschen
Wie ich eingangs erwähnte, unterscheidet man bei Buffon zwei verschiedene Theorien, die die Indianer betreffen, da er seine erste nach de Pauw modifizierte.
Ursprünglich sah er den Indio als ein schwaches, dem Europäer weit unterlegenes Wesen an, das sich weder Natur noch Tiere untertan gemacht hat, das heißt, er hat niemals in irgendeiner Form Landwirtschaft betrieben und versucht die klimatischen Gegebenheiten zu seinen Gunsten zu verändern. Für Buffon ist der Indianer nur ein Tier ersten Ranges, da er nur den Naturgesetzen folgt und sich keine eigenen Regeln und Gesetze schafft, nach denen er lebt. Er ist zwar vom Körperbau her gesehen dem Europäer recht ähnlich, das ungünstige Klima des amerikanischen Kontinents, das Pflanzen und Tiere verkümmern lässt, wirkt sich auf den Menschen ebenfalls negativ aus. Äußerlich ist der Wilde schwächlich und schmächtig gebaut, da er sich als Jäger die meiste Zeit rennend fortbewegt, und er hat keinerlei Körperbehaarung und keinen Bart; dafür ist das Kopfhaar meist sehr lang. Doch nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Indios beschreibt Buffon auf negative Art und Weise, auch an inneren Werten mangelt es dem Wilden. Er ist unfähig, Gefühle und Wärme seiner Frau gegenüber zu zeigen, die Buffon übrigens „Weibchen“ nennt, eine weitere Parallele, die er zum Tierreich zieht. Außerdem charakterisiert Buffon die Indianer als ängstlich, feige und faul; er sagt, ihre Bewegungen seien nur Mittel zum Zweck, nämlich zur Nahrungsbeschaffung und zur Flucht. Würde man ihnen Hunger und Durst nehmen, sähe er keine Veranlassung mehr, sich zu bewegen, und würde wahrscheinlich tagelang nur herumliegen.
Diese doch recht negative Beschreibung der indianischen Bevölkerung revidierte Buffon, wie ich weiter oben schon erwähnte, als Reaktion auf die Theorien de Pauws. In dieser zweiten Theorie macht er das schädliche Klima nur noch für die degenerierten Pflanzen, aber nicht mehr für die Unterentwicklung der Menschen verantwortlich. Es ist allenfalls noch der Grund für bestimmte äußerliche Erscheinungen wie Haarfarbe oder Statur, wirkt sich aber generell nicht mehr negativ auf den Menschen aus.
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Arbeit zitieren:
Julia Mertke, 2002, Die anti-amerikanischen Theorien Europas im 18. Jahrhundert und ihre Widerlegung durch Calvijero am Beispiel de Pauw, München, GRIN Verlag GmbH
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