„ICH SAGE NUR EIN WORT: VIELEN DANK!“ (HORST HRUBESCH)
Bei Herrn Prof. Dr. Arnd Krüger möchte ich mich für die Ermöglichung dieser Magisterarbeit bedanken. Herrn Waldemar Winkler danke ich für die Übernahme des Korreferats.
Mein Dank gilt außerdem den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Fernseh-Sender Sat.1 und Premiere, ohne deren bereitwillige Auskünfte, persönlich, per E-Mail oder Telefon, die Arbeit sicher nur schwer zu verwirklichen gewesen wäre.
Ein ganz großes Dankeschön haben sich auch meine Eltern verdient, die mich während meines gesamten Studiums keineswegs nur finanziell unterstützt haben.
Nicht vergessen möchte ich ebenfalls meine Freunde, auf die ich mich - zum Glück nicht allein bei der Korrektur dieser Arbeit - jederzeit verlassen konnte.
Allen voran natürlich Katrin, ohne die ich wahrscheinlich immer noch in der ”Planungsphase” stecken würde. Wenn ich einmal einen kleinen Durchhänger hatte, hat sie mich stets aufs Neue motiviert, mir wichtige Tipps und Anregungen gegeben und ist auch sonst immer für mich da.
VIELEN DANK!
Göttingen, im Dezember 2002 Jan Streckfuß
Inhalt
Abk ürzungen I
Abbildungen II
Tabellen V
1. Einleitung 1
2. Kundenbindung 3
2.1 Programmbindung 4
3. Die Entwicklung der Fußball-Bundesliga-
Berichterstattung im Deutschen Fernsehen 6
4. ran 9
4.1 Die Geschichte, Entwicklung und früheren
Quoten von ran 9
4.2 Die Redaktion von ran 15
4.3 Die aktuellen Reichweiten und Marktanteile von ran 16
4.3.1 Allgemeines zur Datenerhebung 16
4.3.2 Die aktuellen ran -Quoten 17
5. Alle Spiele, alle Tore ( ASAT ) 23
5.1 Die Geschichte des Senders/der Sendung 23
5.2 Die Redaktion ASAT 25
5.3 Die Premiere-Abonnenten 25
5.4 Die Reichweiten und Marktanteile von ASAT 26
5.4.1 Zur Methode der Datenerhebung 26
5.4.2 Die ASAT -Quoten 28
6. Die Kirch-Krise 30
6.1 Chronologie der Ereignisse 30
6.2 Die Auswirkungen der Krise auf Premiere und Sat 1 33
7. Vergleich der Sendungen im Einzelnen 36
7.1 Die Grobstruktur 36
7.1.1 Die Grobstruktur von ”ran” (120-Minuten-Format) 36
7.1.2 Die Grobstruktur von ”ran” (75-Minuten-Format) 39
7.1.3 Die Grobstruktur von ”ASAT” 41
7.1.4 Die Sendungen vom 15. September 2001 43
7.2 Die Konzepte 46
7.2.1 Das Konzept von ”ran” 46
7.2.2 Das Konzept von ”ASAT” 48
7.3 Die Dramaturgie beider Sendungen im Vergleich 49
7.3.1 Das Bild 50
7.3.1.1 Die Kameras bei ASAT und ran 50
7.3.1.2 Die Zeitlupe 52
7.3.1.3 Der Aufbau der Spielberichte/Auswertung der Szenen-
anteile 53
7.3.2 Die Grafik 57
7.3.3 Der ”(it)-Sound” 57
7.3.4 Der Kommentar 58
7.3.5 Die genauen Platzierungen der Spiele 60
7.4 Die Werbung 67
7.4.1 Die Werbung bei ”ran” 67
7.4.1.1 Die Zielgruppe der ”ran”-Werbung 70
7.4.2 Die Werbung bei Premiere 71
7.4.3 Die Interessen der Wirtschaft 72
8. Fazit 74
9. Anhang 78
9.1 Abbildungen 78
9.1.1 Die Struktur des ”ASAT”-Sendungen 78
9.1.2 Die Struktur der ”ran”-Sendungen 79
9.2 Interviews 81
9.2.1 Interview mit Rainer Bartels vom 15. August 2002 81
9.2.2 Interview mit Dirc Seemann vom 15. August 2002 87
9.2.3 Interview mit Benno Neumüller vom 20. August 2002 92
9.3 Die Abläufe der einzelnen Sendungen 99
9.3.1 ran 99
9.3.1.1 ran vom 18. August 2001 99
9.3.1.2 ran vom 08. September 2001 103
9.3.1.3 ran vom 15.September 2001 106
9.3.1.4 ran vom 22. September 2001 109
9.3.2 ASAT 112
9.3.2.1 ASAT vom 18. August 2001 112
9.3.2.2 ASAT vom 08. September 2001 115
9.3.2.3 ASAT vom 15. September 2001 118
9.3.2.4 ASAT vom 22. September 2001 120
10. Literatur/Quellen 123
10.1 Bücher/Aufsätze 123
10.2 Internet 124
10.3 Periodika 125
10.4 Sendereigenes Informationsmaterial Premiere 125
10.5 Sendereigenes Informationsmaterial Sat.1 125
10.6 Zeitungen/Zeitschriften 125
ASS bzw. ca.
CBS CvD DEL Di Diff. DFB Deutscher Fußball Bund
DFL DSF d.h. e.a. et alii ebd. ebenda
IOC Jg.
MA
MAZ Mio. NBC National Broadcasting Corporation
I
NDR Norddeutscher Rundfunk
NFL NHL NKL Nr. Nummer Pkt. Punkte
sog. Sp. Tab. TS Tochscreen u. unentschieden
v.
vgl. vergleiche vs. versus u.a. unter anderem
II
KAPITEL 1: Einleitung
1. Einleitung
Spätestens nach dem Vizeweltmeistertitel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Japan und Südkorea ist die Begeisterung für den Fußballsport in Deutschland wieder vollends entfacht. Millionen aktive und nicht aktive ”Kicker” feierten die Mannschaft um Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe vor den heimischen Fernsehgeräten. Der Enthusiasmus für den Fußballsport ist außerdem schon seit langem unschwer an den mehreren Millionen Mitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und den vielen hunderttausend nicht-organisierten Fußballspielern zu erkennen. Umfragen haben ergeben, dass sich die Mehrheit der Deutschen für Fußball interessiert, ein Viertel aller Bundesbürger starkes Interesse hat und ein weiteres Drittel Interesse an Fußballübertragungen bekundet. Auch beim weiblichen Geschlecht ist Fußball nach Eiskunstlaufen die zweitbeliebteste Sportart. 1 Die Beliebtheit des Fußballs steht in engem Zusammenhang mit der Telegenität dieses Sports. 2 Fußball ist im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten kaum von der Witterung abhängig (dank Rasenheizung, überdachten Stadien etc. weniger den je), so dass Spiele äußerst selten abgesagt werden müssen, und die Sportart dadurch ziemlich planungssicher ist. Außerdem findet das Spiel in einem begrenzten Raum statt, der dem Zuschauer den Überblick über das Geschehen auf dem Platz sichert. Bei der Formel 1 oder beim Golf ist dieses beispielsweise nicht der Fall. Ferner ist Fußball im Vergleich zu Individual-sportarten wenig heldenbezogen. So ist es trotz nicht zu übersehender Personalisierungstendenzen im Fernsehfußball nahezu ausgeschlossen, dass sich die Zuschauerzahlen drastisch reduzieren, wenn einzelne Spieler ausfallen (wie z.B. beim Ausscheiden eines Tennisspielers aus einem Turnier). Weitere für die Telegenität positive Aspekte des Fußballs sind die begrenzte Spieldauer, die für das menschliche Auge erfassbare Größe und Geschwindigkeit des Balles, die einfachen Spielregeln und das Spannungsmoment, das durch die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse immer gewährleistet bleibt. 3 Fußball erfüllt alle Prämissen für eine erfolgreiche Fernsehsportberichterstattung. Er besitzt allseits eine hohe Zuschauerakzeptanz und hat einen hohen Unterhaltungswert. Außerdem ermöglicht die Sportart dem Zuschauer eine ortsbezogene, regionale oder internationale Identifikation (über Trainer, Spieler oder den Verein). Dazu kommt, dass Fußball auf Grund der guten Vermarktbarkeit auf internationale Akzeptanz stößt.
1 vgl. Quentin 1989, S. 24
2 vgl. Schröder 1990, S. 32
3 vgl. Schröder 1990, S. 33
1
KAPITEL 1: Einleitung
Aus all diesen Gründen ist der Fußball im Allgemeinen und die Fußball-Bundesliga im Besonderen neben den publikumsattraktiven Unterhaltungsshows und Spielfilmen schon lange einer der wichtigsten Programmbestandteile der Fernsehsender und gilt als entscheidender Wettbewerbsparameter für Einschaltquoten und Marktanteile.
Obwohl die Fußball-Bundesliga schon seit fast 40 Jahren im Fernsehen zu sehen ist, gab es selten eine Saison, in der mehr über die Übertragung der Spiele diskutiert wurde als in den Jahren 2001/2002. Hauptgründe dafür waren zum einen die veränderte Anfangszeit und der dadurch bedingte Zuschauer-schwund beim ehemaligen Sat.1-Quotengaranten ”ran” und zum anderen die Insolvenzanträge der KirchMedia und KirchPayTV. Deren Bedeutung war für die Übertragung der Fußball-Bundesliga im frei empfangbaren (Sat.1) sowie im Bezahl-Fernsehen (Premiere) lange Zeit nicht abzusehen und ist es nach wie vor nicht ganz. So tauchen immer wieder Gerüchte auf, nach denen der Sender Sat.1 die Sendung ”ran” aus Kostengründen aus dem Programm nehmen will bzw. muss. 4
In der vorliegenden Magisterarbeit wird untersucht, wie die beiden Fußball-Sendungen ”ran” (Sat.1) und ”Alle Spiele, alle Tore” 5 (Premiere) Kundenbindung erzeugen. Es wurden dazu jeweils vier Samstags-Sendungen aufgezeichnet und diese unter verschiedenen Gesichtspunkten auf der Grundlage einer Inhaltsanalyse miteinander verglichen. Bei dem Vergleich wurde auf die Struktur der beiden Sendungen, auf die unterschiedlichen Konzepte und Dramaturgien sowie Inhalte der Spielberichte und die Werbung während der Übertragungen eingegangen. Dabei spielte auch der Format-Wechsel von der 120-Minuten-Sendung zur 75-Minuten-Sendung bei der Bundesliga-Show ”ran” eine gewichtige Rolle. Des weiteren wurde die Geschichte der Bundesliga-Berichterstattung im Deutschen Fernsehen behandelt sowie die Insolvenz der KirchMedia näher beleuchtet. Am Anfang der Untersuchungen steht die Definition des Begriffes ”Kundenbindung” und ein grober Abriss über die Geschichte der beiden Privatsender Sat.1 und Premiere.
4 vgl. ”Bundesliga-Fußball bald wieder in der Sportschau?”, www.spiegel-online.de, 25.10.2002
5 im Folgenden auch ”ASAT”
2
KAPITEL 2: Kundenbindung
2. Kundenbindung
Der Begriff ”Kundenbindung” wird im Zusammenhang mit dem Medium Fernsehen oft auf die Programmbindung, das „repeat viewing“ 6 , reduziert.
„Fernsehzuschauer werden als repeat-viewer bezeichnet, wenn sie zwei konsekutive Episoden einer Sendung geschaut haben. Dementsprechend wird für ein solches Episodenpaar eine sogenannte repeat-viewing-Rate errechnet. Diese Rate ist der Anteil der repeat-viewer an der gesamten Seherschaft der ersten Episode. Das Analyseziel ist demnach immer die Schnittmenge der Zuschauer zweier Sendungen, und die Analyseeinheit ist ein Episodenpaar einer Sendung, das auf ihre repeat-viewing-Rate untersucht wird.“ 7
In deutschen Forschungsarbeiten wurde für die ”repeat-viewer” oft der Begriff der Wiederholungsseherschaft verwendet, der allerdings eine Schwäche hat: Nach deutschem Sprachgebrauch besteht die Möglichkeit, dass die Wiederholungsseherschaft als diejenigen Zuschauer verstanden werden, die dieselbe Episode, also eine Wiederholung, gesehen haben. Eine Verwechslung ist daher nicht ausgeschlossen. 8 Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit auf den Begriff der Wiederholungsseherschaft verzichtet und dieser durch den Begriff Programmbindung ersetzt, auf den im Anschluss an dieses Kapitel näher eingegangen wird.
Die Programmbindung ist jedoch nicht die einzige Facette der Kundenbindung im Zusammenhang mit dem Medium Fernsehen. Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Verlauf dieser Arbeit vor allem im Kontext mit der Sendung ”ran” untersucht wird, ist die Bindung des Zuschauers während einer einzelnen Episode. Hierbei betrachtet man zum einen die Bindung an die Sendung über die gesamte Sendedauer und zum anderen während der Werbeunterbrechungen. Der genaue Aufbau einer Sendung im Allgemeinen und Fernsehmechanismen wie der sogenannte ”Cliffhanger” im Speziellen werden in dem Zusammenhang näher erörtert.
Der dritte zu überprüfende Unterbegriff der Kundenbindung zielt auf die wirtschaftlichen Aspekte im Fernsehen ab. Die Fragen, warum Kunden im Umfeld einer Sportsendung werben sollten und inwieweit ihnen die Sender dabei entgegen kommen, werden die entscheidenden sein.
6 Zubayr 1996, S. 9
7 Zubayr 1996, S. 9f
8 Zubayr 1996, S. 10
3
KAPITEL 2: Kundenbindung
2.1 Programmbindung
Allgemein betrachtet ist die Bindung an Sportprogramme im Fernsehen eher gering. In einer Studie von Zubayr betrug die durchschnittliche Programmbindungsrate der insgesamt neun analysierten Sportsendungen nur knapp 25 Prozent und war damit im Vergleich zu allen anderen Programmgenres am niedrigsten. 9 Der Durchschnitt aller 164 untersuchten Sendungen betrug 30,72 Prozent. 10 Obwohl Übertragungen von wichtigen Sportereignissen wie z.B. internationalen Fußballspielen zu den Angeboten mit den höchsten Einschaltquoten gehören, ist sowohl das konsekutive Sehen von regelmäßigen Sportsendungen als auch die Bindung an solche Sendungen relativ gering ausgeprägt. 11
Eine Ausnahme bildet hier jedoch die Bundesliga-Berichterstattung, die regelmäßig hohe Zuschauerzahlen verzeichnet. Die Quote kann angesichts der Quasi-Monopolstellung auf Grund der Übertragungsrechte jedoch nicht als alleiniges Qualitätsmerkmal gesehen werden. Bedingt durch die Lizenzvergabe für die Übertragung der Fußball-Bundesliga bleibt den Zuschauern keine große Wahl. Wer sich zeitnah informieren möchte, ist (mangels Alternativen) auf ”ASAT” oder ”ran” angewiesen. Entsprechend hoch ist auch die Programmbindungsrate der Samstagsausgabe von ”ran”: Fast 50 Prozent aller Zuschauer schalten durchschnittlich am nächsten Wochenende wieder ein. 12 Für Premiere ist die Programmbindungsrate noch höher. Laut Peter Behrends von der Premiere Marktforschung liegt der Wert bei 70 Prozent. 13 75 Prozent dieser Zuschauer sehen mindestens 90 Prozent der Sendung. Diese hohe Programmbindung ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich ist das Sportangebot der Hauptgrund der meisten Kunden, Premiere zu abonnieren. Innerhalb des Sports rangiert die Formel 1 an erster Stelle der Beliebtheitsskala, gefolgt von der Fußball-Bundesliga, der Champions League und den Eishockey-Übertragungen. 14
Dass die Programmbindung in einem hohen Maße sendezeitabhängig ist, beweist ein Quoten-Vergleich der vier 20.15-Uhr-Ausgaben von ”ran” mit den folgenden 19.00-Uhr-Ausgaben. Studien besagen, dass eine positive Beziehung zwischen der Reichweite einer Sendung und ihrer Programmbindungsrate besteht, was heißt, dass reichweitenstarke Sendungen hohe und reichweitenschwache Sendungen niedrige Bindungsraten haben. Reichweitenschwache Sendungen sind demnach nicht nur wegen ihrer wenigen Zuschauer im Nachteil, sondern zusätzlich schauen diese wenigen Zuschauer auch noch weniger regelmäßig die Sendung.
9 vgl. Zubayr 1996, S. 112 und S.173
10 vgl. Zubayr 1996, S. 107
11 vgl. Gleich 1998, S. 144
12 vgl. Zubayr 1996, S. 112
13 vgl. E-Mail von Peter Behrends, Premiere Marktforschung, vom 07.10.2002
14 vgl. ebd.
4
KAPITEL 2: Kundenbindung
Dieser zweifache Nachteil wird als „Double Jeopardy“ 15 bezeichnet. Bei einer durchschnittlichen Reichweite von 4,6 Millionen Zuschauer ab 3 Jahre für die 19.00-Uhr Sendung und 1,93 Millionen Zuseher für die 20.15-Uhr-Sendung 16 muss man davon ausgehen, dass sich die Programmplatzverschiebung nicht nur positiv auf die Quote, sondern auch auf die Bindungsrate ausgewirkt hat.
15 vgl. Zubayr 1996, S. 67ff
16 vgl. Kapitel 4.3 Die aktuellen Reichweiten und Marktanteile von ”ran”
5
KAPITEL 3: Die Entwicklung der Fußball-Bundesliga-Berichterstattung im Deutschen Fernsehen
3. Die Entwicklung der Fußball-Bundesliga-Bericht-
erstattung im Deutschen Fernsehen
Seit Beginn der audiovisuellen Entwicklung und Ausbreitung stellen Fernsehen und Fußball zwei wichtige Parameter dar. Heute wird davon ausgegangen, dass das Fernsehen den schnellen Durchbruch zum modernen Massenmedium nicht ohne den Fußball geschafft hätte. 17 Bei den Olympischen Spielen 1936 wurde mit der Begegnung Deutschland gegen Italien erstmals ein Fußballspiel (zumindest in Teilen) direkt im Fernsehen ausgestrahlt. 18 „Am 26.11.1939 kam es dann bei einer erneuten Paarung Deutschland - Italien zur ersten vollelektronischen Übertragung eines Fußballspiels.“ 19 Ab 1939 wurden sowohl Länderspiele als auch Pokalspiele regelmäßig übertragen. Es folgten Übertragungen von den Endspielen der Deutschen Fußballmeisterschaft 1940. Der erste Höhepunkt der Fußballberichterstattung im Deutschen Fernsehen war die Übertragung der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Während dieser Zeit stieg die Anzahl an Fernsehgeräten von 11.658 auf 84.278 an. 20
Die 1940 begonnene Tradition der Endspielübertragung bzw. die generelle Dominanz der Live-Übertragungen in der Fußball-Berichterstattung endete 1963. 21 Am 24. August dieses Jahres wurde die Fußball-Bundesliga mit der doppelten Punktrunde, also Hin- und Rückspiel, eingeführt, und fortan gab es eine regelmäßige Nach-Berichterstattung. Im ersten Jahr berichtete die ARD über die Spiele am Samstag. Die Sendung hieß ”Fußball-Bundesliga” und dauerte 45 Minuten. Für die Rechte überwies der Mainzer Sender damals 648.000 DM an den DFB. 22 Ab dem 3. April 1965 nahm die Ausgabe am Samstag den Titel ”Sportschau” an und sollte für lange Zeit zu der Fußballsendung schlechthin werden.
Erst 1988 gab es in der Sportberichterstattung einschneidende Veränderungen, die den Fußball und die ”Sportschau” mit ihrem Bundesliga-Monopol im Besonderen betrafen: Am 25. Mai wurden die Übertragungsrechte der Fuß-ball-Bundesliga zum ersten Mal an einen privaten Zwischenhändler vergeben, die Ufa Film und Fernsehen GmbH. Die Bertelsmann-Tochter sicherte sich die Rechte für den Preis von 153,9 Millionen DM (inklusive Mehrwertsteuer) für zunächst drei Jahre. 23 ARD und ZDF waren nur zur Zahlung der Hälfte der von der Ufa gebotenen Summe bereit. Profitieren von dieser Entscheidung des
17 vgl. Scholz 1993, S. 29
18 vgl. Großhans 1997, S. 35
19 ebd.
20 vgl. Bendrich 1993, S. 112
21 vgl. Großhans 1997, S. 46
22 vgl. Blödorn 1988, S. 106
23 vgl. Blödorn 1988, S. 106
6
KAPITEL 3: Die Entwicklung der Fußball-Bundesliga-Berichterstattung im Deutschen Fernsehen
DFB konnte der Privatsender RTL 24 , an dem der Bertelsmann-Konzern 38,9 Prozent der Anteile hielt. 25 Für die ”Sportschau” bedeutete dies, dass sie weniger Bundesliga-Spiele übertragen konnte. Die ARD einigte sich mit der Ufa dahingehend, dass die ”Sportschau” in ihrer Samstagsausgabe, anstatt um 18 Uhr, erst um 18.20 Uhr von drei Spielen ausführlicher berichten durfte. Die übrigen vier Partien liefen in der Zeit von 19 bis 23.00 Uhr in der Fußballshow ”Anpfiff” auf RTL.
Der Verkauf der Bundesligarechte an Zwischenhändler sollte auch in den folgenden Jahren das Bild der Berichterstattung prägen. Schon 1989 kam es zu einer neuen Übereinkunft mit der Ufa. „Die ARD erhielt das Erstnutzungsrecht an jeweils vier Spielen aus dem Spielprogramm des Samstags.” 26 Lizenzgebühr, Erstnutzungsrechte, Zweitverwertung und Drittverwertung - Begriffe, an die sich die Deutsche Fernsehlandschaft erst noch gewöhnen musste. Nur ein Jahr später sollten die Verhandlungspartner um den Bundesligafußball schon wieder zusammenkommen. Am 4. Juli 1990 einigten sich ARD, ZDF und RTL mit der Ufa über eine überarbeitete Regelung. Nach dieser Regelung durfte die ”Sportschau” ab der Saison 1990/91 schon um 18.00 Uhr mit den Übertragungen der Spiele beginnen. Die Auswahl und Verteilung der Spiele erfolgte durch eine Schaltkonferenz, die am Anfang der Woche stattfand. Für die ”Sportschau” war die Terminierung auf 18.00 Uhr positiv. RTL konnte mit seinen Berichten über die Fußballbundesliga weiter erst um 19.00 Uhr beginnen, was sich nachteilig für den Privatsender auswirken sollte. ”Anpfiff” reichte so in das Hauptabendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen ARD und ZDF hinein und verlor viele Zuschauer an diese. 27
Nach nur drei Jahren war die Konkurrenzsituation für die ”Sportschau” beendet. Sie erhielt zusammen mit dem ZDF die exklusiven Erstverwertungsrechte für die Saison 1991/92. Die konkurrenzlose Zeit dauerte allerdings nicht lange an. Ende Juli 1991 verkaufte der DFB die Übertragungsrechte der Fußball-bundesliga-Spiele an die Sportrechteagentur ISPR. 28 700 Millionen DM kostete der ”Bundesliga-Deal” für eine Vertragslaufzeit von fünf Spielzeiten. 29 Der ARD-Vorsitzende Friedrich Nowottny äußerte sich zu den Verhandlungen und zur Zukunft der ”Sportschau” im ARD-Jahrbuch 1992 noch folgendermaßen:
24 Damals nannte sich der Sender noch RTLplus. Hier und im Folgenden sei der heutige Name RTL verwandt.
25 vgl. Blödorn 1988, S. 106
26 ARD-Jahrbuch 1990, S.177
27 vgl. Medien-Jahrbuch 1989, S. 26
28 ISPR: Internationale Sportrechte Verwertungsgesellschaft mit Sitz in München. Eigner Springer Konzern und Leo Kirch (vgl. Kistner/Weinreich 1998, S. 202)
29 vgl. Großhans 1997, S. 68
7
KAPITEL 3: Die Entwicklung der Fußball-Bundesliga-Berichterstattung im Deutschen Fernsehen
„Viel Kraft hat die ARD der Kampf um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga gekostet. Sie konnte im Preispoker um die Erstrechte nicht mithalten und musste sich mit einem Kompromiss nach monatelangen, sehr schwierigen Verhandlungen zufrieden geben. [...] Ich bin deshalb sicher, dass die Sportschau auch weiterhin Markenzeichen bleibt. Ausführliche Berichte bieten dabei dem Publikum mehr als eine Aneinanderreihung von 90-Sekunden-Takes.” 30
Die Prognosen und Hoffnungen von Nowottny sollten sich für die Samstags-”Sportschau” nicht bestätigen. Ab der Saison 1992/93 berichtete der Privatsender Sat.1 mit seiner Sendung ”ran” von den Spielen der Fußball-Bundesliga und zwar zum gewohnten ”Sportschau”-Termin um 18.00 Uhr.
30 ARD-Jahrbuch 1992, S. 18
8
KAPITEL 4: ”ran”
4. ”ran”
4.1 Die Geschichte, Entwicklung und früheren Quoten von
”ran”
Als zweiter Privatsender wagte sich Sat.1 1992 an die Berichterstattung der 1. Fußball-Bundesliga. Möglich wurde dies mit dem Erwerb der Erstverwertungsrechte durch die ISPR im Jahr 1991. Da der Axel-Springer-Verlag und die KirchGruppe die beiden Gesellschafter der ISPR waren, nahm die Agentur umgehend die Verhandlungen mit Sat.1 auf. Der Privatsender war nämlich zu 59 Prozent im Besitz der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitentechnik GmbH (KirchGruppe) und zu 41 Prozent Eigentum des Axel-Springer-Verlages.
Im Gegensatz zum privaten Vorgänger RTL konnte Sat.1 auf die komplette Berichterstattung der Fußball-Bundesliga und nicht auf Teilberichterstattung setzen. Der Fernsehsender baute nach Erwerb der Bundesliga-Rechte innerhalb sehr kurzer Zeit eine Sportredaktion auf, indem er Mitarbeiter vor allem von den Öffentlich-Rechtlichen abwarb. Reinhold Beckmann (zuvor NDR) wurde im Februar 1992 zum Sport-Chef des Senders ernannt, der seine persönlichen Kontakte u.a. zu Johannes B. Kerner und Jörg Wontorra nutzte, um ein Team von Moderatoren zusammenzustellen. Kerner wechselte im Mai 1992 vom SFB zu Sat.1, und Wontorra folgte im Juli von Radio Bremen. Die Titel der Sportsendungen wurden daraufhin festgelegt: ”ran”, ”ranissimo”, ”dran” und ”früh dran” sowie ”live ran”. Das Bundesliga-Konzept des Senders war bereits im Mai im Kölner Cinedom vorgestellt worden. 31 Am Freitag, 14. August 1992, wurde schließlich aus dem neuen Hamburger Studio die erste von Beckmann moderierte ”ran”-Sendung gesendet, durch die eine neue Ära der Fußballberichterstattung eingeleitet wurde.
„Erfrischend in der Anmutung, mutig im Outfit: Der Moderator fiel nicht nur durch zeitgemäße Sprache auf, sondern auch wegen seiner roten Jeansjacke. Dem angestaubten Fußball-Image ging es augenscheinlich an den Kragen. Vorbei waren die Zeiten der offiziösen Sportschau und der bierernsten Kommentare. [...] Die Fußball-Bundesliga ist längst kein spießiges Männervergnügen mehr, sondern klassenlose Unterhaltung.“ 32
Der ungewöhnliche Titel der Fußballsendung wurde kurz nach der ersten Ausstrahlung, im September 1992, von einem gleichnamigen Gewerkschaftsmagazin eingeklagt, doch Sat.1 gewann den Prozess und durfte den Titel ”ran” behalten. Da 1992 viele deutsche Spitzenfußballer bei italienischen Vereinen aktiv waren, sicherte sich der Sender auch die deutschen Übertragungsrechte der italienischen ”Seria A”. Diese wurden in der Sonntagssendung ”ranissimo” genutzt. ”ranissimo” hatte folgende Inhaltsschwerpunkte: Nachberichterstat- 31 vgl.”ran-Chronologie”, Sat.1-Infomaterial
32 ”Die ”ran-Erfolgsstory”, Sat.1-Infomaterial
9
KAPITEL 4: ”ran”
tung über die Fußball-Bundesliga, Interview mit einem prominenten Vertreter aus der höchsten deutschen Fußball-Spielklasse und Berichterstattung über die 1. Italienische Fußball-Liga.
Anfang 1993 wurde Reinhold Beckmann zum Programmdirektor Sport befördert, und Michael Lion wurde Leiter der Gesamtredaktion Sport. Die täglichen Sportsendungen erhielten zum gleichen Zeitpunkt neue Titel. Aus ”dran” wurde ”täglich ran”, und aus ”früh dran” wurde ”früh ran”. Zum Saison-Abschluss der Spielzeit 1992/93 erreichte Sat.1 einen Marktanteil (MA) von 30,4 Prozent (im Schnitt 5,75 Millionen Zuschauer), was die Spitzenquote im Saisonverlauf war. Die höchste Einschaltquote für die Freitagsausgabe von ”ran” in dieser Saison wurde am 10. Dezember erreicht. 6,8 Millionen Fußballfans (MA 30,5 Prozent) schalteten ein. Der Samstags-Wert wurde in der darauffolgenden Spielzeit gesteigert. Die Sendung hatte während der gesamten 34 Spieltage einen durchschnittlichen Marktanteil von 33,4 Prozent (6,83 Millionen Zuschauer). Die bis heute gültige Rekordquote von 36,7 Prozent Marktanteil bei 8,94 Millionen Zusehern erreichte ”ran” am 19. November 1994. 1994 erweiterte die Sportredaktion von Sat.1 ihr Repertoire: Die ”ran story” ging auf Sendung. Das Thema der ersten ”story” war das Leben der deutschen Fußballer in Japan. Kurz darauf (1995) feierte ”ran persönlich” Premiere. In der Auftaktsendung stellte sich Fußballer Jürgen Klinsmann den Fragen von Reinhold Beckmann. Auch über die Grenzen Deutschlands hinaus sorgte die Sat.1-Bundesliga-Berichterstattung für Furore: Ebenfalls 1995 erhielt ”ran” eine Auszeichnung der österreichischen Tageszeitung KURIER. Im Rahmen der ”ROMY-Starwahl” war die Sendung in der Kategorie ”Beste Programm-Idee” erfolgreich.
Im dritten ”ran”-Jahr baute Sat.1 seine Vormachtstellung bei der Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga weiter aus. Am Samstag erzielte ”ran” im Saisondurchschnitt 34,8 Prozent Marktanteil (6,69 Millionen Zuseher). Im August 1995 präsentierte der Sender zusammen mit BetaTechnik, einem Unternehmen der KirchGruppe, auf der Internationalen Funkausstellung IFA fünf Bundesliga-Spiele über einen digitalen Satelliten. Drei Monate später, am 26. November 1995, erreichte ”ranissimo” mit 8,15 Millionen Zuschauern und 26,6 Prozent Marktanteil seine Rekordquote.
Im darauffolgenden Spieljahr (1995/96) schaffte Sat.1 mit ”ran” einen durchschnittlichen Marktanteil von 34,7 Prozent (6,83 Millionen Zuschauern). Das innovative Konzept stieß, wie diese Zahlen belegen, auf positive Resonanz beim Fußballfan. Auch deshalb vergab der Deutsche Fußball Bund die Erstverwertungsrechte der Bundesliga im Februar 1996 für drei weitere Jahre (bis zum 30. Juni 2000) an den Sat.1-Partner ISPR. 180 Millionen DM pro Saison musste die Münchener Sportrechte-Agentur ab 1997 an den DFB überweisen. Die erneute Vergabe der Rechte ließ Sat.1 in noch tiefere ”Fußball-Sphären” eintauchen: Bereits im April 1996 übertrug der Sender erstmals ein Fußball-Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft. Die Begegnung Niederlande -
10
KAPITEL 4: ”ran”
Deutschland bescherte ihm die bis zu diesem Zeitpunkt beste Einschaltquote für ein Sport-Ereignis (41,5 Prozent Marktanteil bei 12,09 Millionen Zusehern). Im Oktober desselben Jahres gab es einen neuen Quoten-Rekord bei einer Live-Übertragung eines Bundesliga-Spiels. Den Klassiker FC Bayern München - Borussia Dortmund verfolgten 12,66 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 37,8 Prozent entsprach. Ein weiterer Meilenstein ereignete sich ebenfalls im Oktober. ”ran” ging online, und jeder konnte unter der Internet-Adresse www.ran.de Stories, Interviews und Datenbank-Statistiken nachre-
Ein neuer Rekord bezüglich der Einschaltquote gelang ”live ran” am 21. Mai 1997 mit der Übertragung des UEFA-Cup-Finales Inter Mailand gegen den FC Schalke 04. Der Wert von 47,8 Prozent, durchschnittlich 13,69 Millionen Zuschauer, stellte den bis dato höchsten Marktanteil des Senders dar. Bei der Übertragung der Bundesliga nahm der Marktanteil in der Saison 1996/97 erstmals ab: 31,7 Prozent bzw. 6,41 Millionen Fußballseher verfolgten die Samstagssendung im Jahresverlauf.
Durch einen Zusammenschluss mit dem Pay-TV-Sender Premiere stieg ”ran” im Juni 1997 ins Boxgeschäft ein. Der WM-Kampf im Halbschwergewicht zwischen Virgil Hill und Dariusz Michalczewski wurde zunächst live und verschlüsselt auf Premiere, anschließend in kompletter Länge im Free-TV bei ”ran - Sat.1-Boxen” gezeigt. Mit 37 Prozent Marktanteil, was 5,87 Millionen eingeschalteten Fernsehgeräten entsprach, feierte der Sender einen gelungenen Box-Auftakt, so dass in der Folgezeit weitere, auch Live- und ExklusivÜbertragungen folgten.
Bald ergänzte die ”ran”-Redaktion ihr Repertoire um die Sportart American Football (Rechte-Erwerb im April 1998, erste Sendung im September 1998). Sowohl für die amerikanische National Football League (NFL) als auch für die NFL-Europe sicherte sich der Sender die Rechte. Die Spiele wurden in ”ran -Sat.1 Football” gezeigt. Später, am 31. Januar 1999, übertrug der Sender live und exklusiv zum ersten Mal den Super Bowl aus Miami, der seitdem ein fester alljährlicher Programmpunkt ist. Auch der Radsport fand Einzug in die Sportredaktion. Das einzige Weltcup-Rennen in Deutschland 1998 wurde aus Hamburg in ”live ran - Sat.1-Radrennen” als erstes Radsport-Event des Senders gezeigt. Weitere Übertragungen folgten.
Um zu verdeutlichen, wie umfangreich das Sport-Repertoire des Senders mittlerweile ist, sind in Tabelle 1 alle ”ran”-Sendungen im Zeitraum des zurückliegenden Spieljahres 2001/02 aufgeführt. Die Sportart Fußball nahm dabei zwar eine Sonderstellung ein, aber Football, Basketball, Boxen und Eishockey fanden ebenfalls regelmäßige Beachtung. Darüber hinaus gab es mit ”Sat.1 Sport” bzw. ”ran - Sat.1 Sport” eine tägliche News-Sendung, in der der Sender auch über ”kleinere” Sportarten berichtete.
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KAPITEL 4: ”ran”
Tab.1 Gesamtüberblick über alle ”ran”-Sendungen des Spieljahres 2001/2002 33
Für die Fußball-Bundesliga am Samstag lag die Saisonbestmarke 1997/98 bei 8,78 Millionen Zusehern in der Spitze und 7,59 Millionen durchschnittlich (Mai 1998; MA 37,3 Prozent). Zum Beginn der Spielzeit 1998/99 wurde die Samstagssendung ”ran - Sat.1-Fussball” in ”ran - Sat.1-Bundesliga” umgetauft. In Tabelle 2 sind die bisherigen Namen der Samstagssendung sowie ihre Sendezeiten detailliert dargestellt.
33 nach: Zuschauerforschung Berlin 2002, ran - Fußball-Bundesliga-Saison 2001/2002
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KAPITEL 4: ”ran”
Tab. 2 Sendetitel und Sendezeiten von ”ran” am Samstag (1992 - 2002)
Zum Jahreswechsel 1998/99 verließ Reinhold Beckmann den Sender und kehrte zur ARD zurück. Dafür kam Michael Lion, der nach seiner ersten Sat.1-Tätigkeit zu RTL gewechselt war, wieder zu ”ran” und wurde der Programmdi-rektor Sport. Zeitgleich mit Lion wechselte Monika Lierhaus, mittlerweile bei Premiere, in die Sportredaktion.
Im September 1998 erreichte ”ranissimo” die Saisonbestmarke der laufenden Spielzeit: Durchschnittlich 4,63 Millionen Zuschauer verfolgten die Berichterstattung über ausnahmsweise zwei Begegnungen am 5. Bundesliga-Spieltag. Das entsprach einem Marktanteil von 18,3 Prozent. Einen Monat zuvor hatte die Sonntagssendung, die nun keine Fußballshow, sondern eine Bundesligashow war (der Name hatte zu Saisonbeginn gewechselt) 34 , ihren 200. ”Geburtstag” gefeiert. Bei ”ran” war dies im November 1999 der Fall, in dem mit durchschnittlich 7,93 Millionen Fans vor dem Fernseher (MA 29,1 Prozent) auch der Saisonrekord für die Spielzeit 1998/99 aufgestellt wurde. Im Juli 1999 zog die Sat.1-Sportredaktion von Hamburg nach Berlin-Mitte in das neue Sat.1-Medienzentrum um. Mit dem Umzug gab es neue Sendezeiten für ”ran”: Die Samstagssendung begann von nun an um 18.30 Uhr, wurde aus dem Studio in Berlin gesendet und dauerte nur noch 90 Minuten. Aus ”ranissimo” wurde ”ran - Sat.1 Bundesliga” am Sonntag, das um 18.45 Uhr begann und ebenfalls 90 Minuten dauerte. Für ”ran” am Freitag gab es keine Veränderungen. Am 14. August 1999 wurde die erste ”ran”-Sendung aus Berlin gesendet. Sie hatte die beste Quote zum Bundesliga-Auftakt seit 1992. Im Schnitt 5,45 Millionen Zuschauer schalteten ein.
34 vgl. Tabelle 3
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KAPITEL 4: ”ran”
Tab. 3 Sendetitel und Sendezeiten von ”ranissimo” bzw. ”ran” am Sonntag (1992 - 2002)
Im neuen Jahrtausend (Januar 2000) war Sat.1 zum ersten Mal beim ”Indoor-Kick” dabei. ”live ran - Sat.1-Fußball” übertrug das DFB Hallenpokal-Finale in München. In der Bundesliga-Saison 1999/2000 lag der Saisonrekord für ”ran” am Samstag bei durchschnittlich 6,34 Mio. Zuschauer/26,4 Prozent Marktanteil (März 2000). Einen Monat später erreichte die Sonntagsausgabe von ”ran -Sat.1-Bundesliga” den höchsten Wert seit vier Jahren. Im Schnitt 5,57 Millionen sahen die Sendung, was einem Marktanteil von 22 Prozent entsprach. Im Juli 2000 wechselte Michael Lion als Programmgeschäftsführer zum DSF nach München. Dr. Philipp Geiss wurde neuer Programmdirektor Sport bei Sat.1. Ein knappes Jahr später (Juni 2001) zog die ”ran”-Redaktion zum zweiten Mal um. Fortan wurde und wird noch in München produziert und von dort gesendet.
Zum Saisonstart 2001/2002 bekam ”ran” mit 20.15 Uhr einen neuen Sendeplatz am Samstag. Schon nach vier Spieltagen wurde die Sendung jedoch wieder auf 19.00 Uhr vorverlegt und von 120 auf 75 Minuten gekürzt. Mit der
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KAPITEL 4: ”ran”
Übertragung des WM-Relegationsspiels Ukraine - Deutschland in ”live ran -Sat.1-Fußball” im November 2001 erzielte der Sender den höchsten Marktanteil und die zweithöchste Zuschauerquote der Sendergeschichte (13,64 Mio./ 52,3 Prozent MA gesamt). Zur Jahresfrist wechselte Dr. Philipp Geiss in den Bereich des Vorstandvorsitzenden der ProSiebenSat.1 Media AG, Urs Rohner. Michael Lion kehrte als Programmdirektor Sport wieder zu ”ran” zurück. Bei der Fußball-WM in Südkorea und Japan (Mai/Juni 2002) berichtete Sat.1 erstmals in der Sendergeschichte exklusiv über alle Spiele der WM. Täglich ab 21.15 Uhr zeigten die Münchener in insgesamt 31 Sendungen ”ran - WM Fieber” alle Spiele, Tore und Highlights der 64 Begegnungen. 35 Durch den erneuten Zuschlag für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga für die KirchGruppe im Juli 2002 kann Sat.1 auch in der Saison 2002/2003 als Erstverwerter in der Zusammenfassung (d)”ran” bleiben. Anstatt um 19.00 Uhr beginnt die Samstags-Sendung wieder um 18.00 Uhr und dauert 120 Minuten. Das Format am Sonntag startet eine Stunde später und dauert 75 Minuten. 36
4.2 Die Redaktion von ”ran”
Die ”ran”-Sat.1-Sportredaktion hat ihren Sitz in München-Unterföhring. Es gibt keine räumliche Trennung der Fußballredaktion von der allgemeinen Sportredaktion des Senders. Auch die Sportredaktionen von ProSieben und N24 haben ihren Sitz in demselben Gebäude. Themen, die während der Woche bereits in den Nachrichten eines Senders der Familie gelaufen sind, scheiden für die Verwertung am Wochenende in ”ran” nicht aus. Man arbeitet eng zusammen. 37
In der ”ran”-Redaktion sind ca. 25 feste und 60 freie Mitarbeiter beschäftigt, wovon 15 weiblich sind. 38 Für eine Sendung gibt es bei einem Moderator, der die Zuseher durch das Programm führt, einen Leiter der Sendung (Chef vom Dienst, CvD), der die Verantwortung für die Übertragung trägt, ein Ablaufredakteur, sowie zahlreiche Redakteure. 39 Unterstützung erhalten diese von redaktionellen Mitarbeitern. Hinzu kommen ein Hauptregisseur und Regisseure für Bild und Ton. Des weiteren tragen die Technik (Schaltraum), der Aufnahmeleiter, die Kameraleute, die ”Cutter” und die Maskenbildnerin zum Gelingen der Sendung bei.
In den einzelnen Bundesligastadien setzt sich die Redaktion aus dem Kom-mentator, einem Field-Reporter (Interviews nach dem Spiel) und einem EB-
35 vgl.”ran-Chronologie”, Sat.1-Infomaterial
36 vgl. ”ran-Formatbeschreibungen”, Sat.1-Infomaterial
37 vgl. Interview mit Dirc Seemann, ”ran”-Redaktionsleiter, vom 15.08.2002
38 vgl. E-Mail von Christiane Maske, Sat.1-Sport-PR, vom 24.07.2002 und Interview mit Dirc Seemann vom 15.08.2002
39 vgl. Zieschang/Buchmeier 1986, S. 41
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KAPITEL 4: ”ran”
Redakteur, der mit seinem Kamerateam bunte Randgeschichten einfängt, zusammen. Der Kommentator wird wiederum von MAZ-Redakteuren und Cuttern unterstützt, die ihm bei der Auswahl und dem Zusammenführen der Spielszenen für seinen Beitrag hilfreich zur Seite stehen. Darüber hinaus versorgt ein Spielbeobachter den Kommentator mit aktuellen Statistikdaten. Auch im Stadion gibt es zusätzlich noch einen Regisseur, verschiedene Ton- und Bildtechniker, einen Aufnahmeleiter sowie zahlreiche Kameraleute. An einer durchschnittlichen ”ran”-Sendung am Samstag sind in etwa 60 Mitarbeiter im Sendezentrum München sowie bis zu 30 pro Stadion beteiligt. 40
4.3 Die aktuellen Reichweiten und Marktanteile von ”ran”
4.3.1 Allgemeines zur Datenerhebung
Schon seit dem Sendestart des Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) im Jahre 1963 gibt es kontinuierliche elektronische Fernsehzuschauerforschung in Deutschland. Die gemeinsamen Auftraggeber waren und sind die Programmanbieter. Mitte der 80er Jahre erweiterte sich die Fernsehlandschaft durch das zusätzliche Angebot privater Programme. Daher schlossen sich 1988 die öffentlich-rechtlichen (ARD und ZDF) mit den privaten Senderfamilien (RTL und die ProSiebenSat.1 Media AG) in der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) zusammen, die wiederum die GfK-Fernsehforschung mit der Erhebung der Fernsehnutzungsdaten beauftragte. Andere private Sender sind als Lizenznehmer zur GfK-Datennutzung berechtigt. 41
Die Fernsehzuschauerforschung hat die Aufgabe, die Fernsehnutzung in privaten Haushalten abzubilden und zwar jede Art der Fernsehnutzung über jeden in Deutschland frei empfangbaren Sender. Aus Kostengründen können nicht alle Fernsehhaushalte in die Untersuchung mit einbezogen werden. Nach komplexen statistischen Verfahren wird daher ein verkleinertes repräsentatives Abbild der deutschen Fernsehhaushalte gebildet, das sogenannte Panel. Die Panelhaushalte werden von der GfK-Fernsehforschung ausgewählt und erklären sich bereit, über einen längeren Zeitraum an der Fernsehforschung teilzunehmen. In diesen Haushalten wird das sogenannte GfK-Meter, ein spezielles Messgerät, installiert, das die Fernsehnutzung aller Haushaltsmitglieder ab drei Jahren misst. Die Daten des Panel werden dann auf alle deutschen Fernsehhaushalte hochgerechnet.
40 vgl. E-Mail von Christiane Maske, Sat.1-Sport-PR, vom 24.07.2002
41 vgl. Die Auftraggeber, www.gfk.de sowie Noelle-Neumann e.a. 1997, S. 213
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Jan Streckfuß, 2002, Wie erzeugt man Kundenbindung? Ein Vergleich von Sat.1 "ran" und Premiere "Alle Spiele alle Tore", München, GRIN Verlag GmbH
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