1. Einleitung
Als die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, schien auch bei die- sem Einfall, wie bereits beim Überfall auf Polen und während des Westfeldzuges, das Konzept des Blitzkrieges Erfolg zu haben. Die deutschen Armeen stießen schnell vor, die Rote Armee wurde anfangs überrannt und erlitt in Kesselschlachten enorme Verluste. Die Wehrmacht stand fünf Monate nach ihrem Einmarsch Mos- kau. In dem von den Deutschen okkupierten Gebiet lebte ungefähr 40% der sowjeti- schen Gesamtbevölkerung. Annähernd die Hälfte der ökonomischen Ressourcen der Sowjetunion gingen an die Deutschen verloren,
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der größte Verlust entstand in der Landwirtschaft, die ihren fruchtbarsten Boden in den besetzten Gebieten hatte (die Ukraine bspw. galt als die „Kornkammer“ der Sowjetunion). Die dramatischen An- fangsniederlagen zeigten, dass die Rote Armee der Wehrmacht zu diesem Zeitpunkt nichts entgegenzusetzen hatte und auf militärische Hilfe angewiesen war. Unter die- sen Bedingungen war es für die Sowjetunion nahezu unumgänglich, eine gut funkti- onierende Partisanenbewegung aufzubauen.
Dass die Partisanenbewegung erst mühsam unter Kriegsbedingungen wieder aufge- baut werden musste, obwohl sie in der russischen Geschichte seit der Niederlage der Grande Armée Napoleons 1812 ihren Platz hatte, und sie auch im russischen Bür- gerkrieg von 1918-1920 ein wichtige Element war, lag an den ideologischen Do g- men Stalins. Stalin, der im Bürgerkrieg selbst als Partisane in den Bergen des Kau- kasus gekämpft hat, hielt nach der Errichtung des Sowjetstaates den Partisane n- kampf für überflüssig. Er ging davon aus, dass die Rote Armee unbesiegbar sei, da sie eine Armee des Volkes sei, die das gesamte sowjetische Volk hinter sich wüsste, eine Armee, die vom Volk geliebt und geachtet würde. Außerdem sei die Rote Ar- mee im Geiste des Internationalismus erzogen, sie kämpfe für das internationale Proletariat. Somit müsse jeder Aggressor erkennen, dass die Sowjetunion überall in der Welt Freunde hätte, die ihr zur Seite stünden. Dies sei die Stärke der Roten Ar- mee und der Sowjetunion, die dadurch unbesiegbar sei. 2 In diesem Sinne übernahm Stalin die Ideen Leo Trotzkis, des Gründers der Roten Armee, dass irreguläre Trup- pen nur außerhalb der Grenzen der Sowjetunion einzusetzen seien, um die Revolut i-
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Cooper, Matthew: The Phantom War. The German struggle against Soviet partisans 1941-1944, London 1979, S. 11
2
Stalin, Josef: Über drei Besonderheiten der Roten Armee. Rede in der Festsitzung des Plenums des Moskauer Sowjets am 25. Februar 1928, gewidmet dem zehnten Jahrestag der Roten Armee, in: ders.: Über die Rote Armee, Stuttgart 1952, S. 3-7, hier im besonderen S. 6f
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on voranzubringen. Die Verteidigung des eigenen Landes sei die Aufgabe der regu- lären Armee. 3 Zwar wurde noch 1933 eine Dienstanweisung für die Rote Armee erlassen, welche Vorschriften für den Partisanenkampf beinhaltete, 4 doch wurde 1937, im Rahmen der Säuberung des Militärs, das Studium von Guerilla-Strategien, das bis zu diesem Zeitpunkt bei den zentralen Behörden in Moskau betrieben wurde, untersagt. 5 Es setzte sich der der von Trotzki und Stalin vertretene Standpunkt durch, der den Partisanenkampf auf dem Territorium des Angreifers ansiedelte, da die Arbeiter- schaft des angreifenden Landes der eigenen Armee in den Rücken fallen würde, um das sowjetische Proletariat zu schützen. Die Vorbereitungen zum Partisanenkampf auf sowjetischen Boden wurden, ebenso wie die Einplanung von strategischen Rückzugstheorien der Armee, als Defätismus ausgelegt. 6
Bei der Bearbeitung dieses Themas stellen sich leider nicht unerhebliche Probleme ein. Zum einen ist hier das Problem der extremen Subjektivität der ehemals sowjeti- schen Geschichtsschreibung zu nennen, die mit ideologisch verklärtem Blick den Kampf der Partisanen als einen Volksaufstand darzustellen versuchte, der von der Masse der Bevölkerung getragen wurde. Des Weiteren muss die, ob der Bedeutung der Partisanenbewegung, erstaunlich dürftige Literaturlage bemängelt werden. Die westlichen Historiker mussten sich bei ihren Untersuchungen zum Großteil auf Angaben der Sowjets stützen, da kaum Wehrmachtsunterlagen erhalten, oder in die Hände der Roten Armee gefallen sind. Außerdem haben die sowjetischen Regierun- gen westlichen Forschern den Zugriff auf ihre Archive verwehrt oder stark einge- schränkt. Die sich daraus ergebenden Probleme sind offensichtlich. Sämtliche Staatsdoktrinen der ehemaligen UdSSR konnten nicht, oder nur unzureichend er- forscht und somit weder bestätigt, noch widerlegt werden. Ganz deutlich wird dies bei Zahlenangaben aller Art. Die Anzahl der aktiv kämpfenden Partisanen weicht selbst in der Sowjetliteratur erheblich voneinander ab, erst recht weichen sie von den Zahlen ab, die das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) veranschlagt hat. Ähnlich verhält es sich bei Zahlenangaben zum so genannten „Schienenkrieg“, zu
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Cooper, S. 12
4
Bonwetsch, Bernd: Sowjetische Partisanen 1941-1944. Legende und Wirklichkeit des „allgemeinen Volkskrieges“, in: Schulz, Gerhard (Hg.): Partisanen und Volkskrieg. Zur Revolutionierung des Krieges im 20. Jahrhundert, Göttingen 1985, S. 92 Im folgenden zitiert: Bonwetsch, S. …
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Cooper, S. 12
6
Bonwetsch, S. 92f, sowie Anm. 8, S. 116
2
Angaben der durch Partisanen getöteten deutschen Soldaten, und zum Umfang der aktiven Kämpfer in der Partisanenbewegung.
In der sowjetischen Historiographie galten hohe Zahlen immer als Beleg für großen Erfolg, dadurch erklärt sich die Vorliebe für immens hohe Zahlen in allen Berei- chen. Nur Quellenforschung in den Archiven könnte diese Diskrepanzen aufklären, doch auch nach dem Untergang der Sowjetunion ist es für westliche Wissenschaftler schwierig unumschränkten Zugang zu russischen, weißrussischen oder ukrainischen Archiven zu erlangen.
Daraus ergibt sich die Situation, dass bis heute immer noch strittig ist, wie groß der Anteil aktiver Kämpfer bei den Partisanen war, in welchem Maße sie von der Be- völkerung unterstützt wurden und wie viel Menschen zwangsrekrutiert oder freiwil- lig in den Reihen der Partisanen kämpften. Auch über ihre Wirksamkeit, über ihre Wichtigkeit oder Unwichtigkeit für den sowjetischen Sieg gehen die Meinungen in der Forschung auseinander.
Diese Fragen werden auch hier nicht ausreichend beantwortet werden können, sie werden mithilfe sowjetischer/ bzw. DDR-Literatur, sowie westlicher Literatur unter- sucht und diskutiert. Aus diesem Grund bleiben die Ergebnisse spekulativ, jedoch auf Grundlage der verwendeten Literatur nachvollziehbar.
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2. Die Schwierigkeiten beim Neuaufbau der Partisanenbewegung
2.1. Die Situation in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten
In den ersten Wochen nach dem deutschen Überfall war die sowjetische Führung paralysiert: Stalin fand sich erst am 3. Juli, also elf Tage nach dem Einmarsch der Deutschen, in der Lage sich über Rundfunk an sein Volk zu wenden. Er ging in die- ser Rede auf die Situation ein, vor die der Einmarsch der Wehrmacht die Bevölke- rung der Sowjetunion stellte. Er gab klare Anweisungen, was zu tun sei, um den Feind wieder aus dem Land zu vertreiben. In Bezug auf Partisanen hieß es: „(…). In den vom Feind okkupierten Gebieten müssen Partisanenabteilungen zu Pferd und zu Fuß gebildet und Diversionsgruppen geschaffen werden zum Kampf gegen die Truppenteile der feindlichen Armee, zur Entfachung des Partisanenkrieges überall und allerorts, zur Sprengung von Brücken und Straßen, zur Zerstörung der Telefon- und Telegrafenverbindungen, zur Niederbrennung der Wälder, der Versorgungsla- ger und der Trains. In den okkupierten Gebieten müssen für den Feind und alle seine Helfershelfer unerträgliche Verhältnisse geschaffen werden, sie müssen auf Schritt und Tritt verfolgt und vernichtet und alle ihre Maßnahmen müssen vereitelt werden. (…).“ 7 Am 18. Juli 1941 erließ das ZK die Direktive „Über die Organisierung des Kampfes im Rücken der deutschen Truppen“, 8 die vom ZK selbst zwar als streng geheim ein- gestuft wurde, aber dennoch schnell bekannt geworden ist 9 und die ebenfalls darlegt, wie notwendig es sei, den Deutschen „unzumutbare Bedingungen“ für die Zeit ihrer Besatzung zu schaffen. In der Direktive heißt es, um diese Bedingungen zu errei- chen sind, „(…), ihre (die der Deutsche n, Anm. d. A.) Kommunikationsverbindun- gen, ihre Versorgung und militärischen Einheiten zu desorganisieren, alle ihre Maß- nahmen zu vereiteln, die Räuber und ihre Kollaborateure zu vernichten, überall die Bildung von Partisanenverbänden als Kavallerie und Infanterieeinheiten und Ver- nichtungsgruppen zu unterstützen, das Netz unserer bolschewistischen Organisation auszuweiten mit dem Auftrag alle Möglichkeiten gegen die faschistischen Okkupan- ten anzuwenden.“ 10
7
Rundfunkrede am 3. Juli 1941, in: Stalin, J.: Über den großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, Berlin (Ost) ³1952, S. 12f
8
Diese Direktive ist im vollen Wortlaut abgedruckt als Dokument 1 im Anhang von Armstrong, John A. (Hg.): Soviet Partisans in World War II., Madison, Wisconsin 1964, S. 653-655
9
Bonwetsch, S. 92
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Armstrong, S. 653
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Bei der Aufstellung einer Partisanenarmee in den vo n den Deutschen besetzten Ge- bieten kam es nicht nur zu organisatorischen Problemen, auf die ich noch eingehen werde, sondern vor allen Dingen zu allgemeinen Bedenken der Sowjetführung in Bezug auf die eigene Bevölkerung. Die Sowjets waren sich durchaus der Tatsache bewusst, dass in vielen okkupierten Gebieten die Deutschen als Befreier begrüßt wurden. In Weißrussland z. B. wurden die deutschen Truppen mit Brot und Salz, und somit als Gäste, willkommen geheißen. 11 In manchen Gebieten wurden die deutschen Soldaten von den Einwohnern der Dörfer mit Blumen überschüttet. Ein Korporal eines Panzer-Regiments schrieb: „Nirgendwo habe ich auch nur das ge- ringste Anzeichen von Haß bei den Zivilisten gesehen. Wir werden nur von lächeln- den Gesichtern begrüßt.“ 12 Ähnlich war die Situation in Lettland, Estland und Litauen, sowie in der Westukrai- ne. In diesen, erst kurz vor Beginn des Krieges von der Sowjetunion annektierten Gebieten, gab es kaum Unterstützung für die Partisanen und wenn es sie gab, wie z. B. in Litauen, dann war sie nicht nur antideutsch, sondern auch antikommunistisch eingestellt. 13 In der Ukraine war es fast der Normalfall, dass Partisanen sofort an die Deutschen verraten wurden. 14 Aufgrund dieser Verhältnisse hatte die sowjetische Führung nachvollziehbare Prob- leme, in diesen Gebieten bewaffnete Verbände aufzustellen, von denen man nicht wusste, wie man sie kontrollieren sollte. Die rücksichtslose Annektierung, sowie der brutale stalinistische Terror gegen die Bevölkerung in eben diesen Regionen, haben einen enormen Risikofaktor für die Sowjetunion geschaffen. Die Bevölkerung in diesen Gebieten, die von den Sowjets zu Recht als nicht zuverlässig zum sowjeti- schen Staat stehend angesehen wurde, zu bewaffnen war aufgrund der katastropha- len Kriegslage notwendig, allerdings wegen der politischen Lage eigentlich nicht erwünscht. Dies war einer der Gründe, weshalb Stalin den „Großen Vaterländischen Krieg“ propagierte und nicht den Kommunismus oder die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken als die Errungenschaften erklärte, die es zu verteidigen galt. 15 Ein organisatorisches Problem stellte die ungeklärte Frage dar, wer die Partisane n- verbände führen sollte. Drei Instanzen beanspruchten dieses Recht für sich: das
11
Schlootz, Johannes (Hg.): Deutsche Propaganda in Weißrussland. Eine Konfrontation zwischen Propa- ganda und Wirklichkeit, Katalog zur Ausstellung in Berlin und Minsk, Berlin 1996, S. 7
12
Cooper, S. 19
13
Bonwetsch, S. 103
14
Kosyk, Wolodymyr: The Third Reich and Ukraine, New York 1993, S. 234
15
Cooper, S. 20
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NKVD, die Partei und die Rote Armee. Objektiv gesehen hatte auch jede dieser In- stanzen das Recht auf diesen Anspruch. Da die Partisaneneinheiten zu einem großen Teil aus versprengten Soldaten der Roten Armee bestanden, sah diese sich zustän- dig. Das NKVD sah sich für die Vernichtungsbatallione zuständig. Hierbei handelte es sich um paramilitärische Verbände, die nicht wie die Partisanen im Rücken des Feindes kämpfen sollten, sondern im Rücken der eigenen Truppen, um feindliche Fallschirmjäger und Agenten zu bekämpfen. 16 Des Weiteren hatten sie den Auftrag, im Falle eines Rückzuges der Roten Armee sämtliche öffentliche Einrichtungen, In- dustrieanlagen und Lagerhäuser zu zerstören, ebenso wie die Nachschubwege der Deutschen. 17 Die Partei wiederum beanspruchte das Recht auf Führung der Partisanenverbände, die auf ihre Aktivitäten hin entstanden. Wenn man sich streng an den Begriff Parti- san hält, hat eigentlich tatsächlich nur die Parte das Recht diese zu führen und zwar auf Grund der eigentlichen Bedeutung des Wortes. Partisane leitet sich ab von Par- tei, der Partisane i st ein Parteigänger. 18 In diesem strengen Sinne des Wortes hätte natürlich nur die Partei die Partisanenverbände befehligen können, da nur sie diese Parteigänger stellen konnte und in der Anfangsphase auch tatsächlich die Partisa- nen ausschließlich aus Parteimitgliedern rekrutiert wurden, da die Bevölkerung der besetzten Gebiete zu unzuverlässig war. 19 Das Ergebnis dieser internen Querelen war allgemeine Unordnung. Die Partisane n- verbände wurden von den unterschiedlichsten Instanzen befehligt, im Ergebnis wa- ren sie dadurch uneinheitlich und wohl auch nicht so effektiv, wie sie es unter einer einheitlichen Führung hätten sein können. Letztlich wurde diese Einheitlichkeit in der Abstimmung der einzelnen Partisanenverbände trotz mehrer Versuche während des ganzen Krieges nicht erreicht. Die vernünftigste Lösung wurde erst im Januar 1944 getroffen, als man die Partisanenverbände den jeweiligen Frontstäben ihres Einsatzgebietes direkt unterstellte. 20
16
Bonwetsch, S. 93
17
Hesse, Erich: Der sowjetische Partisanenkrieg 1941 bis 1944 im Spiegel deutscher Kampfanweisungen und Befehle, Göttingen 1969, S. 62
18
Schmitt, Carl: Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen, Berlin 1963, S. 21f
19
Hesse, S. 55
20
Bonwetsch, S. 113ff
6
2.2. die kriegsbedingten Schwierigkeiten bei der Aufstellung der Partisanenverbän- de Es liegt auf der Hand, dass es besonders schwierig ist, eine Untergrundarmee dann aufzustellen zu müssen, wenn der Feind bereits weit in das eigene Territorium ein- gedrungen ist und große Erfolge zu verbuchen hat. Die ersten von der Partei einge- richteten Verbände waren kleine Einheiten von 100 bis 200 Personen. Es waren zu- nächst Partei- und NKVD-Mitglieder, die diese Gruppen bildeten. 21 Wie solche Gruppen gebildet wurden, beschreibt Alexej Fjedorow. Er bildete mit sechs zuver- lässigen Parteigenossen ein Gebietskomitee und verteilte die unterschiedlichen Auf- gaben (Anlegung von Verstecken und Vorratslagern, Vorbereitung des bewaffneten Kampfes, Propaganda). Der Bewegung wurden zunächst etwa zehn bis fünfzehn Parteigenossen täglich zugeführt, nach etwa sechs Wochen war die Stärke von unge- fähr fünfhundert Kämpfern erreicht. Nun erhielt Fjedorow von der Partei den Auf- trag, eine Reitergruppe, eine Infanteriegruppe, sowie ein Sprengkommando aufzu- stellen. Versprengte Soldaten der Roten Armee hatten sich ihm anzuschließen. Des Weiteren setzte Fjedorow in den Dörfern seines Gebietes je einen Parteigenossen ein, der sowohl die psychologischen, als auch die materiellen Voraussetzungen für den Widerstand der Bevölkerung gegen die Deutschen schaffen sollte. 22 Aufgrund der bereits beschriebenen Abstimmungsprobleme zwischen den Instanzen und der anfänglichen Handlungsunfähigkeit Stalins, schritt die Rekrutierung dieser Gruppen unterschiedlich schnell voran. Die Truppen wurden zum Großteil von regi- onalen Parteiverbänden ins Leben gerufen, das Chaos und die Unorganisiertheit die- ser Aktionen zeigt sich daran, dass die Aktivitäten in dieser Richtung in Karelien im August begannen, während in Leningrad erst im September, in Moskau sogar erst im Oktober begonnen wurde, bewaffnete Verbände aufzustellen. Noch später g e- schah dies in der Ukraine und auf der Krim, dort kam es erst im November dazu. 23 Diese Umstände legen offen, wie ernst die Lage war. Die sowjetische Führung und vor allem Stalin waren offensichtlich auch noch Wochen nach dem Einfall der deut- schen Truppen und deren dramatischen Erfolgen so verunsichert, dass sie nicht in Lage waren, einheitliche Konzepte zu erstellen.
21
Hesse, S. 55
22
Erwähnt in: Rings, Werner: Leben mit dem Feind. Anpassung und Widerstand in Hitlers Europa 1939- 1945, München 1979, S. 333f
23
Cooper, S. 13
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Quote paper:
M. A. Markus Renner, 1999, Die sowjetische Partisanenbewegung im Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Publishing GmbH
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