Inhalt
0. Einleitung 2
1. Lyotard und seine Gedankliche Genese 3
2. Moderne und Postmoderne 4
2.1 Allgemeiner Ansatz 4
2.2 Postmoderne nach Lyotard 5
3. Lyotards postmodernes Konzept von Wissenschaft 6
3.1 Erzählungen 6
3.2 Die Methode der postmodernen Wissenschaften 8
3.3 Die Delegitimierung der Moderne 9
3.4 Die Paralogie 10
3.5 Das Wesen der postmodernen Wissenschaft 10
4. Kritik und Anregungen für das Forschungspraktikum 11
5. Bibliographie 13
1
0. Einleitung
In dieser Arbeit soll auf möglichst engem Raum versucht werden, die Gedanken Jean-François Lyotards bezüglich der Postmoderne und speziell bezüglich der Wissenschaft in der Postmoderne zu skizzieren. Zweck der Arbeit soll nicht ein umfassendes oder vollständiges Traktat über dieses Thema sein, sondern eine effiziente Hilfestellung für die Teilnehmer des Forschungspraktikums darstellen, das an das Seminar „Gesellschaftsdiagnosen“, in dessen Rahmen diese Arbeit entsteht, umschließt.
Da die Teilnehmer dieses Forschungspraktikums sich mit vielen verschiedenen Aspekten und Theorien der Soziologie konfrontiert sehen werden, soll hier versucht werden, den Stoff gut verständlich darzustellen und überflüssige Abschweifungen zu vermeiden. Der Bogen wird sich über die gedankliche Genese Lyotards als Grundlage, seine Bedeutung in der Postmoderne-Diskussion als Folge, über die Aspekte einer postmodernen Wissenschaft nach Lyotard hin zu Überlegungen und Anregungen i m Hinblick auf das Forschungspraktikum spannen. Außerdem sollen einleitend die Begriffe Moderne und Postmoderne gegeneinander gestellt werden, um eine Sensibilität gegenüber dem Problem zu erzeugen.
2
1. Lyotard und seine gedankliche Genese 1
Jean-Fançois Lyotard (1921-1998) war französischer Philosoph und wurde durch sein Werk einer der bedeutendsten Wissenschaftler, was die Erforschung dessen angeht, was als „Postmoderne“ bezeichnet wird. Er studierte an der Sorbonne, lehrte in den 50er Jahren in Algerien und wurde während dieser Zeit Marxist. Anfang der 70er Jahre habilitierte er und lehrte in Nanterre und Paris VIII und wurde Mitbegründer des Collège Internationale de Philosophie.
Sein politisch extrem linksgerichtetes Denken führte ihn in die Kreise der Gruppe Socialisme ou Barbarie (antistalinistisch, antikapitalistisch, kritisch gegenüber politischen Personenkulten), die ab 1954 die gleichnamige Zeitschrift herausgibt. Einigen Mitgliedern dieser Grup pe - auch Lyotard selbst - wird das Konzept aber mit der Zeit zu starr und es kommt zum Bruch. Die Gruppe spaltet sich auf und Lyotard schließt sich der liberaler gesinnten Abspaltung an, in der er versucht, eine moralisierende Politik zu betreiben, was nicht mit dem Marxis mus zu vereinen ist. Während dieser Zeit erlebt er deshalb eine tiefe Krise in seinem politischen Denken und aus seiner Ablehnung starrer Theorien und Anschauungen entspringen seinen ersten annähernd „postmodernen“ Gedanken (Èconomie libidiale, 1974) 2 . Er fordert die Abänderbarkeit von Theorien und eine stetige Dynamik im wissenschaftlichen Diskurs. 1966 tritt er - wohl wegen seiner vertieften Überlegungen - auch aus der liberalen Abspaltung aus und hat von da an ein eher schwieriges Verhältnis zur Politik im Allgemeinen. Auch die so genannten „Neuen Philosophen“, die erstmals 1977 unter Lévy mit ihrer radikal antimarxistischen Haltung Aufsehen erregten, können Lyotard nicht begeis tern. Er tut ihre Haltung als „beleidigend albern“ 3 ab.
Stattdessen beginnt, er, ein eigenes Konzept zu entwerfen, das die Sichtweisen minoritärer Einzelgruppen einbezieht und ihre Bedeutung skizziert. Mit diesem Denkansatz drückt er eine Ab lehnung eines jeden Universalitätsanspruchs aus, egal wo auch immer dieser herrühren mag.
1 vgl. Reese-Schäfer, 2 1989, 12 ff.
2 vgl. Reese-Schäfer, 2 1989, 15 ff.
3 vgl. Reese-Schäfer, 2 1989, 19
3
2. Moderne und Postmoderne
2.1 Allgemeiner Ansatz
Wenn Modernismus ein Phänomen der Welt der Kunst und Kultur ist, dann ist Moderne eine Be grifflichkeit, die auf soziale Strukturen und Wissenschaft angewandt wird. Gleiches gilt für Postmoderne / Postmodernismus. Die „ -Ismen“ beschränken sich also inhaltlich und auch zeitlich auf engere Räume. Das „post“ in Postmoderne weist darauf hin, dass die Postmoderne wohl eine Art Modifizierung der Moderne sein muss.
Modernismus 4
Modernismus wird allgemein mit den künstlerischen Strömungen des beginnenden 20. Jahr-hunderts assoziiert. In dieser Zeit begannen Romanciers wie Virginia Woolf (1882-1941), James Joyce (1882-1941) und D.H. Lawrence, neue Wege des Erzählens zu erkunden. Neue poetische Formen wurden von Dichtern wie Ezra Pound (1885-1972) und T.S. Eliot (1888-1965) entworfen.
Postmodernismus 5
Als „postmoderne“ Kunst wird meist das Werk von Künstlern und Schriftstellern, die nach dem zweiten Weltkrieg ihre großen Schaffensphasen durchlebten, beschrieben. Eines ihrer Hauptmerkmale den Antielitismus.
In postmoderner Kunst und Literatur wird die Vergangenheit, d.h. die Moderne wieder entdeckt, um - ironischerweise - Traditionen (also Vergangenes) zu brechen und die Gegenwart zu problematisieren.
Deshalb ist Postmodernismus eine Radikalisierung des Modernismus. Künstlerisches Experimentieren wird sehr viel weiter betrieben als im Modernismus.
Moderne 6
Die Moderne beginnt für die einen mit dem Wandel, der sich in der Renaissance in Europa vollzieht - und somit mit dem Beginn der Vorformen des Kapitalismus -, für andere beginnt die Moderne mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Allen Ansichten ist jedoch gemein, dass sie den Menschen in einer Veränderung begriffen sehen: es entsteht eine neue Beziehung zu Wandel, Entwicklung und Geschichte.
4 vgl. Malpas, 2003, 7 f.
5 vgl. Malpas, 2003, 8 f.
6 vgl. Malpas, 2003, 9 f.
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Arbeit zitieren:
Joachim Flickinger, 2004, Jean François Lyotard - Postmoderne am Beispiel der Wissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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