Gliederung
1. Einleitung 2
2. Das Konzept des Occasionalismus 2
3. Malebranches Einfluß auf Leibniz 4
4. Spiegel des Universums 5
5. Beziehungen zwischen den Substanzen 5
5.1. Materie ist mehr als reine Ausdehnung 5
5.2. Bindung des Geistes an die Materie 6
5.3. Fensterlosigkeit 6
5.3.1. Kausalität zwischen Körper und Seele 7
5.3.2. Wunder 7
5.3.3. Unabhängigkeit und Freiheit 8
5.4. Prästabilierte Harmonie 9
6. Unterscheidung zwischen den Handlungen Gottes
und denen der Kreaturen 10
7. Unwillentliche und unvollkommene Handlungen 11
8. Resume 12
Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
Bereits seit Leibniz Lebzeiten finden sich in der Philosophie Meinungen, daß Leibniz' Prästabilierte Harmonie sich nicht grundlegend vom Occasionalismus unterscheide, so z.B. bei Arnauld und Foucher. 1 Im Rahmen dieser Arbeit sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Systeme aufgezeigt werden.
Nach einem kurzen allgemeinen Abriß über den Occasionalismus sowie den Einfluß Malebranches auf Leibniz werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Ansätze von Malebranche und Leibniz aufgezeigt.
2. Das Konzept des Occasionalismus
Aus Descartes' Lehre der substantiellen Verschiedenheit von Körper (Ausdehnung) und Geist (Denken) folgt für die Occasionalisten (Clauberg, de la Forge, Cordemoy, Malebranche, Geulincx) die Unmöglichkeit der gegenseitigen Einwirkung von Körper und Seele. Wenn aber Körper und Geist sich nicht ursächlich beeinflussen, kann der offensichtliche Zusammenhang zwischen p hysiologischen Vorgängen einerseits und Bewußtseinsvorgängen andererseits nur erklärt werden durch die Einwirkung Gottes. Nicht natürliche Ursachen, sondern Gott allein wirkt aufgrund seiner eigenen Gesetzmäßigkeit unmittelbar ein. Gott ruft also bei Gelegenheit (frz. "occasion") körperlicher Bewegungen entsprechende mentale Zustände bzw. bei Gelegenheit mentaler Zustände entsprechende Bewegungen hervor. Das Eine ist somit nur Gelegenheit für Gott, das Andere hervorzubringen. 2 Wäre ein Individuum selbst die
1 Brown, Stuart: Leibniz's Crossing From Occasional Causes to the Pre-established Harmony, in: Leibniz, Tradition und Aktualität. V. Internationaler Leibniz-Kongreß Hannover 1988. Vorträge. Hannover 1988, S. 116 - 123 2 Röd, Wolfgang (Hg.): Geschichte der Philosophie , Bd. VII, München: Beck 1999, S. 126ff
2
Ursache, z.B. seinen Arm zu bewegen, würde dies nach Malebranche voraussetzen, daß es wüßte, wie diese Bewegung physiologisch erzeugt werden kann, was aber zumindest nicht immer der Fall ist. 3 So kann nur Gottes Wille allein die Ursache sein. Aus dieser Auffassung folgt die völlige Passivität aller Geschöpfe sowie des Geistes, die keine eigene Wirksamkeit besitzen.
Das selbe gilt für die Beziehungen zwischen materiellen Dingen untereinander. Nach der cartesischen Auffassung werden materielle Dinge als reine Ausdehnung definiert, deren Beziehungen untereinander nur geometrisch charakterisiert werden können. Daraus folgt, daß Kausalbeziehungen zwischen materiellen Dingen ebenfalls nicht denkbar sind. Als ersten Bewegungsanstoß läßt Gott aus Anlaß bestimmter materieller Vorgänge andere eintreten. Eine andere Annahme ist lt. Malebranche absurd, da die Behauptung, ein Körper, der ruht, weil Gott es so will, werde von einem anderen Körper in Bewegung gesetzt, hieße, zu behaupten, es werde eine Bewegung gegen de n Willen Gottes ausgeführt. 4 Bewegung wird zurückgeführt auf die cartesische Auffassung der Erhaltung der Welt als Neuschaffung in jedem Zeitmoment. Wenn die Welt in jedem Augenblick neu ist, kann aber ein Zustand im vorangegangenen Moment nicht Ursache eines folgenden Zustandes sein. Somit kommt als Ursache nur Gott in Betracht, der einen bewegt erscheinenden Körper in unterschiedlichen Momenten an unterschiedlichen Orten neu erschafft. Gott ist also die alleinige Bewegungsursache.
Kausalität besteht hier nur hinsichtlich der alleinigen Wirkung Gottes nach seinen unveränderlichen Gesetzen. 5
3
Edwards, Paul (Hg.): The Encyclopedia of Philosophy, Vol. 5, New York:
The Macmillan Company + The Free Press, 1967
4 Röd, a.a.O
5 Röd, a.a.O.
3
3. Malebranches Einfluß auf Leibniz
Leibniz entwickelte seine Metaphysik v.a. in der Auseinandersetzung mit den Werken Descartes und Malebranches. 6 Er verstand seine Position nicht als Zurückweisung, sondern vielmehr als Weiterentwicklung des Ansatzes von Malebranche.
So ist Leibniz wie Malebranche überzeugt, daß Gott nichts zufällig, d.h. ohne gute Gründe, und, aufgrund seiner Vollkommenheit, mit dem besten Ergebnis, tut. "Denn zu glauben, Gott handele in irgendeinem Falle, ohne einen Grund für seinen Willen zu haben, das ist, abgesehen davon, daß es unmöglich scheint, eine Ansicht, die seiner Herrlichkeit wenig angemessen ist." 7 Aufgrund des zunächst vorhandenen starken occasionalistischen Einflusses stellt Brown fest, Leibniz gelangte über die Modifikation einer zunächst semi-occasionalistischen Position zu seinem System der Prästabilierten Harmonie. 8
Trotz einiger Übereinstimmungen legte Leibniz jedoch großen Wert auf die Unterschiede zwischen beiden Sichtweisen. 9
6 Holz, Hans Heinz: Einführung in die Philosophie von Leibniz, Kurs Nr. 3371 der Fernuniversität Hagen, 1997, S. 31ff 7 DM: Gottfried Wilhelm Leibniz: Metaphysische Abhandlung, , Hamburg: Meiner, 1985, § 3 8 Brown, Stuart: Malebranche's Occasionalism and Leibniz's Pre-established Harmony: an "Easy Crossing" on an Unbridgeable Gap?, in Leibniz' Auseinandersetzung mit Vorgängern und Zeitgenossen, hg. v. Ingeborg Marchlewitz u. Albert Heinekamp. Stuttgart 1990 9 Woolhouse, Roger S.: Leibniz and Occasionalism, in: Metaphysics and Philosophy of Sciences in the Seventeeth and Eigteenth Centuries, Dordrecht 1988, S. 165 -
183
4
Quote paper:
Angelika Deml, 2004, Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Leibniz' System der Prästabilierten Harmonie und dem System des Okkasionalismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Das Glück des Philosophen in Aristoteles' Nikomachischer Ethik
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Intermediate Examination Paper, 25 Pages
Aristoteles Nikomachische Ethik
Der Zusammenhang zwischen dem ...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Kants "Metaphysik der Sitten": Brauchbare Moral oder Ideal u...
Über die Frage: Wie ist ein ka...
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Intermediate Examination Paper, 27 Pages
Die Klugheit in Aristoteles' Nikomachischer Ethik
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Termpaper, 12 Pages
Die Frage nach der Moral menschlicher Handlungen
Die unterschiedlichen Herangeh...
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Termpaper, 22 Pages
Zur Nikomachischen Ethik VIII bis IX: Freundschaft (philia)
Ein kurzer, hermeneutischer Um...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Essay, 11 Pages
Freiwilligkeit und Unfreiwilligkeit in der Nikomachischen Ethik des Ar...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Zur Begründung der Menschenwür...
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Neuzeitliche Religionskritik - Friedrich Nietzsche
Theology - Systematic Theology
Elaboration, 15 Pages
Die Lustabhandlungen in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Termpaper, 19 Pages
Das Übel in der besten aller möglichen Welten
Leibniz und die Theodizee
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Wann eine Maxime moralisch ist
Die Begriffe Gesetz, Prinzip, ...
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Termpaper, 12 Pages
Ist die Freiheit noch zu retten? Lösungsvorschläge zur Vereinbarkeit v...
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholary Paper (Seminar), 28 Pages
Inneres ist Äußeres. Ludwig Wittgenstein über das Leib-Seele-Problem
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Foucault 'Überwachen und Strafen'. Eine Analyse
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Termpaper, 17 Pages
Angelika Deml has published the text Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Leibniz' System der Prästabilierten Harmonie und dem System des Okkasionalismus
Angelika Deml has uploaded a new text
Unterschiede und Gemeinsamkeiten des zivilprozessualen und des strafpr...
Matthias Schönberger
Leibniz à travers le prisme de la culture arabe
Les enjeux de l'engagement rat...
Ben Guiza Tahar
0 comments