Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Recht auf eine intakte Umwelt und die Entwicklungspolitik 3
3. Vier Hauptproblemfelder der ökologischen Krise 5
4. Fünf Ursachenfelder der Umweltkrise in den Entwicklungsländern 9
5. Feministische Ökologiekritik und die Frauen des Südens 11
6. Fazit 14
Literaturverzeichnis 15
Einleitung
Die Umwelt ist die Grundlage für alles Leben auf der Erde. Jeder Mens ch ist abhängig von der
Natur. Der Grad der Abhängigkeit und die Auswirkungen auf die Lebensqualität sind aber für die
Bewohnerinnen von Entwicklungsländern ausgeprägter als für Bewohnerinnen von reichen
Industrieländern. In den Ländern des Südens und hie r vor allem in ländlichen Gebieten sind die
Menschen unmittelbar in ihrem alltäglichen Überleben auf die Umwelt angewiesen. Die tägliche
Nahrung wird durch Bebauung des Bodens gewonnen Brennmaterial wird in den Wäldern
gesammelt und das Wasser muss aus brauchbaren Quellen der Umgebung geholt werden. All
diese Tätigkeiten werden von Frauen erledigt. Sie verwenden die meiste Zeit des Tages und den
größten Teil ihrer körperlichen Ressourcen für die Versorgung der Familie. Die allgegenwärtige
Zerstörung der Natur hat also unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Frauen
Die Probleme der Entwicklungsländer sind so gravierend dass der Schutz der Umwelt oft
hintangestellt wird. Die Entwicklungspolitik ist sogar Teil der Umweltzerstörung da die
Entwicklung der Industrie und die freie Marktwirtschaft als Heilsversprechung für eine bessere
Zukunft dienen. Die reproduktive Arbeit von Frauen wird dabei als eine unbezahlte
Selbstverständlichkeit angenommen und in weiterem auch im Bereich Umweltschutz eingesetzt
Diese Problematik nämlich der Verknüpfung von Frauenunterdrückung und Umweltzerstörung
wird in dieser Arbeit behandelt. Es soll gezeigt werden wie das Recht der Frauen auf eine intakte
Umwelt mit ihrem unmittelbaren Überleben zusammenhängt und wo die Ursachen für den
gegenwärtigen Situation in den sogenannten Entwicklungsländern zu suchen sind. Als Abschluss
werden ökofeministische Ansätze dargestellt
Das Recht auf eine intakte Umwelt und die Entwicklungspolitik
Die Stockholmer Erklärung der UN-Konferenz über die Umwelt des Menschen vom 16.6.1972, hat offiziell den Zusammenhang zwischen den Menschenrechten und dem Umweltschutz aufgegriffen, und betont, dass die Menschheit auf eine intakte Umwelt angewiesen ist (vgl. Schmidt-Radefeldt 2000: 33). Der Grundsatz 1 der Stockholmer Umweltdeklaration lautet wie folgt:
„Man has the fundamental right to freedom, equality and adequate conditions of life, in an environment of a quality that permits a life of dignity and well-being, and he bears a solemn responsibility to protect and improve the environment for present and future generations.“ (Schmidt-Radefeldt 2000: 35) Es wird als Menschenrecht bezeichnet, in einer Umwelt zu leben, die ein würdevolles und angenehmes Leben zulässt. Weiters ist es die Pflicht der Menschheit, die Umwelt zu schützen und zu verbessern. Die Deklaration ist aber lediglich eine Grundsatzerklärung, rechtlich unverbindlich und daher nicht als Individualrecht einklagbar. Die geschlechtspolitische Dimension und die Problematik für die Dritte Welt bleibt fehlt hier völlig.
In der Weltcharta für die Natur vom 28.10.1982 sieht die Notwendigkeit von entsprechenden Gesetzen in jedem Land vor, durch die die Staatsbürger ein Mitspracherecht in Umweltbelangen erhalten und eine Möglichkeit zur Abhilfe bei Umweltschäden.(vgl.ebd S.36) Dies ist wiederum als Staatszielbestimmung zu interpretieren.
Die Erklärung der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung vom 14. Juni 1992 - kurz Rio-Deklaration genannt - bringt den Umweltschutz in Zusammenhang mit dem Thema der nachhaltigen Entwicklung. Der Umweltschutz ist Bestandteil des Entwicklungsprozesses.(vgl. ebd. S. 36) Das Konzept des Sustainable Development existiert seit Ende der 1970er Jahre und wurde 1987 im Brundtland-Bericht der „World Commission on Environment and Development“ zu einem grundlegenden Aspekt der Entwicklungspolitik erklärt. Der Grundgedanke ist, dass der Fortschritt in Hinblick auf zukünftige Generationen auf der ganzen Welt verwirklicht werden soll, indem die Ressourcen der Erde geschont werden um die Biosphäre für eine längere Zukunft zu sichern. (vgl. Märke 1995: 50)
Die reichen Industrieländer sollen dafür ihr extremes Konsumverhalten einschränken und den Energieverbrauch reduzieren. In den Entwicklungsländern soll die Kleinlandwirtschaft unterstützt werden und bevölkerungspolitische Maßnahmen die Bevölkerungsexplosion aufhalten. Zum Schutz der Umwelt wurden neue Umweltschutztechnologien forciert. Weiterhin wird aber das moderne Fortschrittsdenken als Schlüssel zu einer gerechten Entwicklung angesehen.
Das Recht auf eine intakte Umwelt ist vor allem in der Entwicklungspolitik in den letzten Jahrzehnten virulent geworden. Die Schädigung der Umwelt in den Ländern der Dritten Welt geht einher mit einer Bedrohung der Lebenssituation vor allem ärmerer Bevölkerungsschichten. Durch ihre Benachteiligung in sozialer und ökonomischer Hinsicht sind die Frauen am stärksten davon betroffen.
Die Entwicklungspolitik war erst in den 70er Jahren dazu bereit, sich mit dem Thema der wirtschaftlichen Benachteiligung und der negativen Auswirkungen auf die Frauen der Dritten Welt näher zu beschäftigen. Im Rahmen des Weltgipfels zum Internationalen Jahr der Frau wurde die Konvention über die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau im Dezember 1979 angenommen. Es wurde der CEDAW -Ausschuss eingerichtet, der Berichte über die Einhaltung der Konvention in den Unterzeichnerländern verfasst.
Der Einfluss von Frauen des Südens mit ihrem vom Westen unterschiedlichen Ansichten kam erst in den 80er Jahren zum Tragen. Die Initiative Women, Environment, Development Organization (WEDO) veranstaltete 1991 den ersten Weltkongress der Frauen für einen gesunden Planeten in Miami. Dort wurde von alle teilnehmeden Frauengruppen gegen das internationale Entwicklungsmodell und die patriarchale Weltordnung politisiert. Die Ursachen der Umweltkrise und die Auswirkungen auf das Leben der Frauen wurden von den Teilnehmerinnen analysiert. Dabei wurde die „Opfer- und Objektrolle endgültig aufgegeben“. (vgl. Neuhold 1996: 68)
Vier Hauptproblemfelder der ökologischen Krise
Wie sehr das Über-Leben der meisten Frauen der Peripherieländer mit der Umwelt zusammenhängt, ist aus dieser Rede der Ministerin für Umwelt und Tourimus in Simbabwe, Victoria Chitepo, von 1987 abzulesen:
„Das Überleben von 90% der Frauen in der Dritten Welt ist abhängig vom Boden. In meiner Heimat Simbabwe sind Frauen in den meisten ländlichen Gebieten die Hauptproduzenten von Nahrung für die Familie und den Verkauf. Ihre traditionellen, über Generationen weitergegebenen Anbaumethoden, die durch die Notwendigkeit entstanden sind, zukünftige Ernten zu sichern, helfen, die Umwelt zu erhalten und ihre Familien zu ernähren.“ (Dankelman 1990:9)
In Bezug auf die Betroffenheit von Frauen des Südens gibt es vier Hauptaspekte der Umweltproblematik: Boden, Wasser, Wald und Energie. Anhand dieser vier Problemfelder lässt sich zeigen, wo der Zusammenhang zwischen Umwelt und (Über)Leben der betroffenen Frauen liegt.
Das grundlegendste Element, das in Zusammenhang zur Ernährung steht, ist der Boden. Gibt es einen Mangel an fruchtbarem Boden, so hat dies eine Nahrungsmittelkrise zur Folge. In den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer sind überwiegend Frauen für die Bebauung von landwirtschaftlichem Boden zuständig. So gewinnen sie Nahrung für die Familie oder können Teile der Ernte verkaufen. In diesem Zusammenhang gibt es nun folgende Schwierigkeiten, die diesen Tätigkeitsbereich der Frauen beeinträchtigen.
Zu einem ist der Verlust an bebaubarem Boden für den Großteil der ländlichen Bevölkerung in der Dritten Welt zu nennen. Das heißt das Land ist im Besitz weniger, wie Großgrundbesitzer oder Konzerne, oder vormals gemeinschaftlich benutzbare Fläche wird kommerzialisiert, also für den Anbau von Cash Crops oder für andere industrielle Zwecke genutzt. Frauen sind hier sehr stark von Besitzmöglichkeiten ausgeschlossen. Laut FAO produzieren Frauen mehr als die Hälfte der Weltnahrung, besitzen aber nur 1% des Landes der Welt. In Afrika südlich der Sahara sind es 80% der Nahrung, in Asien 50-60% (zit. nach Dankelman: 1990: 22).
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Mag.phil. Verena Brunner, 2004, Rechte von Frauen des Südens auf eine intakte Umwelt, Land, Wasser und Ernährung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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