Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffsdefinition: Das Konzept des Nation-Building nach Jochen Hippler 4
2.1. Der Begriff des Nation-Building. 4
2.2. Elemente des Nation-Building 4
Eine Integrative Ideologie 4
2.2.1.
Integration der Gesellschaft. 5
2.2.2.
State -Building. 5
2.2.3.
3. Begriffsdefinition Staatszerfall (failed state) und schwacher Staat (weak state) 6
4. Ethno - Religiöse Gruppen im Irak. 7
5. Wer sind die Schiiten? 9
6. Kennzeichen des schiitischen Glaubens 9
6.1. Die Heilige Familie 9
6.2. Bedeutung der Märtyrer 10
6.3. Glaube an die Wiederkehr des entrückten Imams. 10
7. Die Schiiten im Irak - historische Wurzeln 10
8. Eckdaten der Geschichte der Schiiten im Irak des Saddam Hussein. 13
8.1. Beginn der Herrschaft Saddams: Stärkere Unterdrückung der Schiiten 13
8.2. Die Revolution im Irak und wechselnde Strategien des Saddam Hussein. 13
8.3. Der erste und der zweite Golfkrieg 14
8.4. Der Schiitische Aufstand im Rahmen des zweiten Golfkrieges. 14
9. Begriffliche Einordnung des politischen Systems des Iraks im Verlauf seiner
Geschichte bis zum jüngsten Golfkrieg 15
10. Verfeinerung der Begrifflichkeit: Schiiten im Irak in gesellschaftlicher und
sozialer Hinsicht 16
Entstehung schiitischer Bewegungen und Parteien im Irak 17
11.
Der Krieg 2003 und Staatszerfall im Irak. 18
12.
Das Nation-Building der USA 19
13.
13.1. Ausgangslage für das Nation-Building 19
13.2. Die Politik der US-Besatzung und Nation-Building 20
Schiitische Kräfte im politischen Prozess nach dem Krieg 22
14.
14.1. Die Ulama, die Geistlichkeit 22
14.2. Moqtada as-Sadr und die Armee des Mahdi 23
14.3. Die Schiitisch-Religiösen Parteien im Nachkriegs Irak 24
Fazit 24
15.
Abk ürzungsverzeichnis. 26
Literatur 27
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll die Problematik des Nation-Building im Irak beleuchten. Der Fokus liegt dabei auf der Volksgruppe der Schiiten, der im Irak zahlenmäßig stärksten Religionsgemeinschaft, die jedoch unter dem Regime Saddam Husseins marginalisiert war. Drei Dimensionen sollen beleuchtet werden:
Erstens die Entstehung des Irak in historischer Perspektive, wobei die Rolle der Schiiten sowie die Entstehung der irakischen Nation nach dem 1.Weltkrieg im Vordergrund stehen sollen; zweitens das Problemfeld um das Nation-Building der USA nach dem letzten Golfkrieg im Jahr 2003; und drittens die aktuelle Beteiligung der Schiiten am politische Prozess im Irak sowie Zukunftsperspektiven Forschungsfragen wären für die verschiedenen Teilbereiche:
Erstens: Wer sind die Schiiten? Was sind die Glaubensgrundsätze bzw. die Elemente der schiitischen Ausrichtung des Islam? Welche historische Entwicklung machten die Schiiten im Irak durch? Wie homogen bzw. heterogen ist die Bevölkerungsgruppe der Schiiten im Irak? Zweitens: Was ist Nation-Building? Wie sahen die Vorbedingungen für das Nation-Building der USA im Irak aus? Wie wurde es konkret umgesetzt? Welche Probleme treten dabei auf und wie wurden sie angegangen?
Drittens: In welcher Form beteiligen sich die Schiiten am politischen Prozess im Irak? Welche Organisationen und Parteien spielen eine Rolle? Wie sind die Schiiten politisch organisiert? Wie ausgeprägt ist die Rolle der Religion?
Meine Forschungsmethode ist historisch - systematisch und basiert auf Interpretation von wissenschaftlicher Sekundärliteratur sowie der Analyse von Zeitungsartikeln. Ich werde mit Begriffsarbeit beginnen, und zwar mit der Erläuterung des Konzepts von Nation-Building nach Jochen Hippler, um mich dann den Begriffen Staatszerfall und schwacher Staat zu widmen. Dann folgt ein Überblick über die ethno-religiösen Gruppen im Irak, darauf eine kurze Einführung in Schia und die Geschichte der Schiiten im Irak und die Unterdrückung dieser Volksgruppe unter dem Regime des Saddam Hussein. Dann werde ich mich der sozio-politischen Differenzierung des Begriffes Schia und Schiit im Irak widmen, um darauf die Ideologie der schiitischen Parteien zu betrachten, das Nation-Building der USA, sowie die Formen der politischen Organisation der Schiiten nach dem Krieg
3
2. Begriffsdefinition: Das Konzept des Nation-Building nach Jochen Hippler
2.1. Der Begriff des Nation-Building
Hippler unterscheidet zwei Dimensionen des Begriffes Nation-Building, einerseits sei er ein Prozess sozio-politischer Entwicklung, andererseits eine politische Zielvorstellung oder Strategie.
In ersterem Fall handelt es sich um die Entstehung einer gemeinsamen Gesellschaft mit einem zugehörigen Nationalstaat aus einem vorerst lockeren Verbund von Gemeinschaften. Dieser „Prozess kann aufgrund politischer, ökonomischer, sozialer, kultureller und anderer Dynamiken in Gang kommen“ 1 , verläuft aber nicht notwendigerweise erfolgreich. Dieser Prozess verläuft nicht per se friedlich, in der Geschichte hat es in Europa sowie in der Dritten Welt auch blutig verlaufende Nation-Building Prozesse gegeben. Diese Prozesse verlaufen teilweise ungesteuert, teilweise nehmen Akteure darauf Einfluss.
Im zweiten Fall handelt es sich um eine politische Zielvorstellung, also einer Strategie zur Erreichung konkreter Politikziele. Interne oder externe Akteure streben hierbei „die Schaffung eines nationalstaatlich verfassten politischen und sozialen Systems an, wenn dies ihren Interessen zu nützen scheint, wenn es bestimmte funktionale Erfordernisse besser erfüllt als ein zuvor bestehendes Arrangement oder wenn es ihre Macht stärkt oder ihre Gegner
schwächt.“ 2
In letzterem Fall dient der Begriff nicht der Analyse eines gesellschaftlichen Prozesses, sondern hat eine programmatische oder konzeptionelle Dimension. Er kann in diesem Zusammenhang eine Entwicklungs- oder eine imperiale Strategie sein, abhängig von den Motiven der ihn betreibenden Akteure.
2.2. Elemente des Nation-Building
Hippler beschreibt drei Kernelemente für erfolgreiches Nation-Building, die für beide Verwendungen des Begriffes gültig sind. 2.2.1. Eine Integrative Ideologie
Dieser Aspekt bedeutet, dass für die Entstehung einer nationalen Identität eine einigende Ideologie notwendig ist. Es handelt sich zumeist um diverse Spielarten des Nationalismus.
1 Hippler (2004); S18
2 ibid; S19
4
Insbesondere in ethnisch gemischten Gesellschaften ist die Herausbildung einer gemeinsamen Identität notwendig. Solange die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, einem Stamm oder Religionsgemeinschaft über der nationalen Identität steht, „wird ein Nationalstaat prekär bleiben.“ 3 Die Ideologie muss nicht notwendigerweise national sein -Verfassungspatriotismus, säkuläre Ideologien wie der Sozialismus, oder Religion können diese Funktion übernehmen. 2.2.2. Integration der Gesellschaft
Das erste Element betont das ideologische Zusammengehörigkeitsgefühl, hier ist gemeint, dass sich dies auch in der gesellschaftlichen Realität widerspiegeln muss. Die Kommunikation darf sich nicht primär unter den einzelnen Gruppen abspielen, sondern auch zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Dies hat nicht nur einen politisch kulturellen, sondern auch einen praktischen Hintergrund. Erfolgreiches „Nation-Building braucht eine nationale Infrastruktur. Verkehrs- und Kommunikationswege, die Herausbildung einer Nationalökonomie …, landesweite Massenmedien für die Etablierung eines nationalen
politischen und kulturellen Diskurses.“ 4
2.2.3. State-Building
Zu guter letzt ist die Schaffung eines funktionsfähigen Staatsapparates notwendig, der in der Lage ist sein Territorium zu kontrollieren. Dieses Element steht in engem Wechselspiel mit den beiden anderen, der Herausbildung einer politischen Gemeinschaft. Praktische Aspekte wären die „Schaffung einer finanziellen Basis für einen funktionierenden Staatsapparat, also ein wirksames Steuerwesen, ein organisiertes Polizei- und Rechtssystem, einen
Verwaltungsapparat, der im ganzen Land wirksam und akzeptiert wird.“ 5 Sein Personal muss sich primär mit ihm, also der Nation, und nicht ethno-religiösen Gruppen oder Clans identifizieren. Er muss fähig sein, das Gewaltmonopol im gesamten Territorium durchzusetzen.
Diese Elemente bilden ein Dreieck, von dessen Elementen nur gewisse leicht von außen bereitgestellt werden können, wie z.B. die Infrastruktur. Andere, wie die ideologische Legitimation können von außen nicht erbracht werden.
3 Hippler (2004); S21
4 ibid; S22
5 ibid; S23
5
3. Begriffsdefinition Staatszerfall (failed state) 6 und schwacher Staat (weak state) Staatszerfall kann als Umkehrprozess zur Staatenbildung verstanden werden. Ein zerfallender Staat ist einer, dessen politisches System in sich kollabiert. Der Staat wird bezweifelt oder hat kein Gewaltmonopol mehr inne, es kommt zu gesellschaftlichen oder ethnischen Konflikten und oft zum Bürgerkrieg. Es kann aber umgekehrt auch sein, dass schlecht bearbeitete Konflikte oder verlorene Kriege am Staat zweifeln lassen. Man kann von verschiedenen Stufen des Staatszerfalls ausgehen. In extremen Situationen zerfällt der Staat daraufhin - entweder in einzelne Teile, oder Rebellen übernehmen wichtige Funktionen des Staates.
Eine Grundlage, um Staatszerfall zu analysieren, kann das Völkerrecht bieten. Drei Merkmale müssen demnach einem Staat eigen sein: - Ausübung der Staatsgewalt, Gewaltmonopol - Staatsgebiet oder Territorium, bzw. die Kontrolle darüber - Staatsvolk
Nach diesen Merkmalen kann man Indikatoren für Staatszerfall identifizieren: - Staat verliert das Gewaltmonopol - durch Rebellen, Aufständische, Bürgerkrieg, usw. - Funktionsverlust staatlicher Institutionen, Verlust staatlicher Autorität - Mangelnde Fähigkeit das Territorium zu kontrollieren - Unfähigkeit für die Sicherheit der Bevölkerung garantieren zu können Die Indikatoren lassen sich natürlich beliebig untergliedern, insbesondere unter Punkt zwei fallen etwa die Sicherheitskräfte und die Armee, sowie ein funktionierendes Steuersystem. Den Begriff „schwacher Staaten“ verwende ich hier als Konzept nach Joel Migdal (1988), der den Staat in der Dritten Welt als im Konflikt mit der eigenen Gesellschaft befindlich begreift. „Schwach“ bezieht sich hier also nicht auf die institutionelle Schwäche, sondern das Verhältnis des Staats zu seiner Gesellschaft. Konfliktuelle Verhältnisse zwischen Staaten und Gesellschaften sind vor allem in Ländern der Dritten Welt bzw. ehemaligen Kolonien zu finden, wo der Staat nicht mit der Gesellschaft gewachsen ist, sondern von außen „aufgesetzt“ wurde. In der Terminologie des Nation-Building bedeutet dies, dass es sich um die konzeptuelle Form des Nation-Building handelt.
6 Ich beziehe mich hierbei auf unser Referat, einzusehen unter: http://evakreisky.at/2003-2004/staat-krieg/referat01_e.pdf
6
4. Ethno - Religiöse Gruppen im Irak
Abb. 1: Irak Ethnisch / Religiös I 7
Im Irak stellen die Schiiten die mit rund 60% größte Bevölkerungsgruppe dar. Wie in der folgenden Abbildung zu sehen ist sind auch die Ethnien nicht eindeutig Religionsgruppen zugeordnet. So gibt es etwa sunnitische und schiitische Araber, aber auch Kurden die entweder der einen oder der anderen Konfession angehören. Entsprechend heterogen sind auch die Religionsgemeinschaften bzw. ist es die Parteienlandschaft religiöser wie sekulärer Parteien.
7 Abb. aus: http://www.reliefweb.int/w/map.nsf/0/900034CCAF212B1885256C3800575EE5?Opendocument 2.6.2004
7
Abb. 2: Irak Ethnisch / Religiös II 8
8 http://www.tonyblair.hm/iraq/ethno.htm 2.6.2004
8
Arbeit zitieren:
Mag. Stefan Svec, 2005, Staatszerfall und Nation-Building im Irak unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Schiiten, München, GRIN Verlag GmbH
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