Gliederung
Seite:
1 Zum Themenverständnis 4
2 Z i e l s e t z u n g 8
2 1 K i n d e r 8
2. 2 Alte Menschen 9
2. 3 Beide Generationen 10
3 Planung des Projektes 12
3. 1 Projektspezifisches Bedingungsfeld 12
3. 2 Zur Vorbereitung der Kinder 13
3. 2 1 Vorerfahrungen 13
3. 2 2 Möglichkeiten der Vorbereitung 14
3. 3 Regeln für den Umgang zwischen den Kindern und den alten
Menschen 15
3. 4 Unsere Besucher 15
3. 4 1 Großeltern 16
3. 4 2 Seniorengruppen 16
3. 4 3 Altenheimbewohner 17
3. 5 Einladung 17
3. 6 Projektfragen 18
3 7 I n t e r v i e w s 2 0
3. 8 Ergebnissicherung 21
4 Durchführung des Projektes 22
4. 1 Begegnung 22
4 2 I n t e r v i e w s 2 3
2
4. 3 Ergebnissicherung 25
5 A u s w e r t u n g 2 7
5. 1 Kinderperspektive 27
5. 2 Perspektive der alten M e n s c h e n 2 8
5. 3 Familienperspektive 29
5 4 A u s b l i c k 2 9
6 Q u e l l e n v e r z e i c h n i s 3 1
3
1 Zum Themenverständnis
Gemäß der Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung für die Lehrämter an Schulen (OVP) § 33 vom 11.November 2003 soll ich mich in der Hausarbeit systematisch mit einem Gegenstand meiner pädagogischen Praxis auseinandersetzen und zeigen, dass ich fähig bin, Konzepte für die Anwendung in der Schule zu entwickeln.
In meiner pädagogischen Praxis zeigt sich, dass Kinder heute kaum noch Begegnungen mit älteren Menschen haben. Die Gegenwart zeichnet sich durch einen raschen Wandel und eine zunehmende Entfremdung der Lebenswelten aus. Und obwohl das Zusammenleben der Generationen unter einem Dach in den vergangenen Jahrhunderten selbstverständlich war, 1 gibt es heute kaum noch Berührungen zwischen den Generationen. Gibt es sie doch, so stellt dies bereits eine berichtenswerte Sensation dar. 2 Die Generationen haben sich heute spürbar auseinander entwickelt. Angeheizt durch die Medien entsteht das Bild einer brüchiger werdenden Generationensolidarität. Die Distanz zwischen den Generationen ist oft so groß, dass der soziale Friede gefährdet scheint. Deutlich zeigt sich dies beispielsweise in der Armutsdebatte, in der unter Überschriften wie „Arme Junge, reiche Alte“ oder „(Verteilungs-) Kampf der Generationen“ eine soziale Polarisierung stattfindet. 3 Diese zunehmende Distanz macht sich auch im schulischen Leben bemerkbar: Kinder haben vielfach nur noch sporadisch Kontakt zu alten Menschen. 4 Eine solche Entwicklung einer Entfremdung der Lebenswelten führt schließlich zu einer Verinselung der Generationen. Auf Seiten der Kinder lässt sich dies daran erkennen, dass sie überwiegend ein Leben in pädagogisch besetzten Räumen führen, die für sie geschaffen wurden und zwischen denen sie meist ausschließlich hin und her wechseln. Dazu gehören beispielsweise die Schule, der Hort, Sportvereine und die Musikschule. In Zukunft wird dieser Trend durch den flächendeckenden Ausbau der Ganztagsangebote vermutlich noch verstärkt. Aus dieser einseitigen Einschränkung des Personenkreises, zu dem Kinder oft nur noch Zugang haben, resultieren erkennbar Defizite für die Entwicklung. 5 So hat man heute vielfach den Eindruck, Kindern
1 vgl. Pädagogisches Konzept, S. 9; Becker-Textor, S. 61.
2 s. 37°: Das Vier-Generationen-Haus. Was Großfamilien zusammenhält. Dokumentation, 3sat v. 07.04.2005, 18.00-18.30h.
3 Butterwegge/ Klundt, S. 21; Niejahr, Die Zeit v. 21.10.99.
4 Heiß/ Textor, S. 34; Amrhein/ Schüler, S. 9.
5 vgl. Becker-Textor, S. 61.
4
sind das Gefühl und die Wahrnehmung für ihre Umwelt und ihre Mitmenschen verloren gegangen. 6
Aber auch die alten Menschen führen heute eher ein ausgefülltes Rentnerleben in der eigenen Generation bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie nicht mehr für sich sorgen können und in für sie bestimmten Räumen auf das Abstellgleis geschoben werden. Kontakte von alten Menschen zu Kindern kommen so nur vereinzelt zu Stande.
Dabei sind heute alte Menschen so lange geistig und körperlich fit wie keine Generation zuvor. Viele fürchten sich vor Vereinsamung oder davor, im Alter eine Last zu werden und wünschen sich sinnvolle Aufgaben in der dritten Lebenshälfte nach dem Nachlassen familiärer Verpflichtungen und dem Ausscheiden aus dem Berufsleben. 7 Stattdessen verbringen beide Generationen ein Leben in den für sie vorgesehenen Einrichtungen, in denen sie völlig voneinander getrennt leben und betreut werden. 8 Durch diese Verinselung können jedoch beidseitig bereichernde Erfahrungen zwischen Kindern und alten Menschen nicht gemacht werden. 9 Dabei zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass früher mit dem intergenerationellen Zusammenleben ein gegenseitiges Profitieren einherging. 10 Auch heute könnten die Kinder in Begegnungen von der Lebenserfahrung der alten Menschen profitieren. Zudem könnten sie ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten verbessern.
Allein durch die Veränderung der Altersstruktur 11 drängt sich die Frage auf, ob nicht das bei den alten Menschen offenbar werdende Potenzial an Wissen und Erfahrung nachfolgenden Generationen zugänglich gemacht werden sollte. Außerdem zeigt sich, dass nicht nur die Kinder von einer Kontaktaufnahme mit alten Menschen profitieren, beide Generationen können durch gegenseitiges Engagement dauerhaft etwas voneinander lernen. Aus diesen Gründen erscheint es mir wichtig, Kindern Gelegenheit zu einer Kontaktaufnahme mit alten Menschen zu geben. Im Übrigen wird auch den Vorgaben des Lehrplanes genüge getan. So lässt sich ein solches Projekt den im Lehrplan vorgesehenen
6 vgl. Hurrelmann, Gewalt macht Schule.
7 vgl. EFI, S. 2f.; vgl. Amrhein/ Schüler, S. 9.
8 vgl. www.mobile-familienmagazin.de.
9 vgl. Heiß/ Textor, S. 34.
10 vgl. Pädagogisches Konzept S. 9; Becker-Textor, S. 61.
11 vgl. Joachim Bublath, ZDF, 22.15-22.45h v.5. 4. 2005.
5
Aufgabenschwerpunkten „Zeiteinteilung und Zeitabläufe“, sowie „Früher und heute“ zuordnen. 12
Das Interesse an einer Kontaktaufnahme mit alten Menschen wurde bereits konkludent in den Äußerungen der Kinder deutlich. So zeigten die Schülerinnen und Schüler in freien Unterrichtsgesprächen immer wieder Interesse am Leben beziehungsweise an der Schule früher. Dies habe ich zum Anlass genommen, die Kinder zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit dem Thema anzuregen.
Eine besondere Motivation war nicht erforderlich, da die Kinder selbst den Einfall hatten, durch eine Kontaktaufnahme Erlebnisse und Erfahrungen aus erster Hand zu bekommen. Ausdrücklich ging es den Kindern und mir um mehr als eine ritualisierte Veranstaltung für Jung und Alt, wie es beispielsweise beim Vorsingen von Kindern in Altenheimen in der Adventszeit der Fall ist. 13
Grundgedanke der Projektplanung ist die Prämisse „Kölner Schülerinnen und Schüler engagieren sich!“ Das vor allem soziale Engagement der Kinder gegenüber den alten Menschen beschreibe ich ausführlich im zweiten Abschnitt der Arbeit. Daneben bedeutet `sich engagieren´ aber auch, dass sich die Kinder persönlich darum kümmern, zu der sie interessierenden Sachlage selbständig Antworten zu erarbeiten und zu präsentieren. Dieses Ziel lässt sich am besten im Rahmen des projektorientierten Unterrichts erreichen: die Kinder können selbständig ihr Projekt planen und durchführen, wodurch die Eigeninitiative gefördert wird; der Lehrer hat lediglich begleitende Funktion. 14 So werden im Übrigen noch das soziale Lernen und die Erziehung zum sozialen Miteinander gefördert. Diese Fähigkeit, situationsangemessen mit sich und anderen umgehen zu können, ist nicht nur ein weiteres wichtiges Lernziel des Projektes sondern bekommt im Hinblick auf den weiteren Lebensweg einen zunehmend höheren Stellenwert. 15 Durch die Durchführung des Projektes kann der Klassenraum, und bei weiteren Projekten sogar die ganze Schule, ein wirklicher, zentraler Lebens- und Erfahrungsraum werden. Die Schule könnte darüber hinaus als Begegnungsstätte Zentrum des Gemeinwesens werden. 16
12 LP, S. 62.
13 vgl. www.mobile-familienmagazin.de.
14 vgl. Miller, S. 91.
15 www.lernen-foerdern-bw.de.
16 vgl. Becker-Textor, S. 61.
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Im Rahmen des Projektes und der Konzeptentwicklung zur Anbahnung von Begegnungen spielen die Lehrerfunktionen Erziehen, Unterrichten, Organisieren, Innovieren und Evaluieren eine besondere Rolle.
Im nun folgenden Abschnitt geht es zunächst um die Festlegung der Ziele. Dabei ist zwischen den von den Kindern und den von mir verfolgten Zielen zu unterscheiden. Während bei den Kindern der Wissenszuwachs im Vordergrund steht, geht es mir in erster Linie um soziale Ziele, die durch das Engagement der Schülerinnen und Schüler erreicht werden sollen. Anschließend werde ich die notwendigen Aspekte eines Begegnungskonzeptes kurz darstellen und daraus ein auf die Kinder und die Schule bezogenes Konzept konkretisieren. Um der Idee eines projektorientierten Unterrichtes gerecht zu werden, stammen die Einzelheiten der Projektplanung überwiegend von den Kindern. Meine Aufgabe besteht darin, die Kinder zu unterstützen und aus dem Konvolut an Ideen das Wesentliche herauszufiltern, zu ergänzen und hieraus das angesprochene Konzept zu entwickeln.
Anschließend werde ich die Durchführung des Projektes beschreiben und dieses abschließend auswerten.
7
2 Zielsetzung
Durch die Zusammenführung der Generationen an den Altersrändern unserer Gesellschaft soll die Möglichkeit entstehen, dass sowohl die Kinder als auch die alten Menschen dauerhaft etwas voneinander lernen. Dabei geht es nicht nur um einen reinen Wissenszuwachs sondern auch um eine Verbesserung der Sozialkompetenzen.
Bereits in der Einführung habe ich kurz umrissen, welches Wissen und welche Kompetenzen sich Alt und Jung durch die Begegnung miteinander aneignen können. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Beteiligten bestimmte Dinge besser voneinander lernen können, als einzeln.
Im Folgenden werde ich die Ziele um einige, vor allem soziale Aspekte ergänzen. Zunächst beginne ich mit den Zielen, die die Kinder verfolgen, dann die der Alten und abschließend gemeinsame Ziele beider Generationen.
Zu Bedenken ist allerdings, dass die Ziele, die erreicht werden können, stark von der Gruppe der alten Menschen und der Kinder abhängen. 17 Daher sind die genannten Ziele als Gesamtheit der erreichbaren Ziele zu verstehen, nicht als Ziele, die durch das konkrete Projekt erreicht werden können.
2.1 Kinder
Durch die Begegnung mit alten Menschen können die Kinder vielfältige (Lern-) Ziele erreichen.
Sie können soziale Verhaltensweisen wie Achtung und Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Empathie, Höflichkeit und Solidarität entwickeln. Im Umgang mit den alten Menschen haben sie außerdem die Möglichkeit, ihre kommunikativen Fähigkeiten zu schulen. 18 Sie können Bereiche des Lebens kennen lernen, in die sie normalerweise sonst keinen Einblick haben. 19 Zu nennen sind hier zum Beispiel die Probleme, die alte Menschen aufgrund ihres Alters und damit einhergehend ihren Gebrechen möglicherweise in ihrem täglichen Leben haben. Die Kinder können dann erkennen, wie wichtig soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft diesen Menschen gegenüber sind. Des Weiteren können sie ein Bewusstsein für Alterungsprozesse aufbauen und dafür, dass auch sie einmal
17 vgl. hierzu 3. 1 Projektspezifisches Bedingungsfeld und 3. 4 Unsere Besucher.
18 vgl. Heiß/ Textor, S. 35; vgl. Pädagogisches Konzept, S. 12; vgl. mwN Behr-Heintze/ Lipski, S. 22.
19 vgl. www.mobile-familienmagazin.de.
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alt werden. So erfahren sie die Ganzheitlichkeit des Lebens: von der Geburt über die Kindheit und die Jugend und das Erwachsensein bis hin zum Alter und zum Tod.
Sie erwerben Wissen über das Alter. Und indem sie alte Menschen als dazugehörig und wertvoll für unsere Gesellschaft kennen lernen, lernen sie Verantwortungsbewusstsein für die alten Menschen und damit für die Gesellschaft zu übernehmen. 20
Durch den Erwerb vor allem von sozialen Schlüsselkompetenzen kann sich ein stabiles Wertesystem entwickeln und festigen und die Kinder erlangen die Fähigkeit zum gesellschaftlichen Zusammenleben.
Sie können außerdem vom Erfahrungsschatz der alten Menschen profitieren. Das bedeutet, dass sich die Schülerinnen und Schüler also mithilfe der alten Menschen sowohl Kenntnisse über das Lebens (also auch die Schule) früher aneignen können, als auch von der Möglichkeit profitieren, zwischen Vergangenheit und Gegenwart lebendig vermittelt zu bekommen. Denkbar ist etwa, dass die Schülerinnen und Schüler etwas über Berufe erlernen, die heute nicht mehr ausgeübt werden, die aber die alten Menschen ihnen Nahe bringen können. Auf der anderen Seite können sie etwas über die Schwierigkeiten des täglichen Lebens früher erfahren, und wie sehr sich das Leben der Kinder früher von ihrem heutigen, eigenen Leben unterscheidet.
Des Weiteren können die Schülerinnen und Schüler die Geduld und die Zeit genießen, die die Senioren während der Begegnung für sie haben. 21 Damit unterscheiden sie sich von vielen Eltern: diese haben heute beispielsweise, weil sie arbeiten müssen oder einfach aus Desinteresse vielfach kaum noch Zeit für ihre Kinder.
2. 2 Alte Menschen
Schaut man sich die große Menge an Zielen an, die durch ein Projekt zur Anbahnung von Begegnungen zwischen Alt und Jung schon auf Seiten der Jungen erreicht werden kann, erscheint dies bereits ausreichend, um im Rahmen einer Examensarbeit die Entwicklung eines Begegnungskonzept zu rechtfertigen. Aber nicht nur die Kinder können von Begegnungen mit alten Menschen profitieren.
Auch für die alten Menschen kann sich die Kontaktaufnahme der Kinder auszahlen. Genau wie für die Schülerinnen und Schüler bietet sich für die alten Menschen durch die 20 Heiß/ Textor, S. 35.
21 Pädagogisches Konzept., S. 12; vgl. Comenius Institut, S. 4.
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Eike Weimann, 2005, "Kölner Schüler engagieren sich!" Kinder einer Grundschule begegnen Senioren, Munich, GRIN Publishing GmbH
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