Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung
2 Die Entstehung der bürgerlich-modernen Familie
3 Familialer Strukturwandel im Spiegel der Demographie
3.1 Geburtenentwicklung
3.2 Eheschließungen
3.3 Ehescheidungen
4 Differenzierung privater Lebensformen
4.1 Nichteheliche Lebensgemeinschaften
4.2 „Kinderlosigkeit/ kinderlose Ehen“
4.3 Alleinerziehende
4.4 Alleinlebende und „Singles“
5 Fazit
1 Einleitung
Die in unserem Kulturkreis übliche Vorstellung von Familie, ist das Aufwachsen bei den leiblichen, verheirateten Eltern - im Idealfall mit einem oder mehreren Geschwistern. Die Realität sieht jedoch anders aus. Seit Mitte der 60er Jahre vollzieht sich in Deutschland ein Wandel innerhalb der tradierten Lebens- und Familienformen. Zunehmend haben sich neue, „alternative“ Formen, wie z. B. Stieffamilien, kinderlose Ehen, nichteheliche Lebensgemeinschaften u. a., etabliert und sind mittlerweile gängiger Alltag in unserer Gesellschaft. Steckt die Familie wirklich in einer Krise, wie es vielfach befürchtet wird, oder sind die die Entwicklungstendenzen der letzten Jahrzehnte als notwendige Antwort auf die Gegebenheiten unserer modernen Gesellschaft anzusehen? Um dieser Frage nachzugehen, sollen im Folgenden relevante demographische Veränderungen skizziert werden.
Des Weiteren sollen einige der vorherrschenden „neuen“ Familien- und Haushaltsformen vorgestellt werden.
Ausgehend von diesen Ausführungen soll Stellung zu der Frage genommen werden, ob die Familie einen Bedeutungsverlust, v. a. bei jungen Menschen erfahren hat, und inwiefern der familiale Normaltypus noch erstrebenswert ist.
2 Die Herausbildung der modernen Kleinfamilie
Die bürgerlich-moderne Kleinfamilie hat sich in zwei aufeinander folgenden Phasen herausgebildet.
Die erste Phase setzte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein, als sich zunehmend ein gebildetes und begütertes Bürgertum etablierte. Die Trennung von Wohn- und Arbeitswelt führte dazu, dass die Erwerbsarbeit aus dem Lebensbereich der Familie ausgelagert wurde. Ebenso wurden vormals im familiären Haushalt geleistete Aufgaben, wie z. B. die Versorgung bei Krankheit und im Alter nach außen abgegeben. (vgl. Meyer 2002, S. 402) Diese Aufteilung war Vorraussetzung dafür, dass sich die Familie zu einem „…privatisierten, auf
emotional-intime Funktionen spezialisierten Teilbereich…“ (Peuckert 1999, S. 22) entfalten konnte. Die „Liebe“ wird zum Leitmotiv der Ehestiftung. (vgl. Peuckert, S. 22) Ferner wird die Kindheit als eigenständige Lebensphase anerkannt. (ebd.) Die Geschlechterrollen werden neu definiert - dem Ehemann obliegt als „Ernährer“ die außerhäusliche Welt, während die Ehefrau sich liebevoll um Familie und Haushalt zu kümmern hat. (vgl. Meyer 2002, S. 403) In der zweiten Phase, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wird „…eine zunehmend alle Schichten umgreifende Orientierung am bürgerlichen Familienmodell…“ (Meyer 2002, S. 403) deutlich. Dieses Leitbild wurde jedoch vorerst nur von einem kleinen Kreis privilegierter bürgerlicher Schichten umgesetzt. Die Wandlungsprozesse der 50er und frühen 60er Jahre waren maßgeblich für die „…Etablierung und Generalisierung eines des modernen, bürgerlich gefärbten Familienmusters…“ (Peuckert 1999, S. 24) Mit dem „Wirtschaftswunder“ und dem damit verbundenen Ausbau des Sozialsystems, verbesserten sich die Lebensverhältnisse der meisten Menschen. Damit wurde die „…moderne Kleinfamilie zur dominanten, massenhaft gelebten („normalen“) Lebensform.“ (ebd.)
Das Muster der modernen Familie ist gekennzeichnet durch lebenslange und monogame Ehe, deren Sinn in der Familiengründung liegt. Die Ehefrau ist als Mutter für emotionale Bedürfnisse und den Haushalt zuständig. Der Ehemann und Vater ist das autoritäre „Haupt“ der Familie und verantwortlich für die organisatorischen Seiten des Familienlebens. „Alternative“ Lebensformen wurden als „Notlösungen“ angesehen und verpönt. (vgl. Peuckert 1999, S. 25)
3. Familialer Strukturwandel im Spiegel der Demographie
3.1 Geburtenentwicklung
In Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten, ähnlich wie in vielen anderen Industrienationen auch, ein starker Rückgang der Geburtenzahlen zu beobachten. Die ausschlaggebende Wende vollzog sich während der Industrialisierung. Mit den neuen sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen sanken die Geburtenzahlen - man spricht von einem „demographischen Übergang“. Damit
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„…werden jene Analysen zur Bevölkerungsentwicklung zusammengefasst, die eine Beschreibung der Veränderung von Geburten- und Sterbeziffern im (ökonomischen) Entwicklungsprozess von Gesellschaften abgeben.“ (Herter-Eschweiler 1998, S. 22) Im Zeitraum bis nach den 1. Weltkrieg verringerte sich die durchschnittliche Geburtenrate je Frau von ca. 5 auf 2 Kinder. Mit der sog. „Babyboomphase“ 1965 hatte die Zahl der Geburten einen Höhepunkt erlangt, der bis heute nicht mehr erreicht wurde. Der Grund dafür lag in den zahlreichen „Nachholerehen“, die durch den 2. Weltkrieg verhindert wurden. (vgl. Geißler/ Meyer 2002, S. 53) In diesem Jahr wurden über eine
Million Lebendgeburten registriert. 1975 war die Zahl der Geburten schon um ca. die Hälfte zurückgegangen. (vgl. Hackauf 1996, S. 134) Dieser Rückgang im früheren Bundesgebiet wird oft als „zweiter demographischer Übergang“ bezeichnet. (vgl. Meyer 2002, S. 404)
Als Hauptgrund für diesen Geburtenrückgang wird die Abnahme der Mehrkindfamilien genannt. (ebd.) Während im Jahr 1960 der Anteil der Frauen, die drei oder mehr Kinder bekamen noch bei 26,5 % lag, hatte sich dieser Anteil im Jahr 1980 bereits auf 15,7 % reduziert (im früheren Bundesgebiet). (vgl. BMFSFJ 2003, S.71)
Seit Beginn der 80er Jahre spielt die steigende Kinderlosigkeit die ausschlaggebendere Rolle. Blieben von den 1950 geborenen Frauen lediglich 14,9 % ohne Kinder, wird dies für die 1965 geborenen Frauen bei 26,4 % der Fall sein. (ebd., S. 74)
In der DDR ist seit den 60er Jahren die Geburtenzahl ebenfalls gesunken, was aber nicht mit der Zunahme kinderloser Ehen zu begründen ist, da fast jede Frau mindesten ein Kind hatte, sondern mit der Tatsache, dass sich die durchschnittliche Kinderzahl verringerte. Im Vergleich zum Westen Deutschlands lag das Alter der Frauen bei Erstgeburt um etwa 7 Jahre niedriger. Mittlerweile sind jedoch hinsichtlich des Erstgebärendenalters, Angleichungstendenzen in alten und neuen Bundesländern zu beobachten. (vgl. Meyer 2002, S. 405) In der Wendezeit ist in den neuen Bundesländern die Zahl der Geburten extrem zurückgegangen. Die zusammengefasste Geburtenziffer je Frau, die im Jahr 1989 bei 1,56 lag, halbierte sich bis 1994 auf 0,77 Kinder je Frau. (vgl. BMFSFJ 2003, S. 71) Obwohl die Geburtenziffer bis zum Jahr 2002 wieder auf 1,22 angestiegen ist, liegt sie damit immer noch unter der in den alten Bundesländern. (ebd.)
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Arbeit zitieren:
Annett Warmschmidt, 2003, Familien- und Haushaltsformen im Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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