Inhaltsverzeichnis:
Titelblatt
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung 3
2. Situation und Stand des Sehers sowie Textumfeld 4
3. Inhalt und Funktion innerhalb des Werkes 6
4. Gewichtung des Ereignisses außerhalb des Werkes 9
5. Zusammenfassung 10
Literaturverzeichnis 12
1. Hinführung
Die mittelalterliche L iteratur ist reich an Beispielen für Visionen und
Tr äume, in der Wissenschaft spricht man gar schon von der
eigenst ändigen Gattung der Visionsliteratur. Wie einflussreich und
ausgebreitet diese Texte im Mittelalter waren, sieht man nicht zuletzt
daran , dass zum Beispiel die Visio Tnugdali heute noch in über 200
Handschriften erhalten ist. Träume sind ähnlich stark in der Historie
verwurzelt, sie treten in annähernd jedem wichtigen Text des Mittelalters
auf , wichtige Traumbücher mit Deutungen zu geläufigen Erscheinungen
wurden geschrieben.
Dies alles ist Grund genug, Traum und Vision in ihrem Auftreten in
mittelalterlicher Literatur einer genauen Analyse bezüglich ihrer
Abgrenzung voneinander zu untersuchen. So schreiben beispielsweise
Bagliani und Stabile, dass „der Traum eine Unterart der Vision“ 1 sei. Dass
dies nicht ohne weiteres hingenommen werden kann, will diese Arbeit
zeigen. So stellt schon Jean-Claude Schmitt fest, dass „die Erzählliteratur
den Traum sehr genau von anderen übernatürlichen Phänomenen wie
Visionen unterscheidet “ 2 Diesen Punkt verfolgend, werde ich in im
weiteren Verlauf die Unterschiede zwischen Vision und Traum in
mehrfacher Hinsicht hervorheben, dazu werde ich im Hauptteil Situation,
1 Träume im Mittelalter: ikonologische Studien, hrsg. v. Agostino Paravicini Bagliani u.
Giorgio Stabile, Stuttgart 1989, S. 7.
2 Schmitt, Jean Claude: Bildhaftes Denken - Die Darstellung biblischer Träume in
mittelalterlichen Handschriften, in Bag. u. Sta.: Träume im Mittelalter, Stuttgart 1998, S. 9.
3
Inhalt, Textumfeld, Gewichtung, etc. dieser Phänomene anhand einiger
mittelalterlicher Texte untersuchen.
Exemplarisch für die Träume analysiere ich Beispiele aus dem
Nibelungenlied 3 und dem Prosa-Lancelot 4 Auf Seiten der Vision werde ich
mich auf die Jenseitsvisionen des 12. Jh. beschränken, d ie den
H öhepunkt eines von zwei Visionstypen markieren, ich vernachlässige
bewusst die später auftretenden Heiligenvisionen, die hauptsächlich in der
Literatur zur Frauenmystik auftauchten und eine besondere Unterart
dieses Phänomens darstellen. Als Beispiele für Visionen dienen mir die
Visio Tnugdali 5 und die Visio Alberici 6
2. Situation und Stand des Sehers sowie Textumfeldes
Der Traum in der mittelalterlichen Literatur unterscheidet sich nicht von
dem , was auch heute umgangssprachlich als Traum bezeichnet wird. Die
empfangende Person schläft ein, hat im Schlaf die Erscheinung, wacht
sp äter wieder auf, ein Ablauf, der auch in den Beispielen meist nur
nebenbei erwähnt wird. Kriemhilds Traum im Nibelungenlied verschweigt
gar komplett den Schlaf der Träumenden, der Traum steht ohne
Hinf ührung mitten im Text, einzige Abweichung ist ein Wechsel in den
Konjunktiv um die Traumhandlung wiederzugeben:
In disen hohen êren tróumte Kriemhildè,
wie si züge einen valken, starc scóen und wildè
den ir zwêne arn erkrummen. daz si daz muoste sehen,
ir enkunde in dirre werlde leider nimmer gescehen.
Den troum si dô sagete ir muoter Úotén 7
3 Das Nibelungenlied, 1190/1200, http://www.fhaugsburg.de/ harsch/germanica/
Chronologie /12Jh/Nibelungen/nib b 01.html
4 Lancelot, hrsg. v. Reinhold Kluge. Bd. I - III. Berlin 1948 - 1974.
5 Visio Tnugdali, hrsg. v. Albrecht Wagner, Hildesheim/Zürich/New York 1989
reprograph. Nachdruck d. Ausg. Erlangen 1882
6 Visio Alberici, in P. Dinz.: Mittelalterliche Visionsliteratur, Darmstadt 1989, S. 76 - 81.
7 Das Nibelungenlied, Strophe 11-12.
4
Im Prosalancelot findet man dann jedoch auch Träume, die dieses Schema aufbrechen, stärker das Umfeld des Traumes erläutern. Die Königin, in großer Trauer, hat beispielsweise dieses Erlebnis:
Und die konigin was in yrem ersten schlaff fast múde und schwach schryes halb. Und in yrem schlaff ducht sie wie Lanczlot zur kamern inn ging, [...] Umb dißer sachen ward die konigin so sere betrubt und so zornig das sie da von erwacht, und fant sich so schwach das sie kam off gestan mocht. 8
Ginevra war also stark geschwächt, der auftretende Traum könnte diesem Zustand zugerechnet werden. Auffallend ist auch das zornig werden innerhalb des Traumes, dass dann zum Aufwachen führt. Typisch für Träume in mittelalterlicher Literatur ist jedoch das den Traum einleitende Verb ducht, welches auf eine gewisse Distanz des Sehers zum Traumgeschehen hinweist. Meist sind nur Seh- und Gehörsinn in den Traum involviert, die Person selbst steht abseits des Geschehens, der Traum wird nur in Ausnahmen für real gehalten.
Anders in der Vision, hier wird das „Erleben [...] für Realität gehalten, da alle Sinne an der Perzeption der neuen Umgebung und des dortigen Geschehens beteiligt sind.“ 9 Die Umstände der Vision selbst sind sehr genau festgelegt, das textliche Umfeld des Phänomens variiert in den meisten Fällen nur unmerklich. Während der Körper des Sehers in einen Zustand des Scheintods und der Katalepsie fällt, wird die Seele dem Körper entrissen und in einen anderen Raum versetzt. Am Ende der Vision muss die Seele dann gezwungen werden, wieder in den Körper einzufahren, die Person erwacht aus dem Scheintod, hat aber noch Tage mit Krankheit und/oder Schmerzen zu kämpfen. Geradezu archetypisch lässt sich das Fallen in Katalepsie zum Beispiel in der Visio Tnugdali finden:
8 Lancelot, S. 227.
9 Dinzelbacher, Peter: Himmel, Hölle, Heilige - Visionen und Kunst im Mittelalter,
Darmstadt 2002, S. 10.
5
Arbeit zitieren:
Dirk Lenz, 2005, Unterscheidung von Traum und Vision in mittelalterlicher Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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