Möglichkeit nachzudenken. Hier werden dann oft Beziehungen zu Familienmitgliedern bewusst, oder die Erziehung welche der Patient durchlebt hat kommt zum Vorschein: Vielleicht durfte er auch als Kind niemals Gefühle zeigen? All diese Überlegungen werden in die Behandlung mit einbezo gen, um zu den Ursprung der Reaktionen des Patienten zu kommen. „Zu diesem Punkt meint Adler, dass es bedeutend wäre, Einsichtnahme in spezielle Kindheitssituationen (wie etwa der erfahrenen Erziehung, Stellung in der Geschwisterreihe, langwierige Kinderkrankheiten, soziale und ökonomische Situation etc.) nehmen zu können – auch um das Verhalten des Patienten besser verstehen, und deuten zu können.“ (vgl. Köppe Wolfgang, S.77)
• Auch der Körper kann den Widerstand ausdrücken. Die Körperhaltung zeigt oft recht gut, wie das Gegenüber fühlt. Würde der Patient beispielsweise die Arme verschränken, könnte dies eine Form des Widerstandes sein – er signalisiert damit, dass er nichts so nah an sich heran kommen lassen will. „Adler empfiehlt, die Ergebnisse der Untersuchungen mit größter Vorsicht zu bewerten, und das was man in der Therapie vom Patienten erzählt bekommt, mit dem zu vergleichen, was das Ausdrucksverhalten (Mimik, Gestik, Stimmlage etc.) aussagt, da dies oftmals in einem krassen Gegensatz zu dem verbal Mitgeteilten steht.“ (vgl. Köppe Wolfgang, S.77)
• Aber auch das Konträr zum oben genannten Beispiel kann eine Form des Widerstandes sein: So scheinen manche Patienten während der Behandlung besonders überschwänglich und glücklich zu sein. Wichtige Dinge welche tiefer gehen würden, fallen ihm dann – wenn überhaupt, erst fünf Minuten vor Ende der Sitzung ein.
Das man als Therapeut vom Patienten niemals verlangen sollte, dass dieser sein Verhalten sofort ablegt (da der Widerstand eine Schutzhaltung des Patienten darstellt), drückt für mich folgendes Zitat sehr schön aus:“ Der sogenannte Widerstand ist nur ein Mangel an Mut, zur nützlichen Seite des Lebens zurückzukehren. Dieser veranlasst den Patienten eine Verteidigungshaltung gegen die Kur einzunehmen, aus Furcht, seine Beziehung zum Psychologen könnte ihn zu einer nützlichen Aktivität zwingen, bei der er eine Niederlage erleiden würde. Aus diesem Grunde dürfen wir niemals einen Patienten zwingen, sondern ihn nur sehr sachte zur für ihn leichtesten Annäherung an die Nützlichkeit führen. Wenn wir Gewalt anwenden, wird er sicherlich entweichen“ (Adler Alfred, S.315).
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Auch Sigmund Freud hat drei Regeln aufgestellt, welche bei der analytischen Haltung wichtig wären:
1. Regel: Abstinenz: Die Wünsche des Patienten werden nur erkannt – nicht erfüllt, und
die Wünsche des Analytikers werden dem Patienten nicht angeboten Außerdem sollte sich der Analytiker auch nicht mit dem ICH des Patienten verbinden und beispielsweise sagen:“ Ich an Ihrer Stelle würde...“ Wichtig ist auch, dass der Therapeut sich nicht mit dem Über- Ich des Patienten verbindet, sprich, ihn nicht ermutigen, die selben Anschauungen zu verfolgen.
2. Regel: Chirurgenhaltung: Bei der Arbeit mit den Trieben kommt viel psychisch
Krankes ans Licht. Die Wunden sollten rein gehalten werden, d.h. es gibt keinen Kontakt außerhalb der Analyse. Man hält also Abstand zu seinen Patienten, wobei diese Regel peinlich genau eingehalten werden sollte.
3. Regel: Sein wie ein Spiegel: Man sollte den Patienten in seiner Reaktion nicht
ermutigen oder tadeln. Man versucht durch die Haltung den Patienten zu spiegeln. Diese Selbsterkenntnis erfordert oftmals einen steinigen Weg.
Die Spiegelfunktion ist deshalb wesentlich, weil sich Patienten dadurch „in der Analyse auf die Echtheit der Zuwendung ihres Therapeuten verlassen können und die Verzerrungen ihres Selbstbildes nicht durch ihn noch verstärkt werden“ (Jacoby Mario, S. 80).
2.) Welche Rolle spielt die Deutung in der psychoanalytischen Behandlung? Die Deutung ist kein Dialog, vielmehr dient sie zur Klärung wobei man diese durch Beobachtung erhält. Aus dem erhaltenen Material zieht man dann einen Schluss und bringt es auch in die Beziehung mit etwas Vergangenem.
Zum falschen Zeitpunkt jedoch würde der Patient die Deutung nicht aufnehmen. Die besten Hinweise gehen zum falschen Zeitpunkt am Patienten vorbei.
Die Deutung gibt Auskunft darüber, wie sich in der Gegenwart unaufgearbeitete Konflikte zeigen können.
Die Deutungen des Therapeuten hängen nicht allein vom Grad ihrer Richtigkeit ab, viel entscheidender ist die Art und Weise , in der er, während er seine Deutungen abgibt, vom Patienten als Person erlebt wird. „Wer es ist, der interpretiert, hat darauf wie das Was einer Deutung beim Patienten ankommt, einen großen Einfluss. Es lässt sich nicht umgehen, dass durch den therapeutischen Dialog sowohl beim Patienten als auch im Analytiker bestimmte Gefühle und Phantasien erwachen – mehr oder weniger bewusst.“ (Jacoby Mario, S. 12)
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„Zur Deutung in der Psychotherapie erscheint es wichtig zu erläutern, dass der Analysand diese Deutung selber vornehmen muss. Er sollte selber erkennen, was das, was er erzählt hat – und was ihm eingefallen ist zu erwähnen, bedeuten kann. Der Analytiker kann ihm hier höchstens Deutungen anbieten, was jedoch nur mit vorsichtiger Zurückhaltung vorgenommen werden sollte. Das, was an diesen angebotenen Deutungen falsch ist, muss sofort zurückgenommen werden, da die Analyse ansonsten eine suggestiv arbeitende Methode wäre.“ (vgl. Konecny/Leitner, S. 214)
3.) Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der therapeutischen Methode der aktiven Imagination und dem Modell der Psyche nach C. G. Jung? Bevor ich zu den Zusammenhängen der beiden Aspekte komme, würde ich gerne das Modell der Psyche erläutern, um anschließend die aktive Imagination zu beschreiben und mit dem Modell von Jung zu vergleichen:
Modell der Psyche nach C.G. Jung:
C.G. Jung war ein kreativer Schöpfer und hat seine kreativen Impulse in die Psychotherapie mit eingebracht. Die Grundform seines Modells der Psyche nennt er „Mandala (=Kreis)“, da er darin die Urform der Natur sei. „Außerdem sollte das „Mandala“ als Symbol der Einheit dienen, welches ein Zentrum in der Mitte hat.“ (vgl. Konecny/Leitner, S. 196) Seine Vorstellung der Individuation (Menschwerdung) ist, dass dies ein Prozess ist, den Kern der Psyche auszuweiten das immer mehr von den umliegenden Dingen darin Platz hat. Unsere Psyche orientiert sich laut Jung nach der
a) äußeren und der
b) inneren Welt.
Die äußere Welt ist die „unbewusste Halbkugel“: Die Achse, welche die Persona und das Ich von den anderen Bestandteilen trennt, nennt Jung das „persönliche Unbewusste“. Jung hat nämlich die Vorstellung, dass das Unbewusste in zwei Schichten geteilt ist. So sind laut ihm im persönlichen Unbewussten die individuellen Erfahrungen abgedrängt. Hier unterscheiden sich die Menschen.
Darunter liegt eine tiefere Schicht, nämlich das „kollektive Unbewusste“, was bedeutet, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer Geschichte einen Wesensgrund haben, der mit kollektiven Bildern gebildet ist – und dieser sei bei allen Menschen gleich.
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Simone Strasser, Simone Strasser, 2005, Tiefenpsychologie: Literaturrecherche und Beantwortung vorgegebener Fragen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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