Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Seite 3
2. Kurze Inhaltsangabe der Komödie
Seite 3
3. Der Adel, das Klein- und das Großbürgertum
im 18. Jahrhundert
Seite 5
3.1. Repräsentanten des Kleinbürgertums Seite 6
3.2. Jungwitz als Repräsentant
der neuen Bürgerlichkeit
oder :
Der schmale Grad zwischen
Klein - und Großbürgertum Seite 9
3.3. Leonore -
Pl ädoyer für ein neues Frauenbild Seite 11
4. Zusammenfassung
Seite 13
5. Literat urverzeichnis
Seite 15
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1. Einleitung
Dem aufmerksamen Leser von Johann Elias Schlegels „Die stumme Schönheit“ wird nicht entgehen, dass die Komödie aus dem Jahre 1747 mit der Handlung um eine Bürgersfrau, die aus Geldgier ein ihr anvertrautes Kind mit dem eigenen vertauscht, auch äußerst signifikante Anhaltspunkte über einen gesellschaftlichen Prozess enthält, der einen Wertewandel des Bürgertums innerhalb der als Aufklärung bezeichneten Epoche darstellt, beziehungsweise die der Aufklärung innewohnende Weltanschauung verändert und teilweise aufbricht. Dieser Wandel, der in Schlegels Stück vor allem an dem Generationen- unterschied zwischen dem alten, reichen Richard und dem jungen, wohlhabenden Jungwitz greifbar wird, offenbart sich jedoch erst vollends unter Einbeziehung von solch entgegengesetzten Begriffen wie Klein- und Großbürgertum , Land und Stadt, und umfasst solch komplexe Themen wie das zeitgenössische Frauenbild, die gesellschaftlichen Umgangsformen (ob formelle oder informelle) und die damit einhergehenden pädagogischen Konzepte. Im Folgenden soll nun der Versuch unternommen werden, an den Konflikten des kurzen Lustspiels und den mehr oder weniger typisierten Hauptfiguren der Handlung zu zeigen, wie Schlegel die beiden unterschiedlichen bürgerlichen Lebens-Konzepte voneinander abgrenzt. Obgleich die Erarbeitung der so gestellten Aufgabe vornehmlich aus eigenen Beobachtungen am Primärtext erfolgen soll, werden auch einige wenige Texte, darunter zeitgenössische, wie die Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschaft der Privat -Personen von Julius Bernhard von Rohr aus dem Jahre 1728, und Sekundärliteratur zu Schlegels Werk, so sie der Argumentation und dem besseren Verständnis förderlich scheinen, miteinbezogen.
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2. Kurze Inhaltsangabe der Komödie
Richard, ein reicher Mann vom Lande, hat einst seine Tochter Leonore als einjähriges Kind der Bürgerswitwe Praatgern anvertraut, damit sie gut erzogen werde. Nun, zwanzig Jahre später, kommt Richard mit Jungwitz in das Haus der Praatgern, um seine mittlerweile erwachsene Tochter abzuholen und mit dem wohlhabenden, jungen Mann zu verheiraten. Den mit großen Erwartungen angereisten Gästen wird aber nicht die echte Tochter präsentiert, sondern Charlotte, die leibliche Tochter von Frau Praatgern. Die Bürgersfrau hofft mit diesem heimtückischen Tausch ihrem Kind ein reiches Erbe zu verschaffen. Doch dem zukünftigen Bräutigam Jungwitz gefällt Charlotte nicht, zu still, verstockt und geistlos ist sie ihm. Und auch der Vater, Richard, ist nicht erfreut über seine vorgebliche Tochter, die auch ihm gegenüber kaum ein Wort über die Lippen bringt. Damit die Hochzeit doch noch zu Stande kommt, ersinnt die Praatgern eine weitere List, und überredet Leonore, die glaubt, sie wäre die Tochter von Frau Praatgern, und die bei der Schwester der Bürgerswitwe aufgewachsen ist, der „blöden“ Charlotte zu helfen.
Die wesentlich aufgewecktere und kluge Leonore soll, versteckt unter Charlottes Kleid, der falschen Tochter die richtigen Worte einflüstern, damit sie Jungwitz gefalle. Damit auch Charlotte sich darauf einlässt, offenbart ihr die Praatgern die Wahrheit über den Kindestausch. Wie der Zufall es will hört Lakonius, Philosoph und Freund Jungwitzens, ihren Dialog mit, wartet aber noch, bevor er den Betrug entlarvt.
Währenddessen mißlingt das Treffen zwischen Jungwitz und Charlotte, weil Jungwitz Leonore entdeckt. Doch er ist der klugen Souffleuse nicht böse, sondern findet stattdessen starkes Gefallen an Leonores Witz.
Als Jungwitz Richard anschließend sagt, er habe sich für Leonore entschieden, kommt Lakonius hinzu, und legt den Betrug der
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Praatgern offen. Richard, Leonore und Jungwitz können glücklich fortziehen, und die Pläne der Praatgern sind durchkreuzt.
3. Der Adel, das Klein- und das Großbürgertum
im 18. Jahrhundert
Wenn im zweiten Auftritt von Schlegels „Die stumme Schönheit“ Richard und Jungwitz darüber uneins sind, wie das bürgerliche Leben gestaltet sein sollte, und damit auch welchen „Umgang und Verstande“ (S. 477) eine Bürgersfrau zu besitzen habe, so sind darin mehr als nur die altersbedingt unterschiedlichen Lebensanschauungen zweier wohlhabender Bürgersleute vom Lande angelegt, die an Jahren gut Vater und Sohn sein könnten. Vielmehr zeichnet sich hier ein gesellschaftlicher Prozess ab, der später ein neues Selbstverständnis des bürgerlichen Standes als Ergebnis haben wird. Wolfgang Martens bemerkt dazu in seinem Aufsatz „Bürgerlichkeit in der frühen Aufklärung“ Folgendes: „Stand zu Anfang des [18.] Jahrhunderts der Bürger offensichtlich im Banne aristokratischen Lebensstils, so ist um die Mitte des Jahrhunderts die neue Bürgerlichkeit auf dem Wege“ (1976, S. 360). Dies soll nun jedoch nicht heißen, das zu Anfang des 17. Jahrhunderts alle Bürger danach trachteten, den Lebensstil der Adligen zu übernehmen. Ganz im Gegenteil: Zwar gab esbesonders im städtischen Bürgertum - einige, die sich dem galanten und ausschweifenden höfischen Leben verschrieben. Doch über diese sogenannten bürgerlichen Edelmänner findet sich in den Theaterstücken und der Literatur dieser Zeit beißende Kritik und maßloser Spott.
So wurde derlei „herrenmäßig-galanter Lebenstil mit Bankrott und Unglück in Beziehung gesetzt“ und „die Eitelkeit, die galante Müßigängerei, die nichtsnutzige Großmannssucht des Bürgers satirisch angegriffen und verspottet“ (Martens 1976, S. 351). Deshalb ist der Ausdruck „im Banne des aristokratischen Lebensstils“ vielmehr als abschreckendes Vorbild zu verstehen,
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Arbeit zitieren:
M.A. Florian Rosenbauer, 2003, Differenzierung des Bürgertums in J.E.Schlegels 'Die Stumme Schönheit', München, GRIN Verlag GmbH
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