Inhalt
1. Einleitung S.03
2. Geschichtliche Hintergründe S.03
2.1 Die Umma unter Abu Bakr und Umar S.04
2.2 Der Wandel unter Utman und Ali S.05
3. Kerbala und die Folgen S.07
3.1 Die Schlacht S.08
3.2 Der Zug der Büßer und eigene
Religiosit ät S.09
4. Resümee S.10
2
1. Einleitung
Der Tod des Propheten Muhammad und die Tatsache, dass er selbst keine Regelung für seine Nachfolge getroffen hatte 1 , stellte die junge islamische Gemeinde vor ihr wohl größtes Problem und war Beginn eines Prozesses, der zur Spaltung der Umma führen sollte. Neben kleineren Abspaltungen wie die Charigiten, oder auch die Murgia, welche weniger Bedeutung erhalten sollten, kam es im Jahre 680, nach der Schlacht von Kerbala, zum größten Schisma der islamischen Gemeinde, welches bis heute nicht überwundern werden konnte.
Bei all diesen Auseinandersetzungen ging es stets um die Frage, wie der Nachfolger des Propheten und der Führer der Gemeinde zu wählen ist, man hatte es also anfänglich mit einem politischen Problem zu tun, aus dem sich eine eigenständige religiöse Gemeinde bilden sollte. Von daher sind die Unterschiede zwischen sunniti schem und schiitischen Islam auch nicht so groß, wie oftmals angenommen. Für beide Gruppen ist der Koran die zentrale Schrift, das Gebet steht im Mittelpunkt des religiösen Leben, die Wallfahrt sollte jeder Moslem mindestens einmal in seinem Leben vollzogen haben usw. Eines der bedeutenden Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Gruppen sind die schiitischen Gedenktage im Monat Muharram, die Asura-Bräuche und die Gedächtnisfeiern vierzig Tage später, welche an die Schlacht von Kerbala und das Martyrium des dritten Imams al-Husain erinnern, ein Ereignis, welches grundlegend zum schiitischen Selbstverständnis und einer eigenständigen Religiosität geführt hat. In dieser Arbeit soll es weniger um die Asura-Bräuche gehen, als um die geschichtlichen Hintergründe, die zur Schlacht bei Kerbala geführt haben und aus einer eher politischen Bewegung eine religiöse Gemeinschaft werden ließ, da es wichtig ist diese Vorkommnisse zu kennen, um die schiitische Religion, welche mit ihren Ritualen und ihrem Selbstverständnis oft befremdlich wirkt, zu verstehen.
2. Geschichtliche Hintergründe
Man kann nur darüber spekulieren, warum der Prophet keine eindeutige Regelung getroffen hatte, wie sein Nachfolger zu wählen sei, bzw. wer seine Nachfolge antreten
1 So die weitgehende Meinung der Wissenschaft, in der schiitischen Auffassung gab es diese Regelung
sehr wohl
3
soll. 2 Betrachtet man die Führungszeit Muhammads genauer, so fällt auf, dass es in seiner Konzeption des Islam die Komponente Herrschaft erst gar nicht gibt. 3 Natürliche hat Muhammad auch weltliche Aufgaben wahrgenommen (Steuern, Recht, Krieg), allerdings war er dabei immer Empfänger, Interpret und Verkünder von göttlichen Offenbarungen, die in der frühen muslimischen Gesellschaft umgesetzt werden wollten. Auch tauchen im Koran sporadisch Textstellen auf, die weltliches Recht regeln, allerdings fehlt es auch hier an einer Vorgabe, wie und von wem die islamische Gemeinschaft zu führen ist und wer die Gesetze wahren soll. Die Rolle M uhammads konnte nicht übernommen werden, da er der letzte der Propheten war, so dass es nun die Aufgabe der Umma war, einen Führer zu finden, welc her Muhammad in seinen weltlichen Aufgaben würdig vertreten kann, aber auch die Religion selbst repräsentiert, ohne dabei Prophet zu sein.
Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger spielten zwei Prinzipien eine entscheidende Rolle: Einmal das genealogisch-tribale Prinzip (nasab), also eine möglichst nahe Verwandtschaft zum Klan des Propheten und zum anderem das sabiqa-Prinzip, welches voraussetzte, dass der Nachfolger Muhammads möglichst viele Verdienste um die Verbreitung und die Erhaltung des Islam nachweisen kann. Bei der Wahl der ersten beiden Kalifen spielte eindeutig der zweite Gedanke die wichtigere Rolle, da es sich bei Abu Bakr und Umar um zwei Muslime handelte, die zum engen Kreis um die ersten Begleiter Muhammads zählten. Beide konnten jedoch eine enge Verwandtschaft zum Propheten nicht aufweisen. 4
Die Wahl dieser Beiden Nachfolger sorgte für die ersten ernsthaften Spannungen in der Islamischen Gemeinde. Eine Reihe von Muslimen verfolgten das nasab-Prinzip, also die Suche nach einem Nachfolger im engen Verwandtenkreis Muhammads, w odurch eindeutig Ali als Nachfolger legitimiert war, der sowohl der Vetter als auch der Schwiegersohn des Propheten war und nach der Meinung dieser Muslime von Muhammad selbst bereits zu Lebzeiten zum Führer der Gemeinde designiert wurde. Tatsächlich gibt es Überlieferungen, welche davon berichten, dass der Prophet nach seiner letzten Wallfahrt 632 bei einer Rast am Teich Khumm mit der Aussage: „Allen, denen ich gebiete, soll auch Ali gebieten“ seinen Vetter zum Nachfolger machte,
2 Nachfolger im weltlichen Sinne, nicht als Prophet
3 Vgl. Haarmann S. 74
4 Vgl. ebd. S. 75
4
Arbeit zitieren:
Marko Tomasini, 2004, Das Martyrium des al-Husain - Grundlage schiitischer Religiosität, München, GRIN Verlag GmbH
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