1. Einleitung 2
2. Was versteht man unter Moralentwicklung? 3
3. Kohlbergs Stufen des moralischen Urteilens 4
3.1 Dilemma-Situationen zur Ermittlung moralischer Urteile 4
3.2 Kohlbergs Stufenmodell 5
3.3 Kritik an Kohlbergs Modell 9
4. Kohlberg vs. Piaget - Moralentwicklung im Vergleich 11
5. Pädagogische Umsetzung Kohlbergs Theorie 13
6. Resümee 15
Literatur S. 17
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1. Einleitung
Seit Lawrence Kohlberg (1927-1987) während eines Praktikums innerhalb seines Psychologiestudiums miterlebte, wie eine Patientin mit Elektroschocks bestraft wurde, drehte sich sein weiteres Leben um „Gerechtigkeit“. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass seine 1958 erschienene Dissertation Untersuchungen des moralischen Urteils bei Kindern und Jugendlichen beinhaltet. Des Weiteren gründete Kohlberg nach der Anstellung an der Harvard University in Cambridge (1968) das Zentrum für moralische Entwicklung und Erziehung. Mit dieser Arbeit befasster er sich bis zu seinem Tod im Jahre 1987 (vg. Oser/ Althof 1994, S. 84f).
Im Mittelpunkt Kohlbergs Arbeiten steht die Untersuchung des moralischen Urteilens. Mit Hilfe von hypothetischen Geschichten, in denen eine Person in einer Dilemma-Situation dargestellt wird, für die es keine eindeutige Lösung gibt. Der Proband soll versuchen eine Lösung zu finden und seine Entscheidung argumentativ stützen. Anhand dieser Begründungen kann dann ermittelt werden, auf welchem Niveau beziehungsweise auf welcher der sechs Entwicklungsstufen Kohlbergs sich der Proband befindet.
Diese Arbeit wird sich vordergründig den Kohlbergs Entwicklungsstufen moralischen Urteilens widmen. Dabei soll geklärt werden, wie der Mensch seine oder fremde, tatsächliche oder erdachte Handlungen nach „richtig“ oder „falsch“ beurteilen kann.
Da Kohlbergs Ansatz auf Jean Piagets Erkenntnissen zur kognitiven Entwicklung aufbaut, ist es interessant, diese beiden Modelle der Moralentwicklung zu vergleichen.
Zum Schluss soll aufgezeigt werden, wie zum Beispiel unter Anwendung von moralischen Konfliktsituationen gezielte Programme zur Moralentwicklung ent-worfen und in der Praxis erprobt wurden.
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2. Was versteht man unter Moralentwicklung?
Moralentwicklung ist ein lebenslanger Prozess der Normen- und Werteveränderung. Er beinhaltet den Konflikt zwischen egoistischen Motiven, die eine Erfüllung eigener Bedürfnisse zum Ziel haben und den moralischen Normen und Werten, welche die Bedürfnisse der Mitmenschen sowie der Gemeinschaft in Schutz nehmen.
Moralische Entwicklung geschieht durch aktives Erleben, Lernen und Aneignen des persönlichen Umfeldes und stellt somit den Teilprozess der Sozialisation dar, der zur Internalisierung sozialer Normen und Werte führt. Normen und Werte sind dabei mit Präskriptionen oder Regeln für das eigene Handeln gleichzusetzen und helfen den Menschen zu entscheiden, was richtig oder falsch ist (vgl. Zimbardo/ Gerrig 2003, S. 503).
Um sich moralisch entwickeln zu können, müssen bereits bestimmte Schritte in der Denkentwicklung vollzogen sein. So beginnt die eigentliche Moralentwicklung erst mit Ende der von Piaget postulierten Phase des voroperationalen Denkens. Kohlberg betont allerdings, dass ein fortgeschrittener logischer Denkprozess von Nöten sei, jedoch wird dadurch nicht garantiert, dass zugleich ein höheres moralisches Stadium erreicht wird (vgl. Colby/ Kohlberg 1986, S. 142). Verschiedene Psychologen haben versucht, den Prozess der Moralentwicklung zu analysieren und darzustellen. Einer von ihnen ist Lawrence Kohlberg. Basierend auf diversen empirischen Forschungen in unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen, erstellt er eine Theorie, die er selbst als kognitive Entwicklungs-theorie bezeichnet. Zentraler Gegenstand seiner Untersuchungen war die Entwicklung der moralischen Urteilsfähigkeit. Besonderem Augenmerk galt dabei der „Bedeutung von Handlungen, die sich in Regeln, Gesetzen und Aussagen über Gerechtigkeit“ (Oser/ Althof 1994, S. 46) ausdrücken. Der Mensch gilt dabei, unter Betrachtung des ständigen Wechsels zwischen Umweltanregungen und kognitiver Verarbeitung, als aktiver Gestalter seiner Entwicklung. Im folgenden Abschnitt steht Kohlbergs Stufenmodell der Entwicklung moralischen Urteilens im Vordergrund. Zunächst muss allerdings geklärt werden, wie ermittelt werden kann, auf welcher Entwicklungsstufe man sich befindet.
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3. Kohlbergs Stufen des moralischen Urteilens
3.1 Dilemma-Situationen zur Ermittlung moralischer Urteile
Zentraler Gegenstand Kohlbergs Untersuchungen ist das moralische Urteilen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen fiktive oder tatsächliche Handlungen beurteilen, ob diese nun „gut“ oder „böse“, „richtig“ oder „falsch“ sind. Kohlberg geht es demzufolge nicht darum, welche konkreten Normen von Menschen verschiedenen Alters anerkannt werden und inwieweit sie sich diesen entsprechenden Normen verhalten. Vielmehr gilt Kohlbergs Interesse, wie sich Begründungen normativer Urteile entwickeln und den daraus abgeleiteten Orientierungen.
Moralische Dilemmata eignen sich dabei besonders gut, um eine Entwicklung der Begründungen der Normen zu studieren. Unter einem Dilemma versteht man den Konflikt zwischen mehreren moralischen Normen. Dilemma-Situationen können auf alle Lebensbereich angewandt werden, so zum Beispiel in der Frage der Kriegsdienstverweigerung. Der Konflikt besteht hier zwischen Tötungsverbot und dem Gebot, den Staat zu schützen. Die wohl bekannteste Dilemma-Situation ist das Heinz-Dilemma:
Eine todkranke Frau litt an einer besonderen Krebsart. Es gab ein Medikament, das
nach Ansicht der Ärzte ihr Leben hätte retten können. Ein Apotheker der Stadt hatte es
kurz zuvor entdeckt. Das Medikament war teuer in der Herstellung, der Apotheker ve r-
langte jedoch ein Vielfaches seiner eigenen Kosten. Heinz, der Ehemann der kranken
Frau, borgte von allen Bekannten Geld, brachte aber nur die Hälfte des Preises zu-
sammen. Nach ergebnislosen Verhandlungen mit dem Apotheker brach Heinz in die
Apotheke ein und stahl das Medikament für seine Frau.
(Montada 1998, S. 875)
Anschließend werden den Probanden unter anderem Fragen gestellt, wie „Hätte Heinz das Medikament stehlen sollen? Warum?“ oder „Hätte er auch einbrechen sollen, wenn er seine Frau nicht geliebt hätte? Warum?“. Für die darauffolgende detaillierte Bewertung der Antworten ist es weniger wichtig, wie sich der Probend anstelle Heinz entschieden hat, als vielmehr die Gründe, die der Entscheidung zugrunde liegen. Anhand dieser Entscheidungsbegründungen kann festgestellt werden, auf welcher der sechs Entwicklungsstufen des moralischen Urteilens sich der Proband befindet.
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Arbeit zitieren:
Tina Kerz, 2004, Wie beurteilt der Mensch seine Handlungen nach deren Richtigkeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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