WWU Münster
Romanisches Seminar – Spanische Abteilung
Proseminar: Die spanische Avantgarde der 20er und 30er Jahre
Die Ästhetik des Surrealismus von André Breton in
Un perro andaluz von Luis Buñuel und Salvador Dalí
von: Berenice Walther
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
1.1. Forschungslage 4
2. Der Surrealismus 5
2.1. Die zentralen Prinzipien des Surrealismus nach André Breton 7
2.2. Luis Buñuel und die Surrealisten 10
2.3. Surrealismus in Literatur und Film 12
3. Die Umsetzung der Surrealistischen Prinzipien in Un Perro Andaluz 13
4. Schlussfolgerung: Kann man Literatur auf einen Film übertragen? 20
5. Bibliographie 22
5.1. Fachliteratur 22
5.2. Internetquellen 22
1. Einleitung
Der Surrealismus war eine der wichtigsten Strömungen der Avantgarde. Mit seinem kreativen Geist und neuen mentalen Gebilden wurde die Kunst aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg revolutioniert. Obwohl der Surrealismus aus dem Dadaismus entstanden sein soll, hat der erstere sehr wo hl vom Dadaismus losgelöste Eigenschaften. Während der Dadaismus einen Weg der Zerstörung geht, bei dem das Chaos Ziel ist, ist der Surrealismus schöpferischer Natur. Diese neue Art der Kunst und des Lebens ist weltweit das Vorbild für viele literarische Werke, aber auch Werke anderer Bereiche wie der bildenden Kunst, der Musik und des Films. Der „Kassenschlager“ des surrealistischen Films Un perro andaluz (1929) von Luis Buñuel und Salvador Dalí ist ein Beispiel, das hier betrachtet werden soll. In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob die Ästhetik des Un perro andaluz der des Surrealismus entspricht. Dazu werden zunächst die Prinzipien des Surrealismus nach seinem Gründer André Breton aufgeführt. Im Folgenden wird die Einschätzung des Surrealismus seitens Buñuels kurz betrachtet, der der führende Kopf bei der Realisierung seines Films war, ebenso wie der Surrealismus im Hinblick auf Literatur und Film. Im Hauptteil soll nach einer kurzen filmischen Einführung Un Perro andaluz auf surrealistische Aspekte hin näher untersucht werden. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob Literatur auf Film übertragbar ist.
1.1. Forschungslage
Über die Literatur, Kunst und Musik des Surrealismus ist viel geforscht und geschrieben worden. Dieses Interesse am Surrealismus war zu der Zeit in ganz Europa und auch Lateinamerika verbreitet1. Dieses Interesse bezog sich auch auf seine Verbindung mit Freuds Psychoanalyse und dem automatischen Schreiben2, dem Einfluss der surrealistischen Bewegung in der damaligen Gesellschaft 3. Bei Buñuels und Dalìs Werken beschränkt sich die Literatur auf ältere Werke; über Buñuel sind dies zumeist niedergeschriebene Interviews4, Dalí wird oft in Verbindung mit der Surrealistengruppe betrachtet, aber mehr noch im Hinblick auf seine Malerei5. An den Erscheinungsjahren sieht man, dass die Themen rund um den Surrealismus auch heute noch aktuell sind. Eine spezifische Quelle zum Thema dieser Arbeit hat es nicht gegeben.
2. Der Surrealismus
Die Entwicklung des Surrealismus begann in den frühen zwanziger Jahren. Schon Guillaume Apollinaire hatte das Konzept definiert und den Begriff geprägt, doch André Breton nahm den Begriff neu auf, um ihm neuen Inhalt und Bedeutung zu geben6. Schon 1912 lernte Breton Tristan Tzara, den Begründer des Dadaismus, kennen. Die Surrealisten orientierten sich insofern an dieser Bewegung, als dass sie die konventionellen Regeln missachteten, um zu provozieren und sich von der logisch und rational denkenden Tradition der bisherigen Kunst abzusetzen. Der Surrealismus hat grundsätzlich und im Gegensatz zum Dadaismus einen positiven Charakter. Darüber hinaus sieht er sich vom Expressionismus, Symbolismus, dem Futurismus, dem Kubismus7 und besonders den Theorien Sigmund Freuds beeinflusst; Freuds Traumanalyse spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung dieser Bewegung. Die eigenständige Welt des Traums, der psychische Automatismus, das Unbewusste oder das Unterbewusstsein sind für die neue Kunst zentral. Im Vordergrund steht eine Freisetzung der Worte und somit die Erfindung neuer Metaphern. Der Surrealismus propagiert den allgemeinen Fortschritt und die Veränderung im „esprit moderne, héritier“8. Auch die ästhetischen Merkmale der Romantik, die die Menschen seit dem Ersten Weltkrieg sozial, psychologisch und moralisch beeinflussten, sollten durch das Projekt der Avantgarde umgeworfen werden. Der Surrealismus beschäftigt sich mit allen künstlerischen Ausdrucksformen, da er den Stoff, die Sprache und die Bedeutung der Kunst in Frage stellt.9 Bretons Studien über die Psychoanalyse und den Dadaismus waren nur die Vorbereitung für eine Reihe von Ereignissen: Als Folge der Akkumulation der oben genannten Ideen und auch des Zusammentreffens verschiedenster Künstler wurde die Zeitschrift Littérature von André Breton, Louis Aragon und Philippe Soupault gegründet. Diese Idee entstand als eine Art Lösung für die Krise, in der sich der Dadaismus befand 10. 1919 veröffentlichen Breton und Soupault das, was man als erstes surrealistisches Werk bezeichnen kann: Champs magnétiques.
Das entscheid ende Jahr für den Durchbruch des Surrealismus war das Jahr 1924, in dem die Zeitschriften Surréalisme und Révolution surréaliste zum ersten Mal erschienen. Im selben Jahr veröffentlichte André Breton das erste Manifest des Surrealismus. Ab 1925 verbreitete und politisierte sich die Bewegung. Es wurden Anklagebriefe an den Papst, den Dalai Lama, gegen den Krieg sowie für die Freisprechung von Straftätern und „Verrückten“ verfasst. Trotz ihrer Linkspositionierung ernteten die Surrealisten das Misstrauen der Anhänger des stalinistischen Kommunismus. Die Bereitschaft einiger Surrealisten, dem Kommunismus zu dienen, ging mit der strikten Bürokratie der Dogmen der französischen kommunistischen Partei PCF einher. Dies hielt Breton in seiner Arbeit aber nicht auf, so dass 1930 das zweite Manifest des Surrealismus veröffentlicht wurde. Dort wurde die Frage nach der Position des Surrealismus in der Politik gestellt und die Beziehung zwischen Kommunismus und Surrealismus untersucht, und die Spaltung der Surrealistengruppe schien unumgänglich: Während die einen sich dem Kommunismus verschrieben (wie zum Beispiel Aragon und Éluard), blieb Breton weiterhin der dem surrealistischen Gedanken treu.11 Der Vorwurf Bretons bestand auch darin, dass die puren Surrealisten die marxis tische Revolution nicht unterstützten12.
[...]
1 Vgl. Felten, Uta. Roloff, Volker. Spielformen der Intermedialität im spanischen und lateinamerikanischen Surrealismus. Bielefeld: Transcript, 2004
2 Hilke, Manfred. L′ écriture automatique - das Verhältnis von Surrealismus und Parapsychologie in der Lyrik von André Breton. Frankfurt am Main: Europäische Hochschulschriften: Reihe 13, Französische Sprache und Literatur; 264 2002
3 Fischer-Harriehausen, Hermann, Triumph und Stolz des Surrealismus. Berlin-Kreuzberg: Verl. amBEATion/Randlage, 2002)
4 Buñuel, Luis. Mein letzter Seufzer. Königstein : Athenäum Verlag GmbH, 1983
5 Descharnes, Dalí, 2003
6 http://thales.cica.es/rd/Recursos/rd99/ed99-0055-01/surrealismo.html (25.05.05)
7 Fernández Villarroel, David. Síntesis de la Literatura española. Barcelona: Castellnou Editorial, 1995. S. 36.
8 Lagarde, André. Michard, Laurent. XXe siècle. Paris : Éditions Bordas à Paris, 1968. S.341
9 Ibid
10 Zur Kris e des Dadaismus : http://www.phil.uni-mannheim.de/R1/Avantgarden/Dadaismus.htm (27. 05.05)
11 Lagarde, André. Michard, Laurent. XXe siècle. Paris : Éditions Bordas à Paris, 1968. S. 344
12 http://thales.cica.es/rd/Recursos/rd99/ed99-0055-01/surrealismo.html (27. 05.05)
Quote paper:
Berenice Walther, 2005, Die Ästhetik des Surrealismus von André Breton in Un perro andaluz von Luis Buñuel und Salvador Dalí, Munich, GRIN Publishing GmbH
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