Obwohl diese Definition einfach und deutlich erscheint, weist sie erhebliche Mängel auf. Zum einen verbietet sie die Einnahme zusätzlicher Nährstoffe beziehungsweise energieliefernder Substanzen (z. B. Vitamine, Mineralien und Spurenelemente) und zum anderen beschränkt sie den Dopingkonsum auf den Wettkampf. Die Vorbereitungsphase auf einen Wettkampf sowie das reguläre Training werden nicht beachtet. Außerdem muss man dem Sportler nach dieser Definition zunächst nachweisen, dass ein bestimmtes Medikament o. Ä. tatsächlich zur Leistungssteigerung konsumiert wurde, was ziemlich aussichtslos erscheint. Im Januar 1963 kam eine Expertenkommission des Europarates in Straßburg zu folgender Definition:
„Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an ein gesundes Individuum mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf. Außerdem müssen verschiedene psychologische Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers angesehen werden.“ 2
Im November 1963 wurde diese Definition um eine Zusatzformulierung ergänzt:
„Wird eine notwendige Behandlung mit Mitteln durchgeführt, die aufgrund ihrer Natur oder Dosis die körperliche Leistung über das normale Niveau heben, so gilt dies als Doping und schließt die Wettkampffähigkeit aus.“ 3
Auch bei dieser begrifflichen Bestimmung ergeben sich verschiedene Probleme. Sie schießt z.B. gentechnisch hergestellte, den körpereigenen Substanzen ähnliche bzw. identische Substanzen, aus und geht auch nicht auf das Blutdoping ein. Auch die Begriffe „physiologische Substanzen“, „abnormaler Form“ und „abnormalem Weg“ sprechen nicht gerade für eine präzise Definition. Außerdem wird wiederum nur auf den Wettkampf eingegangen.
Im Jahre 1971 gab die medizinische Kommission des IOC folgende Stellungnahme zum Thema Doping ab:
2 Ebd.
2
[Doping ist] „Die Anwendung aller - auch zu therapeutischen Zwecken verwendeten
- Substanzen, welche die Leistungsfähigkeit aufgrund ihrer Zusammensetzung oder Dosis beeinflussen.“ 4
Da auch diese Definition Mängel aufwies ( u.a. zu unspezifisch), einigte man sich darauf, eine Liste mit verbotenen Substanzen und Maßnahmen zu erstellen, die ständig erweitert bzw. aktualisiert wird. Die in die Dopingliste aufgenommenen und damit verbotenen Wirkstoffe müssen folgende Kriterien erfüllen:
1. Gesundheitsgefährdung
2. nachgewiesene Leistungssteigerung
3. Nachweismöglichkeit bei Kontrollen
Natürlich hat auch die enumerative Bestimmung des Dopingbegriffs viele Nachteile und kann z.B. durch neue Substanzen und verän derte Medikamente unterwandert werden. Trotzdem scheint sie noch die beste der schlechten Definitionen zu sein. Auf dieser Basis gab das IOC 1988 eine pragmatische Dopingdefinition heraus, die bei den meisten Fachverbänden und nationalen Verbänden Zustimmung fand:
Doping ist die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden. 5
Ein weiteres Problem der IOC-Dopingliste neben der Unterwanderung durch neue bzw. veränderte Medikamente und Substanzen ist die exakte Bestimmung der Medikamente und Methoden, die als Doping gelten sollen. In den verschiedenen Sportarten herrschen unterschiedliche Meinungen darüber, was noch legal konsumiert werden darf und wo das Doping anfängt. Die IOC-Liste hat primär Gültigkeit für die Olympischen Spiele, und muss daher nicht notwendigerweise mit den Listen anderer Sportorganisationen übereinstimmen, die in vielen Fällen ihre eigenen, modifizierten Listen haben.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 http://www.dshs-koeln.de/biochemie/frameset.html
3
2. Substanzen, Wirkungen und Nebenwirkungen
Die ständig aktualisierte Dopingliste des IOC beinhaltet folgende Wirkstoffgruppen und Methoden:
Verbotene Wirkstoffgruppen:
1. Stimulanzien
2. Narkotika
3. Anabole Steroide
4. Diuretika
5. Peptidhormone und Analoga
Verbotene Methoden:
1. Blutdoping
2. Verabreichung von künstlichen Sauerstoffträgern oder Plasmaexpandern
3. Pharmakologische, chemische und physikalische Manipulation (des Urins)
Gruppen von Wirkstoffen, die bestimmten Einschränkungen unterliegen:
1. Alkohol
2. Cannabinoide
3. Lokalanästhetika
4. Cortikosteroide
5. Beta-Blocker
Im Folgenden werde ich genauer auf die verbotenen Wirkstoffgruppen und Methoden eingehen und die sportspezifischen Wirkungen und Nebenwirkungen auszugsweise erläutern.
2.1 Verbotene Wirkstoffgruppen
Stimulanzien (z.B. Amphetamin, Cocain, Koffein, Ephedrin, Strychnin): Stimulanzien bewirken ein Gefühl psychischer Aufgewecktheit und geben dem Sportler ein erhöhtes Selbstbewusstsein und -vertrauen. Sie ermöglichen größeres Konzentrationsvermögen und gesteigerte Aufmerksamkeit, höhere Motivation sowie
4
erhöhte Wettkampfaggressivität. Der Energiestoffwechsel wird angeregt und die Koordination verbessert. Darüber hinaus wird die Toleranz gegenüber einem hohen Laktatspiegel verbessert. Weitere Effekte sind die Unterdrückung des Ermüdungsgefühls. 6 Stimulanzien ermöglichen auch den Einbruch in die autonom geschützte Reserve (d.h. es können bis zu 90% der Muskelfasern kontrahiert werden), was aus leistungsfördernder Sicht große Vorteile bringt, allerdings gleichzeitig hohe gesundheitliche Risiken birgt. 7 Normalerweise kann ein gut trainierter Sportler nur ca.60 - 75% seine Muskeln kontrahieren. Als Nebenwirkung beim Konsum von Stimulanzien kann die Koordination gestört werden. Herzrhythmusstörungen sind ebenso mögliche Nebenwirkungen wie eine Blutdrucksteigerung. Die Zugänglichkeit der autonom geschützten Reserve kann zur körperlichen Betätigung bis zur totalen Erschöpfung führen. Die Sehnen verknöchern, Suchtentwicklung sowie eine verlängerte Regeneration sind weitere Gefahren. 8 Durch die Drosselung der Hautdurchblutung entsteht die Gefahr eines Hitzschlags. Bei hohen Konzentrationen drohen Orientierungslosigkeit, Verwirrtheit, Halluzinationen und Angstzustände bis zur schweren Depression. 9
Narkotika (z.B. Codein, Heroin, Methadon, Morphium): Narkotika sind Schmerz- und Betäubungsmittel und bewirken eine Schmerzhemmung bzw. unter Umständen sogar eine Schmerzbeseitigung. Sie beruhigen und lösen oder unterdrücken Angst und können euphorische Gefühle auslösen. 10 Im Sport werden sie häufig in Verbindung mit Amphetaminen genommen. Sie bewirken dann eine starke Steigerung der Ausdauerleistung.
Als Nebenwirkungen kommen bei Narkotika Denk- und Wahrnehmungsstörungen vor. Sie beeinträchtigen die Koordination und sorgen darüber hinaus für eine steigende Schläfrig - und Müdigkeit. Sie enthemmen und können zu Atemdepression führen. Neben der Darmträgheit bergen sie zudem noch hohe Suchtgefahr.
Anabole Steroide (z.B. Bolasteron, Metandienon, Nandrolon, Testosteron, Norethandrolon, Mesterolon, Stanozloe): Die anabolen Steroide sind synthetisch hergestellte Hormonpräparate, die strukturell dem männlichen Geschlechtshormon
6 Vgl. www.dopingnews.de
7 Vgl. Ritthaler, Friedrich, in: Würrtembergischer Fußballverband, 1990, 26.
8 Vgl. Ritthaler, Friedrich, in: Würrtembergischer Fußballverband, 1990, 26.
9 Vgl. www.dopingnews.de
10 Vgl. Ritthaler, Friedrich, in: Würrtembergischer Fußballverband, 1990, 27.
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Arbeit zitieren:
Jan Streckfuß, 2001, Doping im Sport, München, GRIN Verlag GmbH
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