Friedrich - Schiller- Universität Jena
Institut für Politikwissenschaft
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Sachanalyse
2.1 Politische Theorie und GG
2.2 John Lockes Repräsentationstheorie
2.3 J.J. Rousseaus Identitätstheorie
3. Stundenverlauf
3.1 Beschreibung der Unterrichtsreihe
3.2 Verlaufsplanung: „Was ist der ideale Staat?"
3.3 Didaktisch- Methodische Analyse
3.4 Didaktische Perspektiven
3.5 Didaktische Analyse nach K.G. Fischer
4. Lernkompetenzen
5. Literaturverzeichnis
6. Anhang
1
1. Einleitung
Wenn man die politische Theorie in der Schule behandeln möchte, so muss man sich die Frage nach der heutigen aktuellen Bedeutung der Theorien stellen. Da die Gesellschaft, sowie die Strukturen unseres politischen Systems auf dem GG basieren fällt den politischen Theorien in sofern eine Bedeutung zu, dass sie als elementares Gedankengut unsere Verfassung bestimmen. Es sind damit konkret die Vertreter des Konstitutionalismus (John Locke; Charles de Montesquieu) gemeint. Vergleichend kann man dagegen als Beispiel anderer Systeme die Vertreter des Absolutismus (Machiavelli; Hobbes) und der direkten Volkssouveränität (J.J. Rousseau) nennen. Doch nicht nur in unserer Verfassung sind die Grundzüge der damaligen Theoretiker vorhanden, auch zu aktuellen Themen kann man die politische Theorie als Lösungsansatz heranziehen. Als Beispiel kann man den Verlust von Werten, Normen und Prinzipien nennen, unter denen unsere Gesellschaft leidet. Auffallend ist, dass sich bestimmte Fragestellungen , die sich Aristoteles und John Locke damals schon stellten, heute ebenfalls noch aktuell sind. Das sind z.B. Fragen nach der individuellen Freiheit und gesellschaftlichen Verpflichtungen des Menschen, wie auch Fragen nach den Aufgaben und Grenzen staatlicher Kontrolle und Macht. In Debatten und politischen Diskussionen spielen diese Themen in Parlament und Medien eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es lohnt sich also, sich möglichst frühzeitig und intensiv mit dem Denken dieser Theoretiker zu befassen, nicht zuletzt um ein Verständnis für politische Entscheidungen und dessen Sinngehalt zu bekommen. Ebenfalls lassen sich gut Vergleiche zwischen verschiedenen Denkrichtungen im Hinblick auf Staatsaufbau, Staatslenkung, Volksbeteiligung und Gewaltenteilung vornehmen. Bei der Analyse von Regierungssystemen und Ideologien wird man nicht zuletzt auf typische Inhalte der Theoretiker stoßen, wobei jedoch oftmals die zentralen Aussagen in den Werken „auslegbar“ sind und dies von unterschiedlichen Regimen ausgenutzt wurde bzw. als Vorwand genutzt wurde um Scheindiktaturen o.ä. zu errichten.
2
2. Die Sachanalyse
2.1 Politische Theorie und GG
Um die politische und gesellschaftliche Stabilität unserer politischen Ordnung zu gewährleisten benötigt man grundlegende Werte, Prinzipien und Regeln. Diese sind in der BRD im Grundgesetz, speziell in den Grundrechten, verankert. Die Grundrechte spiegeln im wesentlichen die klassischen Menschen- und Bürgerrechte wieder. Die klassischen Menschen-und Bürgerrechte sind Inhaltlich vom Europarat (von dessen Mitgliedern) am 4.11. 1950 in der „Konvention zum Schutze der Menschen- und Grundfreiheiten“, sowie in den „Pariser Zusatzprotokollen“ vom 20.3. 1952 beschlossen worden. Dies war ein erster Versuch die Grundrechte völkerrechtlich anzuerkennen. Seit dem Jahr 1959 existiert der Europäischer
Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz in Straßburg 1 . Die Grundrechte enthalten neben den Freiheitsrechten und „Teilhaberrechten“ (Rechte des einzelnen auf staatliche Leistungen) auch als dritte, wichtige Hauptgruppe die Staatsbürgerrechte (politischen Rechte). Diese Rechte geben dem Staatsbürger die Gewährleistung von Mitwirkungsbefugnissen im Gemeinwesen (Art. 8+ 9 GG), das Recht auf Staatszugehörigkeit (Art. 16 GG), aktives und passives Wahlrecht (Art. 38+ 39 GG), sowie das Recht auf Zugang zu öffentlichen Ämtern (Art. 33, Abs.2). Diese Grundrechte basieren in Grundzügen auf dem Gedankengut von John Locke. In seinem Werk „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ (1690) legt er seine Vorstellungen von Menschenbild, Gesellschaft und Staatsauffassung dar.
2.2 John Lockes Repräsentationstheorie
Bei Locke wird der Mensch frei und gleich geboren. Alle Individuen besitzen bei ihm den gleichen Macht - und Rechtsanspruch. Die Grenzen der Freiheit bildet für ihn jedoch die gleiche Freiheit des Anderen. Lockes Menschenbild im Naturzustand beschreibt es als vernunftbegabtes Wesen, das die Fähigkeit besitzt in Freiheit und Eigenverantwortung seine Handlungen zu regeln. Er
3
soll über seine Person und über seinen Besitz selbstständig verfügen dürfen. Niemand darf ihm sein Leben, sein Eigentum oder seiner Freiheit abtrünnig machen. Die bürgerliche Gesellschaft stellt sich Locke so vor, als dass der Mensch seine Macht an eine politische Gemeinschaft abtritt, die für ihn handeln und entscheiden soll. Grundlegend funktioniert dies deswegen, da der Mensch gut ist und einen Zustand des Friedens haben möchte. Eine Gesellschaft ist aber nur möglich, wenn sich alle zusammenschließen. Lockes Herrschaftsauffassung beschreibt, dass die politische Herrschaft nicht aufhebbar ist. Politische Herrschaft ist übertragene Herrschaft durch das Volk. Das Individuum kann bestimmte, im Naturzustand vorherrschende Rechte nicht selbst ausführen und braucht dafür übergeordnete, von ihm gewollte und gewählte Instanzen. Ein Beispiel wäre das Justizwesen, das aktuelle und verbindliche Gesetze schafft und somit individuelle Willkür bei der Bestrafung verhindert.
Ein weiteres Merkmal ist die Herrschaft auf Zeit, sowie der Missbrauch der politischen Macht. Das Volk sollte die Macht zurückbekommen, wenn das Amt missbraucht wird. Die Regierung ist auf die Zustimmung und auf das Vertrauen des Volkes angewiesen.
Der Souverän ist Repräsentant des Volkes. Es überträgt ihm Individualrechte. Die staatliche Ordnung ist eine Art Vertragsverhältnis zwischen Regierung und Bürger. In Lockes Theorie existieren zwei Gewalten (exekutive und judikative Gewalt). Richterliche und legislative Gewalt sind bei ihm eine Gewalt.
Lockes Theorie fragt nach der Legitimation staatlicher Herrschaft. Für ihn hat der Staat im wesentlichen die Aufgabe, Leben, Freiheit und Eigentum der Bürger zu sichern. Locke geht es außerdem noch um die Frage, wie der Missbrauch staatlicher Macht verhindert werden kann. Seine Repräsentationstheorie bedeutet namentlich, dass die Macht „aus dem Volk gewählten Vertretern übertragen wird“ (Repräsentant).
2.3. J.J. Rousseaus Identitätstheorie
Anders waren dagegen die Vorstellungen von J.J. Rousseau. Seine Auffassung vom Naturzustand und Staatsaufbau, sowie von Gewaltenteilung und Gesetzen verhält sich zum Teil konträr zu Locke. Rousseau sah den Menschen im Naturzustand ebenfalls als gut an. Der Mensch lebt nach seinen wahren Bedürfnissen in natürlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Er kennt
4
kein Recht und kein Unrecht, sowie moralische Beziehungen und Pflichten. Markant ist nun folgendes: alle Menschen sind nicht nur gleich, sondern haben auch, da sie nur nach ihren wahren Bedürfnissen leben, den gleichen Willen. Es gibt kein Eigentum, sowie keine Form von Individualität oder Egoismus. Kein Bürger „will mehr“ als der Andere. Sobald Individualität zugelassen wird, ist der Mensch unfrei und gefangen. Denn er erwirbt sich Eigentum und macht damit andere Menschen zu Sklaven. Diese Individualität und das Privateigentum zerstören die Freiheit und Gleichheit der Menschen und bringen Ungerechtigkeit, Krieg, Elend und Leid in der bürgerlichen Gesellschaft hervor. Da der Mensch trotzdem ein gesellschaftliches Wesen ist, soll es einen Staat geben, der jetzt nicht Eigentum schützen soll wie bei John Lockes Theorie, sondern Eigentum, Individualität und Selbstständigkeit gar nicht erst zulassen soll. Die zentrale Frage, die sich Rousseau jetzt stellt ist: Wie kann es ein „Leben in Freiheit und doch in Verbundenheit aller“ geben?
Durch die Gleichheit haben alle den gleichen Willen. Somit soll der Staat auch den Allgemeinwillen erfüllen und verwirklichen. Dann ist jeder zufrieden und die Bedürfnisse sind gestillt. Falls doch jemand vom Allgemeinwillen abweichen sollte, sollte derjenige dazu gezwungen werden seinen Privatwillen aufzugeben. Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“ (1762) löst den Konflikt des „Lebens in Freiheit und Verbundenheit aller“ durch die totale Hingabe des Menschen an die Gemeinschaft. Jeder soll seine Person und seinen Besitz unter die oberste Leitung des allgemeinen Willens stellen. Der Gemeinwille ist dabei der winzige Punkt, wo sich die vielen Sonderwillen vereinen und alle Interessen übereinstimmen. Durch den Gemeinwillen wird nun eine Identität zwischen Herrschern und Beherrschten geschaffen. Somit kann im Grunde jeder aus dem Volk der Herrscher sein, da der Wille für alle derselbe ist. Rousseaus Theorie heißt deswegen Identitätstheorie, weil genau dieser Punkt, nämlich eine Identität zwischen Einzel- und Gemeinwillen und somit auch zwischen Herrschern und Beherrschten geschaffen wird. Im weiteren Verlauf des „Gesellschaftsvertrages“ beschreibt Rousseau seinen Staat, äußert sich zur Gesetzgebung und zum Aussehen des politischen Körpers. Das Volk legt die Gesetze fest, eine Regierung wird nur benötigt um auf die Individuen zu reagieren. Eine Regierung ist „bloßes Werkzeug“ und Zwischenorgan zwischen Souverän (Staatsoberhaupt) und Untertan. Rousseaus Staatsauffassung legt den Souverän als Gesamtwesen fest, er favorisiert
weiter eine demokratische
Rousseau spricht von einem politischen Körper, „dessen Übereinkunft aller bedarf“. Der allgemeine Wille soll dabei „beständig, richtig und auf das Beste abzielen“.
Ohne dass jetzt direkt ein Staat nach dem Vorbild Rousseaus vorhanden wäre , so findet heutzutage das Gedankengut Rousseaus ansatzweise in den sozialistischen Länder in Kuba, Vietnam, Nordkorea, China, sowie in der ehemaligen DDR Anwendung.
3. Stundenverlauf
3.1 Beschreibung der Unterrichtsreihe
Im Mittelpunkt der Stunde stehen Auszüge von Texten der beiden Staatstheoretiker, die ihre jeweilige Überzeugung von Staat und Gesellschaft darstellen. Die Schüler sollen sich mit ausgewählten Textstellen (M1,M2, siehe Anhang) der beiden beschäftigen und parallel dazu Fragen beantworten, die unmittelbar unter den Texten stehen. Die Bearbeitung der Fragen soll in der Gruppe geschehen, vorher sind die Textauszüge zu studieren (Einzelarbeit und dann DAB= Unterrichtsmethode). Die letzten 20-25 min. dieser Doppelstunde wertet der Lehrer die Fragebögen aus und beantwortet alle Unklarheiten bzw. vertieft die wichtigsten Aspekte Rousseaus. In der zweiten Doppelstunde wiederholt sich der Stundenablauf, nur steht hier nun Lockes Werk „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ im Mittelpunkt. Am Ende der beiden Doppelstunden sollen die Schüler die wichtigsten Kenntnisse über die Inhalte der Werke kennen und sich in der Hausaufgabe gedanklich auf die Podiumsdiskussion vorbereiten. Ebenfalls werden am Ende der Stunde die Gruppen für die Podiumsdiskussion eingeteilt, so dass sich jeder Schüler schon zu Hause auf seine „Rolle“ als Vertreter einer Gruppe vorbereiten kann. Am Beginn der nächsten Stunde gehen die Gruppen gleich von Anfang an zusammen und überlegen, welche Argumente sie für ihren „Idealstaat“ vortragen werden. Nach 20- 25 min. beginnt eine Gruppe mit dem Streitgespräch gemäß der Aufgabenstellung: „Was ist der ideale Staat?“. Da es bei einem Streitgespräch um die Konkurrenz zweier Lösungsvorschläge geht (hier: Was ist der ideale Staat?) sollte am Ende entschieden werden, was der ideale Staat für die Beteiligten
6
ist. Man könnte überlegen, ob ein Konsens gefunden werden kann, viel besser ist es jedoch unter den Teilnehmern abzustimmen. Da „das Schicksal“ der Staatsform nun förmlich „in den Händen“ der Argumentierenden liegt, sollten diese besonders viel Motivation haben, ihre Theorie zugunsten aller durchzusetzen. Welche Staatsform am Ende „vom Volk“ (den Schülern) gewollt ist, wird sich im laufe der Podiumsdiskussion ergeben und am Ende in der Abstimmung zeigen.
3.2 Verlaufsplanung: „Was ist der ideale Staat (-siehe Anhang-)
3.3 Didaktisch- methodische Analyse
Im Mittelpunkt der Unterrichtsreihe soll es um eine Auseinandersetzung mit den politischen Grundideen der Staatstheoretiker John Locke und J.J. Rousseau gehen, wobei das Ziel bzw. Ergebnis der Unterrichtsreihe eine Podiumsdiskussion darstellt. Darin geht es um die Frage nach dem „idealen Staat“. Die beiden Gruppen versuchen Argumente zu finden, warum „ihr Staat“ besser sei als der Andere. Damit soll die Grundidee der beiden Theoretiker zum Ausdruck kommen und die Gegensätzlichkeit der Denkvorstellungen aufgezeigt werden. Ebenfalls soll es am Ende zu einer Abstimmung kommen, welche Staatsform die Schüler aufgrund der Diskussion favorisieren.
Arbeitsgrundlage für den ersten Schritt sind ausgewählte Texte der beiden Theoretiker, die darin ihre Vorstellungen von Staat betonen. Zunächst sollen sich die Schüler in Einzelarbeit mit den Texten (Material M1) befassen und dessen wesentliche Grundaussagen erfassen. Anschließend werden nach jeder Textpassage die unterstehenden Fragen beantwortet. Dabei kommt es zum Austausch über das Gelesene mit den Gruppenmitgliedern, was die Hauptargumente der Aussagen verstärkt. Die Methode beim Ausfüllen des Arbeitsblattes ist „Denken- Austauschen- Besprechen“. Der Schüler liest sich die Texte selbstständig durch, bespricht dies im Anschluss mit seinem Nachbarn und beantwortet die Fragen unter den Textstellen. Im Zentrum dieses ersten Teiles steht die Vermittlung von Sachkompetenz. Außerdem wird noch die Methodenkompetenz geschult, da sich die Schüler mit zum Teil inhaltlich- schwer verständlichen Texten befassen müssen.
Arbeit zitieren:
Thomas Jacob, 2005, Was ist der ideale Staat? Gegenüberstellung der Theoretiker J.J. Rousseau und J. Locke, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
John Locke und Krieg und Frieden
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Das Theorem des demokratischen Friedens. Zur Plausibilität normativ-ku...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
"Das Leben ist schön" - Kömodie oder Melodram - eine fachdid...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 18 Seiten
Nato-Doppelbeschluss und Afghanistan-Einmarsch - Die Gefahr einer neue...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Parlamentarismus bei Max Weber und Carl Schmitt
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Kinderarmut in Deutschland - Wie kommt es zu diesem Problem und was wi...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Der Vertrag von Maastricht und seine Auswirkungen auf das Grundgesetz
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 15 Seiten
Carl Schmitts Liberalismuskritik im Vergleich zu Hobbes "Leviatha...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Systemtransformation in Osteuropa
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit, 19 Seiten
Beschäftigung mit der Theodizeefrage
Ein kurzer Überblick
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit, 17 Seiten
Über Täuschung, Krieg und Frieden
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 37 Seiten
Die neuen Aufgaben und Rollen der Bundesdeutschen Verwaltung zwischen...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 23 Seiten
Thomas Jacob hat den Text Was ist der ideale Staat? Gegenüberstellung der Theoretiker J.J. Rousseau und J. Locke veröffentlicht
Thomas Jacob hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare