Universität Münster
Philosophisches Seminar
Zwischenprüfungsarbeit
Die aristotelische Klugheit
von
Aline Wisniewski
Studiengang : MA ( Deu, Ge, Phil )
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die aristotelische Tugendlehre 2
2.1. Die dianoethischen Tugenden 3
2.2. Die Klugheit 5
2.3. Die Klugheit in Abgrenzung zu den anderen Wahrheitsvermögen der Seele 7
2.4. Die veränderte Betrachtung & Gewichtung der Klugheit in der Geschichte seit Aristoteles 11
3. Schlussbetrachtung 14
4. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Man kann nicht im eigentlichen Sinne tugendhaft sein ohne Klugheit, noch klug ohne sittliche Tugend.
Aristoteles 1
Die Klugheit gilt als die zentrale Tugend im Werk des Aristoteles, da „keine Handlung, keine Tugend - jedenfalls keine handelnde Tugend - [...] ohne sie [auskäme].“2. Was die Klugheit zu einer solch entscheidenden Tugend macht, soll im Verlauf der vorliegenden Arbeit dargestellt werden. Dazu werde ich zu Beginn meiner Arbeit genauer auf die allgemeine Tugendlehre des Aristoteles eingehen, um sein Modell der ethischen und dianoethischen Tugenden zu erklären.
Auf letztere werde ich mich dann im ersten Unterpunkt meiner Arbeit genauer konzentrieren, um dann speziell auf die Tugend der Klugheit eingehen zu können, um zu klären, ob sie wirklich so wichtig für das Aristotelische Modell der Tugendlehre ist, wie das oben angegebene Zitat vermuten lassen möchte. Um die Klugheit dann differenzierter beleuchten zu können, werde ich danach alle von Aristoteles genannten Wahrheitsvermögen der Seele unter dem Aspekt ihrer Ähnlichkeiten mit dieser Tugend betrachten. Abschließend werde ich erläutern, inwieweit sich der aristotelische Begriff der Klugheit seit der Antike bis heute verändert hat und welche Rolle dieser Begriff in der aktuellen Ethikdiskussion spielt. Dabei werde ich versuchen, anhand von einigen historischen Beispielen den Wandel der Bedeutung dieser Tugend darzulegen.
2. Die aristotelische Tugendlehre
„[Aristoteles war ] der erste Philosoph, der die Domäne der Ethik als eigenständige Disziplin betrachtete“, und sie entgegen seinen Vorgängern, namentlich Platon, als praktische Philosophie verstanden wissen wollte.3
Dabei wird in der Nikomachischen Ethik besonders deutlich, daß Aristoteles seine Umgebung genauestens studiert haben muß, denn „er definiert die Tugend, teilt ein, beschreibt sie im einzelnen mit einem erstaunlichen Blick für die vielgestaltigsten Details und zeigt praktische Wege, die zur Tugend führen.“4 Doch was ist mit dem Begriff der Tugend gemeint? Was heißt, man muß tugendgemäß handeln, um glücklich zu werden?
Tugend ist für Aristoteles „ein Verhalten der Entscheidung, begründet in der Mitte im Bezug auf uns, einer Mitte, die durch Vernunft bestimmt wird und danach, wie sie der Verständige bestimmen würde.“5 Kurz: „Tugend ist das naturgerechte Handeln des Menschen in seiner Vollkommenheit.“6
Dabei unterscheidet Aristoteles zwei Arten von Tugenden. Zum einen die ethischen Tugenden, die wir zwar von Natur aus als Vermögen besitzen, welche wir aber erst durch Gewöhnung vollenden bzw. verwirklichen können.7 Als Beispiel beschreibt Aristoteles hier die Arbeit des Baumeisters, der erst durch das Bauen sein Handwerk lernt; und je nachdem, ob er dabei seiner Arbeit gut oder schlecht nachkommt, wird er zum guten oder schlechten Baumeister.
Und so verhält es sich auch mit den Tugenden:
Der Mensch kommt nicht mit der Ausprägung „gerecht“ oder „ungerecht“ auf die Welt, sein wiederholtes Verhalten im kommerziellen Verkehr machen ihn entweder zum einen oder zum anderen.8 Ein weiteres Charakteristikum dieser Tugenden ist das Prinzip der Mitte, daher auch ihr Name „Mesotoslehre“9. Sie besagt, daß Tugenden immer die Mitte zwischen zwei Extremen bilden. Dazu heißt es bei Aristoteles: ..die Tugend [ ist ] hinsichtlich ihres Wesens und ihres Was - Seins eine Mitte, nach der Vorzüglichkeit und Vollkommenheit aber das Höchste.“10 Als Beispiel sei hier der Mut als Mitte gewählt, der zwischen den Extremen der Feigheit - dem zuwenig - und der Tollkühnheit - dem zuviel - steht.
[...]
1 Vgl. Aristoteles: Nikomachische Ethik, übers. Eugen Rolfes, Hamburg 1985, VI., 13, S.149, 1144b31
2 Comte-Sponville,Andrè: Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben, Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte, 2. Aufl., Reinbek bei Hamburg 2001, S.47
3 vgl. Graeser, Andreas: Geschichte der Philosophie, Bd. II., 2. überarb. und erw. Aufl., München 1993, S.243
4 Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. I., 12. überarb. Aufl., Freiburg im Breisgau 1980, S.232
5 Aristoteles: Nikomachische Ethik, übers. Olof Gigon, München 2002, II., 6, S.141, 1106b36ff
6 Hirschberger, J.: G.d.P., S. 232
7 vgl. Aristoteles: N. E., Rolfes, II., 1, S.26 , 1103a25
8 vgl. Aristoteles: N. E., Rolfes, II., 1, S.26 , 1103b15
9 Höffe, Otfried: Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, München 1995, S. 310
10 Aristoteles: N. E., Gigon, II., 6, S. 141, 1107a6
Arbeit zitieren:
Aline Wisniewski, 2004, Die aristotelische Klugheit, München, GRIN Verlag GmbH
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