In der vorliegenden Arbeit werden die Ansätze und Ergebnisse aus der Analyse der Modalpartikeln „e- ben“ und „halt“ von Maria Thurmair (1989) und Werner Abraham (1991) erläutert, um diese anschlie- ßend mit eigenen Ergebnissen aus einer Umfrage vergleichen zu können. Es soll hierbei überprüft wer- den, inwiefern die zu Grunde liegenden Thesen von Thurmair (über „eben“ und „halt“) und Abraham (über „eben“) deckungsgleich mit den Resultaten aus der Umfrage sind (und somit verifiziert erscheinen), oder ob und welche Änderungsvorschläge angebracht sind. Die Umfrage mit einer Anzahl von 20 befrag- ten Personen ist selbstverständlich nicht als repräsentativ zu betrachten, sondern soll lediglich Tendenzen aufdecken und einen Eindruck vermitteln.
Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Kapitel 1 beinhaltet grundlegend eine kurze Darstellung der Klasse der Modalpartikeln im Allgemeinen, um in Kapitel 2 konkret auf „eben“ und „halt“ eingehen zu können. Kapitel 3 behandelt die Umfrage, zeigt die Ergebnisse und den Vergleich mit den behandelten Thesen von Thurmair und Abraham. Kapitel 4 beinhaltet ein Fazit, worauf in Kapitel 5 abschließend eine Zusammenfassung folgt.
1. Allgemeines
Modalpartikeln, auch Abtönungspartikeln genannt, bilden eine Gruppe von Partikeln, denen „in der ge- sprochenen Sprache eine wichtige Stellung zukommt“ (s. Linke, Nussbaumer, Portmann 1996:272). Sie haben weniger gesprächsorganisatorische Funktion, dienen also nicht ausdrücklich der Steuerung des Specherwechsels im Dialog, sind aber gleichwohl stark partnerbezogen. Durch Modalpartikeln gibt der Sprecher seinem Hörer insbesondere zu verstehen, wie die Geltung (s)einer Feststellung „modalisiert“, d.h. in den Kontext oder die Situation eingebunden werden kann. So „färben“ bzw. „tönen“ die Modalpar- tikeln die Sprache auf eine bestimmte Art und Weise, indem sie die Sprechereinstellung ausdrücken: in einer Bitte oder einer Aufforderung z.B. offensiv oder aggressiv, sanfter oder fordernder, je nachdem, ob der Gesprächspartner milde gestimmt werden soll um eine Bitte zu erfüllen, oder eher ein Befehl gegeben wird. Be ispiel:
Es ist Sonntagmorgen, 11 Uhr, Frau A benötigt Salz und geht zur Nachbarin: „Entschuldigung, Frau B, aber könnten sie mir vielleicht ein bißchen Salz leihen?“
Sowohl die Entschuldigung zu Beginn der Frage, als auch der Gebrauch der Modalpartikeln „aber“ und „vielleicht“ zeigen, dass Frau A die Störung im Grunde unangenehm ist, sie das Salz aber braucht und keinen anderen Ausweg weiß, als die Nachbarin zu fragen. Sie benötigt das Salz ja nicht nur „vielleicht“, sondern definitiv, und dem „aber“ geht keine These voran, die widerlegt werden soll. Es sind also über- flüssige Entschuldigungen, um die Forderung weniger offensiv zu gestalten; abgesehen davon, dass „ge- liehenes“ Salz nicht zurückgebracht werden kann. Ein Kind demgegenüber sagt einfach „Frau Meier, Salz bitte!“. „Kinder brauchen nicht dieses zwischenmenschliche Verhalten.“ 1
1 Beispiel von Münzer, Holger, gefunden bei www.kultur-netz.de, 1989-2001
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Wichtig sind folgende Eigenschaften der Modalpartikeln:
Ø sie sind unflektierbar Ø sie sind meistens unbetont Ø sie stehen im Mittelfeld des Satzes (vgl. Abraham 1991:244) Ø sie treten nur in bestimmten Satztypen auf Ø es gibt kein Wort, das nur als Modalpartikel vorkommt, d.h. es gibt eine Bedeutungsunter- scheidung bei einem in ein und derselben phonetischen Form auftretenden Wort (vgl. Abra- ham 1991:219) Modalpartikeln sind also im Grunde nur Modalpartikeln, weil sich ihre Bedeutung in der Sprache kon- ventionalisiert und von dem phonetisch gleichen Wort abgelöst hat. Ihre Bedeutung ist absolut unabhän- gig davon (vgl. Abraham 1991:234).
Viele Sprachen haben kaum oder keine Modalpartikeln (z.B. Französisch und Englisch), andere, wie z.B. Deutsch und Griechisch, sind partikelreich. Die skandinavischen Sprachen sind nicht partikelarm, aber auch nicht besonders partike lreich (s. Heggelund, Linguistik-Online 9,2/01). Es kann somit zu Schwierig- keiten bei Übersetzungen ko mmen.
Zu beachten bei der Untersuchung von Modalpartikeln ist die Unterscheidung zwischen Modalpartikeln und den Satzadverbien, die häufig als „Modalwörter“ bezeichnet werden. Auch Satzadverbien geben eine Stellungnahme des Sprechers wieder, sie können jedoch betont sein und sind vorfeldfähig. Beispiel: (a) Er hat vermutlich keine Zeit.
(b) Vermutlich hat er keine Zeit.
2. Die Modalpartikeln „eben“ und „halt“
2.1. „Eben“
„Eben“ kann als Lexem je nach syntaktischer Verwendung unterschiedlichen Wortklassen zugeordnet werden (vgl. Thurmair 1989:119):
a) Adjektiv Der Boden ist eben.
b) Temporales Adverb
c) Fokuspartikel
d) Modalpartikel Abraham führt an, dass es nötig sei den kontextuellen Zusammenhang zu betrachten, um zu erkennen, dass es sich um eine Modalpartikel handelt. Es spielen also die Position in der Felderstruktur, Betonung (bzw. das Fehlen derselben) und der Satztypus (vgl. Abraham 1991:219) eine entscheidende Rolle. Für die Modalpartikel „ eben“ heißt dies: Sie steht im Mittelfeld, ist unbetont und kommt in den Satztypen Aussagesatz und Imperativsatz vor (vgl. Thurmair 1989:119).
2.1.1. „Eben“ im Aussagesatz
Folgende Merkmale führt Thurmair zur Charakterisierung von „eben“ in Aussagesätzen an:
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allgemein gültig, definitiv und eindeutig und können deshalb nicht in Fragen stehen. Sie wirken als Folge daraus unabänderlich und weisen eine resignierende Komponente auf, denn der Sprecher der „Eben“-Äusserung entzieht dem Hörer die Möglichkeit, auf das Gesagte zu reagieren und den Sachver- halt nach seiner eigenen Meinung zu beurteilen, also eventuell abzuändern. Be ispiel: A: „Warum hast du mich nicht angerufen?“
B: „Ich hab es eben vergessen.“
A: „Wenn die Post schon geschlossen ist, dann schicke ich das Paket eben erst morgen
ab." Deswegen kann „eben“ nicht in Rede einleitenden bzw. Themen wechselnden Äusserungen vorkommen. In den meisten Fällen handelt es sich um einen kausalen Anschluß, bei dem die „eben“-Äusserung eine evidente Begründung bzw. Erklärung (als zwingende Folge) für die vorangegangene Äusserung liefert (vgl. Thurmair 1989:121). Ebenso häufig erscheint „eben“ in stereotypen, verallgemeinernden Aussa- gen („Amerikaner sind eben so.“) oder in lapidaren, oberflächlichen Entschuldigungen („Ich hab es eben nicht so gemeint.“). Die oben genannte resignierende Komp onente verleiht der Aussage eine End- gültigkeit, ohne dass die Äusserung eine wirkliche Begründung sein muss.
2.1.2. „Eben“ im Imperativsatz
Auch hier gelten die bereits oben genannten Merkmale
A: „Morgen muss ich zu einer Hochzeit, aber ich habe noch nicht einmal etwas passendes
anzuziehen.“
B: „Dann geh eben noch schnell einkaufen!“ Es handelt sich hierbei nicht um einen Befehl; allerdings wirkt die Aussage wie die offensichtlich einzige Lösung des Problems (ohne dass ein Eigeninteresse des Sprechers an der Ausführung der Handlung be- steht, sondern nur im Sinne von: „Wenn das dein Problem ist, dann musst du natürlich dies tun.“) Auch Abraham erklärt, dass der Gebrauch der Modalpartikel „eben“ den Eindruck hervorruft, dass man an einer Situation, die im vorher Gesagten beschrieben wurde, nichts ändern könne (vgl. Abraham 1991:219). Er erweitert diese Erkenntnis und beschreibt den Umstand als „...a rhetoric type of a a poste- riori-reasoning." (s. Abraham 1991:220), d.h. Sprecher B impliziert durch die Verwendung von „eben“ in seiner Antwort (also a posteriori, im Nachhinein, nachdem etwas gesagt wurde) schon rhetorisch (also keine weitere Antwort erwartend) eine Lösung (engl. reason), die (für Sprecher B) natürlich und selbst- verständlich folgen muss, obschon Sprecher A bei der Beschreibung des Sachverhaltes eventuell nicht daran dachte, eine solch definitive Lösung zu erhalten oder diese bezwecken wollte. Resignation und das Einstellen der Kommunikation daraufhin sind laut Abraham sekundäre, aus diesem primären Zustand folgende Konsequenzen und gelten somit als folgende Eigenschaften.
2.1.3. Bedeutung von „eben“ für den Kommunikationsablauf
„Eben“-Äusserungen wirken rechthaberisch, da der Sprecher dem Hörer anzeigt, dass der geäußerte Sachverhalt seiner Meinung nach nicht weiter zu begründen sei. Der Sprecher ist offensichtlich an einer
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Fortsetzung des Gesprächs nicht interessiert, denn das Thema erscheint für ihn abgeschlossen. So können Äusserungen mit „eben“ einem unsicheren Sprecher dazu verhelfen, über einen problematischen Sach- verhalt hinweg zu täuschen, ohne dass seine Meinung in Frage gestellt oder angezweifelt wird (und er sich eventuell weiter zu einem ihm unangenehmen Sachverhalt äußern müsste). Pragmatisch betrachtet eignen sich „eben“-Äusserungen also als Schlusswort bzw. als Kommunikati- onshemmer (nach dem Motto: „Das, was ich sage ist eben so....basta!“).
2.2. „Halt“
„Halt“ gilt als die süddeutsche Variante von „eben“, weshalb „die beiden Partikeln [meist] als bedeu- tungsgleich bezeichnet und zusammen abgehandelt“ (s. Thurmair 1989:123) werden 2 . Seit Mitte der 80er Jahre bestehen „halt“ und „eben“ allerdings auch im norddeutschen Raum nebeneinander, weswegen Thurmair sie getrennt behandelt und sowohl Gemeinsamke iten als auch Unterschiede aufzeigt. Sie betont: „(...) ‚eben‘ und ‚halt‘ „gleichen sich zwar in ihrer Bedeutung, sind aber nicht als Synonyme zu sehen.“ (s. Thurmair 1989:124) Zunächst ist Ihnen gemein, dass sie im Mittelfeld stehen, unbetont sind und sowohl im Aussage- als auch im Imperativsatz auftreten können.
2.2.1. „halt“ im Aussagesatz
Folgende Merkmale führt Thurmair zur Charakterisierung von „halt“ in Aussagesätzen an:
A: „Ich denke nicht, dass sie es nötig hat eine Diät zu machen. Aber sie will es unbedingt.
Naja, wir sehen das halt verschieden.“ „Halt“ erscheint somit etwas „abgeschwächter“ im Vergleich zu „eben“, vielleicht auch etwas „verbind- licher“. Der Sachverhalt der „halt“-Äusserung ist hierbei nicht weniger einleuchtend oder offenbar; er erscheint jedoch nicht letztendlich definitiv.
Das zu Grunde liegende Schema ist häufig Aussage – Erklärung/Begründung, die der Hörer akzeptie- ren und als beendeten Gedankengang (aber nicht als einzig annehmbare Lösung) annehmen soll. Beispiel: A: „Gestern ging es mir gar nicht gut. Ich bin halt so wetterfühlig.“
2.2.2. „Halt“ im Imperativsatz
Ebenso wie bei „eben“ gleichen sich die Merkmale, die „halt“ in Aussage- und Imp erativsätzen trägt, d.h. die Merkmale sind
2 So z.B. Elke Hentschel (vgl. 1986:8), die beschreibt, dass „es sich bei den beiden Partikeln [eben und halt] um Synonyme handelt“ und daher versucht, einen
konnotativen Unterschied zwischen den „scheinbaren Dubletten“ (s. Hentschel 1986:9) festzustellen.
Quote paper:
M.A. Barbara Mühlenhoff, 2002, Die Modalpartikeln "eben" und "halt" - Synchrone Betrachtung anhand grundlegender Thesen und einer Umfrage, Munich, GRIN Publishing GmbH
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