Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung S.1
2 Entstehung und Entwicklung der Motopädagogik/ psychomotorischen
Erziehung S.2
3 Begriffsklärung von Motopädagogik und Psychomotorik S.5
4 Die Motopädagogik im Allgemeinen S.6
4.1 Ziele der Motopädagogik S.6
4.2 Inhalte der Motopädagogik S.7
4.3 Prinzipien der Motopädagogik S.12
5 Praktische Umsetzungsmöglichkeiten S.14
6 Motopädagogik in der Sportpädagogik S.20
7 Weiterbildungsmöglichkeiten zum Motopäden/ Motologen S.22
8 Literaturverzeichnis S.25
II
Abbildungsverzeichnis
Abb.1 Aufbau des Fachgebiets Motologie (Zimmer, 2001, S.20)
Abb.2 Handlungskompetenz als umfassende Fähigkeit (Aktionskreis Psychomotorik e.V.,1987, S. 13)
III
1 Einleitung
Es gibt heute eine Vielzahl an Therapieangeboten, von der Sprachtherapie, einer Therapie gegen Konzentrationsschwierigkeiten, bis zu der Therapie für das hyperaktive oder auch ängstliche Kind. Man könnte sagen, dass es für jedes andere Verha lten eine Therapie gibt. Auch die Psychomotorik, die als eine umfassende Therapie gilt, wird als ein Wundermittel mit Breitbandwirkung oftmals angesehen, die den für das Kind schädlichen gesellschaftlichen Veränderungen eine positive Gegenwirkung parat hat (vgl. Zimmer, 2001, S.9 ff.).
Das Großwerden in unserer Gesellschaft hat sich für unsere Kinder grundlegend verändert. Der Bewegungs- und Aktionsraum für unsere Kinder ist zu knapp geworden, sodass zweckfreies Spiel und schöpferische Muße zu kurz kommen. Durch die Mediatisierung kommt es zu einer Reizüberflutung und schulischer Dauerstress mit zu hohen Leistungserwartungen führen zu pathogenen Lernbelastungen - emotionale und soziale Aspekte kommen häufig zu kurz. So entstehen bei den Kindern Erregungs- und Gefühlsstauungen, deren Bedürfnisspannung so stark sind, dass die Kinder im hohen Maße abgelenkt, reizbar, überaktiv, unruhig, etc. sind. Eine kindgerechte Art zu einer ausgleichenden Persönlichkeitserziehung ist die Psychomotorik. Doch es entsteht die Frage, was ist die Psychomotorik überhaupt und schafft sie es wirklich, sozusagen als Breitbandantibiotikum jedes andere Verhalten bei Kindern zu korrigieren (vgl. Kiphard, 1980, S.7ff.)?
Außerdem stehen im Zusammenhang mit der Psychomotorik eine Menge anderer Begriffe, von der psychomotorischen Erziehung hin zur Motopädagogik oder Mototherapie. Welche Inhalte bzw. Bedeutungen haben diese Begriffe? Vorliegende Ausarbeitung zeigt zunächst die Entstehungsgeschichte der Begriffe und die Abgrenzungen zu einander. Im Folgenden werden dann die Grundgedanken der Motopädagogik dargestellt, als Konzept einer ganzheitlichen Erziehung und Persönlichkeitsbildung über motorische Lernprozesse im Sinne der Psychomotorik. An einigen praktischen Umsetzungsmöglichkeiten wird das Konzept erläutert und es wird dargelegt, warum die Motopädagogik für jeden Grundschullehrer Gegenstand ist im Sportunterricht. Im letzten Teil werden die Weiterbildungsmöglichkeiten zum Motopäden/ Motologen vorgestellt.
* Aus Gründen der sprachlichen Einfachheit und der leichteren Lesbarkeit schließen alle männlichen
Begriffe auch die weibliche Form mit ein.
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2 Entstehung und Entwicklung der Motopädagogik/ psychomotorischen Erziehung
In der Fachliteratur gibt es eine Vielfalt von Erscheinungsformen der Psychomotorik. Es wird deutlich, dass es die Psychomotorik nicht mehr gibt. Es gibt zu viele unterschiedliche Vorstellungen, die sich aus pädagogischer wie therapeutischer Sicht mit dem Medium Bewegung verbinden.
Auch Begriffe wie Psychomotorik, Motopädagogik, Bewegungserziehung stiften nicht gerade Klarheit, da sie schwer von einander abzugrenzen sind. Einen kurzen geschichtlichen Überblick der Psychomotorik zeigt die Entwicklung der Psychomotorik und die im Zusammenhang stehenden Begriffe.
Die Person E.J.Kiphard wird oft als Gründervater der deutschen Psychomotorik genannt. Er stellte in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Gütersl oh die Möglichkeiten einer psychisch wirksamen Bewegungstherapie fest. Kinder waren von sportlichen Übungen oft überfordert und er setzte an Stelle des Leistungsprinzips freies und unmerklich gelenktes Spielgeschehen. Die Kinder sollten ein fröhliches Miteinander erleben. Durch Beobachtungen bemerkte er, dass sich Gefühle und Affekte und jede Art des psychischen Erlebens bei den Kindern und Jugendlichen nach außen in ihrem Bewegungsverhalten ausdrückt (vgl. Zimmer 2001, S.15 ff.). So wurde der Begriff der „Psychomotorik“ gewählt, „weil durch gute Übungen im leiblichen Bereich ein besonders guter und kindgemäßer Zugang zum Psychischen gelingt“ (Aktionskreis Psychomotorik ,1987 S.3).
Die Wurzeln der deutschen Psychomotorik gehen bis ins Jahr 1955 zurück. Die Rhythmikpädagogin Charlotte Pfeffer prägte damals bereits die Begriffe „Psychomo-torische Erziehung“ und „Psychomotorische Heilerziehung“. Eine ganzheitliche Erziehung des Kindes war ihr sehr wichtig, ob geschädigt oder nicht. 1960 kam es zur ersten Veröffentlichung von Kiphard und Hünnekens, ein Kinderpsychiater in der Klinik in Gütersloh (s.o), mit dem Titel „Bewegung heilt. Psychomo-torische Übungsbehandlung bei entwicklungsverzögerten Kindern“. Kiphard definiert die Psychomotorik als „eine ganzheitlich- humanistische, entwicklungs- und kindgemäße Art der Bewegungserziehung “ (Zimmer 2001, S.16). Ziel war es, der funktional-mechanistischen Betrachtungsweise von Motorik ein ne ues bewegungspädagogisches Leitbild entgegen zu setzen. Vorträge, Tagungen usw. führten zu einem immer stärkeren Interesse bei der Fachwelt. 1974 entstand eine In-
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teressengemeinschaft, ein „ Arbeitskreis spezielle Bewegungspädagogik und psy-chomotorische Therapie“, der zur Gründung des „Aktionskreis Psychomotorik e.V.“ führte. Pädagogen, Psychologen, Ärzte und Therapeuten schlossen sich zusammen, die sich einsetzten für eine kindgerechte Persönlichkeits- und Sozialentwicklung auf der Grundlage der Entfaltung und Förderung der kindlichen Psychomotorik. Das Streben einer Lehrbarmachung der Psychomotorik führte dazu, dass versucht wurde, eine einheitliche Terminologie zu finden. Aus unterschiedlichen Theorieansätzen- u. a. aus der Entwicklungs- und Wahrnehmungspsychologie- wurde das Gebäude der „Motologie“ entworfen. Der Terminus „Motopädagogik“ entstand also im Zuge der Professionalisierung der Psychomotorik.
Im Zusammenhang mit der Konzeption des Fachgebiets wurde die Motologie als „Lehre von der Motorik als Grundlage der Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit des Menschen, ihrer Entwicklung, ihrer Störungen und deren Behandlung“ (s. Abb.1) als Oberbegriff eingeführt.
Als Anwendungsbereiche gelten Motopädagogik und Mototherapie: Motopädagogik wird dabei als, „ganzheitlich orientiertes Konzept der Erziehung durch Wahrnehmung, Erleben und Bewegen“ (s. Abb.1) verstanden, Mototherapie als „bewegungs-orientierte Methode zur Behandlung von Auffälligkeiten, Retardierung und Störung im psychomotorischen Leistungs- und/oder Verhaltensbereich (s. Abb.1)“ (Zimmer 2001, S.20).
Der Begriff „Motopädagogik“ bzw. der „Mototherapie“ verdrängten bzw. ersetzten zeitweise den Begriff der Psychomotorik. Die Begriffe „Motopädagogik“ bzw. der „Mototherapie“ wurden als praktische Anwendungsfelder der Motologie beschrieben (vgl. Zimmer 2001, S.17 ff.).
Folgende Abbildung 1 zeigt den Aufbau des Fachgebietes Motologie.
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Abbildung 1: Aufbau des Fachgebietes Motologie, Zimmer 2001, S.20 Man kann sagen, dass die Motopädagogik und die Mototherapie im Sinne der Psy-chomotorik arbeiten. Der Begriff der Psychomotorik ist aber historisch gewachsen und international gebräuchlicher. Ein Vorteil, den der Begriff der „Psychomotorik“ im Gegensatz zur Motopädagogik hat, ist, dass der Terminus der „Psyche“ ausdrücklich hinweist auf den Anteil des Wahrnehmens, Erlebens, Fühlens und Denkens bei Be-wegungshandlungen und somit die Notwendigkeit den Menschen ganzheitlich zu sehen. Laut dem Aktionskreis Psychomotorik wird der Begriff „Motopädagogik“ dem Begriff der „psychomotorischen Erziehung“ vorgezogen, da der Begriff Motorik durch
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Arbeit zitieren:
Frank Stefer, 2005, Motopädagogik / psychomotorische Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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