I. Inhaltsverzeichnis II
INHALTSVERZEICHNIS
I. INHALTSVERZEICHNIS II
II. ANHANGSVERZEICHNIS IV
III. TABELLE-N UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
IV. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
1. EINLEITUNG 1
2. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN 3
2.1. Definition des Alterns 3
2.2. Alterungsprozesse 4
2.3. Definition Gesundheit 6
2.3.1. Einflussfaktoren auf die Gesundheit 7
2.3.2. Gesundheitsmodelle im Vergleich 10
3. DEMOGRAPHISCHER WANDEL 15
3.1. Begriff des demographischen Wandels und seine
Einflussgr ößen 15
3.1.1. Mortalität. 16
3.1.2. Fertilität. 19
3.1.3. Wanderungen. 21
3.2. Demographische Problemfelder 22
4. HAUPTERKRANKUNGEN IM ALTER 25
4.1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen 25
4.1.1. Herzinfarkt 26
4.1.2. Schlaganfall 26
4.2. Demenzen 27
4.2.1. Alzheimersche Krankheit 28
4.2.2. Vaskuläre Demenz 29
4.3. Stoffwechselstörungen 29
4.3.1. Diabetes mellitus 30
4.3.2. Schilddrüsenfunktionsstörungen 31
I. Inhaltsverzeichnis III
4.4. Osteoporose………………………………………………………… 33
4.5. Depressionen……………………………………………………….. 36 4.6.Multimorbidität……………………………………………………….. 37 4.7. Chronische Erkrankungen…………………………………………. 39 5. PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT………………………………………………… 40 5.1. Feststellung der Pflegebedürftigkeit………………………………. 41 5.2. Häufige Ursachen der Pflegebedürftigkeit im Alter ………….…. 42 6. PRÄVENTION UND GESUNDHEITSFÖRDERUNG ALS AUFGABENFELD FÜR DIE SOZIALE ARBEIT………………………… 44 6.1. Prävention im Gesundheitswesen………………………….…….. 44 6.1.1. Primärprävention……………………………………………… 44 6.1.2. Sekundärprävention………………………………………….. 45 6.1.3. Tertiärprävention……………………………………………… 46
6.2. Gesundheitsförderung................................................................ 46 6.3. Methoden und Ansätze zur Prävention und
Gesundheitsförderung................................................................ 47 6.4. Prävention und Gesundheitsförderung am Beispiel
eines Lebenszyklus.................................................................... 50 7. FAZIT………………………………………………………………………... 65
8. ZUSAMMENFASSUNG........................................................................ 68 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS…………………………. 69 ANHANG…………………………………………………………………… 74
II. Anhangsverzeichnis IV
Anlage I: Interview mit Frau Hermine Lange............................................. 74
III. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis V
Abbildung 1: Teilnahme an gesundheitlichen Maßnahmen 1997………… 8 Abbildung 2: Mandala Modell der Gesundheit nach Hancock………...…. 14 Abbildung 3: Entwicklung des Altersaufbaus der Bevölkerung in Deutschland………………………………………….………. 18 Abbildung 4: Häufigkeit von Adipositas (in Prozent) bei Kindern
Tabelle 1: Häufige Sturzgefahren in Privathaushalten…………………. 59 Tabelle 2: Effekte von körperlichem Training im höheren Lebensalter……………………………………………………… 62
IV. Abkürzungsverzeichnis VI
AIDS ....................... acquired immune deficiency syndrome bzw. ........................ beziehungsweise ca. ............................. zirka COPD ….............…. chronic obstructive pulmonal disease d.h. .......................... das heißt ebd. ......................... ebenda etc ........................... et cetera f. ............................. folgende ff. ............................. fortfolgende g ............................. Gramm inkl. ......................... inklusive MDK ........................ Medizinischer Dienst der Krankenkasse Mio. …........……….. Millionen Mrd. ........................ Milliarden S. ............................ Seite SGB ........................ Sozialgesetzbuch u.a. .......................... unter anderem vgl. .......................... vergleiche WHO …..............….. World Health Organization z.B. ......................... zum Beispiel
1. Einleitung 1
1. Einleitung
In Norwegen fahren mehr Menschen Fahrzeuge der Marke Volvo als Fiat. In Italien fahren mehr Menschen Fiat als Volvo. Die Anzahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in Italien niedriger als in Norwegen. Daraus folgt doch, dass Fiat fahren gesünder ist als Volvo fahren, oder? Ganz so einfach ist es nicht. Um diese Frage zu beantworten, müssen verschiedene Aspekte nach ihrer Kausalität betrachtet werden. Die vorliegende Arbeit versucht dies anhand der Beantwortung der Frage, ob man gesund alt werden kann. Dabei wird die Frage aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Teile:
Im ersten Teil (Kapitel 2) werden die allgemeinen Begrifflichkeiten bestimmt, die für die weiteren Ausführungen von Bedeutung sind. Daneben werden vor allem die Alterungsprozesse sowie die Einflussfaktoren auf die Gesundheit näher betrachtet. Verschiedene Gesundheitsmodelle werden zum Abschluss dieses Kapitels beschrieben.
In dem sich anschließenden zweiten Teil (Kapitel 3) wird näher auf den demographischen Wandel eingegangen. Hierbei wird vor allem gezeigt, dass durch die demographische Entwicklung die Fragestellung dieser Arbeit immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Der dritte Teil (Kapitel 4) zeigt die Haupterkrankungen im Alter auf. Aufbauend auf die in Kapitel 3 gewonnenen Erkenntnisse, werden hier die häufigsten und oftmals auch problematischsten Krankheiten im Alter beschrieben.
1. Einleitung 2
Im vierten Teil (Kapitel 5) werden die Konsequenzen der in Kapitel 4 beschriebenen Krankheiten aufgezeigt. Die Pflegebedürftigkeit steht dabei im Vordergrund. Neben der Klärung der Feststellung von Pflegebedürftigkeit, werden in diesem Teil auch die Hauptursachen für das Eintreten von Pflegebedürftigkeit beschrieben.
Der fünfte und damit letzte Teil (Kapitel 6) handelt von der Prävention und der Gesundheitsförderung. Zuerst werden die Begrifflichkeiten und die verschiedenen Former der Prävention näher betrachtet. Zum Ende des Abschnittes werden die verschiedenen Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung anhand eines praktischen Beispiels dargestellt. Hierbei wird vom Vorschulalter bis ins hohe Alter jeder Lebensabschnitt und die dazugehörigen Maßnahmen verdeutlicht. Anhand dieses Abschnittes wird dann auch die Frage geklärt, ob man gesund alt werden kann.
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass der Einfachheit halber in dieser Arbeit hauptsächlich die männliche Form benutzt wird. Damit ist aber keine Wertung verbunden.
2. Begriffsbestimmungen 3
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Definition des Alterns
Der Begriff „alt“ stammt aus dem indogermanischen Wortstamm „al“ und bedeutet wachsen und reifen. 1 Altern ist ein unumkehrbarer biologischer, psychischer und sozialer Prozess, der nicht erst im höheren Lebensalter beginnt, sondern von der Geburt an unumkehrbar fortschreitet. 2 Die Menschen altern individuell unterschiedlich. Dabei sind manche Alterungsprozesse genetisch bedingt, andere sind hingegen von äußeren Einflüssen abhängig. Die Menschen erleben das Älterwerden unterschiedlich von einander. Der eine fühlt sich im hohen Alter noch sehr jung und der andere fühlt sich im jungen Alter schon sehr alt. Aus diesem Grund wird zwischen dem biologischen, dem biographischen und dem sozialen Altern unterschieden. Das biographische Alter ist das tatsächliche Alter eines Menschen, also das am Kalender ablesbare Geburtsdatum. Das biologische Alter kann schlecht gemessen werden, es ist eher ein Gradmesser für den individuellen körperlichen Zustand und die Gesundheit eines Menschen. Es wird hierbei der Zustand eines Körpers gemeint, der einem bestimmten Alter entspricht. Bei dem sozialen Altern spielt die Gesellschaft, das soziale Umfeld und die Familie eines Menschen eine sehr wichtige Rolle. Sie sind ausschlaggebend dafür, wie ein Mensch sein Älterwerden erlebt und tragen maßgeblich an der Gesundheit und Qualität des Lebens bei.
1 Vgl. von Renteln-Kruse, Medizin des Alterns und des alten Menschen
(2004), S. 3.
2 Vgl. Menche & Schäffler, Biologie, Anatomie, Physiologie (2003), S. 379f.
3 Vgl. ebd.
2. Begriffsbestimmungen 4
Laut der World Health Organisation (WHO) gehören Menschen ab dem 60. Lebensjahr zu den älteren und ab dem 80. Lebensjahr zu den alten Menschen. 3 In der Wissenschaft gibt es zum derzeitigen Stand der Forschung noch keine klare und allgemeingültige Definition des Alterns, man kann nur Kriterien nennen, die die Alterungsprozesse charakterisieren.
2.2. Alterungsprozesse Im Folgenden werden Kriterien genannt, die die Alterungsprozesse
charakterisieren. Alterungsvorgänge sind universal und für alle höheren Lebewesen gültig. Zudem sind sie irreversibel, d.h. man kann keinen Alterungsprozess dauerhaft aufhalten. Für das betroffene Individuum ist das Altern im Sinne von einer verminderten Anpassungsfähigkeit schädlich. Zuletzt sind Alterungsprozesse biologisch-genetisch verankert und somit nicht zu verhindern. Für den Menschen gilt es dadurch als gesichert, dass er das 115. Lebensjahr nicht überschreitet.
Die genetisch vorbestimmte Alterung wird jedoch vom Lebensstil und der Lebensgeschichte des alternden Menschen beeinflusst. So beginnt z.B. die Haut bei Menschen mit häufiger Sonneneinstrahlung eher zu altern, als die Haut bei Menschen, die sich weniger stark der Sonneneinstrahlung aussetzen. Andererseits lassen sich bestimmte Funktionen, wie die Gehirnleistung, noch bis ins hohe alter trainieren. So kann es passieren, dass ein älterer trainierter Mensch ein besseres Gedächtnis hat, als ein jüngerer untrainierter Mensch. 1
1 Vgl. Menche & Schäffler (2003), S. 383f.
2. Begriffsbestimmungen 5
Der menschliche Körper erfährt während des Alterungsprozesses viele Veränderungen. Nach und nach verändern sich die Eigenschaften, Funktionen und die Funktionsfähigkeiten der Organe, Organsysteme und Gewebe. Diese Veränderungen haben Auswirkungen auf den gesamten Körper. Einige wesentliche Merkmale werden im Folgenden beschrieben.
• Allgemein: Zunahme des Körperfettes, Abnahme der Körperflüssigkeit, Abnahme der Muskelmasse, Abnahme des Grundstoffwechsels
• Herz-Kreislauf-System: Veränderung der Gefäße mit der Folge einer systolischen oder diastolischen Veränderung des Blutdruckes, geringeres Herzschlagvolumen
• Atmungsorgane: Abnahme der Lungenelastizität und Brustkorbbeweglichkeit
• Bewegungsapparat: Abnahme der Knochenstabilität, der Gelenkbeweglichkeit und der Muskulatur
• Sinnesorgane: Hochtonverluste, Alterssichtigkeit, Abnahme von Geruchs- und Geschmackssinn, Durstperzeption, Temperatur- und Schmerzwahrnehmung
• Haut und Haare: Abnahme des Bindegewebes, Altersflecken, verringerte Haarstärke, Farbverlust der Haare
• Nieren und ableitende Harnwege: Verringertes Volumen der Harnblase, erhöhter Tonus, Prostatavergrößerung bei Männern 1 Die oben beschriebenen physiologischen Veränderungen führen zur Verminderung der Kapazitäts- und Leistungsreserven des alternden Menschen, diese rufen aber nicht zwangsläufig Symptome hervor.
1 Vgl. Menche & Schäffler (2003), S. 383f.
2. Begriffsbestimmungen 6
Man kann nicht allgemein sagen, dass Alter mit Krankheit gleichzusetzen ist. Es ist jedoch erwiesen, dass im höheren Alter die Widerstandsfähigkeit und die erhöhte Anfälligkeit für Störungen gehäuft sind. Die einzelnen Krankheiten sind jedoch meist nicht das Problem, vielmehr sind es die verschiedenen Krankheitsfaktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und eine chronische Erkrankung auslösen können. 1
2.3. Definition Gesundheit
In der Literatur findet man zahlreiche verschiedene Definitionen für den Begriff „Gesundheit“. Die World Health Organisation (WHO) beschrieb 1946 die Gesundheit als einen Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, es sei nicht allein das Fehlen von Krankheit. Der Soziologe Parson empfindet Gesundheit als Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die es sozialisiert worden ist. Für den Psychoanalytiker Freud ist Gesundheit die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können. Gandhi hingegen spricht von Gesundheit, wenn man sich wohl fühlt, sich frei bewegen kann, einen guten Appetit hat, normal in seinen Funktionen sein kann und daher keinen Arzt aufsuchen muss.
Anhand der zahlreichen Definitionen ist festzustellen, dass es mehrere Bestimmungsgrößen gibt, um Gesundheit zu definieren. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass das körperliche Wohlbefinden, d.h. das Fehlen von Beschwerden und Krankheitszeichen, das psychische Wohlbefinden, wie z.B. Freude und Glück, die Leistungsfähigkeit, die Selbstverwirklichung und die Sinnfindung wichtige Faktoren für die Gesundheit sind.
1 Vgl. Schwartz, Das Public Health Buch, Gesundheit und Gesundheitswesen
(2003), S. 175.
2. Begriffsbestimmungen 7
Zudem ist die Gesundheit abhängig vom Vorhandensein und dem Umgang mit Belastungen, von Risiken und Gefährdungen durch die soziale und ökologische Umwelt. Das Erkennen, Wahrnehmen und Nutzen von gesundheitsfördernden Ressourcen ist ein weiterer wichtiger Faktor. 1 Gesundheit darf also nicht mit Krankheit gleichgesetzt werden. Manche Erkrankungen verlaufen subjektiv beschwerdefrei, der Kranke kann sich hierbei gesund und voll leistungsfähig fühlen. Hingegen kann sich jemand im körperlichen und geistigen Normalzustand befinden, sich aber dennoch krank fühlen. 2
2.3.1. Einflussfaktoren auf die Gesundheit
Die Gesundheit wird von der persönlichen, sozialen und ökologischen Ebene beeinflusst. Bei der persönlichen Ebene ist die eigene Lebensweise ein wichtiger Faktor. Durch die Lebensweise kann man seine Gesundheit stark beeinflussen. Die Einstellung zu einem gesunden Leben ist dabei der wichtigste Punkt. Eine gesunde Ernährung gilt als Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Gesundheit. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Ernährung durch einen hohen Anteil an tierischen Fetten geprägt, welches zu Übergewicht und damit zu Erkrankungen wie z.B. Hypertonie führen kann. Tabakkonsum fördert eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes: Die Häufigkeit der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Stoffwechselerkrankungen sowie der Karzinome erhöht sich. 3 Durch Alkohol- und Drogenkonsum wird der gesamte Organismus stark beeinträchtigt.
1 Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2001), S. 16.
2 Vgl. Schell, Das deutsche Gesundheitswesen von A - Z (1995), S. 86.
3 Vgl. WHO, Der europäische Gesundheitsbericht (2002), S. 66ff.
2. Begriffsbestimmungen 8
Durch häufigen Alkoholgenuss wird die Leber als Alkohol abbauendes Organ stark in Mitleidenschaft gezogen. Nimmt ein Mann am Tag mehr als zwei Gläser eines alkoholischen Getränkes und eine Frau mehr als ein alkoholisches Getränk zu sich, steigt die Gefahr einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Dabei spricht man bei Männern von einer Überschreitung der Alkoholaufnahmemenge von 20g und bei Frauen von 10g. 1 Bei der sozialen Ebene ist die Bildung ein wichtiger Faktor. Menschen mit einer höheren Bildung haben die Grundlage für ein Gesundheitsbewusstsein, dies ermöglicht ein Wissen über Gesundheitsgefahren. Menschen mit höherer Bildung nehmen beispielsweise häufiger an
Früherkennungsmaßnahmen teil, sie rauchen seltener und treiben häufiger Sport. Die Abbildung auf der folgenden Seite spiegelt diese Aussage wieder.
Abbildung 1: Teilnahme an gesundheitlichen Maßnahmen 1997
2 Vgl. Robert Koch Institut, Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des
Bundes; Bundesgesundheitssurvey: Alkohol, Konsumverhalten in
Deutschland (2003), S. 7.
2. Begriffsbestimmungen 9
Neben der Bildung spielen auch die Einkommensverhältnisse und die sich daraus ergebene Wohnsituation eine wichtige Rolle. So trägt etwa in Deutschland das unterste Fünftel der Bevölkerung - an den Indikatoren Einkommen und Beruf gemessen - in jedem Lebensalter im Durchschnitt ein doppelt so hohes Erkrankungs- und Sterberisiko wie das obere Fünftel. 1 Durch ein niedriges Einkommen kann sich die Wohnsituation verschlechtern. Die Wohnungen werden kleiner und weniger komfortabel, woraus starke psychische Beeinträchtigungen resultieren können. Die WHO hat herausgefunden, dass Menschen eher an Depressionen und
Angstzuständen leiden, wenn der Wohnraum nicht genügend Schutz vor Kälte, Lärm, Schimmel etc. bietet. Menschen, die in Schimmel- und Feuchtigkeitsbefallenen Wohnungen leben, leiden häufiger an Bronchitis, Halsentzündungen und allergischen Erkrankungen. 2 Ärmere Menschen sind aufgrund ihrer Wohnbedingungen, der Hygienesituation und ihrer schlechten Ernährung besonders krankheitsanfällig. Die Menschen können bedingt durch ihre Armut erkranken, jedoch können sie auch erst durch ihre Erkrankung in die Armut gelangen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Arbeitslosigkeit. Diese beeinträchtigt das physische und das psychische Wohlbefinden der Menschen und erhöht das Suizidrisiko. Die Arbeit ist ein soziales Bedürfnis und Voraussetzung für die menschliche Existenz. Bei der Arbeit können Menschen ihre Persönlichkeit erweitern und stellen sich immer wieder neuen Herausforderungen. Zudem bietet ein fester Arbeitsplatz finanzielle Sicherheit. 3
1 Vgl. Mielck, Soziale Ungleichheiten in der Gesundheit (2000), S. 48.
2 Vgl. WHO, Wohnen und Gesundheit - ein Überblick (2004), S. 5ff.
3 Vgl. WHO (2002), S. 66ff.
2. Begriffsbestimmungen 10
Aber auch schlechte Arbeitsverhältnisse können den Menschen physisch und psychisch belasten. Durch körperlich schwere Arbeit, Lärm, Schmutz sowie Eintönigkeit ist der Mensch stark belastet. Der letzte wichtige Einflussfaktor ist die ökologische Ebene. Eine saubere Umwelt ist für die Gesundheit ausschlaggebend. Saubere Außen- und Innenluft, sauberes Wasser sowie saubere Nahrungsmittel sind ein wichtiger Bestandteil. In Taiwan verursachte beispielsweise 1979 kontaminiertes Reisöl bei 2000 Betroffenen Chlorakne und Leberschäden. 1 Der Schutz vor Lärm ist ein weiterer Punkt. Eine ständige hohe Lärmbelästigung verringert die Schlafintensität. Menschen mit hoher Lärmbelästigung neigen vermehrt zu Schlafstörungen, welche
Konzentrationsschwächen zur Folge haben. Hinsichtlich der Lärmbelästigung dominiert der Kraftfahrzeugverkehr. Weiterhin sind Nachbarschafts- und Freizeitlärm zu nennen sowie Industrie- und Gewerbelärm. Dauerhafter Lärm führt zudem zu Schädigungen des Hörorgans. Als letztes tragen die globalen Umweltprobleme erheblich zu Gesundheitsbeeinträchtigungen bei. 2
2.3.2. Gesundheitsmodelle im Vergleich
Für manche Menschen ist Gesundheit das Leben ohne körperliche Beschwerden, andere wiederum betrachten Gesundheit als gleichbedeutend mit Wohlbefinden und Glück oder aber als Fähigkeit des Organismus, mit Belastungen fertig zu werden.
Im Folgenden sollen verschiedene Gesundheitsmodelle erläutert werden und damit der Begriff „Gesundheit“ weiter definiert werden.
1 Vgl. Schwartz (2003), S. 84.
2 Vgl. Schwartz (2003), S. 102.
2. Begriffsbestimmungen 11
Das biomedizinische Modell ist das am häufigsten angewandte Modell. Es geht von einem reinen pathogenetischen Ansatz aus. Es wurde entwickelt, um das Auftreten spezifischer Krankheiten zu erklären. Dabei wird eine spezifische Erkrankung auf spezifische Erreger oder Ursachen zurückgeführt. 1 Entscheidend bei diesem Modell ist das Aufspüren der Ursache der Krankheit. Damit ist die Diagnostik des Gesundheitszustandes primär an biologischen Parametern orientiert. Daraus ergibt sich auch die Schwachstelle des biomedizinischen Modells, da es sich rein an anatomischen und physiologischen Veränderungen orientiert und dabei den psychosozialen Aspekt keinerlei Bedeutung zukommen lässt. 2 Das salutogenetische Modell von Antonovsky kritisiert die rein pathogenetische Betrachtungsweise des biomedizinischen Modells und stellt ihr einen salutogenetischen Ansatz gegenüber, der statt nach Krankheitsursachen und Risikofaktoren vorrangig danach fragt, warum Menschen gesund bleiben. Wie kommt es, dass bestimmte Menschen trotz zahlreicher belastender Lebensbedingungen und gesundheitlicher
Risikofaktoren keinen Zusammenbruch erleiden, sondern ihre Gesundheit bewahren? Woher rührt ihre Stärke, über welche Widerstandsquellen verfügen sie?
Antonovsky geht dabei von einem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aus, d.h. eine Person ist nicht entweder gesund oder krank, sondern sie nimmt einen individuellen Platz auf einem Kontinuum von sehr guter bis sehr schlechter Gesundheit ein. Über die Position auf dem Kontinuum entscheidet das Kohärenzgefühl.
1 Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2001), S. 17.
2 ebd.
Arbeit zitieren:
Viola Mesecke, 2005, Gesundes altern - kann man gesund alt werden?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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