Ans ätze einer kommunalen Zeitpolitik
Gliederung
1. Einleitung - Zeitordnung als neues Politikfeld? 3
2. Analyse von Zeitverhältnissen 5
2.1 Taktgeber 5
2.2 Zeitkonflikte 7
3. Kommunale Zeitpolitik 9
3.1 Dimensionen kommunaler Zeitpolitik 9
3.2 Formen von Zeitpolitik 10
4. Fazit 11
Literatur 13
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1. Einleitung - Zeitordnung als neues Politikfeld?
Nehmen wir die existierenden, ökonomisch aufgeladenen Zeitverhältnisse hin und überlegen, wie wir deren destruktive Folgen sozialstaatlich integrieren können (Politik also als Reparaturbetrieb), oder versuchen wir, den Umgang mit Zeit den gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen anzupassen (Politik als Gestaltungsaufgabe)? Eberling & Henckel 1998
Zeit und zeitliche Koordination rücken am Anfang des 21. Jahrhunderts in unserer immer schnelllebigeren Gesellschaft in den Vordergrund. Dabei geht es nicht mehr nur um altbekanntes und offensichtliches Zeitmanagement wie Arbeitszeitvereinbarungen oder Fahrplangestaltungen. Die zunehmende Flexibilisierung und Individualisierung unserer Gesellschaft lässt Zeitkonflikte immer offensichtlicher zu Tage treten. Zeitliche Konventionen, die sich in über lange Jahre festen zeitlichen Abläufen widerspiegeln (Tagesabläufe, Wochenabläufe, etc.), verlieren rasant an Gültigkeit. Das Problematische an dieser Entwicklung ist weniger eine mangelnde Akzeptanz in der Gesellschaft für die Notwendigkeit zu einer Abkehr von tradierten Zeitabläufen als die Externalisierung der Kosten für das Zeitmanagement auf das Individuum. Die Auflösung von traditionellen Zeitabläufen hat vor allem auf Familien und soziale Gruppen destruktive Auswirkungen, soziale Strukturen werden durch die fehlenden gemeinsamen zeitlichen Konventionen in einen Arhythmus gebracht und letztlich durch die fehlende gemeinsame Zeitbasis zerstört oder zumindest nachhaltig negativ beeinflusst. (vgl. Eberling & Henckel 1998, S. 157)
Offenkundig treten hier Probleme zutage, die über kurz oder lang zum Entstehen eines neuen Politikfeldes beitragen werden bzw. müssen. Nach Eberling & Henckel entstehen neue Politikfelder oft durch die Veränderung von Bedingungen und Zuständen, die lange Zeit als selbstverständlich galten. Die durch die veränderten Bedingungen entstehenden Probleme werden zunehmend offenbarer und sensibilisieren die Bevölkerung zunehmend für das Thema. Vor allem wenn die externen Kosten für die Gesellschaft als
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solche erkannt werden, wird der Ruf nach politischen Lösungen lauter. Ein Beispiel für diesen Prozess ist die Etablierung der Umweltpolitik in der Gesellschaft seit den 1980er Jahren - die fortschreitend sichtbar werdenden Umweltprobleme und die Verknappung der Umweltgüter sensibilisierten die Gesellschaft für die Notwendigkeit zur Etablierung dieses bisher eher stiefmütterlich behandelten Politikfeldes.
In diesem Vergleich zur Umweltpolitik wird eindeutig die Frage aufgeworfen, ob wir den Wert der gesellschaftlichen Synchronität und Synchronisation - analog zum Nachdenken über ökologische Rahmenbedingungen - erst mit seinem Verschwinden begreifen oder früh genug gegensteuern werden. Erste Ansätze einer Zeitpolitik auf kommunaler Ebene (vor allen Dingen in Italien, vgl. auch Eberling & Henckel 1998, Kap. 5) lassen die Erkenntnis vermuten, dass eine bewusste Steuerung und Gestaltung von Zeiten und Zeitabläufen unumgehbar ist.
Eine kommunale Zeitpolitik kann hierbei vor allem auf die folgenden Aspekte eingehen: • Sicherung individueller Zeitautonomie (Selbstbindung der Zeit) • Erhaltung und Sicherung (ggf. Wiederherstellung) von Rhythmen und Eigenzeiten von Lebewesen, sozialen und technischen Systemen • Wahrung und Schaffung einer zeitlichen und räumlichen Differenzierung und
• Sicherung gemeinsamer Zeiten innerhalb sozialer Gruppen (v.a. Familien)
• Beachtung der Rückwirkungen von Zeitordnungen auf die Umwelt,
(vgl. Eberling & Henckel 1998, S. 159)
Eine besondere Schwierigkeit bei der Etablierung eines neuen Politikfeldes Zeit wird aber zunächst die fehlende Informationsbasis in der Öffentlichkeit darstellen. Erst wenn über Information und Analyse Zeitpolitik in ihren verschiedenen Facetten aufgezeigt wurde, kann sinnvoll über Veränderungen, Akteure und Instrumente nachgedacht werden. Dazu gehört es, Taktgeber und Zeitinteressen aufzuzeigen, Gewinner und Verlierer zu identifizieren, Konflikte aufzuzeigen sowie Grenzen und Handlungsmöglichkeiten der Zeitgestaltung deutlich zu machen. (vgl. Eberling & Henckel 1998, S. 159 f. )
Diese Hausarbeit wird sich im Sinne dieser Skizzierung einer Herangehensweise an das Thema zunächst mit der Analyse der Taktgeber und Zeitkonflikte beschäftigen (vgl. Kap. 2). In einem weiteren Schritt werden Dimensionen und Formen von Zeitpolitik kurz skizziert. Abschließend sollen im Fazit die (An)Forderungen an eine kommunale Zeitpolitik angedeutet werden.
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Arbeit zitieren:
Hilmar Schimming, 2002, Zeitpolitik in der Stadtentwicklung und Erreichbarkeitsplanung - Ansätze einer kommunalen Zeitpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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