Inhalt
1. Einleitung 3
2. Emotionen 4
a. Huhn oder Ei? 4
b. Homöostase 4
c. Eigentliche Emotionen 5
d. Hirnmechanismen 6
e. Lachen und Weinen 7
f. Im Wechselspiel: Gedanken, Gefühle und Emotionen 8
3. Gefühle 9
a. Was sind Gefühle? 9
b. Gefühle im Gehirn: der Sechste Sinn 10
c. Halluzination und Täuschung 11
d. Gefühl und Entscheidung 12
e. Soziale Homöostase 13
f. Gefühle? Wozu? 13
4. Das Leib-Seele-Problem 14
5. Damasio und Spinoza 15
6. Bibliographie 17
2
1. Einleitung
So alt der Mensch, sein Körper, sein Geist und seine Gefühle sind, so alt ist auch die Frage nach der Beschaffenheit dieser Bestandteile des menschlichen Seins und dem Selbst. Das Rätsel um unsere Gefühle ist ein grundlegendes; es weckt automatisch auch existentielle Fragen wie die nach dem Tod, der Ewigkeit und dem Sinn des Lebens - Fragen, die den Menschen an die Grenzen seines Verstandes und Wissens stoßen lassen und auf die bisher allemal Religion oder Philosophie zu antworten wussten. Um ein wenig Licht in das Dunkel an Unwissen über menschliche Phänomene wie das Bewusstsein, die Gefühle, Emotionen und den Verstand zu bringen, hat die Philosophie eine bis heute weit verbreitete und in unserer Gesellschaft noch immer vorherrschende Interpretation des menschlichen Wesens geprägt: die Dualität von Geist und Körper. Während der Körper den greifbaren organischen Teil des Menschen darstellt, ist der Geist - welchem in diesem Denken auch die Gefühle zugesprochen werden - eben nicht greifbar und biologisch erklärbar, sondern manifestiert sich in den Gedanken, Bildern, Wahrnehmungen, die uns durch den Kopf gehen. Er ist in keiner Weise physisch existent. Den Gefühlen wird jedoch nicht nur der Körper, sondern auch der Verstand entgegengesetzt. Emotionalität und Rationalität gelten - auch im heutigen Menschenbild - als unvereinbar und separat. Entscheidungen werden mit dem Verstand, mit der Vernunft, mit der Ratio gefällt. Gefühle und Emotionen stehen bei der Entscheidungsfindung eher im Wege - zumindest ist das noch eine absolut gängige Volksmeinung. Der Dualismus zwischen Körper und Geist, zwischen Gefühl und Ratio geht unter anderem zurück auf einen weltbekannten Philosophen des 17. Jahrhunderts - Descartes - und dominiert unsere Auffassung vom Mensch-Sein bis heute. Allerdings erscheint all dies langsam in einem völlig neuen Licht - dank der modernen Neurowissenschaft mit dem Neurologen Antonio Damasio an ihrer Spitze. Auf seinem Weg, die Gefühle zu erforschen und ihre Herkunft und Beschaffenheit zu erklären, gelangt auch er zu dem so genannten Leib-Seele-Problem, allerdings zu einer völlig anderen Lösung. Dies liegt an neuen neurologischen Erkenntnissen über Emotionen und Gefühle, die schließlich in ein Menschenbild münden, das den alten Dualismus von Körper und Seele ablöst. Doch nicht nur dieser Antagonismus, sondern auch der Gegensatz von Verstand und Gefühl ist nicht mehr länger haltbar, wie Damasio neurologisch begründet und beweist. Allerdings ist der Forscher so bescheiden zuzugeben, mehr noch, darauf hinzuweisen, dass nicht er allein Wegbereiter solcher Erkenntnisse ist, sondern ähnliche Ideen und Ansätze auch bei der oben noch als oppositionelle Wissenschaft deklarierten Philosophie vorzufinden sind,
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und zwar ganz besonders bei einem häufig und vor allem zu seiner Zeit verkannten und oftmals ignorierten Philosophen des 17. Jahrhunderts - Spinoza. Angelehnt an und inspiriert durch Spinoza, dem er höchste Bewunderung entgegenbringt, begibt sich Damasio in „Der Spinoza-Effekt - Wie Gefühle unser Leben bestimmen“ auf eine neurologisch-philosophische Entdeckungsreise in die Welt der menschlichen Gefühle und stößt dabei auf interessante Folgerungen für das soziale Verhalten, den praktischen Nutzen aus dem Wissen um die Beschaffenheit der Gefühle, das Bewusstsein, den Geist, sowie Ewigkeit, Gott, und - den Sinn des Lebens.
Was bedeuten Gefühle für das menschliche Leben? - so lautet Damasios Ausgangsfrage, die er im ersten Schritt mit einer weiteren Frage zu beantworten versucht: Woraus entstehen unsere Gefühle?
2. Emotionen 2.a. Huhn oder Ei?
Mit der Hauptüberschrift zu Punkt 2 ist die darüber stehende Frage schon beantwortet. Gefühle entstehen aus Emotionen. Damasio zieht eine Trennlinie zwischen diesen beiden im alltäglichen Leben meist synonym gebrauchten Termini: „Die Emotionen treten auf der Bühne des Körpers auf, die Gefühle auf der Bühne des Geistes“. 1 Emotionen sind sichtbar für Außenstehende; Gefühle bleiben verborgen, sie sind Vorstellungen im Gehirn. 2 Es stellt sich die berühmte Frage nach Huhn oder Ei: Was war zuerst da? Gefühle oder Emotionen? „Die Antwort ist ganz einfach: Zuerst sind da die Emotione n und dann die Gefühle, weil die Evolution zuerst die Emotionen und dann die Gefühle hervorgebracht hat“. 3 An dieser Stelle bricht Damasio zum ersten Mal mit einer standardgemäß vorherrschenden Volksmeinung, nämlich der, dass ein im Geist oder in der Seele entstehendes Gefühl durch die entsprechende Emotion nach außen gelangt. Vielmehr sind es die mehr oder weniger instinktive n Emotionen, die den Gefühlen zugrunde liegen und vorausgehen. Will man also den Gefühlen auf die Schliche kommen, muss man zunächst die Emotionen verstehen.
2.b. Homöostase
„Emotionen bestehen aus einfachen Reaktionen, die auf simple Art und Weise für das Überleben eines Organismus sorgen und sich daher in der Evolution leicht durchsetzen
1 Damasio. Der Spinoza-Effekt, S.38
2 Vgl.: Damasio. Der Spinoza-Effekt, S.38
3 Vgl.: Damasio. Der Spinoza-Effekt, S.40
4
konnten“. 4 Wie andere regulative Einrichtungen und Prozesse des Körpers sind demnach auch die Emotionen für das einfache Überleben dienlich. Grundlegende Herausforderungen des Lebens an den Körper wie die Abwehr von Krankheiten oder die Aufnahme und Verwertung von Energie werden automatisch - ohne dass sie uns bewusst werden oder von Denkprozessen abhängen - gesteuert. „Die Gesamtheit dieser Steuerungen und das gesteuerte Leben, das dadurch entsteht, lässt sich in einem einzigen Begriff zusammenfassen: Homöostase“. 5 Damasio ordnet die verschiedenen homöostatischen Mechanismen verschachtelt in verschiedenen Ebenen an, vergleichbar mit einem Baum, der sich vom einfachen Stamm und einigen niederen dicken Ästen bis zu komplizierten kleinen Verästelungen im Wipfel erstreckt. So finden sich an der Basis der menschlichen Homöostase grundlegende Prozesse wie der Stoffwechsel, das Immunsystem und Grundreflexe, auf den nächsthöheren Ebenen liegen Lust- und Schmerzverhalten (bei reibungslosem bzw. gestörtem Ablauf der Körperfunktionen) sowie Triebe und Motivationen (zum Beispiel Hunger, Durst oder Sexualität). Alle Reaktionen der verschiedenen Ebenen dienen der Steuerung des menschlichen Lebensprozesses und der Steigerung des Wohlbefindens. Das Wohlbefinden ist ein Privileg der denkenden und fühlenden Menschen - unser Körper strebt nicht nur nach bloßem Überleben, sondern gar nach einem lustvollen Überleben, einem wohlbefindlichen Leben. Und so stehen (fast) an der Spitze der homöostatischen Mechanismen die eigentlichen Emotionen: „das Kronjuwel der automatischen Steuerung von Lebensprozessen“. 6
2.c. Eigentliche Emotionen
Die Schlussfolgerung aus der Feststellung, dass Emotionen zu den homöostatischen Mechanismen gehören, ist die, dass auch sie für die vorteilhafte Regulierung der Lebensprozesse verantwortlich sind und so unser Überleben und Wohlbefinden fördern. Dies kann man jedoch in der modernen Gesellschaft von negativen Emotionen wie Furcht oder Wut kaum behaupten, denn sie führen hier in keiner Weise zu Wohlbefinden. Trotzdem haben sie sich in der Evolution durchgesetzt, da sie einst (und zum Teil auch noch heute) Leben retteten und sich so als notwendig und nützlich erwiesen.
Damasio unterscheidet insgesamt drei Arten von Emotionen: Hintergrundemotionen, primäre Emotionen und soziale Emotionen. Aufgrund des Schachtelprinzips der homöostatischen Regulierungen beschreiben die Hintergrundemotionen „die Konsequenz bestimmter Kombinationen von einfacheren regulativen Reaktionen […], die nach dem bereits
4 Damasio. Der Spinoza-Effekt, S.40
5 Damasio. Der Spinoza-Effekt, S.41
6 Damasio. Der Spinoza-Effekt, S.45
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Arbeit zitieren:
Christoph Bietz, 2004, Der Sechste Sinn - Antonio R. Damasios "Der Spinoza Effekt - Wie Gefühle unser Leben bestimmen", München, GRIN Verlag GmbH
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