Tina Kerz: Die Entwicklung von Kooperation
1. Einleitung 2
2. Spieltheoretische Grundlagen 3
3. Das Gefangenendilemma 4
3.1 Die Situation 4
3.2 Das Spiel 4
3.3 Das Dilemma 6
4. Kooperationsmöglichkeiten 8
4.1 Das infinite Gefangenendilemma 8
4.2 Deutschs College- Experiment 10
5. Fazit 13
Literaturverzeichnis 15
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Tina Kerz: Die Entwicklung von Kooperation
1. Einleitung
Kooperatives Zusammenarbeiten ist unweigerlich bedeutsam für die menschliche Gesellschaft, damit nicht nur das Wohl und die Eintracht eines jeden Einzelnen, sondern der gesamten Gruppe gefördert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, erfordert es selbst in den einfachsten sozialen Situationen die Kooperation der Interaktionspartner. So gilt beispielsweise, dass man sich in einer Warteschlange nicht vordrängelt, da ein nicht-kooperatives Verhalten zu einem Chaos führen würde und zur Folge hätte, dass niemand bedient würde. Allerdings zeigt sich immer wieder, dass in einigen Situationen die Menschen sich unkooperativ zeigen und ihren individualistische n Nutzen über das Gemeinwohl stellen, um sich so für sich einen Vorteil zu verschaffen. Dieser auftretende Konflikt zwischen Streben nach egoistischer Nutzenmaximierung einerseits und dem Erzielen eines kollektiv optimalen Ergebnisses andererseits wird in der Wissenschaft durch das sogenannte Gefangenendilemma veranschaulicht. Alle Interaktionsmuster lassen sich im Grunde auf dieses Schema abstrahieren, in dem zwei Personen unabhängig voneinander handeln, wobei das Ergebnis kollektiv betrachtet suboptimal ist. Das bedeutet, dass jeder der Spieler für sich selbst ein besseres Ergebnis erzielt, wenn er sich nicht-kooperativ verhält. Somit zeigt sich, dass es bei einer einmaligen Durchführung des Spiels nicht zum Entstehen von Kooperation kommt. Jedoch wurde bereits erwähnt, dass in Situationen durchaus kooperatives Verhalten zu beobachten ist. Doch wie beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen kann sich Kooperation entwickeln? In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Zunächst wird auf einige spieltheoretische Grundlagen Bezug genommen, die helfen sollen, spätere Sachverhalte zum Gefangenendilemma zu verstehen. Danach wird das klassische Gefangenendilemma an sich vorgestellt. Dabei wird zuerst die Situation, die zwar in der Literatur immer in anderen Variationen zu finden ist, allerdings stets denselben Kern beinhaltet, geschildert. Daraus wird dann das spieltheoretische Modell entwickelt und das eigentliche Dilemma der Situation, individuelles versus gemeinnütziges Handeln, dargestellt. Wie oben erwähnt, erzeugt das einfache Gefangenendilemma keine Kooperation. Daher werden im folgenden Abschnitt zwei Möglichkeiten vorgestellt, mit diesen sich durchaus kooperatives Verhalten entwickelt. Es handelt sich dabei um d as infinite Gefangenendilemma sowie um das College-Experiment des Sozialpsychologen Deutsch. Diese Möglichkeiten sollen die Bedingungen aufzeigen, unter denen Kooperation entsteht.
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Tina Kerz: Die Entwicklung von Kooperation
2. Spieltheoretische Grundlagen
Die Spieltheorie als ein Teilgebiet der Mathe matik (vgl. Druwe 1995: 223) stellt einen wichtigen Ansatz innerhalb der Rational-Choice-Theorien dar (vgl. Plümper 1998: 165). Man geht dabei von Individuen aus, die ihre Präferenzen klar ordnen können und somit rational handeln, damit sie ihren Nutzen ma ximieren und die Kosten minimieren (vgl. Druwe 1995: 222).
Gegenstand der Spieltheorie bilden strategische Entscheidungssituationen, die ausschließlich durch eine Interdependenz charakterisiert sind. Das bedeutet, dass das Ergebnis eines jeden Akteurs von den Entscheidungen seiner Mitspieler abhängt. Grundvoraussetzung ist, dass sich die Spielparteien an sich dieser Inderdependenz bewusst sind und davon ausgehen, dass alle Beteiligten dasselbe tun. Die Spieltheorie versucht diese Entscheidungssituationen zu analysieren, indem sie diese als Spie lsituation formuliert, in der die beteiligten Spieler eine Entscheidung nach bestimmten Regeln treffen müssen.
Innerhalb der Spieltheorie können Unterscheidungen bezüglich einer nichtkooperativen oder kooperativen Spieltheorie gemacht werden. Im Mittelpunkt nichtkooperativer Spieler steht das individuelle rationale Handeln. Das heißt, dass der Spieler versucht ist, seine Lösung so zu gestalten, dass es für ihn unabhängig von der Entscheidung seiner Mitspieler den größtmöglichen Nutzen bringt. Im Gegensatz dazu sind bei kooperativen Spielen Abmachungen durch Kommunikation zwischen den Interaktionspartnern möglich (vgl. Holler/Illing 2003: 1 ff). Gegenstand dieser Arbeit ist das Gefangenendilemma, ein Spiel mit gemischten Motiven. Das bedeutet, dass jede Spielpartei auf der einen Seite egoistisch motiviert ist, also die für sich gewinnbringende Handlungsalternative wählt, auf der anderen Seite aber auch durch Kooperation den gemeinsamen Nutzen optimieren möchte (vgl. Herkner 2003: 405 f).
Die Spieltheorie versucht nun mit verschiedenen Konzepten diese „Interessenkon- flikte “(vgl. Holler/Illing 2003: 1) zu lösen. Besonders zwei Lösungsansätzen geht dabei die Spieltheorie nach. Das Nash-Gleichgewicht stellt die stabilste Lösung dieser problematischen Interaktionssituation dar, denn es bezeichnet das Entscheidungsergebnis, von dem kein Spieler abweichen kann, ohne selbst Schaden davon zu tragen. Das kollektiv beste Ergebnis hingegen ist das Pareto-Optimum. Dieses Interaktionsergebnis kann keiner der Beteiligten verlassen, ohne mindesten einen seiner Gegner zu schädigen (vgl. Druwe 1995: 224).
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3. Das Gefangenendilemma
3.1 Die Situation
Zwei Personen werden wegen Verdacht auf bewaffneten Raubüberfall verhaftet. Sie werden in
verschiedenen Zellen eingesperrt und von der Polizei einzeln zu dem Fall verhört, ohne die Mög-
lichkeit zu haben, die Sache unter sich zu besprechen. Obwohl beide der Tat stark verdächtigt
sind, genügen die Beweismittel nicht, um sie abzuurteilen, so daß sich die Polizei dazu ent-schließt, jedem Gefangenen einzeln ein Geschäft vorzuschlagen. Der Gefangene hat zwei Alter-
nativen, die Straftat zu gestehen oder nicht zu gestehen. Wenn sie beide nicht gestehen, wird man
sie wegen eines geringfügigen Vergehens, z. B. wegen unerlaubten Waffenbesitz[es], nur zu ei-nem Jahr Gefängnis verurteilen können. Wenn beide geständig sind, werden sie zwar vor Gericht
gestellt, aber man wird mildernde Umstände gelten lassen und sie zu acht Jahren Gefängnis verur-
teilen. Wenn einer von ihnen jedoch die Tat gesteht und der andere nicht, wird der eine unverzüg-
lich auf freien Fuß gesetzt, weil er den Beweis geliefert hat, während der andere die Höchststrafe
von zehn Jahren erhalten wird (Mann 1999: 97).
3.2 Das Spiel
Aus der oben geschilderten Sit uation ergeben sich folgende Spielregeln, die erfüllt sein müssen, damit man von einem Gefangenendilemma im klassischen Sinn sprechen kann:
Das Spiel wird einmal durchgeführt und es gelten nur Regeln der Rationalität. Ebenfalls hat jeder Spieler zwei Handlungsmöglichkeiten, nämlich zu kooperieren (nicht gestehen) oder zu defektieren (gestehen). Jeder Akteur kennt seine eigenen Präferenzen sowie die seines Mitspielers (vgl. Druwe 1995: 224). Weiterhin wählen die beteiligten Spieler gleichzeitig ihre Strategie und führen diese aus. Da keine Kommunikation zwischen ihnen stattfindet, kennt niemand von ihnen die gewählte Strategie des anderen. Daher ordnet man das Gefangenendilemma auch in die nicht-kooperative Spieltheorie ein (vgl. Holler/Illing 2003: 3).
Wie bereits erwähnt, haben die beiden Gefangenen zwei Wahlmöglichkeiten, entweder Kooperation oder Defektion. Die vier möglichen Kombinationen der Entsche idungen können in einer sogenannten „Auszahlungsmatrix“ (Ho ller/Illing 2003: 4) dargestellt werden:
Abb. 1: Auszahlungsmatrix für die beschriebene Gefangenendilemmasituation
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Arbeit zitieren:
Tina Kerz, 2005, Entwicklung von Kooperation, München, GRIN Verlag GmbH
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